Am 01.04.2026 beginnt eine neue Amtsperiode für den Vorstand des Bundesverbands der Wirtschaftskanzleien in Deutschland (BWD). Die Mitglieder haben in der Mitgliederversammlung am 19.03.2026 mit Dr. Philip Kempermann und Prof. Dr. Alexandra Schluck-Amend einstimmig ein neues Vorstandssprecherteam – als Nachfolge des Gründungssprecherteams mit Stefan Rizor und Prof. Dr. Thomas Wegerich – gewählt und (ebenfalls einstimmig) Philipp Reusch in den Vorstand hinzugewählt. Er ergänzt das bereits im September 2025 gewählte Gremium um die Perspektive spezialisierter Wirtschaftsboutiquen.
Der BWD-Vorstand ab 01.04.2026:
- Dr. Philip Kempermann (HEUKING), Vorstandssprecher
- Prof. Dr. Alexandra Schluck-Amend (CMS), stv. Vorstandssprecherin
- Christof Kleinmann (GvW Graf von Westphalen)
- Elisabeth Lepique (Luther)
- Philipp Reusch (reuschlaw)
- Prof. Dr. Ines Zenke (Becker Büttner Held)
Zugleich verabschiedete die Mitgliederversammlung einen Aktionsplan, der die Arbeit des Verbands in den kommenden Jahren prägen soll. Der Plan umfasst eine Reihe von Projekten, die sowohl die interne Organisation als auch die Rolle des BWD nach außen betreffen: die strukturelle wie inhaltliche Weiterentwicklung der Task Forces, neue Austauschformate innerhalb der Mitgliederschaft, eine strategischere Einbindung von Advisory und Scientific Board sowie eine aktivere interne wie externe Kommunikation und Interessenvertretung in Berlin. Dahinter steht die Frage, wie der Verband seine Rolle als Netzwerk der Wirtschaftskanzleien weiterentwickeln kann. Vor diesem Hintergrund hat Judith C. Nikolay, Geschäftsführerin des BWD, mit Philip Kempermann und Alexandra Schluck-Amend über ihre Perspektive auf den Verband gesprochen:
Liebe Alexandra, lieber Philip, Ihr beide gehört bereits dem bisherigen Vorstand an. Die Mitgliederversammlung hat Euch zum neuen Vorstandssprecherteam gewählt. Was ist der Grund für Euer erweitertes Engagement?
Philip Kempermann: Ich bin seit den Anfängen des BWD 2021 in Bensberg überzeugt davon, dass es gut ist, dass die Wirtschaftskanzleien in Deutschland eine Interessenvertretung haben. Die deutsche Wirtschaft insgesamt, aber auch die Wirtschaftskanzleien sehen einer herausfordernden Zukunft entgegen. Die möchte ich im Verband mitgestalten – und das lässt sich am besten durch aktive Mitwirkung tun.
Liebe Alexandra, was waren Deine Beweggründe?
Alexandra Schluck-Amend: Der BWD kann im politischen Berlin dazu beitragen, dass die Gesetzgebung wirtschaftsfreundlicher und Bürokratie abgebaut wird. So brauchen wir als wirtschaftsberatende und dienstleistungsorientierte Anwaltskanzleien bespielweise eine flexiblere Regelung bei den Arbeitszeiten. Auch liegt mir die Weiterentwicklung der Mitarbeitenden in Wirtschaftskanzleien am Herzen. Gerne will ich hier aktiv beitragen.
Viele Mitglieder kennen Euch beide schon länger – auch aus der Arbeit im BWD. Wenn Ihr selbst auf Eure bisherigen Berührungspunkte mit dem Verband zurückblickt: Welches Engagement im BWD könnt Ihr Kolleginnen und Kollegen empfehlen?
Sich einbringen bei den Mitmachformaten: Management 360 Grad und in unseren Task Forces. Wer dabei ist, bekommt mit, was es Aktuelles für Kanzleien gibt und wie andere damit umgehen. Damit kann jeder informierter die eigene Kanzlei steuern und verwalten. Und die Geschäftsstelle kann auf dieser Basis gemeinsam mit den Mitgliedern in den Task Forces die Positionen des Verbands entwickeln und nach außen kommunizieren.
