Parlamentarischer Abend des BWD

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„Als Anwältinnen und Anwälten ist uns der Austausch von Argumenten vertraut – vor Gericht, in Vertragsverhandlungen, bei Behörden. Oft geht es darum, sich mit Argumenten der Gegenseite auseinanderzusetzen und die Position des eigenen Mandanten zu vertreten. In der Politik ist es oft ähnlich.“


Mit diesen Worten eröffnete BWD-Vorstandssprecher Philip Kempermann den Parlamentarischen Abend des Bundesverbands der Wirtschaftskanzleien in Deutschland (BWD) in der Deutschen Parlamentarischen Gesellschaft in Berlin.


Rund 80 Gäste aus Wirtschaftskanzleien, Unternehmen, Wissenschaft, Verbänden und Politik waren zusammengekommen, um über aktuelle rechtspolitische und wirtschaftsrelevante Entwicklungen zu diskutieren. Doch der Abend war mehr als eine Diskussion über einzelne Gesetzgebungsvorhaben. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie Politik, Anwaltschaft und Wirtschaft auch in herausfordernden Zeiten miteinander im Gespräch bleiben können.


Wirtschaftskanzleien als Seismograph der Wirtschaft


In seiner Begrüßung stellte Philip Kempermann die Parallelen zwischen anwaltlicher und politischer Arbeit heraus. Beide leben vom Austausch von Argumenten, beide müssen unterschiedliche Interessen berücksichtigen und beide stehen vor der Aufgabe, tragfähige Lösungen zu entwickeln.


Dabei dürfe jedoch nicht aus dem Blick geraten, worauf es am Ende ankomme: „Manchmal verlieren Anwälte genauso wie Politiker dabei aus den Augen, was eigentlich zählt: vernünftige und tragfähige Kompromisse zu erarbeiten.“


Zugleich beschrieb er das Selbstverständnis des BWD. Der Verband vertrete die Interessen seiner Mitgliedskanzleien, sehe sich aber zugleich als Vermittler von Erfahrungen und Impulsen aus der Wirtschaft. „Unsere Mandanten sind die Wirtschaftsunternehmen Deutschlands. Über unsere Mandanten bekommen wir auch mit, was die Wirtschaft bewegt. Diese Impulse prägen unsere Positionen selbstverständlich mit.“


Gerade darin liegt eine besondere Stärke von Wirtschaftskanzleien: Sie erleben täglich, wie regulatorische Vorhaben in der Praxis wirken, welche Herausforderungen Unternehmen beschäftigen und an welchen Stellen gesetzgeberischer Handlungsbedarf besteht.


Praxisperspektive für die Gesetzgebung


Als Schirmherrin des Abends sprach die rechtspolitische Sprecherin der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Susanne Hierl MdB, über aktuelle Vorhaben des Rechtsausschusses des Deutschen Bundestags.


Die ehemalige Wirtschaftsanwältin gewährte dabei persönliche Einblicke in ihre Erfahrungen aus anwaltlicher Praxis und parlamentarischer Arbeit. Deutlich wurde, wie unterschiedlich die Rahmenbedingungen beider Tätigkeiten sind, und gleichzeitig, wie wertvoll die Erfahrungen der anwaltlichen Praxis für politische Entscheidungsprozesse sein können.


Besonders hob sie die Bedeutung des Austauschs mit wirtschaftsberatenden Anwältinnen und Anwälten hervor. Ihre Erfahrungen helfen dabei, die praktischen Auswirkungen gesetzgeberischer Vorhaben frühzeitig zu erkennen und Regelungen möglichst praxistauglich auszugestalten. Sie betonte, dass sie den Austausch mit dem BWD auch deswegen schätzt.


Berufsrecht, Arbeitszeitrecht und Entgelttransparenz


Im Mittelpunkt der anschließenden Paneldiskussion standen mehrere Themen, die Wirtschaftskanzleien und auch Unternehmen beschäftigen.


