Rückenwind für DAX-Konzerne

Finanzierungssituation in der betrieblichen Altersversorgung gestärkt – demographische Entwicklung zwingt zur Anpassung der Pensionspläne

Von Dr. Thomas Jasper und Alfred-E. Gohdes

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Die Finanzierungslage der betrieblichen Altersversorgung (bAV) der DAX-Unternehmen hat sich dank einer günstigen Kapitalmarktentwicklung im Jahr 2013 positiv entwickelt. Die guten Renditen (5,1%) ließen die Pensionsvermögen auf 198 Milliarden Euro steigen (Vorjahr: 192 Milliarden Euro). Gleichzeitig sank der Umfang der Pensionsverpflichtungen auf 303 Milliarden Euro (Vorjahr: 314 Milliarden Euro). Damit sind 65% der Pensionsverpflichtungen mit spezifischen Vermögenswerten bedeckt (Vorjahr: 61%). Zu diesem Ergebnis kommt die Studie „Pensionsvermögen und -verpflichtungen im DAX 2013“ der Unternehmensberatung Towers Watson. Sie basiert auf den Angaben in den Geschäftsberichten der 30 DAX-Unternehmen einschließlich der Anhangsangaben zu den Pensionsverpflichtungen sowie weiteren öffentlich zugänglichen Daten.

Der Ausfinanzierungsgrad von 65% sollte dabei immer im Gesamtkontext gesehen werden. Hierfür werden nur die spezifisch für die Pensionsverpflichtungen reservierten Vermögen betrachtet, die zum Beispiel in einem externen Pensionsfonds vorgehalten werden, nicht aber die Bilanzrückstellungen, die viele Unternehmen ebenfalls zur Finanzierung ihrer künftigen Rentenzahlungen heranziehen können. Insgesamt sind die Pensionsverpflichtungen der DAX-Unternehmen bilanziell zu 100% finanziert.

Solides Finanzmanagement in turbulenten Zeiten

Ein Blick auf die Entwicklung in den vergangenen Jahren zeigt, dass die DAX-Unternehmen ihre Pensionswerke solide durch das wirtschaftlich turbulente Umfeld gelenkt haben. Dank des erfolgreichen Anlage- und Risikomanagements konnten sie nun von der positiven Kapitalmarktentwicklung profitieren. Diese Entwicklung ist exemplarisch für die Situation der bAV in deutschen Unternehmen. Sie bringt den Unternehmen Rückenwind für die Überarbeitung ihrer betrieblichen Altersversorgung, die angesichts der demographischen Entwicklung stärker denn je auf die Agenda drängt. Aktuell zeichnet sich ab, dass in den kommenden Jahren viele Unternehmen ihre Pensionswerke überarbeiten oder neu gestalten werden. Denn derzeit sieht nur jedes dritte Unternehmen in Deutschland sein Angebot an Mitarbeiterbenefits gut für die Zukunft aufgestellt, wie eine im Februar 2014 veröffentlichte Umfrage der Economist Intelligence Unit (EIU) im Auftrag von Towers Watson ergab. Demnach nimmt die Bedeutung von bAV-Leistungen aus Sicht der Unternehmen zu. Zudem sehen sich die Unternehmen mit wachsenden und sich verändernden Ansprüchen ihrer Mitarbeiter konfrontiert. Daraus erwächst Handlungsbedarf: Wer als Arbeitgeber attraktiv bleiben will, muss Angebote machen, die den veränderten Anforderungen der Arbeitnehmer gerecht werden – und wer mit guten Leistungen eine Vorreiterrolle einnimmt, hat einen klaren Vorsprung im Wettbewerb um Talente auf dem Arbeitsmarkt der Zukunft.

Ausfinanzierungsgrad im Ausland noch stärker gestiegen

Deutlich stärker als die DAX-Unternehmen konnten die weltweit größten Pensionsfonds von der guten Kapitalmarktentwicklung 2013 und damit einem gestiegenen Ausfinanzierungsgrad der Pensionsverpflichtungen profitieren. Analysen von Towers Watson zufolge sind dort 93% der Pensionsverpflichtungen mit speziell für die Pensionszahlungen reservierten Vermögenswerten bedeckt (Vorjahr: 77%). Der Grund: Pensionsfonds konnten weltweit von der Entwicklung der Aktienmärkte stärker profitieren, weil sie ihr Pensionsvermögen traditionell deutlich stärker in Aktien investieren als deutsche Unternehmen. Jedoch bedeutet eine höhere Aktienquote immer auch eine höhere Marktanfälligkeit und damit eine größere Schwankungsbreite des Ausfinanzierungsgrades. In Krisensituationen erweisen sich die Pensionsvermögen deutscher Unternehmen dank der um die Hälfte geringeren Aktienquote als deutlich robuster – das hat sich zuletzt in der Finanzkrise 2008/2009 gezeigt. Die Pensionsvermögen der DAX-Unternehmen sind zu 24% in Aktien investiert. Hingegen setzen die größten Pensionsfonds weltweit auf Aktienquoten von etwa 47%.

Größere Transparenz über Pensionsrisiken und Risikomanagement

Nach der Änderung des Rechnungslegungsstandards IAS 19 waren die Unternehmen 2013 erstmals verpflichtet, ihre Pensionsrisiken sowie das Pensionsrisikomanagement nachvollziehbar offenzulegen. Die Unternehmen kommen diesen Pflichten meist sorgsam nach – eine konsistente Marktpraxis wird sich jedoch erst noch herausbilden.

Nach den neuen Regeln ist beispielsweise auszuweisen, wie sich Veränderungen der Lebenserwartung oder des Rechnungszinses auf die Pensionsverpflichtungen im einzelnen Unternehmen auswirken. Steigt beispielsweise der Rechnungszins um 1 Prozentpunkt, sinkt der Umfang der im Jahresabschluss ausgewiesenen Pensionsverpflichtungen um 15%. Diese Angaben waren bislang in dieser Genauigkeit nicht verfügbar – sie liefern jedoch wesentliche Informationen für die Einschätzung der pensionsbezogenen Risiken. Insgesamt ist zu beobachten, dass mit dem neuen Standard dem schon seit einigen Jahren kontinuierlich weiterentwickelten Risikomanagement und der Risikoberichterstattung nochmals ein deutlicher Schub gegeben werden konnte.

Rückenwind für anstehende Veränderungen

Derzeit lässt sich beobachten, dass Unternehmen und Mitarbeiter die bAV immer mehr zu schätzen lernen – ein Trend, der angesichts des demographischen Wandels und der Änderungen der gesetzlichen Rentenversicherung weiter anhalten wird. In der Beratungspraxis von Towers Watson zeigt sich, dass Unternehmen deshalb ihre Pensionswerke sorgsam steuern, immer wieder an veränderte Rahmenbedingungen anpassen sowie die Finanzierungsbasis für die Betriebsrenten kontinuierlich ausbauen. Fazit: Die Unternehmen haben schon viel erreicht – und es gibt weiterhin viel zu tun. Die Entwicklung der Pensionswerke im Jahr 2013 verschafft den Unternehmen hierfür Rückenwind.

thomas.jasper@towerswatson.com

alfred.gohdes@towerswatson.com