Ein etablierter deutscher Player auf Wachstumskurs

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Aus 1 mach 75, aus 1 mach 5. Vor genau 30 Jahren hat Prof. Dr. Christoph Schalast als Einzelkämpfer seine Kanzlei in Frankfurt gegründet. Heute sind es fünf Standorte in Deutschland, die Zahl der Anwälte hat sich vervielfacht. International eingebunden ist die Sozietät in das führende Netzwerk Multilaw. Das alles gibt Thomas Wegerich Anlass, mit Christoph Schalast über die Entwicklung in den vergangenen drei Jahrzehnten zu sprechen.

Deutscher AnwaltSpiegel: Die Kanzlei Schalast feiert das 30-jährige Jubiläum: Berichten Sie uns doch von den Anfängen und skizzieren Sie kurz die Entwicklung.

Prof. Dr. Christoph Schalast: Lassen Sie mich mit der Vorgeschichte beginnen. Zwischen 1992 und 1995 habe ich mit mehreren Kollegen für die Frankfurter Sozietät Brand Partnerschaft in Berlin viel für die Treuhandanstalt gearbeitet. Nach dieser Phase stellte sich die Frage, wie es weitergeht. Berlin bot zum damaligen Zeitpunkt keine echte Zukunftsoption, denn uns fehlte das lokale Netzwerk. Für mich – als gebürtiger Frankfurter – war daher schnell klar, dass ich zurückgehen wollte in meine Heimatstadt. Am 02.05.1995 habe ich dann als One-Man-Show eine Kanzlei gegründet, die sich unter anderem auf Private Equity und Non-Performing Loans konzentrierte. Das waren damals recht neue Themen, die gut zu Frankfurt passten. Der Start verlief erfolgreich. Nach einem Jahr waren bereits drei Anwälte in der Sozietät tätig.

Deutscher AnwaltSpiegel: Ihre Sozietät wächst sehr stark. Auf welche Bereiche konzentrieren Sie sich beim weiteren Ausbau? Wird es weitere Standorte geben?

Prof. Dr. Christoph Schalast: Auch hier möchte ich zunächst etwas weiter zurückblicken, weil sich unsere heutige starke Position so besser nachvollziehen lässt. In den Jahren 2004 bis 2008 erlebten wir eine starke Wachstumsphase. Wir eröffneten das Berliner Büro und wuchsen auf bis zu 25 Berufsträger. 2008 mussten wir jedoch einen herben Rückschlag hinnehmen. Das gesamte Capital-Markets-Team – acht Anwaltskollegen – verließ seinerzeit geschlossen die Sozietät. Das hat uns gezeigt: Wachstum ist wichtig, Konsolidierung ist noch wichtiger. Lessons learned. Vergleichbares ist danach nie wieder passiert. Vielmehr sind wir aus eigener Kraft kontinuierlich gewachsen.

Dynamischer verliefen dann die Jahre ab 2017. Der (inzwischen gelöste) Zusammenschluss mit CLARIUS.LEGAL, einer der ersten tech-basierten Kanzleien in Deutschland, führte zu einem Standort in Hamburg. Das war der Startschuss für unsere weitere Expansionsstrategie, die wir allerdings mit Beginn der Coronapandemie auf den Prüfstand gestellt haben. Aus heutiger Sicht war es gut und richtig, dass wir mutig waren und Opportunitäten im Markt in dieser Phase genutzt haben. So konnten wir 2021 weitere Büros in Düsseldorf und Stuttgart eröffnen.

Unsere fachlichen Schwerpunkte setzen wir in allen Offices auf Corporate/M&A sowie Banking & Finance. Gerade im Bereich Corporate/M&A sind wir in den letzten eineinhalb Jahren stark gewachsen. Wir haben jetzt die erforderliche Größe, um auch internationale Mid-Cap-Transaktionen stemmen zu können. Banking & Finance wird weiterwachsen.

Zudem setzen wir zukünftig auf zwei weitere Themen: Das öffentliche Wirtschaftsrecht – hier wird es zum 01.06.2025 etwas zu vermelden geben – und das Wirtschaftsstrafrecht, insbesondere auch Internal Investigations. Mit Philipp von Ploetz von SZA konnten wir hier erst kürzlich einen Partner für uns gewinnen.

Wichtig ist für unsere weitere Positionierung schließlich auch, dass wir in den Bereichen künstliche Intelligenz (KI), Shared Services und Business Services inzwischen auf Augenhöhe sind mit den großen Kanzleien. Unsere Kostenquote haben wir ebenfalls gut im Griff.

