Hype um ChatGPT

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ChatGPT verändert die Welt!“, „Mit ChatGPT gegen Google Bard hat der Kampf der KI begonnen“, „Juristen werden durch KI ersetzt“ – solche Schlagzeilen haben in letzter Zeit hohe Wellen geschlagen, wie viele von Ihnen mitbekommen haben werden. Doch was hat es mit dem Hype auf sich? Und welche Bedeutung und Auswirkungen haben diese auf künstlicher Intelligenz (KI) basierenden Chatbots wirklich für die Zukunft der Juristen?

Die Entwicklung von KI-Sprachmodellen, die die Grundlage für KI-Chatbots bilden, ist seit vielen Jahren im Gang und wird unter KI-Forschern und -Praktikern intensiv diskutiert. Seit der Einführung von ChatGPT (GPT: Generative Pre-trained Transformer) durch OpenAI haben KI-Sprachmodelle jedoch eine globale Bedeutung erlangt, da sie aufgrund der Chat-Schnittstelle plötzlich für jeden zugänglich sind, selbst für diejenigen, die über keine ausgefeilten Kenntnisse in puncto Trainings und Nutzung von KI-Modellen verfügt. Daher werden KI-Chatbots derzeit weltweit diskutiert – in verschiedenen Bereichen der akademischen Forschung, von einer Vielzahl von Fachleuten aus der Wirtschaft und, was besonders auffällig ist, auch von normalen Bürgern und sogar von Schülern und Schülerinnen der Oberstufe.

Zahlreiche Fragen sind darüber aufgeworfen worden, welche Bedeutung und Auswirkungen diese neuen KI-Chatbots für die Zukunft des täglichen und beruflichen Lebens haben könnten. Viele sehen große Vorteile, einige haben Zweifel, andere sind vorsichtig und sehen nicht wenige Risiken und Bedrohungen. In jedem Fall sind KI-Chatbots wahrscheinlich gekommen, um zu bleiben, und daher ist es wichtig, sie zu bewerten.

Das Rennen der KI-Chatbots

Im Allgemeinen ist ein Chatbot ein textbasiertes Dialogsystem, das als Schnittstelle zu einem technischen Dienst dient, um Audio- oder Texteingaben automatisch zu verarbeiten. Ein KI-basierter Chatbot ist, wie der Name schon sagt, mit künstlicher Intelligenz ausgestattet und verfügt über Funktionen wie Algorithmen und maschinelles Lernen. KI-Chatbots erweitern ihre eigene Wissensbasis, indem sie aus früheren Interaktionen lernen. Darüber hinaus werden KI-Chatbots häufig als digitale Assistenten eingesetzt. Bekannte Beispiele hierfür sind Siri, Amazon Alexa und Google Assistant. KI-Chatbots werden aber auch häufig als automatisierter Kundensupport auf Websites und in Messenger-Apps integriert, um einfache Antworten zu generieren. Insgesamt bieten KI-Chatbots eine effektive Möglichkeit, verschiedene Prozesse zu automatisieren und zu verbessern.

Das von der Firma OpenAI entwickelte ChatGPT-3 ist ein Sprachmodell der künstlichen Intelligenz mit einer Chatbot-Schnittstelle, die auf einer neuronalen Netzwerkarchitektur beruht. Dieser Chatbot wurde mit einer riesigen Menge an Daten trainiert und ist aufgrund seiner Schnittstelle und der dahinterstehenden Technologie in der Lage, Antworten auf Fragen bzw. Anfragen unterschiedlicher Art zu generieren und eine menschenähnliche Konversation zu simulieren.

Neben ChatGPT gibt es viele weitere generative KI-Modelle. Generative KI beschreibt jede Art von künstlicher Intelligenz, die dazu verwendet werden kann, neue Texte, Bilder, Videos, Audios, Codes oder synthetische Daten zu erstellen. Bard von Google ist derzeit der zweitbekannteste KI-Chatbot. Daneben gibt es Jasper, YouChat, Socratic und viele mehr. Angesichts des großen Hypes um ChatGPT bemühen sich Microsoft und Google darum, KI-Chatbot-Funktionen in ihre Produktreihen zu integrieren. Microsoft hat die neueste Version von ChatGPT, GPT-4, in die Bing-Suche und den Edge-Browser eingebunden. In den folgenden Monaten soll die Technologie allgemein für Office-Tools wie Word, Excel, PowerPoint und Outlook hinzugefügt werden. Gleichzeitig plant Google, Bard in seine Produkte wie Android, Chrome und Gmail einzubinden.