Wir stehen gemeinsam am Anfang einer neuen Amtsperiode. Wenn Ihr die kommende Zeit in wenigen Worten beschreibt: Wofür soll der BWD aus Eurer Sicht stehen?
Die Stimme der Wirtschaftskanzleien in Berlin. Wir vertreten unsere Interessen unabhängig von anderen Interessen gegenüber Politik und Öffentlichkeit. Das war auch einer der wichtigsten Gründe für die Gründung des BWD.
Der BWD versteht sich als Netzwerk und Stimme der Wirtschaftskanzleien in Deutschland. Wie würdet Ihr die zukünftige Rolle des Verbands beschreiben?
Der Verband ist außerdem eine wichtige Austauschplattform für die Mitglieder, zum Beispiel dafür, wie mit der die Kanzleien betreffenden Regulierung umgegangen werden kann. Und wir suchen den Austausch mit den Kammern als unseren Aufsichtsorganen, um rechtssichere, aber gleichzeitig auch praktikable Lösungen zu finden, die den Realitäten der Wirtschaftskanzleien gerecht werden.
Was unterscheidet den BWD aus Eurer Sicht – gerade aus der Perspektive großer Wirtschaftskanzleien – von anderen Organisationen im anwaltlichen Umfeld?
Wir können uns ganz auf die Interessen der Wirtschaftskanzleien konzentrieren. Wir müssen nicht abwägen mit den – ebenfalls berechtigten – Notwendigkeiten der Kolleginnen und Kollegen in der Fläche. Das mag sich hart anhören, aber es ist doch so, dass viele Themen in größeren Einheiten anders gehandhabt werden als durch eine Kanzlei mit ein oder zwei Berufsträgern. Hier ist es wichtig, dass der Gesetzgeber und auch die Selbstverwaltung differenzierte Sichtweisen kennen.
Auf der Mitgliederversammlung wurde ein umfassender Aktionsplan vorgestellt und beschlossen. Welche Gedanken oder Ziele stehen hinter diesem Plan?
Mit dem Changekonzept werden die aktuellen Herausforderungen – sowohl (geo-)politische wie regulative als auch technische – adressiert und darüber hinaus der Netzwerk- wie auch der Interessenvertretungscharakter des BWD weiter geschärft.
Ein wichtiger Punkt ist die Weiterentwicklung der Task-Force-Struktur. Viele der bisherigen Task Forces stammen noch aus der Gründungsphase des Verbands. Warum war jetzt der richtige Zeitpunkt, hier noch einmal genauer hinzuschauen?
Wir haben vier Jahre erfolgreich in den Task Forces nach altem Zuschnitt gearbeitet. Aber das Marktumfeld und der politische Rahmen haben sich erheblich geändert. Daher war es uns wichtig, einmal innezuhalten, die bisherige Struktur zu hinterfragen und für die Zukunft neu auszurichten.
Die neue Struktur bündelt Themen stärker und reduziert zugleich die Zahl der Task Forces. Was erhofft Ihr Euch davon für die Arbeit des Ehrenamts im Verband?
Ein Verband lebt von der Mitwirkung seiner Mitglieder. Viele davon sind sehr engagiert. Aber wir haben festgestellt, dass wir mehr fokussieren müssen, um die Energie und die Zeit, die unsere Mitglieder einsetzen, effektiver einsetzen zu können. Wir erhoffen uns davon bessere Ergebnisse und eine höhere Wertschätzung des Einsatzes jedes Einzelnen.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf neuen Austauschformaten und Netzwerken im Verband, etwa für Kolleginnen und Kollegen aus den Rechtsanwaltskammern oder für jüngere Wirtschaftsanwältinnen und Wirtschaftsanwälte. Welche Rolle spielen solche Formate für den Verband?
