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Mit schwäbischem Understatement in der Champions League – 60 Jahre Haver & Mailänder

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Die Stuttgarter Wirtschaftskanzlei Haver & Mailänder feiert 2025 ihr 60-jähriges Bestehen. Seit ihrer Gründung 1965 hat sich die Sozietät als feste Größe im deutschen und internationalen Wirtschaftsrecht etabliert. Mit Schwerpunkten im Gesellschafts- und M&A-Recht, Kartellrecht, Bank- und Kapitalmarktrecht sowie im Bereich Dispute-Resolution berät die Kanzlei mittelständische Unternehmen, Konzerne und Institutionen – von Stuttgart aus, mit internationaler Ausrichtung und einem zweiten Standort in Brüssel. Über die Anfänge, die Gegenwart und die Zukunft der Sozietät sprach der Deutsche AnwaltSpiegel mit den geschäftsführenden Partnern Dr. Peter Mailänder und Dr. Timo Alte sowie mit Prof. Dr. Ulrich Schnelle.

Deutscher AnwaltSpiegel: Die Kanzlei Haver & Mailänder feiert in diesem Jahr ihr 60-jähriges Jubiläum. Herr Dr. Mailänder, erzählen Sie uns von den Anfängen und der Entwicklung der Sozietät.

Dr. Peter Mailänder: Vor 60 Jahren – also 1965, mitten in den wilden Sechzigern – hat mein Vater den Schritt in die Selbständigkeit gewagt. Ohne Mandate, aber mit einer großen Portion Mut und Unternehmergeist entschied er sich gegen eine akademische Karriere und gründete gemeinsam mit Friedrich Haver am 01.07.1965 die Kanzlei Haver & Mailänder. Die Ausrichtung war von Beginn an klar: internationales Wirtschaftsrecht, Kartellrecht, Gesellschafts- und Bankrecht. Diese Schwerpunkte prägen uns bis heute. Neu hinzugekommen ist im Laufe der Jahre die Dispute-Resolution – ein Bereich, in dem wir inzwischen national und international für hervorragende Qualität stehen. Geblieben ist auch unser starker internationaler Bezug: früher mit Fokus auf Amerika und den Nahen Osten, heute vor allem auf Europa. Wir sind organisch auf rund 30 Anwälte gewachsen und haben zahlreichen Übernahmeangeboten großer angloamerikanischer Kanzleien widerstanden.

Deutscher AnwaltSpiegel: Wo steht Haver & Mailänder heute?

Dr. Timo Alte: Mit klarem Blick nach vorne haben wir die Kanzlei kontinuierlich weiterentwickelt und zukunftsorientiert ausgerichtet. Dabei bauen wir auf unsere starke Tradition und sind zugleich eine junge, moderne Kanzlei: Das Durchschnittsalter unserer Berufsträger liegt bei 45 Jahren. Wir verfügen in unseren Kernbereichen über eine ausgewogene Mischung aus Erfahrung und Nachwuchs. Was uns besonders auszeichnet, ist die enge Einbindung der Partner in die Mandatsarbeit. Unsere Mandanten haben in der Regel direkten Kontakt zu einem Partner, der das Mandat persönlich betreut. So stellen wir sicher, dass Erfahrung, Qualität und persönliche Beratung zusammenkommen. Über unsere Mandatserfolge sprechen wir traditionell zurückhaltend – unsere Mandanten wissen diese Diskretion sehr zu schätzen.

Dr. Peter Mailänder: Oder um es mit einem sportlichen Bild zu sagen: Wir halten es wie der VfB Stuttgart 2024/2025. Mit schwäbischem Understatement lassen wir uns von den vermeintlich Großen nicht einschüchtern. Wir trainieren fleißig, gewinnen wichtige Spiele, spielen in der Champions League – und bieten nationalen und internationalen Rekordmeistern freudig die Stirn.

Deutscher AnwaltSpiegel: Ihre Kanzlei konzentriert sich bewusst auf Stuttgart und Brüssel. Welche Strategie steckt dahinter?

Dr. Timo Alte: Wir sind – auch in der Pandemiezeit – eine Präsenzkanzlei geblieben. Natürlich gibt es bei uns Homeoffice und mobiles Arbeiten, aber Teamarbeit funktioniert am besten vor Ort. Über die Jahre haben wir festgestellt, dass zusätzliche Standorte – mit Ausnahme von Brüssel – keinen echten Mehrwert bieten. Zudem hat die Digitalisierung die Bedeutung physischer Standorte ohnehin stark relativiert.

Deutscher AnwaltSpiegel: Für eine mittelständische Kanzlei ist Haver & Mailänder seit langem sehr international tätig. Wie gelingt das?

Dr. Peter Mailänder: Internationalität prägt unsere Arbeit auf allen Ebenen. Unsere international ausgebildeten Anwälte bringen internationale Mandate und umgekehrt. Diese Dynamik stärkt unser Profil. Seit fast 50 Jahren sind wir Mitglied des Law Firm Networks, einem international anerkannten Verbund von rund 50 unabhängigen Kanzleien weltweit. Diese persönliche und vertrauensvolle Zusammenarbeit ist nicht nur effektiv, sondern auch ausgesprochen kollegial und erfolgreich.

