M&A meets KI

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Im gegenwärtigen Fortschritt von Computersystemen wird der künstlichen Intelligenz (KI) eine herausragende Bedeutung zuteil. Sie schafft es, menschliche Fähigkeiten wie analytisches Denken, Planen oder adaptives Lernen zu reproduzieren. So etablierte sich etwa das prominente OpenAI-Produkt ChatGPT durch seine vielfältigen Anwendungsbereiche wie die rasante Textverarbeitung umgehend auch im Wirtschaftssektor. Ausgehend von diesem Beispiel haben zahlreiche Anbieter nun vermehrt auch fachbezogene KI-Systeme entwickelt, um spezifischen Marktbedürfnissen gerecht zu werden.

Nachfolgend werden Möglichkeiten der Nutzung solcher KI-Systeme erörtert, um M&A-Transaktionen und Tätigkeiten eines M&A-Anwalts zu erleichtern. Gleichzeitig werden sowohl der Gebrauch der Innovation als auch die praxisbezogene Herangehensweise näher beleuchtet.

Marktüberblick

Aktuelle Praxis rechtlicher KI-Nutzung

Der Einsatz von KI-Anwendungen hat sich in der juristischen Praxis etabliert und unterstützt insbesondere Recherche-, Analyse- und Dokumentationsprozesse. Dadurch können personelle Ressourcen besser eingesetzt werden. KI-Systeme wie Copilot, Harvey, Libra, Noxtua oder Luminous verbinden generative KI mit juristischem Fachwissen sowie Fachdatenbanken und finden daher insbesondere in großen Rechtsberatungs- oder Prüfungseinheiten erheblichen Anklang. Zu ihren zentralen Funktionen zählen die Auswertung und Zusammenfassung juristischer Dokumente, die rechtliche Informationsrecherche sowie die Erstellung fachbezogener Inhalte. Durch die Datenverarbeitung in geschützten Umgebungen wird zugleich die Vertraulichkeit sensibler Mandats- und Transaktionsdaten gewährleistet.

Klassifizierung theoretischer Anwendungsfelder

Gemäß Art. 3 Nr. 1 der Verordnung (EU) 2024/1689 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 13.06.2024 (KI-VO) werden der KI Fähigkeiten wie analytische Intelligenz und autonomes Handeln sowie ein adaptives, zielorientiertes Vorgehen zuerkannt.

Dabei lässt sich KI in fünf Rubriken klassifizieren:

  • Im M&A-Kontext dient „Autonomous Reasoning“ der gefilterten Auswertung von Datenbanken und virtuellen Datenräumen.
  • „Knowledge Representation“ ermöglicht die Identifikation vertraglicher Risiken.
  • „Natural Language Processing“ unterstützt die Datenanalyse und die Textgenerierung.
  • Die visuelle Aufbereitung und die Darstellung individuell modifizierter Daten erfolgen mit Hilfe der „Computer Vision“.
  • Durch kontrolliertes „Machine Learning“ trifft KI zunehmend präzisere Prognosen für Wandlungen im M&A-Bereich und erkennt Muster und Anomalien in umfangreichen Datensätzen.

Im Folgenden wird evaluiert, welchen Einfluss KI auf die einzelnen Phasen einer Transaktion ausübt.

Chancen der Nutzung von KI im Transaktionsprozess – Transaktionshelferin KI

Target-Screening

KI-gestützte Systeme ermöglichen im Target-Screening die datenbasierte Vorauswahl potentieller Investoren und die teilautomatisierte Filterung und Anfertigung einer Long List. Die identifizierten Kandidaten werden anschließend der fachlichen Bewertung von M&A-Beratern unterzogen.

Due Diligence

Die Due Diligence stellt anhand der Risikoidentifikation, der Wirtschaftlichkeitsbewertung der Transaktion sowie der Analyse potentieller Synergien einen zentralen Bestandteil von Transaktionen dar. KI-Systeme ermöglichen hierbei die schnelle Auswertung umfangreicher Daten der Zielgesellschaften und ersetzen den Einsatz großer Beraterteams. Dies steigert die Tiefe der Analyse bei gleichzeitiger Reduzierung beträchtlicher Beraterkosten. Die automatisierte Datenauswertung ermöglicht es, zunehmend Risiken („Red Flags“) aufzuspüren, die erhebliche rechtliche oder finanzielle Konsequenzen für die Transaktion haben, den Vollzug der Transaktion verzögern und/oder eine Beeinträchtigung des transaktionalen Risikoprofils zur Folge haben könnten.

Vertragsverhandlungen

KI kann auch bei der Erstellung von Vertragsklauseln und vollständigen Verträgen Hilfe leisten, indem sie einzelne Formulierungsbeispiele entwirft oder diese mit den übrigen Vertragsbestimmungen kontextualisiert. Darüber hinaus lassen sich KI-Systeme in Verhandlungssimulationen als Verhandlungsgegner oder -partner einsetzen, um intendierte Verhandlungsstrategien zu prüfen und mit Hilfe generierter Empfehlungen zu optimieren. Gleichzeitig lassen sich bereits bestehende Vertragsentwürfe anhand von Mustern oder Precedents auf mögliche und gar notwendige Anpassungen hin abgleichen.

