Finanzierung von Pensionsplänen: Erholungstrend setzt sich fort

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Gute Aktienperformance, Umstellung auf kapitalmarktorientierte Pensionspläne und Pension-Risk-Management bleiben auf der Agenda
Von Dr. Thomas Jasper

Die pensionsspezifischen Vermögenswerte der DAX- und MDAX-Unternehmen stiegen im 4. Quartal 2013 um 1,8% bzw. 2,5% an (Stand Ende 2013: DAX 199,6 Milliarden Euro, MDAX 17,3 Milliarden Euro), wie die Modellberechnung „German Pension Finance Watch“ der Unternehmensberatung Towers Watson zeigt. Die Studie analysiert für den Zeitraum seit 2003 die aktuellen Entwicklungen der Pensionsverpflichtungen sowie die Erträge der hierfür reservierten Kapitalanlagen anhand von Musterplänen für DAX und MDAX.

Der Grund für den Anstieg der pensionsspezifischen Vermögenswerte ist die sehr gute Performance der Aktienmärkte in der zweiten Jahreshälfte. So konnten die DAX-Unternehmen (bei einer Anlage entsprechend der Benchmark) auf ihre Pensionsvermögen eine Rendite von 7,1% im Jahresverlauf 2013 erwirtschaften (MDAX: 9,5% im Jahresverlauf 2013). Gleichzeitig zeichnet sich ab, dass der Rechnungszins im Jahresverlauf leicht angestiegen ist (Prognose Jahresende 2013: 3,6%, DAX-Me­dian Jahresende 2012: 3,5%). In Verbindung mit den leicht gesunkenen Inflationserwartungen sank der Wert, mit dem die Pensionsverpflichtungen in die Bilanzen eingehen, im Jahresverlauf um etwa 2% auf 306,8 Milliarden Euro im DAX und 36,9 Milliarden Euro im MDAX.

Verzeichneten die DAX-Unternehmen für das Geschäftsjahr 2011 noch einen Ausfinanzierungsgrad (Verhältnis von Pensionsvermögen zu Pensionsverpflichtungen) von 66%, war dieser auch aufgrund des Zinstiefs im Geschäftsjahr 2012 auf 61% gesunken. Diese „Ausfinanzierungsdelle“ ist 2013 jedoch nahezu kompensiert worden. Zum Jahresende 2013 dürfte der Ausfinanzierungsgrad gemäß der Modellberechnung von Towers Watson nun auf etwa 65% gestiegen sein. Auch der Ausfinanzierungsgrad der MDAX-Pensionspläne erholte sich; er stieg der Modellberechnung zufolge 2013 um fast 4 Prozentpunkte auf rund 47% (2011: ca. 49%, 2012: ca. 43%).

Neue Rahmenbedingungen erfordern „Nachjustierung“
Aufgrund des weiterhin anhaltenden Niedrigzinsumfelds werden dennoch viele Unternehmen Optimierungspotential in der betrieblichen Altersversorgung (bAV) prüfen. Rund 60% der Unternehmen beklagen, dass die Niedrigzinsphase die Kosten für Festzinszusagen um 20% bis 50% erhöhe, wie eine Umfrage von Towers Watson unter bAV-Verantwortlichen im Oktober 2013 zeigte. Auch wenn seit der Einführung eines Pensionsplans längere Zeit vergangen ist oder wenn sich Unternehmensziele, HR-Strategie, die wirtschaftliche Situation oder grundlegende Finanzierungsentscheidungen gewandelt haben, kann es sich lohnen, den Pensionsplan „nachzujustieren“. Hierbei sollten folgende Punkte berücksichtigt werden:

Abgleich Leistungsumfang und -angebot
Damit die bAV als HR-Instrument ihre volle Wirkung entfalten kann, muss der Pensionsplan konsequent die Präferenzen der Mitarbeiter berücksichtigen, auch im Hinblick auf Flexibilität. Je nach Branche und Mitarbeiterkreis zeigt sich etwa eine unterschiedliche Bedeutung der vorzeitigen Risiken, wie Invalidität oder Todesfall. Individuell kann zumindest ein Teil der Mitarbeiter diese Risiken nicht oder nur gegen eine relativ hohe Prämie absichern. Gleichzeitig besteht für viele Mitarbeiter mit Blick auf diese Szenarien die Notwendigkeit, die Leistungen der Sozialversicherung mit geeigneten Instrumenten zu ergänzen.

