„Building a new kind of law firm“

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Interview mit Rüdiger Knopf, Partner und Dr. Stefan Krüger, Partner, SJ-Berwin

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Aller guten Dinge sind … in diesem Fall: vier. Nach vorherigen Fusionsverhandlungen mit Mayer Brown, Proskauer Rose und Orrick hat SJ Berwin nun mit King & Wood Mallesons (KWM) den Wunschpartner gefunden, für den die Zustimmung der deutschen Partner „überwältigend“ war. Das ist eine sehr gute Ausgangsbasis. Und in der Tat wird es spannend sein zu beobachten, welche Marktchancen und welche strategischen Optionen sich der nun nochmals größer gewordene asiatisch-australisch-europäische Kanzleiriese auf jetzt schon (oder vermutlich auf längere Sicht gesehen: erst?) drei Kontinenten erarbeiten wird. Die Fortsetzung der erfolgreichen KWM-Story wird folgen. Uns interessieren zunächst insbesondere die Auswirkungen auf den deutschen Markt. Thomas Wegerich sprach dazu mit den SJ-Berwin-Partnern Rüdiger Knopf und Dr. Stefan Krüger.

Deutscher AnwaltSpiegel: Was bedeutet die Fusion mit King & Wood Mallesons für SJ Berwin insgesamt?

Knopf: Der Zusammenschluss von SJ Berwin mit King & Wood Mallesons wird den internationalen Anwaltsmarkt neu definieren. Ab dem 01.11.2013 wird diese Anwaltskanzlei zu den 25 führenden der Welt gehören, mit mehr als 2.700 Anwälten, davon 550 Partnern an 30 Standorten weltweit. Unser Fokus ist bislang einmalig: Asien mit der Welt und die Welt mit Asien zu verbinden. Durch den Zusammenschluss der führenden Kanzlei im asiatisch-pazifischen Raum mit der Kanzlei SJ Berwin, die in Europa und dem Nahen Osten für eine qualitativ hochwertige Beratung bekannt ist, wird international tätigen Mandanten eine einzigartige Alternative zu anderen internationalen Anwaltsfirmen geboten.

Welche Auswirkungen hat der Zusammenschluss für die deutsche Praxis?

Krüger: Dieser Zusammenschluss wird die deutsche Praxis von SJ Berwin noch weiter stärken. SJ Berwin und King & Wood Mallesons verbinden eine gemeinsame Strategie und Zielsetzung sowie Synergien im Hinblick auf Praxisbereiche und Sektoren. Wir können nun deutsche und europäische Unternehmen bei Investitionen in Asien „aus einer Hand“ beraten und umgekehrt von dem stark zunehmenden Engagement vor allem der chinesischen Investoren in Deutschland profitieren.

Stephen Kon sprach von einem „mutigen Schritt“ und davon, dass SJ Berwin jetzt am „Asian Century“ mitwirken könne. Sehen Sie das aus deutscher Sicht auch so? Und was bedeutet das konkret für die Berufsträger und für die Mandanten?

Knopf: Seit der Gründung zeichnet sich SJ Berwin durch einen ausgeprägten Innovationsgeist aus, der zum Erfolg unserer bisherigen Mandatsarbeit geführt hat. Asien ist eine der am stärksten wachsenden Wirtschaftsregionen der Welt. Das sehen wir seit Jahren an vielen Mandaten, auch in Deutschland. Durch den Zusammenschluss entsteht eine Kanzlei, die über eine hervorragende, grenzüberschreitende Transaktionspraxis verfügt und Verständnis für kulturelle Zusammenhänge hat. So werden wir den Bedürfnissen unserer Mandanten bei Investitionen in Asien gerecht.

Im Markt ist bekannt, dass SJ Berwin mehrere Anläufe für einen Merger unternommen hat – etwa mit Mayer Brown, Orrick und Proskauer Rose. Stört es Sie, dass viele bei dem KWM-Deal daher eher von einem Take-over als von einem Merger ausgehen?

Knopf: Seit Jahren wird über einen Zusammenschluss von SJ Berwin spekuliert. Wir haben immer den Standpunkt vertreten, dass wir uns nur dann für eine strategische Neuausrichtung entscheiden, wenn sie den richtigen Schritt für unsere Mandanten, Mitarbeiter und Partner darstellt. Wir haben nun einen bahnbrechenden Zusammenschluss auf den Weg gebracht, der unseren Mandanten ein Maß an Internationalität und Qualität bietet, das uns von den sonstigen weltweit tätigen Anwaltskanzleien unterscheidet. Aufgrund der Struktur dieses Zusammenschlusses – im Englischen wird er im Übrigen nicht als „merger“ sondern als „combination“ bezeichnet – kann von einem „Take-over“ gar keine Rede sein.

Ziel der vorigen Fusionsverhandlungen war es, SJ Berwin Zugang zum amerikanischen Markt zu verschaffen. Dort ist auch KWM bisher nicht vertreten. Bis wann wird sich das ändern?

