Interview mit Dr. Andrea PanzerHeemeier und Tobias Neufeld, LL.M., von ARQIS zu dem neuen Konzept b.yond

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idigiT plus Data.Law by ARQIS = b.yond. Sie lesen diese Gleichung zum ersten Mal? Kein Wunder, denn dahinter verbirgt sich das neue Beratungskonzept der Big-Law-­Boutique Arqis an den Schnittstellen von Recht, Digitalisierung und Ethik. Thomas Wegerich sprach dazu mit Dr. Andrea Panzer-Heemeier und Tobias Neufeld.

Deutscher AnwaltSpiegel: Erklären Sie unseren Lesern bitte das Konzept und die Strategie von b.yond.

Dr. Andrea Panzer-Heemeier: Der Fokus von b.yond liegt auf der Beratung zu digitaler Ethik und Recht. Wir sind interdisziplinär aufgestellt, losgelöst von einzelnen Rechtsgebieten und nicht einmal auf Rechtsberatung alleine konzentriert. Angesichts des massiven Umbruchs in einzelnen Branchen wegen der Digitalisierung müssen Unternehmen ethisch handeln, um Produkte trotz strenger Datenschutzvorgaben entwickeln zu können oder umgekehrt innovative Produkte verantwortungsvoll voranzubringen, die unsere aktuellen Gesetze noch gar nicht erfassen (können).

Tobias Neufeld: Wir denken, dass man Rechtsberatung in Teilen neu ausrichten sollte. Denken Sie an CSR-Themen oder an ARUG II, das uns – nur als Beispiel – die Berücksichtigung nichtfinanzieller Unternehmensziele als Bestandteil der Vorstandsvergütung bringt. Nachhaltigkeit ist damit angesprochen. Das wird, auch für den Rechtsmarkt, „the next big Thing“. Von dort ist es nicht weit bis zu der Frage: Wie gehen wir um mit unseren Daten, wie mit Algorithmen? Der Stellenwert von Daten in unserem Recht und in unserer Gesellschaft ist schon heute immens.

Deutscher AnwaltSpiegel: Wie kam es zu der Zusammenarbeit mit dem Institute for Digital Transformation in Healthcare (idigiT)?

Dr. Andrea Panzer-Heemeier: Wir kannten Dr. André T. Nemat und sein Team von idigiT, das ein Spin-off der Universität Witten/Herdecke ist und über langjährige Erfahrung mit Forschungs- und Beratungsprojekten aus den Bereichen „Digital Health“ und „Digital Ethics“ verfügt. Prägend ist das Thema „Corporate Digital Responsibility“, verstanden als Operationalisierung von digitaler Ethik im Unternehmenskontext.

Tobias Neufeld: Die Brücke hinüber zu unserer Rechtsberatung schlagen wir über unser neues Konzept „Data.Law by ARQIS“. Hier bieten wir eine neue, innovative und ganzheitliche Art datenbezogener Rechtsberatung.

Deutscher AnwaltSpiegel: Und wie werden Sie b.yond neben Arqis positionieren?

Tobias Neufeld: idigiT plus Data.Law by ARQIS = b.yond. Das eine befruchtet das andere. Wir bringen die verschiedenen Kompetenzen der Partner in einem einheitlichen Portfolio zusammen. Unser Beratungsziel ist es, die digitale Verantwortung von Unternehmen sicherzustellen.

Deutscher AnwaltSpiegel: Welchen Planungsvorlauf hatten Sie, in welcher Rechtsform treten Sie gemeinsam an, wie habe ich mir b.yond operativ vorzustellen?

Dr. Andrea Panzer-Heemeier: Nach einem Planungsvorlauf von etwa einem Jahr sind wir nun im Rahmen einer Kooperation gestartet unter der gemeinsamen Marke b.yond. Der nächste Schritt ist es, die Kooperation in ein Gemeinschaftsunternehmen zu überführen.