Unter der Moderation von Marcus Jung von der Frankfurter Allgemeinen Zeitung diskutierten Johannes Wiegelmann (CDU/CSU), Dr. Lena Gumnior (Bündnis 90/Die Grünen) und Mahmut Özdemir (SPD), allesamt Mitglieder des Rechtsausschusses des Deutschen Bundestags.


Besprochen wurden unter anderem die geplante Berufsrechtsnovelle mit den Vorschlägen des BWD bezüglich einer praxisnahen Regelung von Interessenkonflikten bei Sozietätswechseln, die Modernisierung und Flexibilisierung des Arbeitszeitrechts sowie Bereichsausnahmen für Beschäftigte in wissensintensiven Berufen wie den Wirtschaftsanwälten, gesetzgeberischer Handlungsbedarf bei Internal Investigations sowie der Zeitplan der Umsetzung der europäischen Entgelttransparenzrichtlinie.


Die Diskussion machte deutlich, dass die politischen Bewertungen einzelner Vorhaben durchaus unterschiedlich ausfallen. Gleichzeitig zeigte sie aber auch, wie wichtig der unmittelbare Austausch zwischen Politik und Praxis ist. Die praxisorientierten Wortmeldungen aus dem Publikum unterstrichen das große Interesse der Teilnehmenden, ihre Erfahrungen und Perspektiven in die Debatte einzubringen.


Der eigentliche Wert liegt im Gespräch


In ihrem Schlusswort zog BWD-Geschäftsführerin Judith C. Nikolay eine Bilanz, die über die einzelnen Sachthemen hinausreichte: „Mich freut sehr, dass wir nicht nur einzelne Themen adressiert haben, sondern miteinander ins Gespräch gekommen sind. Nicht nur auf dem Podium, sondern auch durch Wortmeldungen aus dem Publikum.“


Gerade vor dem Hintergrund zunehmend polarisierter Debatten sei dies keine Selbstverständlichkeit mehr. „Viele Debatten werden schärfer geführt, Positionen liegen zum Teil weit auseinander und Kompromissfindungen erscheinen manchmal schwieriger als noch vor einigen Jahren. Umso wichtiger wird die Fähigkeit, trotz unterschiedlicher Positionen miteinander ins Gespräch zu kommen – und im Gespräch zu bleiben.“


Zugleich verwies Judith Nikolay auf die Bedeutung des kontinuierlichen Austauschs zwischen Politik, Wirtschaftskanzleien und Wirtschaft. Die Herausforderungen der kommenden Monate – von der Umsetzung des europäischen Geldwäschepakets bis zur Entgelttransparenzrichtlinie – machten deutlich, wie wichtig dieser Dialog für alle Beteiligten bleibt.


Der Dialog wurde fortgesetzt


Mit dem offiziellen Programm endete der Abend jedoch nicht. Beim anschließenden Netzwerkteil wurden viele Diskussionen in kleinerer Runde fortgeführt. Neben den Themen des Panels standen dabei in Gesprächen mit weiteren Vertreterinnen und Vertretern der Politik unter anderem die Reform der Zivilprozessordnung, aktuelle Entwicklungen im Insolvenzrecht sowie weitere rechtspolitische Vorhaben im Mittelpunkt.


Zahlreiche Gäste nutzten die Gelegenheit, bestehende Kontakte zu vertiefen und neue Kontakte aufzubauen. Der Parlamentarische Abend 2026 hat damit einmal mehr gezeigt, welchen Wert der persönliche Austausch besitzt. Der Dialog zwischen Politik, Wirtschaftskanzleien und Wirtschaft lebt vom kontinuierlichen Austausch unterschiedlicher Perspektiven. Der BWD wird hierfür auch künftig eine Plattform bieten.

Die Bildergalerie des Parlamentarischen Abends finden Sie hier.

Autor

Judith C. Nikolay Bundesverband der Wirtschaftskanzleien in Deutschland e.V. (BWD), Berlin Geschäftsführerin

Judith C. Nikolay

Bundesverband der Wirtschaftskanzleien in Deutschland e.V. (BWD), Berlin
Geschäftsführerin


judith.nikolay@bundesverband-wirtschaftskanzleien.de
www.bundesverband-wirtschaftskanzleien.de