Deutscher AnwaltSpiegel: Auf welche Bereiche konzentrieren Sie sich beim weiteren Ausbau der Kanzlei? Sind neue Standorte geplant?

Dr. Peter Mailänder: Weitere Standorte sind derzeit nicht geplant. Unser Fokus liegt auf der Stärkung unserer Kernbereiche – insbesondere M&A, Gesellschaftsrecht, Kartellrecht und Dispute-Resolution. Gerade im letztgenannten Bereich haben wir uns fachlich einen exzellenten Ruf erarbeitet.

Dr. Timo Alte: Zudem profitieren wir davon, dass wir als unabhängige Kanzlei deutlich weniger Konflikte in der Mandatsarbeit haben als viele Großkanzleien mit internationalen Konzernverflechtungen.

Deutscher AnwaltSpiegel: Sie sind Mitglied im Bundesverband der Wirtschaftskanzleien in Deutschland (BWD). Wie bewerten Sie die Entwicklung des Verbandes?

Prof. Dr. Ulrich Schnelle: Der BWD hat sich in kurzer Zeit als sichtbarer Player in Berlin etabliert, insbesondere bei der politischen Interessenvertretung von Wirtschaftskanzleien. Veranstaltungen wie der Parlamentarische Abend zeigen die gewachsene Präsenz. Wir schätzen den offenen Austausch zwischen den Mitgliedskanzleien – etwa beim Treffen in Bensberg – sehr. Auch das Engagement für Nachwuchsanwälte, etwa beim Barcamp, ist bemerkenswert. Natürlich hätten wir uns in manchen Bereichen, etwa bei den JUVE-Bezahlprogrammen, etwas mehr Durchsetzungskraft gewünscht. Aber insgesamt ist der BWD eine wertvolle Plattform für Vernetzung und gemeinsame Positionierung.

Deutscher AnwaltSpiegel: Digitalisierung und künstliche Intelligenz prägen derzeit den Rechtsmarkt. Wie gehen Sie damit um?

Dr. Timo Alte: Wir beobachten die Entwicklung genau und prüfen, welche Tools zu uns und unseren Mandanten passen. Es gibt bereits einige hilfreiche Anwendungen, die wir gezielt nutzen. Aber oberstes Gebot bleibt der Schutz vertraulicher Informationen – wir geben keine Mandatsdaten in Systeme ein, deren Funktionsweise nicht vollständig transparent ist. Unsere Mandanten schätzen die persönliche Beratung – KI wird sie nicht ersetzen, aber sie ist oder wird ein nützliches Werkzeug sein.

Deutscher AnwaltSpiegel: Wie fördern Sie den Nachwuchs?

Dr. Peter Mailänder: Wir lassen unsere jungen Anwältinnen und Anwälte früh Verantwortung übernehmen. Bei uns landet niemand im Hinterzimmer – jeder darf unter Anleitung eigene Bahnen schwimmen. Wir haben eine junge, engagierte Generation, die miteinander arbeitet, nicht gegeneinander. Das ist unsere Zukunft.

Deutscher AnwaltSpiegel: Lassen Sie uns in die Glaskugel schauen: Wo sehen Sie Haver & Mailänder in zwei oder in fünf Jahren?

Dr. Peter Mailänder: Wir blicken sehr zuversichtlich in die Zukunft. Unsere Kanzlei ist stabil aufgestellt, mit einem ausgewogenen Altersmix, zahlreichen Dauermandaten und spannenden Projekten. Das 60. Jubiläum war nur eine Etappe – wir freuen uns jetzt schon auf das 75. und 100. Jubiläum.

Dr. Timo Alte: Unsere Struktur ist auf Nachhaltigkeit ausgelegt. Wir sind überzeugt, dass unsere heutige junge Generation die Kanzlei erfolgreich in die Zukunft führen wird.

Deutscher AnwaltSpiegel: Liebe Herren Mailänder, Alte und Schnelle: Vielen Dank für die Einblicke, die Sie unseren Lesern gewährt haben. Wir in der Redaktion und den beteiligten Verlagen sind sehr froh darüber, Haver & Mailänder seit inzwischen 15 Jahren als Strategischen Partner an unserer Seite zu haben. – Ein im Vergleich kleines Jubiläum, aber auch ein schönes. – Auf weiterhin gute Zusammenarbeit! 

Autor

Dr. Peter Mailänder, M.C. J. (New York) Haver & Mailänder Rechtsanwälte Partnerschaft mbB Rechtsanwalt, Attorney-at-Law (New York), Partner

Dr. Peter Mailänder, M.C. J. (New York)

Haver & Mailänder Rechtsanwälte Partnerschaft mbB
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Dr. Timo Alte Haver & Mailänder Rechtsanwälte Partnerschaft mbB Rechtsanwalt, Fachanwalt für Handels- und Gesell schaftsrecht, Partner

Dr. Timo Alte

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Autor

Prof. Dr. Ulrich Schnelle, LL.M. Haver & Mailänder, Stuttgart Rechtsanwalt, Partner

Prof. Dr. Ulrich Schnelle, LL.M. (Illinois)

Haver & Mailänder Rechtsanwälte Partnerschaft mbB
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