Deutscher AnwaltSpiegel: b.yond wird sich inhaltlich beschäftigen mit der Schnittstelle digitaler Ethik und datenbezogener Rechtsfragen. Das ist neu im Rechtsmarkt in Deutschland. Schildern Sie doch bitte einige konkrete Projekte, bei denen Sie sich vorstellen können, Unternehmen zu begleiten.

Dr. Andrea Panzer-Heemeier: Für eine Reihe von Unternehmen aus den Bereichen Automotive und Healthcare loten wir bereits die ethischen Dimensionen ihrer digitalen Geschäftsentwicklung aus und zeigen einen digital-ethisch verantwortungsvollen Weg auf. Ein Beispiel: Im Automobilsektor werden aktuell Milliarden in die Verbindung von Software und Elektronikarchitektur investiert. Die Automobilkonzerne und ihre Zulieferer müssen dazu künftig enger zusammenarbeiten. Für einen Mandanten aus der Automobilbranche klären wir aktuell in einer Vorstudie die Datenschutzproblematik und planen den Lösungsweg. Das Kernprodukt von b.yond ist dabei das „Digital-Ethische Risk Assessment“ (DERA). Es handelt sich um eine Art Audit zur Erkennung digital-ethischer Risiken in den Prozessen des Unternehmens. Damit decken wir für Unternehmen erfolgreich blinde Flecken im System auf.

Tobias Neufeld: Ich kann mir für die Zukunft außerdem konkrete Projekte im Bereich Financial Services vorstellen. Hier sehe ich viele Anknüpfungspunkte zu unserem übergeordneten Thema Datenrecht und digitale Ethik.

Deutscher AnwaltSpiegel: Datenschutz, Corporate Digital Responsibility (CDR), Produkthaftung: Letztlich sind das ja sehr wertvolle Beiträge zu der gegenwärtigen – und eben immer wichtiger werdenden – Nachhaltigkeitsdebatte. Mir scheint vor allem CDR neu zu sein für den Rechtsmarkt. Bitte schildern Sie unseren Lesern doch, was genau Sie damit meinen.

Dr. Andrea Panzer-Heemeier: CDR ist die Weiterentwicklung von CSR und wird genauso Einzug in die Geschäftsführungspraxis halten. Nicht nur, weil die Gesellschaft es schlicht verlangt, sondern weil im Umkehrschluss die Einhaltung von Maßstäben der digitalen Ethik einen unmittelbaren Einfluss auf den Unternehmenswert hat. Nehmen Sie als Beispiel das neue Verbandssanktionengesetz: Es hat für das Unternehmen eine unmittelbar exkulpierende Wirkung, wenn es nachweisen kann, korrekt mit Kunden- und Mitarbeiterdaten umgegangen zu sein. Juristen werden Unternehmen in diesem Umfeld zukünftig viel umfassender beraten müssen.

Tobias Neufeld: Oder schauen Sie sich Fragen der Produktsicherheit an. Der Kunde muss verlangen können, dass das von ihm erworbene Produkt datenschutzrechtlich absolut sicher ist.

Deutscher AnwaltSpiegel: Die Big Four gehen seit einiger Zeit stark in Richtung Consulting und Digitalisierungsberatung von Rechtsabteilungen. Sind das die Wettbewerber für b.yond?

Dr. Andrea Panzer-Heemeier: Bei einigen der marktführenden Sozietäten sehen wir diese Entwicklung. Die Big Four sind hier sicherlich strategisch unterwegs, auch einige Kanzleien haben Teams mit Juristen aufgestellt für das Thema CDR.

Tobias Neufeld: Allerdings geht niemand bei der interdisziplinären Zusammensetzung des Teams so weit wie wir. Und der Ursprung dafür liegt im „Design-Thinking“, das wir bereits in unserer Fokusgruppe „Data.Law by ARQIS“ anwenden. Wir gehen Aufgaben nicht nur von der rechtlichen Lösbarkeit her an, sondern stellen das Unternehmen in den Fokus und begleiten die digitale Transformation mit kreativen Lösungen. Ein Netzwerk mit richtigen Partnern ist essentiell, vor allem für eine Big-Law-Boutique wie ARQIS, die in Boutiquengröße auf Großkanzleiniveau arbeitet.

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