„Wir sind keine Großkanzlei, sondern ein Familienunternehmen. Unsere Türen stehen offen.“

Deutscher AnwaltSpiegel im Gespräch mit Dr. José Campos Nave, Geschäftsführender Partner bei Rödl & Partner

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24 Niederlassungen hat Rödl & Partner in Deutschland, weltweit sind es 102 in 46 Ländern. Jüngst wurde ein Büro in Havanna auf Kuba eröffnet. Als MDP-Kanzlei mit einer starken Verwurzelung im gehobenen Mittelstand ist Rödl & Partner seit jeher gesetzt. Erkennbar ist nun, dass sich der Rechtsberatungsarm in einer Aufbruchsstimmung befindet, die das Ergebnis einer klaren Managemententscheidung ist. Seit Jahresbeginn 2015 ist die oberste Führungsebene bei Rödl & Partner breiter aufgestellt, die Verantwortung für die 215 anwaltlichen Berufsträger hat Dr. José Campos Nave übernommen. Mit ihm sprach Thomas Wegerich über den Stand der internen Strukturreform und die Zielsetzungen im Markt.

Deutscher AnwaltSpiegel: Herr Dr. Campos Nave, Sie sind in diesem Jahr angetreten, um als Geschäftsführender Partner den globalen Anwaltsbereich bei Rödl & Partner weiter nach vorn zu bringen. Wie wollen Sie das umsetzen, und wo stehen Sie derzeit?

Campos Nave: Zunächst einmal: Wir stehen schon heute gut da, sind eine eigenständig agierende Anwaltschaft innerhalb sehr erfolgreicher multidisziplinärer Strukturen. Wir haben uns vorgenommen, mit dem Geschäftsfeld Rechtsberatung weiter zu wachsen und die Potentiale noch besser zu heben, die unsere Aufstellung in den Bereichen Wirtschaftsprüfung, Tax und Unternehmensberatung ermöglicht. Gemeinsam mit den Kollegen werden wir voranschreiten, um weitere Marktanteile zu gewinnen.

Deutscher AnwaltSpiegel: Was heißt das konkret?

Campos Nave: Wir haben uns einen neuen organisatorischen Zuschnitt gegeben. In meiner Managementaufgabe werde ich unterstützt von zwei Führungskreisen, die unsere deutschen und internationalen Anwaltsstrukturen repräsentieren, sowie von den Praxisgruppenleitern. Wir arbeiten sehr stark vernetzt und schauen vor allem über die deutschen Grenzen hinaus. Mein Ziel ist es, dass alle Rödl-&-Partner-Standorte einheitlich gemanagt werden und wir unsere Mandanten büroübergreifend interdisziplinär betreuen. Die signifikanten Mandatszuwächse in diesem Jahr belegen bereits den Erfolg dieses erweiterten Konzepts.

Deutscher AnwaltSpiegel: Welche Kernaufgaben liegen im Rahmen dieses Prozesses bei Ihnen persönlich?

Campos Nave: Ich muss und werde darauf achten, dass wir unsere Unternehmenskultur beibehalten. Zudem möchte ich den Prozess der Internationalisierung selbst steuern. Schon heute ist es so, dass wir ein global agierendes Team in Bezug auf die Rechtsberatung sind. Das wollen wir personell weiter ausbauen. Wir werden so im Übrigen auch noch interessanter für Quereinsteiger aus anderen Kanzleien, die bei uns eine attraktive Plattform und ein erstklassiges Netzwerk insbesondere für das internationale Geschäft vorfinden.

Deutscher AnwaltSpiegel: Lassen Sie uns Ihren Begriff der „Unternehmenskultur“ – deren Bedeutung ja immer alle betonen – ein wenig genauer anschauen. Wie würden Sie die Kultur bei Rödl & Partner beschreiben?

Campos Nave: Mit einem Satz: Wir sind ein international und interdisziplinär ausgerichtetes Familienunternehmen und keine Großkanzlei. Unser Unternehmen wird geprägt durch Prof. Dr. Christian Rödl, der die Integrationsfigur nach innen und außen ist.

Deutscher AnwaltSpiegel: Und der Ihnen freie Hand lässt bei der Verfolgung Ihrer strategischen Ziele?

Campos Nave: Absolut. Dr. Christian Rödl ist auch in unserer neuen Struktur direkt zuständig für verschiedene Länder, bei ihm laufen die Fäden zusammen. Aber in enger Abstimmung mit ihm setze ich im Bereich Rechtsberatung meine Vorstellungen um. Darüber hinaus werde ich von den anderen Geschäftsführenden Partnern auch in den angrenzenden Geschäftsfeldern stark unterstützt.

Deutscher AnwaltSpiegel: Dann lassen Sie uns darüber konkret sprechen. Welche Position streben Sie für die Anwälte von Rödl & Partner im Rechtsmarkt an?

Campos Nave: Wir möchten eines der führenden Beratungs- und Wirtschaftsprüfungsunternehmen mit einer starken Anwaltschaft sein. Dabei zählen für uns nicht Rankings, sondern einzig und allein unsere Mandatsstruktur. Für die Zukunft wünsche ich mir insoweit, dass ein mittelständischer Unternehmer an Rödl & Partner denkt, wann immer er Rechtsberatungsbedarf hat, und zwar insbesondere auch mit internationalen Bezügen. Oder noch kürzer ausgedrückt: Wir möchten der führende Rechtsberater für deutsche Familienunternehmen und den gehobenen international agierenden Mittelstand sein.

Deutscher AnwaltSpiegel: Das klingt ziemlich ambitioniert.

Campos Nave: Das ist mir bewusst. Ein gutes Stück des Weges ist bereist zurückgelegt. Unsere besondere Nähe zum Mittelstand, unser Verständnis dafür, wie man dort „tickt“, ist ein ganz besonderes Asset. Mittelständisches Denken ist schließlich auch Teil unserer DNA. Letztlich sind wir selbst ein mittelständisches international agierendes Familienunternehmen.

Deutscher AnwaltSpiegel: Sie sprachen vorhin bereits an, dass die skizzierte Höherpositionierung auch durch die Aufnahme von Quereinsteigern gelingen soll. Warum sollten sich erfolgreiche Laterals Rödl & Partner anschließen?

Campos Nave: Weil man bei uns sehr große unternehmerische Freiheit genießt und wir zudem sehr gute Kostenstrukturen haben. Darüber hinaus ist bei uns die selbständige Weiterentwicklung eines Business-Cases auf einer erfolgreichen deutschen, internationalen und vor allem eigenen MDP-Plattform möglich.

Deutscher AnwaltSpiegel: Herr Campos Nave, ich danke Ihnen für die Einblicke, die Sie unseren Lesern gegeben haben. Wir werden die weitere Entwicklung von Rödl & Partner aufmerksam begleiten.