„Wir genießen es, klein zu sein“

Fünf Fragen an: Dr. Arno Frings, Gründungspartner der Arbeitsrechtsboutique Fringspartners

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Der Rechtsmarkt in Deutschland wird zunehmend vielfältiger. Im oberen Marktsegment stehen die tradierten Businessmodelle der Großkanzleien hier und da auf dem Prüfstand. Neue Wettbewerber treten an, und insbesondere im Arbeitsrecht ist seit einiger Zeit die Tendenz zur Gründung schlagkräftiger Boutiquen zu sehen. Dieser Kreis wird nun größer: Seit Frühjahr 2015 ist Dr. Arno Frings mit derzeit drei weiteren Kollegen aus seinem früheren Arbeitsrechtsteam von Orrick in der Kanzlei Fringspartners am Standort Düsseldorf aktiv. Zum Jahreswechsel kommen zwei Berufsträger hinzu. Thomas Wegerich sprach mit ihm über die Erfahrungen im ersten halben Jahr, die Unterschiede zwischen Boutique und Big Law sowie die strategischen Ziele der neuen Kanzlei.

AnwaltSpiegel: Seit dem Frühjahr 2015 sind Sie mit drei weiteren Kollegen aus Ihrer früheren Kanzlei als Spin-off in Düsseldorf am Start. Bitte lassen Sie unsere Leser wissen, wie sich die neue Einheit in der ersten Phase entwickelt hat.

Frings: Wir hatten in der Tat einen außergewöhnlich guten Start, vornehmlich dadurch bedingt, dass wir ausnahmslos alle Mandate auf die neue Einheit überleiten konnten.

AnwaltSpiegel: Inzwischen sehen wir einige hochkarätige arbeitsrechtliche Spin-offs und Spezialkanzleien im deutschen Rechtsmarkt. Wie positioniert sich Fringspartners neben – um nur die klangvollsten Namen zu nennen – Greenfort, Kliemt & Vollstädt, Altenburg, Justem, Pusch Wahlig, Schweibert Lessmann, Ogletree und Vangard Littler?

Frings: Alle von Ihnen in dieser Aufzählung genannten Wettbewerber sind hochkarätig und bieten erstklassige arbeitsrechtliche Beratung an. Was unterscheidet uns nun von diesen Kanzleien? Wir sind kleiner. Und wir genießen es, klein zu sein. Wir sind außergewöhnlich homogen. Wir verstehen uns blind und brauchen keine langen Abstimmungsprozesse. Dies war ja ein wesentlicher Treiber, die durchaus attraktive Umgebung einer Großkanzlei zu verlassen.

AnwaltSpiegel: Insbesondere die beiden letztgenannten Sozietäten repräsentieren durch die Anbindung an expansive US-Kanzleien ja ein spannend zu beobachtendes und im deutschen Rechtsmarkt neues Konzept. Welche Rolle spielt das grenzüberschreitende Beratungsgeschäft bei Fringspartners?

Frings: Selbst aus einer US-Kanzlei kommend, empfinde ich es in der Tat als ausgesprochen spannend zu beobachten, wie sich die Anbindung an die US-Kanzleien auszahlen wird. Für Fringspartners kann ich eine solche Anbindung ausschließen. Es würde uns zu sehr einschränken, ohne uns gleichzeitig greifbare Vorteile zu vermitteln. Im grenzüberschreitenden Beratungsgeschäft greifen wir selbstverständlich auf das Orrick-Netzwerk zurück. Aus jahrelanger Zusammenarbeit kennen wir die handelnden Personen bestens und sind uns daher unserer Empfehlung sehr sicher. Kommt Orrick aus bestimmten Gründen nicht in Betracht, können wir über die Orrick-Kontakte oder über die eigenen International-Bar-Association-Kontakte immer die geeigneten Partner zeitnah finden. Das klappt ausnahmslos reibungslos. Unabhängig davon stehen bei uns grenzüberschreitende Beratungsprojekte nicht im Vordergrund unserer Tätigkeit. Wir beraten in Deutschland im deutschen Arbeitsrecht.

AnwaltSpiegel: Sie sind in Düsseldorf mit einer sehr kompakten, aber eingespielten Mannschaft angetreten. Welches Wachstum planen Sie für Ihre Sozietät – personell, strategisch und in Bezug auf mögliche weitere Standorte?