ChatGPT von OpenAI versus Bard von Google

Die derzeit meistdiskutierten KI-Chatbots sind ChatGPT von OpenAI und Bard von Google. Daher kann es hilfreich sein, ihre Gemeinsamkeiten und Unterschiede zu verstehen:

Erstens basieren beide KI-Chatbots auf Sprachmodellen, die auf großen Datensätzen trainiert worden sind, und beide geben über eine Chatbot-Schnittstelle Antworten in natürlicher Sprache.

Zweitens sollten die verschiedenen Sprachmodelle, auf denen die KI-Chatbots trainiert worden sind, berücksichtigt werden. Google Bard verwendet Googles internes LaMDA (Language Model for Dialogue Applications), während ChatGPT mit GPT-3, einem vergleichsweise älteren Sprachmodell, arbeitet. Im Allgemeinen gibt es mehrere führende Sprachmodelle, die derzeit von Hochschulen und Unternehmen verwendet werden, jedoch würde deren Analyse den Rahmen dieses Artikels sprengen.

Drittens unterscheiden sich auch die Datenquellen, auf denen die KI-Chatbots trainiert worden sind, erheblich. Bard kann Fragen auf der Grundlage neuerer Datensätze beantworten, da es über Google Zugang zu den neuesten Informationen aus dem Internet hat. ChatGPT hingegen kann sich nur auf seine geschulten Daten aus dem Jahr 2021 und davor beziehen, wodurch es im Hinblick auf die neuesten Forschungen und Informationen eingeschränkt ist.

Viertens weichen die beiden KI-Chatbots in ihren Chatbot-Funktionen und Anwendungsfällen voneinander ab. Während Bard ausschließlich im Zusammenhang mit der Google-Suche eingeführt worden ist und dementsprechend primär Antworten auf Suchanfragen liefert, kann ChatGPT auch eigene ausführliche Texte und Inhalte sowie funktionale Programmiercodes generieren. Die neueste Version, ChatGPT Plus, die derzeit nur kostenpflichtig erhältlich ist, kann sogar Bilder verarbeiten.

Fünftens ist die Zugänglichkeit und damit auch die Preisgestaltung der beiden KI-Chatbots sehr unterschiedlich. Derzeit kann man Google Bard kostenlos nutzen, allerdings nur, wenn man zu einer ausgewählten Gruppe von frühen Beta-Testern gehört. Daher ist die Zugänglichkeit von Bard und damit die Möglichkeit, die Anwendungsfälle, die Zuverlässigkeit und die Qualität von Google Bard zu bewerten, derzeit sehr begrenzt. Im Gegensatz dazu ist ChatGPT für jedermann zugänglich und kann überwiegend kostenlos genutzt werden, jedoch mit gewissen Einschränkungen. Zum einen ist die Anzahl der Anfragen, die ein Nutzer in einem bestimmten Zeitraum stellen kann, begrenzt, um sicherzustellen, dass die Server nicht überlastet werden. Derzeit liegt diese Grenze bei 2048 Token oder etwa 400 Wörtern pro Anfrage. Zum anderen kann es sein, dass die kostenlose Version von ChatGPT nicht immer zugänglich ist, denn wenn die ChatGPT-Website ihre Kapazitätsgrenzen erreicht, werden die kostenlosen Nutzer auf eine Warteliste gesetzt. Als zahlender Nutzer der Plus-Version von ChatGPT hingegen kann man die Warteliste überspringen.

An dieser Stelle wollen wir ChatGPT selbst die „Frage aller Fragen“ stellen:

     LECARE:

Welcher KI-Chatbot ist besser? Bard von Google oder ChatGPT von OpenAI?

     ChatGPT:

Als KI-Sprachmodell kann ich keine objektive Antwort darauf geben, welcher Chatbot besser ist, da dies letztlich von den individuellen Bedürfnissen und Vorlieben abhängt. Ich kann Ihnen jedoch einige Informationen über Google Bard und ChatGPT zur Verfügung stellen, damit Sie eine fundierte Entscheidung treffen können.

