Der neue Korruptionswahrnehmungsindex 2025 von Transparency International

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Einführung

Die Nichtregierungsorganisation Transparency International (TI) hat am 10.02.2026 wieder den neuesten Corruption Perceptions Index (CPI) in seiner nunmehr 31. Auflage veröffentlicht („TI CPI 2025“, siehe hier). Der TI CPI misst die subjektiv wahrgenommene und in vielen Experteninterviews festgestellte Neigung zur Bestechlichkeit in Politik und öffentlicher Verwaltung in einem bestimmten Land. Die Indexierung der in dieser Version 182 Länder erfolgt anhand von Punktwerten, wobei der Höchstwert von 100 Punkten keinerlei Korruptionsneigung anzeigt und 0 Punkte im Gegensatz dazu eine als sehr stark wahrgenommene Korruptionsneigung indizieren.

Länder mit besonders niedrigen Punktwerten werden auf der TI-CPI-Weltkarte in entsprechend tiefroter Färbung angezeigt, so dass auf den ersten Blick der Charakter einer globalen Heatmap deutlich hervortritt. Augenscheinlich wird dabei erneut: Die Welt leuchtet nach wie vor eher rot als gelb. Der TI CPI 2025 schöpft wieder aus 13 Datenquellen von zwölf verschiedenen Institutionen, welche die in vielzähligen Interviews gewonnene Wahrnehmung des Korruptionsniveaus im öffentlichen Sektor in einem bestimmten Land aus den letzten zwei Jahren wiedergeben. Trotz anfänglich deutlicher Kritik hat sich der TI CPI in mehr als drei Jahrzehnten zu einem unumstrittenen internationalen De-facto-Compliancestandard bei der Identifikation und fortlaufenden Beurteilung der Risiken im Tagesgeschäft in den verschiedensten Regionen und Ländern entwickelt.

Aktuelle Trends

Wie gewohnt führt die „TI CPI 2025 Top Ten“ zum inzwischen achten Mal in Folge Dänemark mit 89 Punkten vor Finnland als Zweitplatziertem mit 88 und Singapur auf dem dritten Platz mit 84 Punkten an. Den vierten Platz teilen sich Neuseeland und Norwegen mit jeweils 81 Punkten, gefolgt von Schweden und der Schweiz auf dem gemeinsamen sechsten Platz mit jeweils 80 Punkten. Den achten Platz belegen Luxemburg und die Niederlande mit 78 Punkten. Den neuen zehnten Platz teilen sich Deutschland und Island mit jeweils 77 Punkten. Damit erzielt die Bundesrepublik zwei Punkte mehr als im Vorjahr, aber auch vier weniger als vor einem Jahrzehnt. Die unmittelbar folgenden nächsten vier EU-Staaten sind Estland und Irland auf dem zwölften Platz mit jeweils 76 Punkten sowie Österreich und Belgien mit 69 Punkten auf Platz 21. Die 27 EU-Mitgliedstaaten stagnieren wie im Vorjahr bei 62 Punkten im Schnitt, bleiben aber erneut die Region mit dem höchsten TI-CPI-Durchschnittswert weltweit. Das EU-Schlusslicht bleibt Ungarn mit nunmehr 40 Punkten auf Rang 84 – zusammen mit Staaten wie Burkina Faso, Kuba, Guayana, Nordmazedonien und Tansania.

Das Vereinigte Königreich erreicht zum Vergleich mit einem Punkt weniger als im Vorjahr 70 Punkte und damit wieder den 20. Platz. Die Vereinigten Staaten erzielen dieses Jahr mit 64 Punkten den 29. Platz – das bedeutet einen Punkt und einen Platz schlechter als im Vorjahr. Die Ende Februar 2026 bald im fünften Jahr angegriffene Ukraine verbessert sich um jeweils einen Punkt und einen Rang, landet damit auf Rang 104 mit 36 Punkten. Angreifer Russland verschlechtert sich um weitere drei Plätze bei gleichbleibenden 22 Punkten auf Rang 157 und ist das BRICS-Schlusslicht. Innerhalb dieser Ländergruppe gewinnt Brasilien einen Punkt und landet mit 35 Punkten wie im Vorjahr wieder auf Platz 107. Indien gewinnt einen Punkt und 5 Plätze (38/96). China hingegen stagniert bei Punktzahl und Rangplatz (43/76). Südafrika schließlich bleibt bei der gleichen Punktzahl, klettert aber um sechs Ränge (41/76). Die „TI CPI 2025 Bottom Ten“ beginnen auf Platz 172 mit Nordkorea und Syrien mit jeweils 15 Punkten, gefolgt von Nicaragua und Sudan mit 14 Punkten auf Rang 175. Eritrea, Libyen und Jemen belegen gemeinsam mit 13 Punkten Rang 177. Venezuela erzielt zehn Punkte und Rang 180. Ganz am Tabellenende landen Somalia und Südsudan mit neun Punkten auf Rang 181.

