ESG – entscheidende Voraussetzung für den Unternehmenserfolg

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Die Dimensionen Umwelt, soziale Aspekte und Unternehmensführung, die meist mit dem Akronym ESG (Environmental, Social, Governance) bezeichnet werden, sind entscheidend, um Strategien im Hinblick auf Nachhaltigkeit auszurichten. Dabei geht es um nicht weniger als die Zukunftsfähigkeit einzelner Unternehmen und ganzer Branchen. Bei der Umsetzung einer umfassenden ESG-Transformation stehen auch nicht mehr das „Ob“ im Vordergrund, sondern nur noch das „Wie“ oder das „Wie schnell“ und die Frage, welche Schritte zur Umsetzung notwendig sind. Den meisten Führungskräften ist bewusst, dass ESG kein Thema ist, das wir an die nächste Generation übergeben können. Entscheidungen über ESG-Faktoren haben schon heute einen sehr großen Einfluss auf die Bewertung eines Unternehmens – und somit den Erfolg in der Zukunft. Nach der Finanzkrise wurde noch die Frage gestellt: Wirtschaft oder Klima? während sich heute diese beiden Alternativen nicht mehr gegenüberstehen. Es geht darum, den aktuellen Umbruch zu nutzen und die Ökonomie ganzheitlich im Einklang mit dem Klima, sozialen Aspekten und der Unternehmensführung auf allen Ebenen umzugestalten.

Ein entscheidender Grundstein der Wirtschaftswelt wurde dafür 2019 in den USA gelegt. 200 CEOs der größten US Unternehmen bekannten sich in der einflussreichen Wirtschaftsvereinigung „Business Roundtable“ zu einer Neudefinition des Unternehmenszwecks ( siehe hier). Einzelne Organisationen und ihre Entscheidungsträger sollten fortan die Interessen aller Stakeholder berücksichtigen, nicht nur die der Aktionäre. Zuerst kritisch betrachtet, regte das Statement bald weltweit zum Umdenken an. Moderne ESG-Faktoren knüpfen an eben diesen Gedanken an und bilden den Rahmen für Firmen und Investoren, Nachhaltigkeit und die sozialen Auswirkungen ihrer Tätigkeiten zu analysieren, zu thematisieren und zu kommunizieren. Der European Green Deal, der eine EU-weite Klimaneutralität bis 2050 anstrebt, oder an ESG-Ziele gebundene Covid-19- Förderprogramme zum Wiederaufbau der Wirtschaft erhöhen nun die Bedeutung der ESG-Kriterien. Die rein ergebnisorientierte Sicht verschiebt sich hin zu nachhaltigen Entscheidungskriterien und einer langfristigeren Konzentration auf Umsatz und Gewinn.

Nachhaltige Investitionen und die Macht der Investoren
Neben dem Druck der Regulatorik ist der Kapitalmarkt ein entscheidender Treiber für die Erreichung von ESG-Zielen in der Wirtschaft. Zum einen rücken Klimarisiken stärker als Investmentrisiken in den Fokus (Larry Finks „Letter to CEO(s)“ von 2021 (siehe hier)] , und zum anderen erschwert eine Nichtberücksichtigung von ESG-Faktoren den Zugang zu Finanzierungsmitteln sowohl bei Kreditvergaben als auch bei möglichen Börsengängen. Immer mehr Anleger geben Unternehmen, die klare Ziele und Vorgaben bezüglich der ESG-Faktoren verfolgen und einhalten, den Vorzug. Allein zwischen 2017 und 2019 haben sich in der DACH-Region die institutionellen ESG-Investments von 176 auf 576 Milliarden Euro verdreifacht, während private Anlagen im gleichen Zeitraum sogar um fast das Vierfache zulegten – von 58 Milliarden Euro auf 252 Milliarden Euro (siehe hier).

