Sustainability als Teil des Corporate Reporting vor dem internationalen Durchbruch

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Man kennt das Deutsche Rechnungslegungs Standards Committee – kurz: DRSC – üblicherweise in seiner Rolle als deutscher Standardsetzer im Bereich der Finanzberichterstattung. In den letzten zwei Jahren erfahren das DRSC sowie vergleichbare Institutionen auf internationaler und europäischer Ebene eine fundamentale Weiterentwicklung ihres Tätigkeitsgebietes. Die IFRS Foundation möchte beim COP 26 in Glasgow die Einrichtung eines zweiten Boards – des International Sustainability Standards Board (ISSB) – verkünden. Auf europäischer Ebene soll die European Financial Reporting Advisory Group (EFRAG) ihre Struktur bis spätestens März 2022 so umbauen, dass ihr bisheriges Mandat – die Beratung der Europäischen Kommission zu IFRS-Themen – um die Entwicklung europäischer Standards zur Nachhaltigkeitsberichterstattung erweitert werden kann. Die EFRAG hat die Ambition, ein echter europäischer Standardsetzer auf diesem Gebiet zu werden. Das DRSC hat diesen Weg bereits im Sommer 2021 beschritten und seine Facharbeit satzungsmäßig grundlegend reformiert. Zukünftig werden zwei Fachausschüsse – Nachhaltigkeits- und Finanzberichterstattung – die Arbeit des DRSC prägen.

Angetrieben werden diese Entwicklungen durch den immer dringlicher werdenden Bedarf an verlässlichen Nachhaltigkeitsdaten. Da sind einerseits die internationalen Investoren, die diese Daten für ihr Risikomanagement sowie das Angebot grüner Finanzprodukte benötigen. Hierfür stehen beispielhaft die jährlichen Briefe des BlackRock-CEOs Larry Fink an die Lenker der großen Unternehmen. Andererseits resultiert dies aus einer zunehmend auf Nachhaltigkeit fokussierten Regulierung, insbesondere im Kontext der Förderung grüner Finanzierungen und nachhaltiger Finanzmärkte. Hier war insbesondere der europäische Gesetzgeber in den letzten Jahren weltweit führend. Eine neue Ära der europäischen Nachhaltigkeitspolitik begann mit dem Aktionsplan zur Finanzierung nachhaltigen Wachstums aus dem Jahre 2018, der dann auch Teil des Green Deals der Von-der-Leyen-Kommission wurde. Mittlerweile ist absehbar, dass im EU-Kontext Banken bei ihren Kreditentscheidungen für Unternehmen jeglicher Größenordnung – also nicht nur in Bezug auf kapitalmarktorientierte Unternehmen – Auskünfte der Kreditnehmer zu Nachhaltigkeitsaspekten einbeziehen müssen.

Damit drängt sich die neue erweiterte Rolle für die Standardsetzer im Bereich des Financial Reporting geradezu auf. Mit ihrem fachlichen Wissen um die Art und Weise von Standardsetzung sind sie für eine solche Aufgabe prädestiniert. Dazu kommt der Wunsch, Finanz- und Nachhaltigkeitsberichterstattung fortschreitend zu einem integrierten Corporate Reporting zu verschmelzen. Gerade zu letzterem Punkt unterbreitete die Europäische Kommission im April 2021 mit ihrem Entwurf einer Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) den wichtigen Vorschlag, den Lagebericht der Unternehmen als einheitlichen Berichtsort für die Nachhaltigkeitsberichterstattung zu bestimmen. Nach einer vorläufigen Abschätzung des DRSC fallen deutschlandweit zukünftig 15.000 Unternehmen unter die Berichtspflichten des CSRD-Entwurfs und haben bereits für das Geschäftsjahr 2023 im Lagebericht nach den voraussichtlich von der EFRAG entwickelten Standards zu berichten. Derzeit finden bei der EFRAG Vorarbeiten hierzu statt und lassen in der Konsequenz europäische Berichtsstandards über die gesamte Breite der ESG-Themen, also Umwelt-, Sozial- und Governance-Aspekte, erkennen. Das DRSC wird voraussichtlich – wie auch bisher in der Finanzberichterstattung – einer der Hauptakteure in der neuen EFRAG-Standardsetzungsstruktur sein. Dabei setzt sich das DRSC insbesondere im Bereich des Sustainability Reporting für international kompatible und proportionale Berichtsanforderungen ein.

Die internationale Kompatibilität ist ein wichtiger Punkt für die exportorientierte deutsche Wirtschaft. Die Errichtung des ISSB bietet die Chance, die gegenwärtige Vielzahl freiwilliger internationaler Standardsetzer und Rahmenwerke zu konsolidieren und sie – wie bei der IFRS im finanziellen Bereich – in international einheitliche Standards im Sinne einer Global Baseline münden zu lassen. Bedeutende internationale Initiativen, wie die Task Force on Climate-related Financial Disclosures (TCFD), die Value Reporting Foundation (VRF) und das Climate Disclosure Standards Board (CDSB) wirken bereits an der Entwicklung eines Klimaprototypen mit. Die Idee eines ISSB erhält breite Unterstützung bei den G20 Staaten und auch bei der internationalen Vereinigung der Börsenaufsichten IOSCO. Die EFRAG muss diesem Kontext hinreichend Rechnung tragen und erste Ansätze, sich mit dem Gedanken einer Global Baseline anzufreunden, sind zu erkennen.

Deutschland spielt in dieser Entwicklung eine starke Rolle und Frankfurt am Main hat derzeit gute Chancen, der Hauptstandort für den ISSB und damit die Wiege der zukünftigen Global Baseline zu werden. Eine breite Koalition aus öffentlicher Hand, der Stadt Frankfurt, dem Land Hessen und dem Bund sowie der Real- und Finanzwirtschaft unterstützt die Bewerbung für den deutschen Standort – auch finanziell mit einer Anschubfinanzierung für die ersten fünf Jahre. Auch das DRSC stützt dies mit seinen langjährigen Erfahrungen aus der internationalen Standardsetzung und seinen etablierten Kontakten zur IFRS Foundation. Es wäre doch schön, in naher Zukunft sagen zu können: Welcome to Frankfurt, ISSB!

lanfermann@drsc.de

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