Google Bard ist ein Chatbot, der speziell dafür entwickelt worden ist, Gedichte als Antwort auf Benutzeranfragen zu erstellen. Er basiert auf Algorithmen des maschinellen Lernens und wurde auf einem großen Korpus von Gedichten trainiert, wodurch er in der Lage ist, Gedichte zu erstellen, die oft anspruchsvoll und kompliziert sind. Bard kann Gedichte in einer Vielzahl von Stilen erstellen, darunter Sonette, Haikus und freie Verse.

ChatGPT hingegen ist ein allgemeineres Sprachmodell, das darauf trainiert ist, menschenähnlichen Text zu verstehen und zu generieren, der eine breite Palette von Themen abdeckt. Es kann Fragen beantworten, sich an Unterhaltungen über eine Vielzahl von Themen beteiligen und sogar Kurzgeschichten oder Aufsätze schreiben.

Letztlich hängt die Wahl zwischen Bard und ChatGPT von Ihren spezifischen Bedürfnissen und Ihren Anforderungen an einen Chatbot ab. Wenn Sie an der Erstellung von Gedichten interessiert sind, könnte Bard die bessere Option sein. Wenn Sie nach einem Chatbot suchen, der allgemeiner einsetzbar ist und sich an einer Vielzahl von Unterhaltungen beteiligen, Informationen bereitstellen und Texte zu einer Vielzahl von Themen erstellen kann, ist ChatGPT vielleicht die bessere Wahl.

ChatGPT ist definitiv gesprächig, aber diese Antwort ist nicht korrekt. Google stellt seinen Chatbot Bard (dt.: der Barde) zwar in den Kontext von Dichtern beziehungsweise Dichtung, doch kann er weit mehr als nur Gedichte erzeugen. Dieses Beispiel trifft genau den Kern der Diskussion um ChatGPT. Einerseits ist die Raffinesse der natürlichsprachlichen Antwort und des sprachlichen Stils beeindruckend, andererseits aber auch beängstigend, da sie den Leser zu der Annahme verleiten kann, dass der Inhalt sachlich, vertrauenswürdig und zuverlässig sei.

ChatGPT – der strahlende Ritter?

Wie bereits erwähnt, sind die beeindruckendsten Eigenschaften von ChatGPT die Zugänglichkeit, die Benutzerfreundlichkeit und die Ausgereiftheit der natürlichsprachlichen Antworten – vor allem im Vergleich zu früheren KI-Lösungen, die weniger natürliche, sondern eher roboterhafte Antworten lieferten und die deutlich schwerer zugänglich und nutzbar waren.

Zu den Anwendungsfällen von ChatGPT gehören Recherchen, das Erstellen von Entwürfen und Skizzen oder Zusammenfassungen zu einer Vielzahl von Themen; im Ergebnis wird so eine Hilfestellung beim Start eines Projekts, bei der Suche nach Inspiration oder bei der Überwindung einer Schreibblockade ermöglicht. In jedem Fall aber sollten die Antworten von ChatGPT immer überprüft und gegebenenfalls korrigiert werden. Es ist sinnvoll, Chat-GPT nicht als lupenreines Allheilmittel zu betrachten, sondern als Unterstützung für die tägliche Arbeit.

Um ein wenig Abwechslung in trockene Themen und Aufgaben zu bringen, kann man ChatGPT bitten, Antworten im Stil und Tonfall berühmter Persönlichkeiten umzuschreiben. Deren Schriften sind in den Daten gespeichert, anhand derer ChatGPT trainiert worden ist. Sicherlich eine lustige Zusatzfunktion, aber für viele Kritiker stellt dies nicht unbedingt ein überzeugendes Argument in Bezug auf die Qualität der Inhalte dar.

ChatGPT – kann man ihm trauen?

Wie sich in der obigen beispielhaften Befragung von ChatGBT zeigt, kann der hochentwickelte sprachliche Stil dieses KI-Chatbots zu Missverständnissen in Hinblick auf den Wahrheitsgehalt eines generierten Textes führen. Auf den ersten Blick mögen die generierten Antworten kohärent und professionell erscheinen, bei näherer Betrachtung können sie jedoch ungeprüfte und falsche Informationen enthalten. In der Tat kann die Qualität der ChatGPT-Antworten in Bezug auf Wahrhaftigkeit, Vertrauenswürdigkeit und Zuverlässigkeit der Fakten als fragwürdig bezeichnet werden.