Das E in ESG: Mission Net Zero
Zu Beginn der Pandemie befürchteten viele, dass Klimaaspekte in den Hintergrund rücken würden, aber das Gegenteil war der Fall. Die Umschichtung von Kapital zugunsten von Unternehmen, die besser auf Klimarisiken vorbereitet sind, aber auch, soziale und nachhaltige Aspekte zu berücksichtigen, hat sich im Pandemiejahr 2020 weiter beschleunigt – und damit ist auch die Zahl neuer ESG-Fonds gestiegen (siehe hier). Schätzungen von Strategy& zufolge werden bis 2024 ESG-Anlagen den Großteil des gesamten Assetvolumens im deutschsprachigen Raum ausmachen (siehe hier). Mehr als die Hälfte der Länder, Städte und Unternehmen, die 50% des globalen BIPs ausmachen, haben bereits Net-Zero-Selbstverpflichtungen abgegeben (PwC, Net Zero Economy Index 2020, S. 14). Dabei geht es nicht mehr um die reine Verringerung von Treibhausgasemissionen, sondern um einen ganzheitlichen Ansatz. Unternehmen überdenken ihre Emissionen entlang der Lebenszyklen ihrer Produkte, Services und Lieferketten (siehe hier). Je stärker sie sich für eine langfristige Strategie und einen Plan für Klimaneutralität einsetzen, desto mehr wird dieses Engagement von den unterschiedlichsten Stakeholdern gewürdigt und Vertrauen aufgebaut. Auch PwC hat sich mit einem Net-Zero-Commitment verpflichtet, weltweit bis 2030 CO2-Neutralität zu erreichen (siehe hier). Dabei betrachten wir die gesamte Wertschöpfungskette auf globaler Ebene, wie etwa hinsichtlich der Zusammenarbeit mit Mandanten und Dienstleistern, aber auch der nachhaltigen Verringerung unserer Reisetätigkeit und der Nutzung erneuerbarer Energien. Andere Organisationen unterstützen wir ebenfalls dabei, konkrete Pläne für das Erreichen von Klimaneutralität zu entwickeln.

Mehr Transparenz in den Standards sorgt für mehr Vertrauen
Darüber hinaus arbeiten wir auch an der Weiterentwicklung von Reportingstandards, die eine umfassende und aussagekräftige nichtfinanzielle Berichterstattung ermöglichen – denn genau das ist einer der entscheidenden Knackpunkte. Derzeit fehlende allgemeingültige Standards für das Reporting von ESG-Kriterien, und nachhaltige Aktivitäten oder Corporate Impact stellen eine enorme Herausforderung für Unternehmen dar. Neben den finanziellen Kennzahlen müssen aber auch nicht finanzielle KPIs festgelegt werden, damit für alle Stakeholder Transparenz und Vertrauen geschaffen werden können.

Die EZB sowie die BaFin fordern bereits eine Offenlegung klimabezogener Risiken im Impact- und KPI-Reporting der Unternehmen. Auch der weltgrößte Vermögensverwalter BlackRock ruft seit Januar 2020 Unternehmen dazu auf, ihre Nachhaltigkeitsberichte an den Empfehlungen der Task-Force on Climate-Related Financial Disclosures (TCFD) und den Standards des Sustainability Accounting Standards

Boards (SASB) auszurichten. Diese Forderungen verdeutlichen die Notwendigkeit, nicht nur die Ziele, sondern auch die Erfolge bei der Umsetzung einer ESG-Transformation zu belegen, um nachhaltig erfolgreich zu sein.

Gesucht: Leadership-Commitment
Eine Ausrichtung auf ESG-Faktoren im Reporting ist sicher schon eine Herausforderung, wäre aber deutlich zu kurz gegriffen. Es kann nur um eine ganzheitliche ESG-Transformation gehen, die alle Unternehmensprozesse und -ebenen umfasst: von der Neuausrichtung der Unternehmensstrategie und des Geschäftsmodells über die Implementierung neuer Technologien und Lösungen bis hin zur Anpassung der gesamten Lieferkette. Im Kern einer erfolgreichen Unternehmenstransformation steckt deshalb vor allem eines: Leadership-Commitment. Denn nur, wenn die Bedeutung von ESG im Bewusstsein der Entscheidungsträger fest verankert ist und in die Managementprozesse auf höchster Ebene integriert wird, kann dies zu einem langfristigen Erfolg beitragen.