Krüger: Mit diesem Zusammenschluss haben wir zunächst die Gelegenheit, die Anwaltskanzlei der Zukunft zu schaffen. Die Stärke in Asien ist einmalig für eine globale Kanzlei, damit können wir Mandanten Mehrwert bieten. Dies ist unser Fokus. Selbstverständlich betrachten wir die USA als wichtige Jurisdiktion. Wir sind aber durch diesen Zusammenschluss auch bestens aufgestellt, um unsere Mandanten bei ihren Vorhaben rund um die Welt optimal zu unterstützen.

Wie hoch war die Zustimmungsquote zu dem Deal bei SJ Berwin insgesamt, bei den deutschen Partnern, bei den anderen Firmen des KWM-Verbunds?

Krüger: Hierzu können wir keine genauen Zahlen nennen. Die Zustimmung der deutschen Partner war aber überwältigend. Ob Australier, Chinesen oder Europäer: Wir sind alle auf einer Wellenlänge und freuen uns auf die spannenden Möglichkeiten, die sich durch diesen Zusammenschluss ergeben werden.

Erwarten Sie eine verstärkte Fluktuation bei den deutschen Partnern und weiteren Berufsträgern?

Knopf: Die deutschen Partner sehen für sich, aber vor allem auch für unsere Mandanten nur Chancen. Für Partner, die verstärkt bei internationalen Mandaten tätig sind, ist der Zusammenschluss ein großer Fortschritt. Dies gilt vor allem für die Praxisbereiche und Sektoren, in denen wir hauptsächlich beraten, sei es im Investmentsektor, etwa bei den weltweit agierenden Private-Equity-Häusern oder global anlegenden Investmentfonds, oder aber auch bei M&A, Finanzierungen, internationaler Prozessführung, Steuerrecht, IP/IT, Kartellrecht, Arbeitsrecht sowie Immobilienrecht.

Wie und was haben Sie eigentlich im Vorfeld der Fusion den Key-Mandanten der Sozietät kommuniziert im Hinblick auf die ja lange bekannten Mergerverhandlungen?

Krüger: Wir stehen mit unseren Mandanten ständig in Kontakt. Und wir orientieren uns seit jeher an ihren Bedürfnissen – wir folgen nun dem Wunsch, den sie uns kommuniziert haben. „Building a new kind of law firm for you“ – für sie, die Mandanten. Wir schaffen eine echte Alternative zu den altbekannten Global Law Players. Ob Berlin, Beijing oder Brisbane: Mandanten wollen, dass wir erfahrene Teams grenzüberschreitend zusammenstellen, um sie bei ihrem Vorhaben optimal zu unterstützen, wo auch immer sie aktiv sind.

Steht schon fest, wie die Strukturen auf den internationalen Managementebenen der fusionierten Sozietät sein werden? Sind deutsche Vertreter darin vorgesehen?

Knopf: SJ Berwin wird sich am 01.11.2013 dem Netzwerk von King & Wood Mallesons anschließen. Ab diesem Zeitpunkt wird SJ Berwin ihren Kanzleinamen in King & Wood Mallesons ändern, wird aber für eine Übergangszeit als King & Wood Mallesons SJ Berwin im Vereinigten Königreich, in Kontinentaleuropa und im Nahen Osten firmieren. King & Wood Mallesons ist ein sogenannter „Swiss-Verein“, bestehend aus drei Mitgliedsfirmen: King & Wood Mallesons Hong Kong, King & Wood Mallesons Australia und King & Wood Mallesons China. Jede dieser Mitgliedsfirmen ist als King & Wood Mallesons bekannt. SJ Berwin wird sich dem Verein als viertes Mitglied ab 01.11.2013 anschließen. Durch den Swiss-Verein bleiben alle Mitglieder finanziell unabhängig voneinander. Wir als SJ Berwin bleiben, was das Management im Gesamtverbund angeht, komplett autonom. Die internationale Strategie wird durch das International Management Board bestimmt, dem SJ Berwin zusammen mit dem chinesischen und australischen Teil als ebenbürtiger Partner angehört.

Und schließlich: Wie lange wird SJ Berwin Bestandteil des Firmennamens bleiben?

Krüger: Wir stehen mit dem Namen SJ Berwin für ein bestimmtes Praxisangebot und für eine unternehmerische Kultur, die seit der Gründung 1982 entstanden sind. Wir stehen vor der Aufgabe, Praxis und Kultur auf die Marke King & Wood Mallesons zu übertragen. Wichtig dabei wird es sein, den Namen King & Wood Mallesons in Europa noch bekannter zu machen und zu bewirken, dass der „Goodwill“, den Mandanten mit der Marke SJ Berwin verbinden, auf King & Wood Mallesons übergeht.

Vielen Dank dafür, dass Sie sich so kurzfristig nach der Verkündung des Zusammenschlusses zu diesem Interview bereit erklärt haben. Und danke auch für Ihre Offenheit. Ich schlage vor, dass wir schon jetzt ein weiteres Gespräch im August 2014 verabreden, um eine erste Bilanz zu ziehen.

Knopf: Darauf freuen wir uns schon sehr.