Zum einen kann ChatGPT derzeit nur auf eine bestehende, begrenzte Datenbank zugreifen und generiert seine Antworten auf der Grundlage der Muster, die es während seiner Trainingsprozesse gelernt hat. Darüber hinaus kann ChatGPT aus vergangenen Benutzerinteraktionen lernen, indem es eine Frage und die dazu gegebene Antwort in seiner Datenbank speichert. Auf diese Weise kann es neue und passende Antworten auf eine gestellte Anfrage generieren. Allerdings verfügt ChatGPT weder über Textverständnis- noch über Reflektionsfähigkeiten. ChatGPT hat auch keine menschenähnliche Intelligenz und kein Bewusstsein. Es kann seine Antworten nur auf Grundlage der Informationen, die es erhält, und des Modells, auf dem es basiert, erstellen. Jedoch kann es keine tatsächlichen Erfahrungen oder ein tieferes Verständnis von solchen Konzepten verarbeiten, die über die trainierten Daten hinausgehen. Außerdem verfügt ChatGPT nicht über die Kompetenz, Sachverhalte zu beurteilen und verwendete Literatur oder bestimmte Inhalte kritisch zu bewerten. Dementsprechend ist die wahre Intelligenz dieses Bots eben doch begrenzt.

Zum anderen kann die Möglichkeit von Plagiaten nicht ausgeschlossen werden, da ChatGPT Antworten generieren kann, die sehr ähnlich formuliert sein können wie die von ihm verwendeten Originalquellen.

Ferner gibt es viele Bedenken bezüglich des Missbrauchs von ChatGPT in Hinblick auf mögliche Verletzungen der Rechte an geistigem Eigentum. Nicht nur Schüler und Studenten haben ChatGPT als praktische Hilfe für ihre Hausaufgaben und Arbeiten entdeckt. Infolgedessen verwenden Pädagogen und Redakteure Tools wie GPTZero, die erkennen sollen, ob Texte von oder mit Hilfe von ChatGPT geschrieben worden sind.

Darüber hinaus macht die Undurchsichtigkeit der Quellen von ChatGPT, mittels deren Daten ChatGPT geschult ist und zu denen niemand Zugang hat, es nahezu unmöglich, die Zuverlässigkeit der Antworten von ChatGPT nachzuvollziehen. Somit können die Antworten, insbesondere aus rechtlicher Sicht, als unbrauchbar angesehen werden, da die Quellen nicht verlässlich überprüft werden können, es sei denn, man führt eigens eine unabhängige, gründliche Prüfung durch. Dies kann mit einem höheren Zeit- und Ressourcenaufwand verbunden sein, als wenn ganz ohne ChatGPT gearbeitet wird.

Zusammenfassend müssen bei der Nutzung von ChatGPT mehrere Einschränkungen berücksichtigt werden: Kann man ChatGPT in vollem Umfang vertrauen? Sicherlich derzeit nicht, denn ChatGPT befindet sich noch in der Entwicklungsphase, und die Antworten sind längst nicht ausgereift oder fehlerfrei. Um die Qualität der ChatGPT-Antworten eigenständig beurteilen zu können, sind fundierte Kenntnisse und Fachwissen erforderlich. ChatGPT kann daher nicht von heute auf morgen das Fachwissen professioneller Experten ersetzen.

Werden KI-Chatbots Juristen ersetzen?

Apropos Fachwissen: Welche Bedeutung und Auswirkungen haben KI-Chatbots für Juristen? KI-Chatbots können für Angehörige der Rechtsberufe nützlich sein. Sie bieten Vorteile wie einen schnellen und leichten Zugang zu Informationen und eine höhere Effizienz. KI-Chatbots können rasch auf eine Reihe von Quellen zugreifen, um Informationen zu bestimmten Rechtsfragen zu liefern. Sie können Urteile oder rechtliche Hinweise aus Kommentaren zusammenfassen oder einfache Verträge und Vertragsklauseln entwerfen. Auch E-Mail-Entwürfe an Mandanten oder die gegnerische Partei können mit KI-Chatbots schneller verfasst werden. Der Wert von KI-Chatbots für Juristen liegt eindeutig in der Unterstützung bei einfachen Aufgaben, die derzeit einen Großteil ihrer wertvollen Zeit in Anspruch nehmen.