ESG-Transformation mit Parallelen zur Digitalisierung
Was die inhaltlichen Herausforderungen für Unternehmen anbelangt, weist die ESG-Transformation durchaus Ähnlichkeiten mit der Digitalisierung auf. So kann auch ESG offenlegen, wie erfolgreich ein Unternehmen Maßnahmen für seine eigene Transformation plant, umsetzt und wie es danach handelt. Natürlich macht es das sehr breite Themenfeld Organisationen auch hier schwer zu erkennen, womit man bei der Transformation beginnen sollte. Bei der Digitalisierung haben Unternehmen daher häufig mit Einzelprojekten begonnen, weil sie nicht wussten, wie sie sich ganzheitlich digitalisieren sollten – mit dem Risiko, schnell von Vorreitern überholt zu werden. Dadurch ging die Chance verloren, das gesamte Geschäftsmodell zu digitalisieren und dabei neu zu definieren, welchen (digitalen) Wert das Unternehmen darstellt. Diese Chance haben Unternehmen bei ESG noch. Wer langfristig in Strategie und Umsetzung einer ESG-Transformation investiert, erreicht Transparenz und Vertrauen bei verschiedensten Stakeholdern von Mitarbeitern über Kunden bis hin zu Investoren – was sich mittel- und langfristig auch im Unternehmenswert widerspiegelt.

Aber wo beginnen? Eine erfolgreiche ESG-Transformation beginnt mit der Festlegung klarer Ziele und einer nachhaltigen Managementstrategie. Zur fokussierten Umsetzung braucht es einen entsprechenden Maßnahmenplan, der vom ganzen Unternehmen mitgetragen wird. In welchen Bereichen sind etwa einzelne ESG-Dimensionen für verschiedene Stakeholder relevant? In Bezug auf CO2-Reduktionen könnte ein Unternehmen beispielsweise evaluieren, welche neuen Energietechnologien einsetzbar wären, um ein Net-Zero-Commitment zu erfüllen, und von welchen traditionellen Geschäften oder Energiequellen man sich trennen sollte.

Neuer Innovationstreiber für Unternehmen
Somit rückt ESG auch als Innovationstreiber in den Mittelpunkt. Unternehmen können in diesem Transformationsprozess von alternativen Technologien und neuen Verfahren bis hin zu erweiterten Geschäftsmodellen vieles neu entdecken, um für die Zukunft bestmöglich aufgestellt zu sein. Gerade im Bereich der Innovationen – sei es durch Patente, aber auch in der Forschung und Entwicklung, ist Deutschland traditionell gut aufgestellt. Heimische Unternehmen sollten ESG-Kriterien ohne zu zögern in ihre Innovationsagenda einbetten und die neuen Anforderungen zu ihrem eigenen Vorteil – und zu dem ihrer Stakeholder – nutzen.

Gerade hier bieten sich Partnerschaften und Unternehmensallianzen an, um einen schnelleren Aufbau komplementärer Fähigkeiten zu gewährleisten. Erfolgreiche Unternehmen werden also nicht bei der bloßen Erfüllung der Regulatorik stehenbleiben, sondern die Vorgaben dazu nutzen, die eigenen Ziele schneller zu erreichen. Die Finanzindustrie wird dabei die wichtige Rolle spielen, diese Transformation mit Finanzierungs-, Anlage- und Versicherungsprodukten zu begleiten. Gleichzeitig geht es im Sinne von ESG auch darum, die eigene Transformation in Kooperation mit anderen Ländern oder Organisationen zu vollziehen. Als bedeutender Faktor für die Weltwirtschaft steht Deutschland in der Pflicht, einen entsprechenden Beitrag zu leisten.

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