ISSB konsultiert erste Entwürfe zu internationalen Nachhaltigkeitsberichtsstandards

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Die IFRS-Stiftung hatte im November 2021 die Einrichtung des International Sustainability Standards Board (ISSB) verkündet. Damit entsprach sie dem Wunsch wichtiger internationaler Stakeholder – wie den G20-Regierungen und der Vereinigung der internationalen Börsenaufsichten IOSCO – nach weiterer internationaler Standardisierung im Bereich der Nachhaltigkeitsberichterstattung. Konzeptionell soll vom ISSB ein „Global Baseline“-Ansatz entwickelt werden, der um regionale Besonderheiten ergänzt werden kann („Building-Blocks-Ansatz“). Im Juni 2022 werden am Frankfurter Hauptsitz des ISSB nunmehr erste Entwürfe in Form eines Outreach-Events öffentlich diskutiert.

ISSB nimmt seine Arbeit in Frankfurt am Main auf

Im März 2022 hatten die öffentliche Hand und die Privatwirtschaft in Frankfurt am Main Vereinbarungen mit der IFRS-Stiftung unterzeichnet, die die ISSB-Präsenz in Frankfurt regeln. Bei dem Festakt im Frankfurter Römer wurden die Absichtserklärungen von der IFRS-Stiftung sowie durch hochrangige Vertreter der Bundesrepublik Deutschland, des Landes Hessen und der Städte Frankfurt und Eschborn unterzeichnet. Zudem unterzeichneten für die Privatwirtschaft das Deutsche Aktieninstitut, das DRSC, das IDW, die Wirtschaftsförderung Frankfurt und die Finanzplatzinitiative Frankfurt Main Finance. Das ISSB wird weltweit an mehreren Standorten vertreten sein, wobei das Frankfurter Büro den Sitz des Vorstands und das Büro des ISSB-Vorsitzenden beherbergen wird. Zwischenzeitlich wurde im April 2022 in Kanada ein weiteres Abkommen bezüglich eines ISSB-Standorts in Montreal unterzeichnet. Die Vorbereitungen für eine ISSB- Präsenz in Asien (Japan oder China) werden ebenfalls vorangetrieben.

Das ISSB soll unter Führung seines Vorsitzenden

Emmanuel Faber und seiner Stellvertreterin Sue Lloyd grundlegende Standards für die globale investorenorientierte Nachhaltigkeitsberichterstattung von Unternehmen erarbeiten. Das ISSB selbst soll aus 14 Mitgliedern bestehen. Die offizielle Suche nach ISSB-Mitgliedern läuft seit Jahresbeginn und dem Vernehmen nach sind die Auswahlgespräche bereits fortgeschritten, so dass es möglich ist, bis Ende des zweiten Quartals 2022 einen bedeutenden Teil der künftigen Mitglieder zu berufen. Der gesamte Berufungsprozess soll bis Jahresende 2022 abgeschlossen sein.
Derweil schreitet auch die Konsolidierung der freiwilligen Initiativen weiter voran. Wie bereits zuvor das Climate Disclosure Standards Board (CDSB) wird die Value Reporting Foundation Ende Juni 2022 im ISSB aufgehen. Mit der weltweit ebenfalls bedeutsamen Global Reporting Initiative (GRI) wurde im April 2022 eine Kooperationsvereinbarung geschlossen.

ISSB startet Konsultation zu den ersten beiden Standardentwürfen – Frist endet Ende Juli 2022

Zur inhaltlichen Vorbereitung der ISSB-Arbeiten hatte die IFRS-Stiftung im Jahr 2021 die Technical Readiness Working Group (TRWG) eingerichtet, die im November 2021 zwei Prototypen betreffend Angabeleitlinien und klimabezogene Angaben veröffentlicht hatte. Diese Prototypen wurden anschließend überarbeitet. Das Due-Process-Oversight-Committee der IFRS-Stiftung hatte Mitte März 2022 der Veröffentlichung der ersten zwei Konsultationsentwürfe (Exposure Drafts, ED) und begleitender Dokumente zugestimmt. Beide Entwürfe können bis zum 29.07.2022 kommentiert werden.
Im ED IFRS S1 General Requirements for Disclosure of Sustainability-related Financial Information werden allgemeine Vorgaben für die Angabe von nachhaltigkeitsbezogenen Finanzinformationen behandelt. Der ED IFRS S2 Climate-related Disclosures hat klimabezogene Angaben zum Gegenstand. Die Vorschläge basieren auf Empfehlungen der Task Force on Climate-Related Financial Disclosures (TCFD) und beziehen branchenspezifische Angabeanforderungen ein, die vom Sustainability Accounting Standards Board (SASB) entwickelt wurden.

