Glasfasermarkt unter Druck

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Milliardeninvestitionen, geringe Nutzungsquoten und steigende Finanzierungskosten: Der deutsche Glasfasermarkt steht vor einem grundlegenden Wandel. Für viele Unternehmen kommt es jetzt darauf an, ihre Geschäftsmodelle anzupassen und frühzeitig Sanierungsoptionen zu prüfen.

Der Ausbau der Glasfaserinfrastruktur galt lange als wichtiger Wachstumsmarkt in Deutschland. Milliardenbeträge wurden investiert, neue Gebiete erschlossen und umfangreiche Netze aufgebaut. Doch inzwischen zeigt sich, dass der Ausbau allein noch kein wirtschaftlich erfolgreiches Geschäftsmodell garantiert. Viele Anschlüsse werden bislang nicht genutzt. Gleichzeitig steigen die Kosten und die Refinanzierung wird schwieriger. Für zahlreiche Netzbetreiber wächst damit der Druck.

Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Lediglich rund 27% der verfügbaren Glasfaseranschlüsse sind tatsächlich aktiviert. Nur etwa 13% der Haushalte in Deutschland verfügen über einen aktiven Glasfaseranschluss. Viele Netzbetreiber haben hohe Summen investiert, erzielen aber noch nicht die erwarteten Umsätze. Gleichzeitig laufen die Betriebs- und Finanzierungskosten weiter. Deshalb kommt es zunehmend darauf an, die vorhandenen Netze besser auszulasten.

Vom flächendeckenden Ausbau zur wirtschaftlichen Auslastung

Lange Zeit ging es beim Glasfaserausbau vor allem darum, möglichst schnell neue Gebiete zu erschließen. Die Kunden sollten anschließend folgen. Doch diese Rechnung geht bislang nicht auf. Die Wechselbereitschaft ist geringer als erwartet. Viele Haushalte sehen keinen Grund, auf Glasfaser umzusteigen, weil ihre bisherigen Internetverbindungen ausreichen.

Bei durchschnittlichen Baukosten von rund 1.950 Euro pro Anschluss und gestiegenen Finanzierungskosten wird der Ausbau zum wirtschaftlichen Risiko. Viele Unternehmen reagieren bereits darauf. Rund 88% setzen auf Kooperationen, um vorhandene Netze gemeinsam zu nutzen und weitere Investitionen zu vermeiden.

Gleichzeitig wird der Vertrieb wichtiger. Die Anbieter müssen mehr Kunden für ihre bestehenden Anschlüsse gewinnen, damit sich die Investitionen rechnen. Über niedrigere Preise lässt sich das Problem kaum lösen. Dafür sind die Margen zu gering und die Netze noch zu wenig ausgelastet. Stattdessen müssen die Unternehmen die Vermarktung stärken, wechselwillige Kunden finden und attraktive Angebote definieren.

Konsequenterweise werden Ausbaupläne angepasst. Viele Unternehmen reduzieren ihre ursprünglichen Ziele oder geben Projekte ganz auf. Teilweise ziehen sie sich aus geplanten Ausbaugebieten zurück, bevor dort überhaupt Glasfaser verlegt wurde. Neue Investitionen werden intensiv geprüft, und die Realisierung wird nur verfolgt, wenn nachweislich genügend Nachfrage besteht und sich der Ausbau wirtschaftlich lohnt.

Konsolidierung des Glasfasermarktes

Mit dem Strategiewechsel verschärfen sich zugleich die strukturellen Unterschiede zwischen den Marktteilnehmern. Neben vergleichsweise finanzstarken Netzbetreibern, die Investitionen auch unter schwierigeren Marktbedingungen finanzieren können, existieren zahlreiche kleinere und mittelgroße Anbieter, die teilweise stark fremdfinanziert sind. Gerade diese Marktteilnehmer geraten zunehmend unter Druck. Schätzungen zufolge haben die in Deutschland aktiven Glasfaserunternehmen rund 25 Milliarden Euro Fremdkapital aufgenommen. Viele Finanzierungen wurden zu einer Zeit geplant, als die Zinsen deutlich niedriger waren und die Unternehmen mit einem stärkeren Wachstum rechneten. Heute sieht die Situation anders aus: Die Baukosten sind gestiegen, die Kundengewinnung ist nicht im erwarteten Maße gelungen und höhere Zinsen erschweren die Refinanzierung.

Die Folgen sind bereits sichtbar. Erste Unternehmen mussten Insolvenz anmelden, andere haben Netzgebiete oder Beteiligungen verkauft. Auch ausländische Investoren ziehen sich teilweise zurück. Dadurch kommt es zu Übernahmen und einer Konsolidierung der Netze. Diese Entwicklung dürfte sich fortsetzen. Die Marktbereinigung muss aber nicht zwangsläufig über Insolvenzen führen. Auch Kooperationen, Zusammenschlüsse oder der Verkauf einzelner Netzgebiete können sinnvolle Lösungen sein. Eine vollständige Rückzahlung der getätigten Investitionen wird in vielen Fällen nicht erfolgen.

