Beim Thema Personal Branding für Rechtsanwälte besteht oft die Annahme, man müsse einer strengen, formalen Norm entsprechen – seriös, sachlich und möglichst unauffällig. Adjektive, die wirklich Lust auf mehr machen, oder? Es scheint, als dürfe kein Platz für Persönlichkeit oder Individualität sein. Doch genau das Gegenteil ist der Fall: Erfolgreiches Personal Branding bedeutet, neben der Expertise den eigenen Charakter selbstbewusst nach außen zu tragen, bestenfalls auch einen Erinnerungswert zu schaffen. Denn mittlerweile sollte jedem Juristen bewusst sein: Mandanten wählen nicht nur aufgrund der juristischen Fachkompetenz, auch die Persönlichkeit muss passen – sonst wird es schwierig.
No Hide & Seek
Viele Anwälte und Anwältinnen denken, sie müssten einer bestimmten Erwartungshaltung gerecht werden: stets sachlich, ernst und distanziert. Während diese Haltung zweifellos Professionalität vermittelt, verwehrt sie oft den Zugang zu einer wertvollen Ressource – der eigenen Authentizität. Ein Anwalt, der sich hinter der „seriösen Fassade“ versteckt, wird als austauschbar wahrgenommen.
Ein zentrales Prinzip des Personal Branding lautet daher: Verstecken Sie niemals Ihren Charakter! Sie sind mehr als ein wandelndes Gesetzbuch; Sie sind eine Persönlichkeit mit individuellen Eigenschaften, die Sie von anderen abhebt. Der Versuch, allen gefallen zu wollen, ist zum Scheitern verurteilt. Wichtiger ist es, den richtigen Menschen beziehungsweise Mandanten zu gefallen – denjenigen, die neben Ihrer Kompetenz auch Ihre Werte und Ihren Stil schätzen. Das perfekte Fundament für eine langfristige Mandantenbeziehung.
Wer will schon jedermanns Anwalt sein?
Ein häufiger Irrglaube im Personal Branding ist die Annahme, man müsse eine möglichst breite Zielgruppe ansprechen. Doch wieder ist das Gegenteil der Fall: Wer versucht, jeden zu überzeugen, läuft Gefahr, niemanden wirklich zu erreichen. Der Schlüssel liegt in der Spezialisierung auf ein bestimmtes Thema oder eine bestimmte Nische – eine klar definierte Zielgruppe, die genau weiß, was Sie als Anwalt zu bieten haben.
Durch diese Spezialisierung positionieren Sie sich als Experte in Ihrem Bereich und ziehen Mandanten an, die nicht nur Ihre Kompetenz, sondern auch Ihre Herangehensweise und Persönlichkeit schätzen. Eine scharf (gerne auch extrascharf) definierte Marke hilft nicht nur, die richtigen Mandanten zu erreichen, sondern führt auch dazu, dass Sie weiterempfohlen werden – nicht nur aufgrund Ihrer juristischen Fähigkeiten. So entsteht eine loyale Mandantenbasis, die neben der häufig austauschbaren fachlichen Kompetenz auch von Ihrer nicht austauschbaren Persönlichkeit überzeugt ist. Diese persönliche Note ist das Herzstück eines erfolgreichen Business-Developments.
„Show me what you got“ – ohne Präsenz kein Erfolg
Authentizität allein reicht jedoch nicht aus, wenn niemand davon erfährt. Um erfolgreiches Personal Branding zu betreiben, müssen Sie sichtbar sein – sowohl online als auch offline. In einer Zeit, in der Mandanten zunehmend im Web und auf sozialen Plattformen wie LinkedIn oder mittlerweile sogar Instagram nach Anwälten suchen, ist Ihre digitale Präsenz unverzichtbar. Ebenso wichtig ist es, offline bei Fachveranstaltungen, Vorträgen oder in Publikationen aktiv zu sein.
Online
Die sozialen Medien sind die perfekte Bühne, um Ihre persönliche Marke zu präsentieren. Gerade auf LinkedIn bieten sich viele Möglichkeiten, Ihre Fachkompetenz in Kombination mit Ihrer Persönlichkeit in Szene zu setzen – ganz nach dem Motto: Mehr Charisma, weniger Kostüm. Wichtig dabei ist aber auch: Es reicht nicht, einmal ein schickes Profil anzulegen und es dann brachliegen zu lassen.
Ein gut gepflegtes LinkedIn-Profil ist wie ein Maßanzug – sitzt nur perfekt, wenn die Pflege stimmt und regelmäßig Anpassungen gemacht werden. Hier einige Tipps, wie Sie nicht nur sichtbar bleiben, sondern nachhaltig Eindruck machen:
- Aktivität statt Passivität: Ihr Profil ist Ihre digitale Visitenkarte, aber nur Aktivität bringt Ihnen wirklich Sichtbarkeit. Liken und kommentieren Sie, veröffentlichen Sie Beiträge zu aktuellen Rechtsfragen oder teilen Sie juristische Artikel. Berichten Sie anonymisiert über Fälle aus Ihrem Alltag. Geben Sie Ihren Followern wertvolle Tipps zu rechtlichen Herausforderungen. Das Ziel ist, sich konsistent und authentisch zu präsentieren, und zwar in Ihren Themen. Seien Sie nicht der stumme Beobachter – interagieren Sie, teilen Sie und kommentieren Sie Inhalte aus Ihrem Netzwerk.