Aus den zuvor beschriebenen Gründen jedoch wird das Niveau dieser Art von Unterstützung derzeit von Juristen sicherlich noch nicht als akzeptabel angesehen werden, zumal ihre Erwartungen und Anforderungen in puncto Genauigkeit, Zuverlässigkeit, Wahrhaftigkeit und Vollständigkeit insgesamt sehr hoch sind. Außerdem haben KI-Chatbots womöglich Schwierigkeiten, den jeweiligen Kontext und sprachliche Nuancen zu verstehen, wodurch ungenaue oder irreführende Antworten entstehen können. Und schließlich verfügen KI-Chatbots vermutlich nicht über derart spezielle juristische Fachkenntnisse wie ein qualifizierter Rechtsanwalt im entsprechenden Bereich und sind daher gar nicht in der Lage, spezifische juristische Fragen oder komplexe Fälle zu bearbeiten.

Zusätzlich zu beachtende Aspekte beim Einsatz von KI-Chatbots im Rahmen der juristischen Arbeit sind Vertraulichkeit des Datenschutzes und Haftung. Anwälte müssen darauf achten, dass sensible juristische Informationen bei der Verwendung eines KI-Chatbots privat und vertraulich behandelt werden. Die Vertrauensbedenken sind nicht unbegründet, denn selbst die Entwickler von KI-Chatbots weisen darauf hin, dass keine persönlichen oder vertraulichen Daten in die Chatbots eingegeben werden sollten. Der offensichtliche Grund dafür ist, dass die vertraulichen Daten automatisch von der künstlichen Intelligenz aufgenommen und für künftige Antworten verwendet werden würden. Schließlich wird ein KI-Chatbot im derzeitigen rechtlichen Umfeld nicht als juristische oder natürliche Person betrachtet. Daher werden die Nutzer von Chatbots bis auf Weiteres als allein verantwortlich für die von ihnen verwendeten und bereitgestellten Inhalte angesehen, unabhängig davon, ob die Inhalte ursprünglich von einer KI-Chatbot-Antwort stammten. Daher bleibt für Juristen die Überprüfung der Inhalte auch unter dem Gesichtspunkt der Haftung eine Notwendigkeit.

Generell ist es, wie erläutert, nicht ratsam, KI-Chatbot-Antworten im juristischen Bereich für bare Münze zu nehmen. Vielmehr sollten Nutzerinnen und Nutzer die Antworten von KI-Chatbots immer in Kombination mit fundierten Rechtskenntnissen bewerten, bevor sie diese in Anspruch nehmen. Dies ist in jedem Fall ratsam, gerade beim Einholen von Informationen juristischer Art durch Menschen, die keine Juristen sind. Angehörige der Rechtsberufe können also vorerst beruhigt davon ausgehen, dass KI-Chatbots weder menschliches Urteilsvermögen noch juristisches Fachwissen und damit in absehbarer Zeit auch Juristen selbst nicht als Hüter des Rechts ersetzen werden.

Ausblick

Insgesamt sollten Angehörige der Rechtsberufe KI-Chatbots jedoch nicht nur als fehlerhafte, unvollkommene und unzuverlässige Werkzeuge oder als Bedrohung für ihren Beruf abtun. Stattdessen sollten sie das Aufkommen von KI-Chatbots als Chance sehen und sie als ein Mittel betrachten, das ihnen helfen kann, ihre künftige Arbeitsweise zu gestalten – beispielsweise bei Aufgaben, die Juristen ohnehin gerne delegieren möchten, um rechtliche Herausforderungen maßgeschneidert und konzentriert angehen zu können und um die erhöhte Arbeitsbelastung zu bewältigen.

Abschließend sei angemerkt, dass sich viele Menschen in ihrem privaten und beruflichen Alltag auf Google, Wikipedia und juristische Datenbanken verlassen und zweifelsfrei darauf vertrauen, dass die darin enthaltenen Inhalte weitgehend korrekt sind. Angesichts des zu erwartenden Fortschritts bei großen Sprachmodellen in den nächsten Jahrzehnten könnte man sich also vorstellen, dass eines Tages auch KI-Chatbot-Antworten dieses Maß an Vertrauen genießen werden. Die Frage ist nur noch, in welchem Kontext das der Fall sein wird. Juristen könnten diesen aktiv mitgestalten, indem sie ihre eigene Rolle so modifizieren, dass Nutzer weiterhin den vertrauenswürdigen Rat von Juristen einholen, vor allem bei Angelegenheiten, an die auf besonders passgenaue Weise herangegangen werden muss. Darüber hinaus können KI-Chatbots ihrerseits Juristen bei grundlegenden Rechts-fragen unterstützen.

 

z.andreae@lecare.com

a.ovalioglu@lecare.com