Herausforderungen der Nutzung von KI im Transaktionsprozess

Systematische Herausforderungen

KI-Systeme sind im aktuellen Entwicklungsstadium mit spezifischen Limitationen verbunden. Darunter treten Fehlinterpretationen (KI-Bias) sowie Halluzinationen hervor, die aus unvollständigen, mangelhaften oder veralteten Daten resultieren können. Zudem weisen bestimmte KI-Systeme Tendenzen zur selektiven Verarbeitung und Gewichtung konkreter Informationen auf. Auch menschliche Fehler müssen berücksichtigt werden, da die Ergebnisqualität erheblich von der Präzision des Prompts abhängt. Der Einsatz spezialisierter, auf juristische Anwendungsfelder ausgerichteter KI-Systeme kann diese Risiken zwar nicht vollumfänglich beseitigen, jedoch erheblich reduzieren, insbesondere wenn auf umfangreiche juristische Datenbanken zurückgegriffen werden kann.

Vertraulichkeit

Des Weiteren gilt es, die durch separate NDAs (Non-Disclosure Agreements; deutsch: Geheimhaltungsvereinbarungen) oder kaufvertragsinzidente Verschwiegenheitsverpflichtungen bezweckte Vertraulichkeit zu gewährleisten. Für die maximale Leistungsfähigkeit benötigt KI umfangreiche Zugriffsberechtigungen auf Datenbestände. Daher ist eine sorgfältige, bewusste Handhabung von mandatsbezogenen und streng vertraulichen Dokumenten unabdingbar. Allgemein zugängliche KI-Systeme greifen regelmäßig auf öffentlich verfügbare Daten zurück, während M&A-relevante Informationen typischerweise nicht frei zugänglich sind und daher KI-Systemen im Trainingskontext fehlen. Durch den Einsatz von KI in geschlossenen, geschützten Systemen kann dieser Problematik begegnet werden, indem die Datenverarbeitung einzig in der sicheren, kanzleiinternen Umgebung erfolgt. Ergänzend ermöglicht das Training eigener Modelle auf kanzleispezifischen Daten eine fortlaufende Qualitätsverbesserung der Ergebnisse.

Regulatorische Beschränkungen

Um von den Vorzügen der KI-Verwendung im Transaktionsprozess zu profitieren, bedarf es der sorgfältigen Einhaltung der Pflichten und Beschränkungen aus der KI-VO sowie einer ausreichenden Compliance mit den Bestimmungen des Datenschutzes (DSGVO, BDSG) und der Cybersecurity. Diesen Anforderungen kann jedoch durch einen entsprechenden Ordnungsrahmen für die Verwendung von KI entsprochen werden.

Fazit

Resümierend birgt KI das enorme Potential, M&A-Anwälte insbesondere durch effiziente Filterung und Auswertung von großen Datenmengen sowie durch darauf basierende Handlungsempfehlungen zu unterstützen. Der Analyseumfang sowie die Effizienz der Informationsauswertung erfahren eine erhebliche Steigerung. Jedoch bleibt die Bedeutung juristischer Expertise zentral und das Know-how eines M&A-Anwalts unentbehrlich, da KI-generierte Arbeitsprodukte nicht ungeprüft übernommen werden können. KI ist daher als ergänzendes Hilfsmittel für Fachwissen und die Optimierung strategischer, innovativer Beratungen zu werten. Vor diesem Hintergrund ist der kontinuierliche Ausbau sowohl der Nutzungsmöglichkeiten als auch der individuellen KI-Kompetenzen ratsam, um auch zukünftig wettbewerbsfähig zu bleiben. Die Herausforderung wird vor allem darin bestehen, die menschliche Beurteilungsfähigkeit mittels automatisierter Prozesse zu verbessern.

Gleichzeitig steht der Gesetzgeber vor der Aufgabe, einen ausgewogenen Regulierungsrahmen zu entwickeln, der sowohl eine eindeutige rechtliche Klassifizierung von KI-Systemen im unternehmerischen Kontext als auch eine klare Zuweisung von Verantwortlichkeiten beim Einsatz dieser Technologien sicherstellt. 

Autor

Konstantin Georg Manus, LL.M. (Stellenbosch) FPS Law, Frankfurt am Main Rechtsanwalt, Senior Associate

Konstantin Georg Manus, LL.M. (Stellenbosch)

FPS Law, Frankfurt am Main
Rechtsanwalt, Senior Associate


manus@fps-law.de
www.fps-law.de


Autor

Dr. Steffen Aron FPS Law, Frankfurt am Main Rechtsanwalt, Associate

Dr. Steffen Aron

FPS Law, Frankfurt am Main
Rechtsanwalt, Associate


aron@fps-law.de
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