- Würze, aber mit Bedacht: Ein Schuss Humor, ein gut platzierter Gedanke oder eine persönliche Anekdote verleihen Ihren Beiträgen das gewisse Etwas. Juristische Themen müssen nicht immer trocken sein – lassen Sie ruhig eine Messerspitze Kreativität einfließen, sowohl optisch als auch inhaltlich. Wenn Sie einen humorvollen Stil haben, lassen Sie diesen ruhig in Ihre Beiträge einfließen. Ein frecher Kommentar oder eine pointierte Bemerkung – solange sie zum Thema passt – wird Ihnen helfen, aufzufallen und Sympathiepunkte zu sammeln. Ein ansprechendes Profilfoto, prägnante Überschriften und ein individuell gestalteter Lebenslauf heben Sie von der Masse ab.
- Regelmäßige Pflege: Ihr Profil lebt von Aktualität. Achten Sie darauf, es regelmäßig zu pflegen – neue Erfolge, Fortbildungen oder interessante Fälle sollten nicht unter den Tisch fallen. Halten Sie Ihr Profil auf dem neuesten Stand und sorgen Sie dafür, dass es genauso dynamisch ist wie Ihre Karriere.
Offline
Auch offline gibt es zahlreiche Möglichkeiten, Ihre Expertise und Persönlichkeit sichtbar zu machen – und dabei zählt nicht, ob Sie der geborene Entertainer sind oder lieber im Hintergrund agieren. Entscheidend ist, dass Sie Ihr Wissen auf die Art und Weise in Szene setzen, die zu Ihnen passt. Netzwerktreffen, Fachmessen, Panels oder Vorträge sind keine Pflichtveranstaltungen, sondern Ihre Chance, zu trumpfen.
Beispiel Panels und Vorträge: Nehmen Sie teil, nicht nur als Zuschauer. Das ist Ihre Gelegenheit, einerseits Ihr Fachgebiet zu beleuchten und sich andererseits auch als Persönlichkeit zu präsentieren, die überzeugt – mit Klarheit, Charme oder vielleicht sogar einem Augenzwinkern. Ein bisschen Humor zur Auflockerung? Warum nicht! Denn wer sich nicht nur fachlich, sondern auch menschlich sympathisch zeigt, bleibt in Erinnerung.
Und keine Sorge: Sie müssen keine Rampensau sein, um offline Wirkung zu erzielen. Selbst wenn große Bühnen nicht Ihr Ding sind – Fachmessen, kleinere Netzwerktreffen oder Workshops bieten Ihnen die Möglichkeit, in entspannter Atmosphäre Ihre Expertise zu teilen und gleichzeitig persönliche Verbindungen aufzubauen. Ihr neues Mantra: Wert schlägt Volumen.
Fazit: Personal Branding als Motor für nachhaltiges Business-Development
Besonders im Bereich der juristischen Dienstleistungen, einem klassischen People-Business, ist Vertrauen der Schlüssel zum Erfolg. Anders als bei Produkten, die man vor dem Kauf testen kann, setzt die Inanspruchnahme von Rechtsdienstleistungen einen Vertrauensvorschuss voraus. Hier spielt Ihre Personal Brand eine entscheidende Rolle: Sie wirkt vertrauensbildend und hilft, dass Ihre Kompetenz und Persönlichkeit sichtbar werden – nicht nur für Ihre bestehenden Mandanten, sondern auch für potentielle Neukunden.
Durch eine authentische und überzeugende Personal Brand gewinnen Sie zudem an Bekanntheit und Reichweite. So stellen Sie sicher, dass Sie im „Relevant Set“ der Entscheidungsträger sind, wenn es um die Auswahl eines Rechtsbeistands geht. Ihre Marke schafft eine Verbindung und hebt Sie von der Masse ab, wodurch Sie langfristig nicht nur als fachlich kompetent, sondern auch als vertrauenswürdiger und nahbarer Partner wahrgenommen werden.
Letztlich geht es beim Personal Branding für Rechtsanwälte nicht darum, sich hinter einer makellosen juristischen Fassade zu verstecken, sondern den Mut zu haben, das Kostüm abzulegen.
Autor
Natalia Künstle
THE MARKETER, München
Senior Marketing Manager
Autor
Mareike Müller
THE MARKETER, München
Geschäftsführerin
mueller@the-marketer.de
www.the-marketer.de



