Vorgestellt von: Ulla Harpen, General Counsel & Head of Legal Operations, Essen

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In der Ausgabe 04/2017 des Deutschen AnwaltSpiegels haben wir die Rubrik „Im Profil“ eröffnet. Unser Fachbeirat Michael Junge, Executive Vice President, Global Legal Department, hat die lange Jahre von ihm geleitete Rechtsabteilung der SAP SE vorgestellt. In der heutigen Ausgabe setzen wir die Reihe fort. Die Idee ist es, in loser Folge einen Blick in das Innenleben von Rechtsabteilungen zu ermöglichen. Auf der Grundlage eines immer gleichen Fragenkatalogs möchten wir dazu beitragen, eine Vergleichbarkeit herzustellen und den Rechtsmarkt an dieser Stelle transparenter zu gestalten.

Wie ist die Abteilung intern aufgestellt?

Die Corporate Function LEX der thyssenkrupp AG ist in einer globalen Matrixstruktur organisiert. Ein Global-Legal-Leadership-Team, bestehend aus den Corporate General Counsels, den General Counsels der fünf Business-Areas, den General Counsels der sechs Regionen und den Group General Counsels (GGCs), unterstützen zum einen weltweit das operative Geschäft und beraten zum anderen das Management des Konzerns auf allen Ebenen zu Fragen der Corporate Governance.

Wie viele Mitarbeiter und welche fachliche Ausrichtung gibt es?

Derzeit global rund 220 Mitarbeiter, aufgeteilt in Group General Counsels, Corporate/Business-Area/Regional General Counsels, (Senior) Counsels, (Senior) Specialists und Assistants

Fachliche Ausrichtungen:

  • Aktien-, Gesellschafts- und Kapitalmarktrecht
  • Corporate Finance
  • M&A
  • Arbeitsrecht (individual und kollektiv)
  • IT
  • Immobilienrecht
  • eine breite Palette von Themen in den Business-Areas, die vom Recht der (internationalen) Einkaufsverträge über Gewährleistungs- und Produkthaftungsfragen bis zu den Verträgen des Großanlagenbaus reicht

Wie ist das Verhältnis zu den Abteilungen Litigation und Compliance?

Litigation ist in der Rechtsabteilung integriert. Seit 01.07.2012 ist Compliance eine eigene Corporate Function innerhalb desselben Vorstandsressorts.

Wie sind die Berichtswege und Zuständigkeiten ­organisiert?

Der Group General Counsel (GGC) berichtet an den Ressortvorstand Legal & Compliance. Die General Counsels der Business-Areas, der Regionen und der Corporate Departments berichten an den GGC. Im Rahmen der Matrixstruktur findet eine Abstimmung zwischen den General Counsels der Business-Areas und der Regionen statt.

Wie und nach welchen Kriterien werden externe ­Anwaltskanzleien ausgesucht und beauftragt?

Im Rahmen von Ausschreibungen nach Leistungsbeschreibung, -paketen und -katalogen im bestehenden Panel oder über die Preferred Supplier List werden Mandate vergeben.

Welche Vergütungsmodelle praktizieren Sie mit den externen Anwaltskanzleien?

Abrechnung erfolgt primär nach alternativen Paketpreisen und Caps. Eine Abrechnung nach Stundensätzen wird nur angewandt, wenn alternative Abrechnungsmodelle nicht greifen.

Welche Bedeutung hat das Legal-Process-Outsourcing in Ihrer Abteilung?

Priorität liegt auf einer Inhouse-Betreuung. Legal-Process-Outsourcing spielt derzeit eine zu vernachlässigende Rolle.

Welche Rolle spielen IT-Systeme in Ihrer Abteilung – ­Stichworte: E-Discovery, Dokumentenmanagement, Rechnungskontrolle?

Sie gewinnen immer mehr an Bedeutung. Viele Anwendungen bestehen, werden fortentwickelt und/oder neu aufgesetzt (Tools zum Risikomanagement, Dokumentenmanagement, Template-Management). Regelwerke werden in einem konzernweiten Document-Desk gebündelt.

Welche Rolle spielen die Schiedsgerichtsbarkeit und die Mediation in Ihrem Unternehmen?

Schiedsgerichtsbarkeit wird bei Streitigkeiten aus Unternehmenskäufen oder -verkäufen und auch im Anlagenbau in Anspruch genommen. Mediation spielt eine eher untergeordnete Rolle.

Welche Veränderungen – im Rechtsmarkt und in Ihrer Abteilung – erwarten Sie in den nächsten fünf Jahren?

  • Neudefinition der Rolle des Inhouse-Juristen sowie der Struktur einer Rechtsabteilung im Hinblick auf die sich wandelnden Anforderungen in der rechtlichen Beratung sowie die notwendigen Qualifikationen in der Organisation (Stichwort: Kosteneffizienz und Digitalisierung)
  • Prüfung und Einsatz von digitalen Anwendungen, soweit möglich.
  • Weiterhin Trend zur Internationalisierung.

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