Die Interessenvertretung ist nur ein Teil der Verbandsarbeit. Sie ist eher mittel- bis langfristig angelegt. Kurzfristig hilft aber auch der Erfahrungsaustausch: Wir stehen gerade im Kanzleimanagement alle vor ähnlichen Fragen und Herausforderungen. Sich darüber auszutauschen, zu erfahren, wie andere das lösen, hilft allen Mitgliedern; und zwar unabhängig von Größe oder Spezialisierungsgrad.
Und: Dieser Austausch funktioniert besser interaktiv. Die neuen Formate sollen das fördern und so Mehrwert für die Mitglieder bieten.
Der Aktionsplan sieht auch eine stärkere Kommunikation des BWD nach außen vor – etwa durch einen Relaunch der Website und eine aktivere Präsenz in sozialen Netzwerken. Warum ist dieser Schritt für den Verband wichtig?
Wer die Interessen seiner Mitglieder vertreten möchte, muss sichtbar sein. Und er muss auch attraktiv für neue Mitglieder sein. Beides lässt sich mit einer Modernisierung der Art und des Inhalts des Außenauftritts aus unserer Sicht besser erreichen.
Die bisherigen Task Forces „Erfolgshonorare“ und „Fremdbesitzverbot“ werden in einer neuen Task Force „Berufsstand“ aufgehen. Haben die beiden Themen sich erledigt, oder sehen wir hier eine neue Prioritätensetzung der Themen?
Nein, die Themen haben sich nicht erledigt. Fremdbesitzverbot ist aktueller denn je, wie wir anhand der Debatte bei den Steuerberatern sehen. Aber es gibt viele Überschneidungen, und es kommen immer wieder neue berufsrechtliche Fragen auf. Da wäre es verkürzt, wenn wir nur auf diese beiden Themen fokussieren. Die neue Aufstellung erlaubt uns, den berufsrechtlichen Rahmen und auch weitere nichtklassische berufsrechtliche, aber unseren Berufsstand betreffende Themen wie das anstehende Rentenpaket II der Bundesregierung breiter zu beleuchten.
Wirtschaftskanzleien stehen bei Sozietätenwechseln vor großen praktischen Herausforderungen. Das anwaltliche Berufsrecht gibt hier Vorgaben, der aktuelle Regierungsentwurf möchte diese praktikabler gestalten. Wie seht Ihr diese Vorschläge – wird der Wechsel „einfacher“ zu organisieren sein?
Der Vorschlag geht in die richtige Richtung. Die Widerspruchslösung macht Dinge einfacher. Aber insgesamt sollte zu hinterfragen sein, ob man aufgrund des geltenden Berufsrechts einer Berufsanfängerin in ihren ersten Arbeitsvertrag tatsächlich eine aufschiebende Bedingung reinschreiben muss, weil man noch klären muss, ob sie als Referendarin eine abstrakte Rechtsfrage in einem konkreten Mandat bearbeitet hat. Die Interessen der Mandanten müssen geschützt werden, ganz klar. Aber ob man in solch einer Konstellation tatsächlich einen Interessenkonflikt dem Sinn und Zweck der Norm nach annehmen muss, kann bezweifelt werden.
Daher sollte der Gesetzgeber zukünftig den Anwendungsbereich bei Wechseln stärker eingrenzen.
Noch eine persönlichere Frage: Worauf freut Ihr Euch als neues Vorstandssprecherteam des BWD am meisten?
Philip Kempermann: Ich freue mich auf die Zusammenarbeit im Team mit Alexandra und mit Dir, liebe Judith, als unserer Geschäftsführerin, und mit den anderen Vorstandskolleginnen und -kollegen. Die Art, wie wir Ideen entwickeln, ist inspirierend, und ich nehme davon auch immer etwas mit „nach Hause“ zu HEUKING.
Und so denke ich, dass wir gemeinsam neue Ansätze entwickeln können, um gemeinsam mit der Politik, den Kammern, aber auch anderen Verbänden die Wirtschaftskanzleien weiterbringen können.
Alexandra Schluck-Amend: Dem kann ich mich nur anschließen!


