120 Berufsträger, sechs deutsche Standorte und – ob in Palma de Mallorca, in New York oder in Zürich – sogar acht Auslandsbüros. Dazu ein Image im Markt, das der Sozietät besondere Stärken in der langfristigen Beratung von Unternehmen bescheinigt. Alles ruhig also bei Buse Heberer Fromm? – Nicht ganz, denn „in unserer Sozietät hat zum 01.01.2013 eine wirkliche Weichenstellung stattgefunden“, hebt Christian Pothe im Gespräch mit Thomas Wegerich hervor. Lesen Sie in diesem „Marktplatz“-Interview, was er damit meint.
Deutscher AnwaltSpiegel: Herr Pothe, unsere Leser werden besser verstehen, in welche Richtung Buse Heberer Fromm organisatorisch und strategisch möchte, wenn Sie wissen, wo die Ursprünge der Sozietät liegen. Geben Sie uns bitte einen kurzen Überblick.
Pothe: Unsere Kanzlei ist Ende der 90er Jahre durch den Zusammenschluss von sechs unabhängigen Sozietäten aus großen deutschen Wirtschaftszentren entstanden. Schon 2002 haben wir dann den gemeinsamen Schritt in das internationale Feld gewagt als Mitglied der damaligen „European Legal Alliance“. Dieser Verbund bestand anfänglich aus fünf Kanzleien und wuchs beständig an. Initiiert worden war das Netzwerk von der Londoner Sozietät Field Fisher Waterhouse. Die Zusammenarbeit funktionierte auch einige Jahre sehr gut, jedoch ergaben sich Ende 2006 deutliche strategische Differenzen. Die Alliance wurde daraufhin aufgelöst, und wir haben uns dafür entschieden, eigenständige und unabhängige Auslandsrepräsentanzen einzurichten. Der nächste wichtige Meilenstein war für uns das engere Zusammenrücken durch die Umwandlung der Kanzlei in eine Partnerschaftsgesellschaft im Jahr 2009. Ein weiterer starker Impuls wurde durch die Aufnahme der Sozietät Spitzweg am Standort München gesetzt, mit der wir im Jahr 2010 zugleich die Steuerberatung in unser Tätigkeitsspektrum integriert haben. Alle diese Veränderungen spiegelten sich zuletzt im Relaunch unseres Corporate Designs im Jahr 2012 wider.
Und was verbinden Sie mit dem Jahreswechsel 2013?
Zunächst einmal eine ganz wesentliche Änderung unseres Gesellschaftsvertrags. Bislang sah unsere interne Struktur einen sechsköpfigen Verwaltungsrat – mit einem Sitz für jeden deutschen Standort – vor. Wir waren dem Einstimmigkeitsprinzip verpflichtet und damit einem Höchstmaß an Konsensualität.
Das klingt doch nach heiler Welt. Weshalb ändert man ein solch etabliertes System?
Der Rechtsberatungsmarkt ist im Umbruch, und um wettbewerbsfähig zu bleiben, müssen wir operativ handlungsfähiger werden. Wir haben daher zunächst einen zwölfköpfigen Partnerrat etabliert, der selbst bei Entscheidungen von weitreichender Bedeutung lediglich eine 75%ige Mehrheit benötigt. Damit ist es theoretisch erstmals denkbar, dass Mitglieder auch überstimmt werden können. Dies ist natürlich kein Selbstzweck und sollte auch nicht zur Regel werden, ermöglicht es uns aber, zukünftig ohne Zeitverlust Projekte in Angriff zu nehmen, von denen eine Minderheit noch nicht bis ins letzte Detail überzeugt ist. Ein weiteres Ziel der vorgenommenen Änderungen ist es, die Geschäftsführung der Sozietät zu stärken. Bislang war etwa der Vorsitzende des Verwaltungsrats kraft Amtes auch Mitglied der Geschäftsführung. Das wird bei dem Partnerratsvorsitzenden nicht mehr der Fall sein. Vielmehr soll die Geschäftsführung um Professionals aus dem Bereich der Business-Services erweitert werden. Bereits jetzt suchen wir einen hochkarätigen Business-Development-Manager, der zugleich mein Partner in der Geschäftsführung werden soll.
Weil Sie in dieser Hinsicht Schwächen erkannt haben?
Weil wir auch insoweit schon auf die Anforderungen von morgen schauen und nicht auf den Status quo. Fokussierung und Spezialisierung sind die zentralen Themen, und zwar sowohl fachlich als auch bezogen auf die Mandantschaft. Bisher findet unser Business-Development in elf Practice-Groups statt, deren Tätigkeit wir gegenwärtig evaluieren. Ohne dem Ergebnis vorgreifen zu wollen, wird es wohl zu einer Neustrukturierung einzelner Praxisgruppen – sowohl nach Rechtsgebieten als auch nach Branchen – kommen, die dann so zugeschnitten sein sollen, dass sie unserer mittelständischen Klientel den bestmöglichen Nutzen liefern können.