Frings: Wir haben uns zum Jahreswechsel mit zwei neuen Kolleginnen personell verstärkt. Wir sind dann sechs Berufsträger – davon drei Partner – und können auch größere Projekte problemlos bewältigen. Wir haben an sich nicht die Absicht, weiter zu wachsen. Ich sehe durch weiteres Wachstum weder Vorteile für die Mandanten noch für uns. Wir planen auch keine weiteren Stand­orte. Es ist bei unseren Wettbewerbern aus gutem Grund ständige Übung, dass immer der jeweils zuständige Anwalt die Fälle bearbeitet, unabhängig davon, ob es andere Kollegen vor Ort gibt. Der Mandant hat zu seinem Anwalt Vertrauen und möchte nicht in einer wichtigen Angelegenheit von einem Kollegen, beispielsweise vor Gericht, vertreten werden, nur weil dieser vor Ort ansässig ist. Wenn dem so ist – und das ist unsere durchgängige Erfahrung –, welchen Sinn macht es dann, an vielen Standorten präsent zu sein?

AnwaltSpiegel: Sie persönlich, Herr Frings, haben einen klaren und langjährigen Großkanzlei-Background und ebenso langjährige Erfahrung als Managing Partner von Orrick in Deutschland. Wo sehen Sie die Vorzüge und die Nachteile Ihrer jetzigen Aufstellung als Arbeitsrechtsboutique im Vergleich zu Big Law?

Frings: Die Vorzüge einer Arbeitsrechtsboutique im Vergleich zu Big Law sind insbesondere die Unabhängigkeit und die damit verbundene Flexibilität. Die Arbeitsrechtsabteilungen stehen grundsätzlich nicht im Fokus einer Großkanzlei. Sie müssen sich unterordnen und haben mehr eine dienende Funktion. Dies ist systemimmanent und nicht ernsthaft zu hinterfragen. Hier setzt die Arbeitsrechtsboutique an. Sie kann sich ganz anders auf die Bedürfnisse des Mandanten einstellen, als dies einer Arbeitsrechtsabteilung in einer Großkanzlei möglich wäre. Angesprochen ist das Pricing, aber auch welche Art von Mandaten angenommen werden können und insbesondere das Staffing, d.h. welche Mitarbeiter wie in den Mandaten eingesetzt werden. Das Arbeitsrecht in einer Großkanzlei ist in aller Regel sehr stark transaktionslastig. Demgegenüber ist der Arbeitsrechtler in einer Boutique grundsätzlich breiter aufgestellt. Dies kann ein entscheidender Unterschied sein. Nicht selten haben auch die Mitarbeiter der Boutique vertieftere Prozesskenntnisse als die Kolleginnen und Kollegen aus den Großkanzleien.

Für mich persönlich ist ein großer Vorzug der Arbeitsrechtsboutique, dass ich grundsätzlich nicht mehr „conflicted“ bin. Ich kann mich etwa rückhaltlos für ein Vorstandsmitglied einschalten, das mich beispielsweise mit der Betreuung beauftragt hat, ohne mich gegenüber den Partnern im Ausland rechtfertigen zu müssen. Dies empfinde ich als ausgesprochen befreiend. Echte Nachteile unserer jetzigen Aufstellung als Arbeitsrechtsboutique im Vergleich zu Big Law sehe ich nicht. Ich vermisse aber in der Tat den persönlichen Austausch mit den internationalen Kollegen, den ich als interessant und bereichernd empfunden habe. Dies wird auch sicherlich einer der Treiber sein, warum die von uns geschätzten und die von Ihnen genannten Wettbewerber internationale Netzwerke knüpfen.

AnwaltSpiegel: Herr Frings, vielen Dank für die Einblicke, die Sie uns gewährt haben. Die weitere Entwicklung von Fringspartners im Rechtsmarkt werden wir begleiten.

Hinweis der Redaktion: In den kommenden Ausgaben des Deutschen AnwaltSpiegels lesen Sie Interviews mit Dr. Wilhelm ­Nolting-Hauff und Dr. Oliver Duys (Orrick), Michael ­Siebold (Arnecke Sibeth) und Dr. Christian Schede (Greenberg Traurig Germany).