Internationale ISSB-Arbeitsgruppe zur breiteren Anwendung der ISSB-Standards im April 2022 gegründet

Mit Blick auf die zeitnahe Absicherung der Entwicklung einer Global Baseline wurde Ende April 2022 eine ISSB-Arbeitsgruppe mit Vertretern jener Staaten eingerichtet, die sich aktuell mit der Erarbeitung eigener Nachhaltigkeitsberichtsvorgaben beschäftigen. Damit soll eine Kompatibilität zwischen den ISSB-Standardentwürfen und anderen staatlichen Initiativen abgesichert werden. Mitglieder der Arbeitsgruppe sind neben der Europäischen Kommission und der European Financial Reporting Advisory Group (EFRAG) die US-Börsenaufsichtsbehörde (SEC), die britische Financial Conduct Authority, das chinesische Finanzministerium, die japanische Finanzaufsichtsbehörde und der endgültig noch zu bildende japanische Standardsetzer. Das ISSB hatte bei dieser Gelegenheit zudem die Bildung eines „Sustainability Standards Advisory Forum“ (SSAF) bekannt gegeben, um den regelmäßigen Austausch mit einer noch breiteren Vielzahl von Interessenträgern zu erleichtern.

Hohe Dynamik bei EU- und US-Nachhaltigkeitsberichtsvorgaben

Die Notwendigkeit einer solchen, nunmehr in eine förmliche Arbeitsgruppe überführten Diskussion wird angesichts der anhaltenden weltweiten Dynamik eindrucksvoll vor Augen geführt. Für die EU hat EFRAG Ende April einen Satz von 13 Konsultationsentwürfen für Nachhaltigkeitsstandards veröffentlicht. Die Kommentierungsfrist läuft bis zum 08.08.2022; die Arbeitsergebnisse werden im November 2022 ausgewertet. Die SEC hatte im März 2022 ihren mehr als 500-seitigen Vorschlag zur Klimaberichterstattung zur Konsultation gestellt, wo auch nach der zukünftigen Bedeutung der Global Baseline zumindest für die Berichterstattung von Nicht-US-Emittenten für US-Kapitalmarktzwecke gefragt wird. Die ISSB-Arbeitsgruppe wird die Kompatibilität dieser Initiativen erörtern, um festzustellen, wie die Global Baseline, die an den Bedürfnissen der globalen Marktteilnehmer ausgerichtet ist, dazu beitragen kann, die Effizienz der Berichterstattung für Unternehmen in den jeweiligen Staaten zu optimieren, und wie diese Staaten entsprechend ihren Bedürfnissen auf der Global Baseline aufbauen können.

DRSC organisiert Outreach-Event mit Emmanuel Faber am 21.06.2022 in Frankfurt

Das DRSC als deutscher Standardsetzer war einer der Hauptunterstützer der Bewerbung von Frankfurt am Main als ISSB-Sitz. Es fordert die konsequente Berücksichtigung des Global-Baseline-Ansatzes auch im Rahmen der Standardsetzungsaktivitäten von EFRAG. In den kommenden Wochen wird das DRSC hierauf besonders drängen.

Zur Förderung der deutschen Diskussion zu den beiden ISSB-Standardentwürfen wird das DRSC während der Konsultationsphase in Zusammenarbeit mit der Deutschen Börse und der Goethe-Universität am 21.06.2022 ein hybrides Outreach-Event in Frankfurt am Main veranstalten. Das ISSB wird an seinem Frankfurter Hauptsitz durch den Vorsitzenden Emmanuel Faber vertreten, der die Entwürfe vorstellt und sich auch an einer Paneldiskussion mit hochrangigen Vertretern der deutschen Gemeinschaft beteiligen wird. Informationen zur Anmeldung können der DRSC-Internetseite entnommen werden.

lanfermann@drsc.de

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