Paralleler Ausbau verschärft Wettbewerb

Die Entwicklung wirft auch Fragen zur bisherigen Marktordnung auf. Der Glasfaserausbau sollte durch den Wettbewerb vieler privater und regionaler Anbieter vorangetrieben werden. Doch nicht alle Unternehmen haben die gleichen finanziellen Möglichkeiten. Ein Problem ist der parallele Ausbau. In manchen Regionen bauen mehrere Anbieter eigene Glasfasernetze auf, obwohl die vorhandenen Anschlüsse noch nicht ausreichend genutzt werden. Das kostet viel Geld und verschärft den Wettbewerb um Kunden. Gerade kleinere Netzbetreiber geraten dadurch unter Druck. Sie müssen ihre hohen Investitionen refinanzieren, während große Anbieter wie die Deutsche Telekom über deutlich mehr finanzielle Mittel verfügen.

Wenn sich die Nachfrage auf mehrere Netze verteilt, sinkt die Auslastung der einzelnen Anbieter. Damit wird es noch schwieriger, die Investitionen wieder hereinzuholen. Langfristig könnte sich der Markt in einzelnen Regionen auf wenige Anbieter konzentrieren. Dort, wo sich wirtschaftlich nur ein Netz betreiben lässt, könnten sogar monopolähnliche Strukturen entstehen. Ob es dazu kommt, hängt auch von den gesetzlichen Rahmenbedingungen und möglichen Kooperationen ab. Klar ist aber: Der parallele Ausbau mehrerer Netze stößt zunehmend an wirtschaftliche Grenzen.

Sanierung beginnt mit realistischer Bestandsaufnahme

Für die Netzbetreiber stellt sich die Frage, wie sie ihre wirtschaftliche Zukunft sichern können. Dafür müssen sie ihre bisherige Strategie und ihr Geschäftsmodell überprüfen. Entscheidend ist nicht mehr allein, wie viele Haushalte erschlossen wurden, sondern ob sich die vorhandenen Netze wirtschaftlich betreiben lassen. Dazu müssen die Unternehmen die Tragfähigkeit der Projekte und damit die Frage nach dem Eigenbetrieb der Netzgebiete kritisch prüfen. Eine Quersubventionierung der Finanzierungskosten kann bei zunehmendem Alternativangebot ohne zeitnahe Erreichbarkeit eines „Break-even“ keine Lösung darstellen.

Je nach wirtschaftlicher Lage kommt eine Vielzahl an Optionen in Frage. Dazu gehören die Anpassung der Ausbauplanung, die Senkung von Kosten oder eine Neuordnung der Finanzierung. Auch Kooperationen mit anderen Anbietern, der Verkauf einzelner Geschäftsbereiche oder die Suche nach einem Investor sollten geprüft werden.

Gerade im Glasfasermarkt mit den hohen Investitionen und langfristigen Finanzierungsverpflichtungen sollten Unternehmen frühzeitig handeln. Wer wirtschaftliche Probleme rechtzeitig erkennt, hat mehr Möglichkeiten, die notwendigen Maßnahmen einzuleiten und finanzielle Engpässe zu vermeiden.

Profitabilität statt Wachstum

Der deutsche Glasfasermarkt steht vor einer Konsolidierung. Langfristig wird nicht die Zahl neu gebauter Anschlüsse über den Erfolg entscheiden, sondern die Fähigkeit, bestehende Netze profitabel auszulasten. Unternehmen, die frühzeitig auf hohe Aktivierungsquoten, stabile Cashflows und effiziente Strukturen gesetzt haben, können attraktive Renditen erwirtschaften.

Wichtig ist ein realistischer Blick auf die eigene Situation. Dafür haben wir ein ganzheitliches Modell entwickelt, mit dem wir Netzbetreiber anhand ihrer operativen Leistungsfähigkeit, ihrer finanziellen Ausgangssituation und ihrer Zukunftsperspektiven systematisch einordnen. Daraus lassen sich konkrete strategische und operative Maßnahmen ableiten.

Unternehmen, die ihre Geschäftsmodelle jetzt konsequent auf Profitabilität ausrichten und notwendige Veränderungen frühzeitig angehen, haben gute Chancen, gestärkt aus der Konsolidierung hervorzugehen. 

Autor

Jakob Weyres-von Levetzow PLUTA Management GmbH, Hamburg Diplom-Kaufmann

Jakob Weyres-von Levetzow

PLUTA Management GmbH, Hamburg
Diplom-Kaufmann


management@pluta.net
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