Die Publikationsfamilie Deutscher AnwaltSpiegel zeichnet im Rahmen ihrer großen Jahresveranstaltung im Dezember 2024 erstmalig die innovativste Rechtsabteilung sowie die innovativste Kanzlei mit den Inhouse Matters Awards aus.
Von Mitte August bis Anfang Oktober 2024 hatten die Bewerber Zeit, besonders innovative Projekte zum Themenbereich „Digitalisierung im Rechtsmarkt“ anhand eines von der Redaktion entwickelten Fragebogens vorzustellen. Anschließend unterzog die mit Prof. Dr. Madeleine Bernhardt (Bucerius Law School), Prof. Dr. Bruno Mascello (Universität St. Gallen) und Prof. Dr. Michael Smets (University of Oxford) prominent besetzte und unabhängige Jury die eingereichten Unterlagen einer strengen Prüfung.
Aus 20 hochkarätigen Bewerbungen von renommierten Unternehmen und Wirtschaftskanzleien wurden jeweils drei besonders herausragende Projekte in den beiden Kategorien nominiert. Die sechs ausgewählten Kandidaten dürfen sich am Abend des 05.12.2024 mit einem kurzen Video vor großem Publikum präsentieren, bevor es dann zur Auszeichnung der beiden Sieger im festlichen Rahmen der Frankfurt School of Finance & Management weitergeht.
Innovativste Rechtsabteilung – die Finalisten
AUDI AG: Audi Open Source Diagnostics (AOSD) 2
Das Audi Open Source Diagnostics 2 ist ein Lizenzmanagement- und -prüfungssystem für Open Source Software (OSS), das darauf abzielt, juristische Prüfungen zu automatisieren und somit einen rechtssicheren Prozess in der IT-Rechtsberatung zu gewährleisten. Angesichts der hohen Anzahl an OSS-Komponenten in modernen Softwareanwendungen ist ein umfassender Complianceprozess erforderlich, der jedoch aufgrund der Komplexität und des Arbeitsaufwands herausfordernd ist.
Die AOSD-Applikation, entwickelt von der Rechtsabteilung der AUDI AG, nutzt regelbasierte Algorithmen zur Verarbeitung von Lizenzprüfungsfällen, um manuelle Prüfungen zu reduzieren. Dies ermöglicht eine Transformation der Rolle von Rechtsanwälten, die nicht mehr bloß repetitiven Tätigkeiten nachgehen, sondern als Prozesscontroller nur bei Anomalien oder neuen Fallkonstellationen eingreifen müssen. Dadurch wird die Effizienz gesteigert und die juristische Bewertung vereinfacht.
Berliner Verkehrsbetriebe: Digitale Rechtsabteilung
Das Projekt „Digitale Rechtsabteilung“ setzt auf Kreativität und Innovation. Es basiert auf dem Konzept der „Ambidextrous Organization“ und zielt darauf ab, die Rechtsberatung effizienter zu gestalten und gleichzeitig neue Dienstleistungen zu entwickeln. Zu den erreichten Zielen gehören eine 50%ige Reduktion der externen Anwaltskosten und des Kanzleipanels sowie Transparenz und Kostenkontrolle über Mandatsbudgets durch Einsatz von CLM-Software.
Darüber hinaus werden neue Ansätze für die Mandatierung von Kanzleien, Kooperationen mit Legal-Techs, moderne Arbeitsumgebungen und die Entwicklung eines eigenen ChatBots für das Vergaberecht implementiert. Die Migration in die Cloud und der Umzug in papierlose Büros fördern zudem die Zusammenarbeit und Kreativität innerhalb der Abteilung.
Telefónica Germany: electronic Contract Approval Form (eCAF)
Die Telefónica Germany hat eine umfassende Digitalisierungsstrategie im Bereich Legal & Compliance entwickelt, die auf der Formel „projects x platforms x communities“ basiert. Ein zentrales Projekt ist das elektronische Vertragsgenehmigungsformular bzw. eCAF, das über die Digitalisierung eines klassischen Laufzettels hinausgeht und eine benutzerfreundliche Plattform zur effizienten Dokumentation von Freigaben und Vertragsdaten bietet.