Der TI-CPI-Weltschnitt verschlechtert sich um einen Punkt auf lediglich 42 Punkte – erneut deutlich weniger als das rechnerisch erreichbare Höchstziel von 100 Punkten sowie der tiefste Wert seit einem Jahrzehnt. Eine überwiegende Mehrheit von 122 Ländern von insgesamt 182 erreicht im aktuellen TI CPI 2025 weniger als 50 Punkte. Seit 2012 haben sich nur 31 Länder in ihren Punktewerten verbessern können, 50 Länder verschlechterten sich und 100 Länder stagnierten. Der weltweite Trend zur steigenden Korruptionsanfälligkeit wird auch dadurch unterstrichen, dass vor einem Jahrzehnt noch zwölf Länder einen Punktwert von 80 erreichten – im aktuellen Berichtsjahr 2025 sind es dagegen nur noch ganze fünf Staaten. Insgesamt also wenig Grund zum Feiern.

Neu in dieser 31. TI-CPI-Ausgabe ist die Akzentuierung eines Zusammenhangs zwischen unterschiedlichen Regierungsformen und Korruption. So sollen laut Transparency International robuste Demokratien einen Wert von 71, eingeschränkte Demokratien 47 und nichtdemokratische Regierungen einen Schnitt von 32 Punkten erreichen. Zusätzlich führt Transparency International eine Korrelation zwischen Korruption und dem Zugang zu rechtsstaatlichen Institutionen wie der Justiz sowie zwischen Korruption und der Häufigkeit von Tötungsdelikten von Medienvertretern auf.

TI Deutschland wiederum mahnt eine nationale Antikorruptionsstrategie an und weist angesichts milliardenschwerer Sondervermögen auf bundesweit steigende Korruptionsrisiken wegen Bürokratieabbaubestrebungen hin, etwa durch das am 14.02.2026 in Kraft getretene Beschaffungsbeschleunigungsgesetz der Bundeswehr (BwBBG, BGBl. 2026, Nr. 40). Ob eine unstreitig dringend erforderliche Erleichterung von Vergabeentscheidungen jedoch tatsächlich schlechtere Korruptionswerte für Deutschland ergeben wird, muss sich in der zukünftigen Praxis erst noch zeigen.

Implementierungshinweise

Aufgrund der anhaltenden Unsicherheit der internationalen Entwicklungen – unter anderem infolge veränderter Ermittlungs- und Strafverfolgungsprioritäten in und aus den USA (insbesondere bezüglich des bald fünfzigjährigen U.S. Foreign Corrupt Practices Act FCPA 1977), eines neuen international anwendbaren Unternehmensstrafrechts aus dem Vereinigten Königreich [UK Economic Crime and Corporate Transparency Act (ECCTA) 2023 mit dem am 01.09.2025 eingeführten verschuldensunabhängigen Straftatbestand „Failure to Prevent Fraud“] oder aber der ganz aktuellen EU-Bestrebungen zu einer neuen Antikorruptionsrichtlinie vom 09.12.2025 [Vorschlag für eine Richtlinie des Europäischen Parlaments und des Rates (EU-RL 2023/0135)] mit weitgehenden Vorschlägen zur EU-weiten Harmonisierung und Schärfung des materiellen Strafrechts – sollten gerade Unternehmen mit grenzüberschreitenden Geschäftsmodellen ihre Compliancevorkehrungen zur Korruptionsprävention auf den aktuellsten Stand der Technik bringen.

Fazit

Das bedeutet, dass die neuen TI-CPI-Ergebnisse operativ in die Compliance-Management-Systeme (CMS) der Unternehmen eingepflegt werden müssen. Konkret sollten Unternehmen den TI CPI 2025 gezielt in Compliance-Risikoanalysen und Compliance-Health-Checks – also mittels CMS-Wirksamkeitsüberprüfungen – sowie in Business-Partner- oder M&A-Compliance-Due-Diligences (BPCDD) – mittels Überprüfungen von vertraglichen Geschäftspartnern oder Unternehmensübernahmetargets – umsetzen. Konsequentes, das heißt sowohl regelmäßiges als auch anlassbezogenes Compliance-Risikomanagement, das die aktuellen TI-CPI-Werte inkorporiert, bleibt auch in diesem einmal mehr bewegten neuen Jahr 2026 die verlässlichste Basis für ein zielgerichtetes Compliance-Management mit Augenmaß und bietet damit eine optimale Haftungsreduktion zugunsten von Unternehmen und Unternehmern. 

Autor

Eric Mayer GSK Stockmann, München Rechtsanwalt, Of Counsel

Eric Mayer

GSK Stockmann, München
Rechtsanwalt, Of Counsel


eric.mayer@gsk.de
www.gsk.de