Unabhängig, persönlich, professionell

Fünf Fragen an: Christoph Hamm, Geschäftsführer, und Dr. Georg Anders, COO, beide bei Heussen

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Die Heussen Rechtsanwaltsgesellschaft trägt den ­klangvollen Namen ihres Gründers. In der Nachfolge von Prof. Dr. Benno Heussen ist inzwischen eine andere Managergeneration am Steuer. Christoph Hamm und Dr. Georg Anders haben klare Vorstellungen davon, wie und wohin die Kanzlei sich entwickeln soll. Mit ihnen sprach Thomas Wegerich über Ausrichtung und strategische Zielsetzungen.

Deutscher AnwaltSpiegel: Herr Hamm, Sie sind jetzt seit fast zehn Jahren als Geschäftsführer von Heussen in der Verantwortung, Herr Dr. Anders, Sie seit vier Jahren als COO. Welche Veränderungen haben Sie seitdem vorgenommen, welche Ergebnisse gibt es ­inzwischen?

Hamm: Vor circa zehn Jahren haben wir uns in einem Partnerworkshop unter Leitung und Mitwirkung unseres Namensgebers, Prof. Dr. Benno Heussen, die „Agenda Heussen 100“ auf die Fahnen geschrieben. Unsere Ziele waren:

  • weiterhin eine unabhängige deutsche Kanzlei bleiben
  • eine Größe von 100 Berufsträgern
  • verschiedene, größer werdende Standorte
  • international vernetzt
  • zunehmende Spezialisierung

Das haben wir im Wesentlichen alles erreicht. Nun werden wir die Agenda 2025 schmieden.

Dr. Anders: Interessant wären für Heussen noch ein Standort im Rheinland sowie die (noch) stärkere Orientierung nach Branchen neben den bisherigen Praxisgruppen. International sind wir in unserem Netzwerk „Multilaw“ sehr gut integriert und verfügen auch daneben noch über hervorragende Kontakte ins Ausland. Ein moderates weiteres Wachstum ist wünschenswert, aber für uns kein Selbstzweck.

Deutscher AnwaltSpiegel: Wie ist das Jahr 2017 für Ihre Sozietät gelaufen?

Hamm: 2017 war ein gutes Jahr. Wir haben in mehreren Praxisgruppen eine deutliche Überauslastung, und auch am Standort Stuttgart lief es, nicht zuletzt dank der neuen Partner dort, sehr gut. Die Bemühungen der vergangenen Jahre um Wachstum, auch durch Quereinsteiger, haben Früchte getragen.

Dr. Anders: Wir haben darüber hinaus viel in unsere In­frastruktur investiert, unter anderem in unsere Räume in München und unsere IT.

Deutscher AnwaltSpiegel: Der Wettbewerb im ­Rechtsmarkt nimmt ständig weiter zu. Mit welcher Strategie gehen Sie in das Jahr 2018, welche Ziele haben Sie sich gesetzt?

Dr. Anders: Nur das Jahr 2018 wäre für eine „Strategie“ natürlich zu kurz. Kurzfristig werden wir die vorhandenen Ressourcen – personell, fachlich, technisch – noch optimaler nutzen und auszubauen versuchen. Wir möchten in unseren Netzwerken noch präsenter werden und bestehendes Geschäft weiter ausbauen.

Hamm: Mittel- bis langfristig haben wir uns, wie alle anderen Anwaltskollegen und Anwaltskolleginnen auch, mit neuen Herausforderungen zu beschäftigen, die heute immer noch nicht ganz absehbar sind. Wir glauben aber auch für die Zukunft fest daran, dass hohe Qualität und wirtschaftliches Verständnis für die Belange unserer Mandanten in der Arbeit die beste – und eigentlich einzig wirklich tragende – Voraussetzung für Erfolg sind. Hieran werden wir immer weiter arbeiten, ohne dabei die neuen Anforderungen, beispielsweise durch „Legal Tech“, aus den Augen zu verlieren.

Deutscher AnwaltSpiegel: Digitalisierung ist das wohl wichtigste Thema für alle im Rechtsmarkt.
Wie hat Ihr Haus sich hier positioniert?

Dr. Anders: Ich bin nicht sicher, ob „nur“ die Digitalisierung – obgleich ein äußerst weiter Begriff – das wichtigste Thema für eine Anwaltskanzlei ist. Wir sehen insbesondere drei Herausforderungen:

  • Legal Tech
  • veränderte Anforderungen an den Berater ­(einschließlich Vergütungsmodellen)
  • andere Erwartungen der jungen Kollegen und ­Kolleginnen an ihre berufliche Zukunft

wobei die Themen natürlich zusammenhängen.

Die „Digitalisierung“ ist hierbei Herausforderung und Risiko zugleich. Dinge wie ein Dokumentenmanagementsystem (DMS) und Customer-Relationship-Management (CRM) nutzen wir in immer stärkerem Maße. Wir haben inzwischen einen regelmäßigen kanzleiinternen „Legal-Tech-Newsletter“ und machen unsere Anwälte fit für das Thema, um auch in diesem Bereich mit führend zu sein. Wichtig ist für uns dabei, dass wir möglichst alle Neuerungen im Bereich Legal Tech mitbekommen und dass wir diese – für die Gesamtkanzlei, aber auch bezogen auf unsere Praxisgruppen und Branchenteams, testen und bewerten. Nicht alles ist nützlich, einiges ist auch überbewertet oder geht in die falsche Richtung. Dabei müssen wir auch die Balance zwischen den geänderten Anforderungen und den gleichbleibenden Erwartungen unserer teilweise langjährigen Mandanten wahren.

Hamm: Genau – die sehr persönliche und langfristige Beratung durch eine Partnerin oder einen Partner, natürlich verbunden mit dem gesamten Know-how unserer Fachbereiche und Branchenteams, ist für unsere Mandanten eine wichtige, wenn nicht die wichtigste Unique Selling Proposition (USP) von Heussen. Für Dinge, die „digital“ schneller und günstiger erledigt werden können, setzen wir auf Legal Tech, für die persönliche Beratung aber weiterhin auf unsere erfahrenen Partnerinnen und Partner, unterstützt durch unsere hervorragenden Mitarbeiter.

Deutscher AnwaltSpiegel: Lassen Sie uns einen Blick in die Glaskugel wagen. Darf ich Sie bitten, diesen Satz zu vervollständigen: In zwei Jahren wird Heussen …

Hamm: … auch weiterhin ein verlässlicher, persönlicher, professioneller Berater, ein attraktiver Arbeitgeber und ein immer modernerer Dienstleister sein.

Dr. Anders: … vielleicht über ein Kanzlei-beA kommunizieren (und sicher noch einiges mehr auch an Legal Tech nutzen und anbieten) und wohl immer noch nicht über BER in die Hauptstadt fliegen, aber gerne pünktlich mit dem ICE dorthin fahren – wünschen darf man ja.

Deutscher AnwaltSpiegel: Herr Hamm, Herr Dr. Anders, vielen Dank für dieses Gespräch. Wir werden Ihre Sozietät im Rechtsmarkt weiter eng begleiten.