Die neueste Version, eCAF 2.0, wurde als native Cloudlösung entwickelt und bietet zahlreiche Features wie ein konfigurierbares Dashboard, eine Chatfunktion, elektronische Signaturen und intelligente Notifizierungslogiken. Zudem wird eine KI-Funktion zur automatischen Erkennung von Metadaten eingeführt, um die Effizienz weiter zu steigern. Die agile Entwicklung und enge Zusammenarbeit mit den Endnutzern gewährleisten eine hohe Akzeptanz und Benutzerfreundlichkeit.
Innovativste Kanzlei – die Finalisten
A&O Shearman: ContractMatrix
Legal-Tech hat bei A&O Shearman eine lange Tradition, und das Unternehmen hat innovative Tools entwickelt, die teilweise KI-Elemente nutzen. Mit der Einführung von ContractMatrix, einem Tool, das die KI „Harvey“ verwendet, wird die Erstellung, Überprüfung und Analyse von Verträgen optimiert. Dieses Tool, das von der Markets Innovation Group (MIG) entwickelt wurde, unterstützt Anwälte und Anwältinnen, indem es Zeit spart, Kosten senkt und Risiken minimiert.
ContractMatrix steht seit Dezember 2023 auch als Software-as-a-Service (SaaS) für Mandanten zur Verfügung und ist in Microsoft Word integriert, um eine nahtlose Nutzung zu gewährleisten. Die KI-Ausgabe wird durch einen Expert-in-the-loop-Ansatz überprüft, um die Qualität und Relevanz der Vorschläge zu sichern.
Gleiss Lutz: The Last Mile
Durch innovative Projekte hat sich Gleiss Lutz als führende Wirtschaftskanzlei im Legal-Tech-Bereich etabliert. „The Last Mile“ zielt darauf ab, digitale Services über eine eigens entwickelte Plattform, die Client Collaboration Platform, effizient bereitzustellen und abzurechnen. Der Seamless Collaboration Hub ermöglicht eine einfache Konfiguration der benötigten Tools für Mandate, wodurch die Nutzung für Anwälte und Mandanten erleichtert wird.
Die Plattform ist modular aufgebaut und bietet zahlreiche integrierbare Tools, die an spezifische Mandatsanforderungen angepasst werden können, während Datenschutz- und Cybersicherheitsaspekte umfassend berücksichtigt sind. Gleiss Lutz verfolgt damit nicht nur qualitative, sondern auch klare finanzielle Ziele und positioniert sich am Markt mit dem Slogan „Limitless Solutions“.
Linklaters: ReportiQ
Die Online-Due-Diligence-Plattform ReportiQ geht über ein einfaches Datenerfassungstool hinaus und besteht aus zwei Hauptkomponenten: Die interne Plattform für Anwälte optimiert den Due-Diligence-Prozess (DD) durch effiziente Zusammenarbeit, automatisierte Berichterstellung und Anpassungsfähigkeit an Mandantenbedürfnisse. Das Mandantenportal ermöglicht den Kunden den einfachen Zugriff auf relevante Informationen und die Anpassung von Berichten.
Die Idee für ReportiQ entstand aus Mandantenfeedback und wurde von einem Kernteam entwickelt, das die Technologie mit einem kalifornischen Start-up umsetzte. Die Plattform hat bereits über 1.000 Nutzer und mehrere Transaktionen im hohen zweistelligen Milliardenbereich unterstützt, wobei die Effizienz und Qualität der DD-Berichte erheblich gesteigert wurde.
Autor
Dr. Thomas R. Wolf
F.A.Z. Business Media GmbH, Frankfurt am Main
Redakteur Rechtspublikationen