Die bAV bietet als kollektive Lösung Effizienzvorteile, die im Rahmen einer modernen Plangestaltung zum Vorteil von Arbeitnehmern und Arbeitgebern genutzt werden kann. Bei der Neueinführung oder Änderung von Pensionszusagen wird üblicherweise auch das in der jeweiligen Branche oder Region übliche Zusageniveau geprüft, etwa anhand einer umfassenden Benchmarkanalyse. Dabei sollten sowohl quantitative Aspekte, wie etwa das Kosten- und Leistungsniveau, als auch qualitative Aspekte, wie etwa Zinsmodell und Auszahlungsoptionen, berücksichtigt werden, da sich erst im Zusammenspiel dieser Faktoren ein vollständiges Bild ergibt.

Strukturierung der Risikoposition
Mit dem Angebot einer bAV übernimmt ein Unternehmen Risiken, etwa in Folge von Unsicherheit bei der Entwicklung der Lebenserwartung oder der Entwicklung des Kapitalmarktumfelds. Es gilt zu analysieren, ob die Risiken, die ein Unternehmen übernimmt, mit den Risiken übereinstimmen, die es übernehmen kann und will und die von Mitarbeitern wertgeschätzt werden.

Diskrepanzen zwischen Risikoposition und Risikotragfähigkeit lassen sich im Zuge der Plangestaltung weitgehend auflösen – bei moderner Plangestaltung ohne Einschnitte in die Attraktivität der bAV. Ein Ansatzpunkt ist z.B. die Auszahlungsform: Sofern ein Unternehmen keine lebenslangen Renten zusagen kann oder möchte, bieten maßgeschneiderte Rückdeckungs- und Finanzierungskonzepte auch für den Mitarbeiter werthaltige Alternativen.

Nachhaltigkeit der betrieblichen Altersversorgung
Zwischen Leistung und Gegenleistung liegen bei der bAV oftmals Jahrzehnte. Dies verdeutlicht das hohe Maß an Sorgfalt und Vertrauen, das für eine erfolgreiche bAV erforderlich ist. Die Nachhaltigkeit der bAV lässt sich durch gezielte Maßnahmen stärken. In diesem Kontext ist auch der über die letzten Jahre zunehmende Grad der Ausfinanzierung der Pensionsverpflichtungen zu sehen. Gleichwohl bedingt die Langfristigkeit der bAV, dass in einem sich stetig wandelnden Umfeld die kontinuierliche Analyse und Weiterentwicklung der bAV unumgänglich ist.

Ausblick
Künftig dürfte in vielen Unternehmen die Umstellung auf moderne, kapitalmarkt-orientierte Pensionspläne den Finanzierungsstatus der Pensionsverpflichtungen weiter stabilisieren. In solchen Pensionsplänen bewegen sich sowohl die Vermögens- als auch die Verpflichtungswerte weitgehend im Gleichlauf mit den externen Kapitalmarkteinflüssen – damit bleibt der Ausfinanzierungsgrad auch bei Kapitalmarktschwankungen eher stabil. Im Sinne eines vorausschauenden Pension-Risk-Managements ist die Umstellung auf kapitalmarktorientierte Pensionspläne, verbunden mit einer substantiellen Ausfinanzierung pensionsspezifischer Vermögenswerte, durchaus erwägenswert.

Zu erwarten ist auch, dass Unternehmen künftig stärker als bislang auf Pensionsfonds – den jüngsten der fünf Durchführungswege der bAV – setzen werden. Bislang entfallen nach Angaben der Arbeitsgemeinschaft für betriebliche Altersversorgung (aba) rund 5% der gesamten Deckungsmittel der bAV in Deutschland auf Pensionsfonds. Dieser Anteil dürfte in den kommenden Jahren weiter wachsen.

thomas.jasper@towerswatson.com