Aus der Praxis für die Praxis

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In dieser Rubrik berichten Experten regelmäßig aus ihrer beruflichen Praxis und stellen in kurzer Form die derzeit wichtigsten Themen vor. Diese Nachhaltigkeitshemen beschäftigen das Top-Management sowie die Nachhaltigkeitsmanager von Organisationen. Sie sind nicht nur von strategischer, sondern insbesondere von operativer Natur.

(1) Klimaneutralität – Pflicht oder Kür?

Aus dem aktualisierten Klimaschutzgesetz vom März 2021 unter anderem zur Klimaneutralität gehen noch wenig konkrete Handlungsvorgaben für einzelne Organisationen hervor. Dennoch kann jede Organisation bereits jetzt einen Beitrag leisten. Dieser besteht darin, zu analysieren, welche Daten benötigt werden, um eigene Treibhausgasemissionen zu berechnen, und wie diese Daten zu erfassen sind. Aus solchen Analysen werden meist schnell auch Vermeidungspotentiale ersichtlich. Für diese sind entsprechende Reduzierungsmaßnahmen abzuleiten und spätestens beim Inkrafttreten von konkreten gesetzlichen Anforderungen umzusetzen.

(2) Nachhaltigkeit ist mehr als Klimaschutz.

Auch wenn der Klimawandel einen Ausgangspunkt für viele globale Herausforderungen darstellt, machen die 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen (Sustainable Development Goals) deutlich, dass wir bei Nachhaltigkeit nicht nur über Klimaschutz sprechen dürfen. Wenn also Organisationen nachhaltig sein möchten, sollten sie neben Klimaschutz auch die anderen 16 Ziele, zum Beispiel zu Gesundheit und Wohlergehen, zur menschenwürdigen Arbeit oder zur Geschlechtergleichheit, berücksichtigen. Leitfaden dazu: SDG Compass – Leitfaden für Unternehmensaktivitäten zu den SDGs, siehe hier. Organisationsspezifische wesentliche Themen und Prioritäten können mittels einer Wesentlichkeitsanalyse bestimmt werden.

(3) Es ist nicht Fußabdruck wie Fußabdruck.

„Fußabdrücke“ (Footprints) werden als Maß für Nachhaltigkeit herangezogen. Der wahrscheinlich bekannteste Fußabdruck ist der CO2-Fußabdruck, mit dem Organisationen ihre CO2-Bilanzen darstellen. Um der Vielseitigkeit von Nachhaltigkeit gerecht zu werden, kann eine Organisation zum Beispiel auch einen Wasser-Fußabdruck, Abfall-Fußabdruck, Korruptions-Fußabdruck, Material-Fußabdruck oder Land-/Flächen-Fußabdruck berechnen. Für die Berechnung gibt es teilweise normative Vorgaben, etwa ISO 14046 oder ISO 14064. Um die Glaubwürdigkeit der Fußabdrücke zu erhöhen, können diese durch externe Dritte validiert werden.

(4) Instrumente zur Implementierung eines Nachhaltigkeitsmanagements

Nachhaltigkeitsmanagement hält Einzug in die allgemeinen Managementstrukturen von Organisationen. Aufgrund der Komplexität von Nachhaltigkeit bleibt oft die Frage offen, wie ein wirksames Nachhaltigkeitsmanagement effizient und systematisch implementiert werden kann. Dazu gibt es mehrere Instrumente. Zu den am häufigsten verwendeten gehören die ISO-Normen 14001 und ISO 26000, EMAS/EMASPlus (Eco Management and Audit Scheme) sowie der ZNU-Standard. Bei den meisten Instrumenten besteht zusätzlich der Vorteil, dass deren erfolgreiche Implementierung durch Zertifizierungen bestätigt werden kann.

(5) Rechtzeitig Daten sammeln für Nachhaltigkeitsberichterstattung

Die Änderung der NFRD (Non-Financial Reporting Directive) zu CSRD (Corporate Sustainability Reporting Directive) ist noch nicht final durch alle Instanzen gegangen, und auch die Umsetzung ins deutsche Recht steht noch aus. Sollte jedoch der Zeitplan eingehalten werden, dann wird es ab dem Jahr 2024 neue Berichtspflichten geben. Diese werden sich auf das Berichtsjahr 2023 beziehen. Deshalb sollten Organisationen bereits jetzt überlegen, ob sie von der neuen CSRD betroffen sind und wenn ja, welche Daten im nächsten Jahr erfasst werden müssen, damit eine Berichterstattung im Jahr 2024 möglich ist. Eine Inspiration bieten die SDG-Nachhaltigkeitsindikatoren (siehe hier).

 

linda_chalupova@hotmail.com

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