In a Nutshell: Sanierung, Restrukturierung und Insolvenz

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Die Wirtschaftsleistung in Deutschland ist im vergangenen Jahr zurückgegangen. Unsicherheiten in Bezug auf die geopolitische Lage, Preissteigerungen bei Energie und Rohstoffen, steigende Transportkosten und Verzögerungen in Lieferketten haben dazu beigetragen.

Die Zahl der Insolvenzen und Restrukturierungen ­großer Unternehmen steigt an. Dieser Trend wird sich weiter fortsetzen, so auch mit Blick auf die folgenden Top-5-­Themen:

  1. Im vergangenen Jahr haben sich Finanzierer und finanzierte Unternehmen im Rahmen von Restrukturierungen (außerhalb von Insolvenzverfahren) darauf fokussiert, über Laufzeitverlängerungen mehr Flexibilität für bestehende Finanzierungen zu schaffen („Amend & Extent“-Transaktionen) und harte Eingriffe wie etwa Forderungsverzichte zunächst zu vermeiden, um die Chancen zur Erholung der äußeren Marktbedingungen in den kommenden Jahren zu nutzen.
  2. Bei der Gestaltung von Restrukturierungen sehen wir eine zunehmende Bereitschaft, Lösungen unter Ausschluss von Gläubigerminderheiten zu verhandeln und diese ggf. auch gegen den Willen oder ohne Mitwirkung solcher Minderheitengläubiger umzusetzen. Hier kommen die dafür international zur Verfügung stehenden insolvenzvermeidenden Sanierungsverfahren zum Tragen. Die Frage von Mehrheitsverhältnissen innerhalb von Finanzierungsstrukturen als Mittel zur Interessendurchsetzung wird daher von zunehmender Relevanz für finanzierende Gläubiger.
  3. Das deutsche Restrukturierungsverfahren unter dem Gesetz über den Stabilisierungs- und Restrukturierungsrahmen für Unternehmen (StaRUG) ist bisher in erster Linie bei rein deutschrechtlich geprägten Transaktionen gefragt, schwerpunkt­mäßig bei der Restrukturierung von ­Schuldverschreibungen und Schuldscheindarlehen. Die Anzahl der „StaRUG-Verfahren“ in Deutschland hat erkennbar zugenommen. Im internationalen Vergleich ist das StaRUG einem starken Wettbewerb ausgesetzt und genießt außerhalb Deutschlands eher eingeschränktes Vertrauen.
  4. Resultierend aus dem in internationalen Trans­aktionen wahrzunehmenden Drang, für eine Restrukturierung nach Großbritannien zu gehen, werden verschiedene Techniken angewandt, wie zum Beispiel die Verlagerung von Unternehmensschwerpunkten nach Großbritannien oder die nachträgliche Einbindung englischer Gesellschaften in bestehende Finanzierungen. In diesem Zusammenhang erwarten wir eine Vielzahl bisher ungetesteter Rechtsfragen.
  5. Im Bereich der Insolvenzverfahren ist es grundsätzlich ein gutes Signal, dass sich die Anzahl der Insolvenzverfahren normalisiert hat, ausgehend von einem historischen Tief in der Vergangenheit. Als besonders betroffene Branchen sind neben der ­Immobilienbranche vor allem auch die ­Bereiche Pflege und Gesundheit zu nennen, in denen die stark gestiegene Anzahl an Insolvenzen einen strukturellen Wandel ankündigt. Insoweit kommt die Dualität des Insolvenzverfahrens zum Tragen, welches sowohl Weg zur Sanierung, aber auch des Marktaustritts sein kann.

 

Autor

Dr. Sabine Vorwerk Linklaters LLP, Frankfurt am Main Partnerin, Restrukturierung und Insolvenz sabine.vorwerk@linklaters.com www.linklaters.com

Dr. Sabine Vorwerk
Linklaters LLP, Frankfurt am Main
Partnerin, Restrukturierung und Insolvenz

sabine.vorwerk@linklaters.com
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Dr. Julia Leitsch Linklaters LLP, Frankfurt am Main Rechtsanwältin, Senior Associate (Knowledge) julia.leitsch@linklaters.com www.linklaters.com

Dr. Julia Leitsch
Linklaters LLP, Frankfurt am Main
Rechtsanwältin, Senior Associate (Knowledge)

julia.leitsch@linklaters.com
www.linklaters.com