Und was bedeutet das für die ausländischen Standorte von Buse Heberer Fromm?
Das internationale Geschäft trägt heute etwa 15% zum Umsatz bei – das würden wir gern weiter ausbauen. Dazu müssen wir unsere Auslandsrepräsentanzen, aber auch unsere Country-Desks voll in den Restrukturierungsprozess einbinden. Am 22.04.2013 werden wir uns dazu sowohl mit unseren ausländischen Kooperationspartnern als auch mit den seitens unserer Kanzlei für das Auslandsgeschäft verantwortlichen Partnern treffen, um die vorliegenden Strategien zu besprechen.
Hängt eine erfolgreiche Umsetzung weitreichender Planungen nicht von mehr ab als von der Änderung eines Gesellschaftsvertrags?
Natürlich, eine Kanzlei kann nur dann dauerhaft erfolgreich im Markt agieren, wenn Leadership und Management präzise aufeinander abgestimmt sind. Und mit Management meine ich wirklich auch das Mikromanagement. Flankierend zu den genannten Planungen sind wir daher beispielsweise auch dabei, die IT unserer Kanzlei neu einzurichten. Wir müssen hier Tools installieren, die uns eine genaue Rückmeldung geben können, ob ergriffene Maßnahmen zu einem wirtschaftlichen Erfolg führen oder nicht.
Lassen Sie uns nochmals einen Blick auf den deutschen Markt werfen. Welches sind Ihre wichtigsten Wettbewerber?
Sowohl bezüglich der Mandanten als auch im Hinblick auf den juristischen Nachwuchs stehen wir grundsätzlich im Wettbewerb mit den anderen unabhängigen deutschen Großkanzleien. Allerdings stellen sich die Wettbewerbsverhältnisse bei der Beratung in einzelnen Marktsegmenten schon sehr unterschiedlich dar. Die neugegründete Healthcare-Gruppe sieht sich beispielsweise anderen Kanzleien gegenüber als unsere Immobilienrechtler. Unsere Zielsetzung muss es bei alldem sein, in sämtlichen Practice-Groups durchgehend das höchste Marktniveau zu erreichen, gleich ob die Wettbewerber Großkanzleien oder Boutiquen sind. Kein Mandant wird sich bei gleichem Preis mit zweiter Wahl zufriedengeben.
Das ist ein ehrgeiziges Vorhaben in einem Marktumfeld, das sich beständig wandelt. Welche Veränderungen erleben Sie insoweit derzeit am stärksten?
Mit Blick auf die Inhalte: die Ausbreitung von Commoditys, also einfacher standardisierter Rechtsdienstleistungen. Man sollte diese meiden, das können andere besser als hochspezialisierte Rechtsanwälte. Vor allem können andere diese Dienstleistungen auch preisgünstiger anbieten, wenn es sie nicht ohnehin schon kostenlos im Internet geben sollte. Zudem fällt immer wieder auf, wie gut viele Unternehmensjuristen mittlerweile aufgestellt sind. Heute sind etwa Budgetvorgaben der Mandanten viel strenger als noch vor einigen Jahren. Dem muss man als Sozietät Rechnung tragen, um im Wettbewerb bestehen zu können.
Das leuchtet ein, und das ist ja auch eine Entwicklung, die sich derzeit sehr gut im Markt beobachten lässt. Zum Schluss würde ich gern noch über die Nachwuchsproblematik sprechen: Alle suchen immer die Besten. Wie positioniert sich Ihre Sozietät im Kampf um die Köpfe?
Was das betrifft, bin ich – und das deckt sich mit allen unseren Erfahrungen aus der Vergangenheit – sehr zuversichtlich. Die jetzt auf den Rechtsmarkt drängende Generation hat andere Vorstellungen als ältere Jahrgänge. Das Thema Work-Life-Balance etwa ist keine leere Worthülse mehr – klare Antworten und Modelle werden hier von den Bewerbern tatsächlich eingefordert. Insoweit ist es gut für Buse Heberer Fromm, dass wir Individualität und Freiheiten unserer Mitarbeiter auch zulassen – ein Kollege prägte für uns in dieser Hinsicht einmal den Begriff „Lifestyle-Kanzlei“. Damit sind wir sehr gut positioniert, denn der Wettbewerb um Talente wird heute längst nicht mehr nur über den Gehaltszettel geführt.
Vielen Dank für Ihre offenen Worte. Wir werden die Entwicklung Ihrer Sozietät weiter im Blick halten.
Hinweis der Redaktion: Lesen Sie in der kommenden Ausgabe des Deutschen Anwaltspiegels wie Andreas Ziegenhagen, deutscher Manging Partner von Salans, seine Sozietät in die Megafusion zu der aus drei Kanzleien gebildeten neuen Einheit SNR Dentons führt. (tw)