Wohin das alles führen soll? – Wir haben uns intern zum Ziel gesetzt, bis 2030 auf 130 Berufsträger zu wachsen. Wie viele andere schauen wir dabei natürlich auch in Richtung München. Dort führen wir regelmäßig Gespräche. Aber: München ist ein eigenes anwaltliches Eco-System. Dort würden wir nur mit vor Ort bestens vernetzten Partnern an den Start gehen.

Deutscher AnwaltSpiegel: Ihre internationale Strategie beruht vor allem auch auf der Einbindung in das Netzwerk Multilaw. Berichten Sie unseren Lesern bitte dazu.

Prof. Dr. Christoph Schalast: Bei Multilaw sind wir bereits seit 2010 Mitglied. Das Netzwerk wird für uns immer wichtiger, sowohl Inbound als auch Outbound. So konnten wir etwa eine Transaktion für Viessmann – den Erwerb von Isoplus mit über 1.500 Beschäftigen und Vertrieb in über 30 Ländern – dank Multilaw problemlos grenzüberschreitend beraten. Wir sind auch als Mitglied sehr aktiv, zum Beispiel in Gremien und Veranstaltungen. So wurden wir auch als erste Kanzlei vom Netzwerk als „Multilaw Firm of the Year“ ausgezeichnet. Multilaw ist ein sehr starkes und straff geführtes Netzwerk. Alle zwei Jahre werden die Mitgliedskanzleien evaluiert. Wer nicht performt, wird gebeten, auszutreten. Wir wickeln viel Geschäft über Multilaw ab.

Deutscher AnwaltSpiegel: Szenenwechsel – Schalast ist Gründungsmitglied des Bundesverbandes der Wirtschaftskanzleien in Deutschland (BWD). Dort leiten Sie die Task Force „Fremdbesitz“. Ein im deutschen Markt nach dem jüngsten Urteil des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) in Sachen Halmer kontrovers diskutiertes Thema. Wo stehen wir hier? Was ist zu tun?

Prof. Dr. Christoph Schalast: Vorab: Den BWD als Interessenvertretung der Wirtschaftskanzleien finden wir sehr spannend. In der Task Force „Fremdbesitz“ beispielsweise, diskutieren wir durchaus kontrovers, um es vorsichtig zu formulieren. Meine Meinung zu dem Thema ist ja im Markt bekannt: Wir sollten die Option Fremdbesitz einführen nach dem gut funktionierenden Vorbild in England. Dort gibt es eine starke Aufsichtsorganisation. Die Unabhängigkeit der Anwaltschaft ist dadurch nicht bedroht. Vielmehr geht es um eine weitere Möglichkeit im Rahmen der Berufsausübung.

Ein Blick auf die Artikel 3, 12 und 14 Grundgesetz (GG) lohnt in diesem Zusammenhang. Ebenso lohnt es, sich die aktuellen Entwicklungen im Steuerberater- und Wirtschaftsprüfermarkt anzuschauen. WTS und Afileon sind fremdfinanzierte Organisationen, die sehr erfolgreich sind.

Die jüngste EuGH-Entscheidung in Sachen Halmer war vor diesem Hintergrund eine Enttäuschung. Sie wird allerdings auch falsch interpretiert. Tatsächlich hat der nationale Gesetzgeber in Bezug auf den Fremdbesitz einen breiten Spielraum!

Deutscher AnwaltSpiegel: Lassen Sie uns in die Glaskugel schauen: Wo sehen Sie Ihre Sozietät in fünf Jahren?

Prof. Dr. Christoph Schalast: Unser Wunschzettel ist schon geschrieben. Wir haben dann hoffentlich die bereits genannten etwa 130 Berufsträger an Bord, haben ein funktionierendes weiteres Büro in München eröffnet und unsere starke Positionierung in den Kernbereichen Corporate/M&A und Banking & Finance weiter ausgebaut. Als etablierter deutscher Player sind wir dann umso mehr eine Alternative zu den noch größeren Kanzleien.

Deutscher AnwaltSpiegel: Lieber Herr Schalast, vielen Dank für diese Ein- und Ausblicke. Die zukünftige Entwicklung Ihrer Sozietät wird unsere Redaktion weiterverfolgen. 

Autor

Prof. Dr. Christoph Schalast Schalast & Partner Rechtsanwälte mbB, Frankfurt am Main Rechtsanwalt, Notar, Managing Partner

Prof. Dr. Christoph Schalast

Schalast & Partner Rechtsanwälte mbB, Frankfurt am Main
Rechtsanwalt, Notar, Managing Partner


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