Roundtable Deutscher AnwaltSpiegel: Supply-Chain-Risiken steuern und versichern

Fünf Fragen an: Daniel Kreienkamp, Clyde & Co

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Am Nachmittag des 11.09.2018 findet im Redaktionsgebäude der F.A.Z. der nächste Roundtable das Deutschen AnwaltSpiegels statt, den wir zusammen mit unserem Strategischen Partner Clyde & Co durchführen. Kooperationspartner ist die Association of Corporate Counsel Europe. Wir wenden uns an Unternehmensvertreter, ­insbesondere aus der Rechts-und Complianceabteilung, dem Vertrieb und dem Risikomanagement. Zudem sprechen wir Versicherungsmakler, Vermittler und Verbandsvertreter an. Im Vorfeld der Veranstaltung sprach Thomas Wegerich mit Daniel Kreienkamp, der den Roundtable zusammen mit Dr. Henning Schaloske initiiert hat.

Deutscher AnwaltSpiegel: Herr Kreienkamp, Supply-Chain-Risiken gehören seit Jahren zu den größten Risiken für Unternehmen. Schildern Sie unseren Lesern doch
bitte aus Ihrer Praxissicht, warum das so ist.

Kreienkamp: Die Globalisierung und die damit einhergehende Vernetzung der Weltwirtschaft führen zu einem enormen Anstieg der Komplexität von Lieferbeziehungen. Hinzu kommt die in der Vergangenheit regelmäßig erfolgte und weiter fortschreitende Umstellung von Produktionsprozessen auf Just-in-time-Lösungen, insbesondere auch, um Lagerkosten zu sparen. Insgesamt ist die Folge, dass zum Beispiel Probleme bei der Produktion eines Zulieferers oder Transportschwierigkeiten bei Zuliefererteilen dazu geeignet sind, erhebliche und teils langfristige Betriebsunterbrechungen und damit einhergehende finanzielle Schäden zu verursachen.

Deutscher AnwaltSpiegel: Wie können Supply-Chain-­Risiken durch Unternehmen erfolgreich gemanagt werden?

Kreienkamp: Nach unserer Erfahrung ist ein Kernelement, um Supply-Chain-Risiken erfolgreich zu managen, sich der Risiken bewusst zu werden und diese aktiv anzugehen. Hierzu gehört es zum Beispiel auch, nicht nur seine unmittelbaren Zulieferer zu kennen und zu durchleuchten, sondern, soweit dies möglich ist, auch deren Supply-Chain-Risiken zu berücksichtigen. Hierbei sollten die Bedeutung und Risikoanfälligkeit der einzelnen Bereiche bewertet werden. Die Bestandsaufnahme ist auch keine einmalige Angelegenheit, sondern ein sich fortentwickelnder Prozess. Unternehmen sollten sich auch mit möglichen Störungen beschäftigen und potentielle Lösungsmöglichkeiten antizipieren, um für den Ernstfall gewappnet zu sein. Die fortschreitende Digitalisierung stellt hierbei gleichzeitig einen weiteren Risikofaktor und eine außerordentliche Chance für das Risikomanagement der Unternehmen dar.

Deutscher AnwaltSpiegel: Und wie geht die Versicherungswirtschaft nach Ihrer Erfahrung mit dem Thema um?

Kreienkamp: Die Versicherungswirtschaft nimmt Supply-Chain-Risiken und den Umgang mit diesen sehr ernst. Sie bietet Unternehmen zum einen Unterstützung bei der Risikobewertung und dem Risikomanagement an und zum anderen Möglichkeiten eines Risikotransfers zur Absicherung der Unternehmen. Eine Herausforderung für die Versicherer ist hierbei, wie zum Beispiel mit Kumulrisiken umgegangen wird.

Deutscher AnwaltSpiegel: In unserem anstehenden Roundtable des Deutschen AnwaltSpiegels werden wir eine Paneldiskussion führen zu dem Thema Risikodialog und Schadensprävention. Worum geht es dabei inhaltlich?

Kreienkamp: Im Rahmen dieser Paneldiskussion werden wir mit den Teilnehmern diskutieren, wie ein Risikodialog mit Unternehmen aussieht und welche Erwartungshaltungen sowohl bei Versicherern als auch versicherungsnehmenden Unternehmen bestehen. Ein maßgebliches Ziel des Risikodialogs ist es, potentielle Schadensfälle bereits im Vorfeld und im Interesse aller Beteiligten zu vermeiden.

Deutscher AnwaltSpiegel: Eine weitere Paneldiskussion wird Schadenstrends im Zusammenhang mit der Supply-Chain zum Gegenstand haben. Geben Sie uns dazu doch bitte einen Ausblick.

Kreienkamp: Ein Schadenstrend, den wir beobachten, ist, dass selbst vermeintlich kleine Ursachen erhebliche und teilweise unvorhergesehene Folgen und Schäden verursachen können. Die Schäden können für die betroffenen Unternehmen und deren Versicherer hierbei sehr hoch ausfallen. Ich denke zum Beispiel an einen Brand bei einem Halbleiterhersteller in China, der allein die betroffenen Versicherer rund 1 Mrd USD gekostet haben soll. Im Rahmen der Paneldiskussion wollen wir unter anderem aufgreifen, wie sich Schäden regelmäßig entwickeln, welche Umstände einer reibungslosen Schadensregulierung förderlich sind und wie alle Beteiligten aus Schadensfällen Rückschlüsse für den zukünftigen Umgang mit Risiken ziehen können.

Deutscher AnwaltSpiegel: Vielen Dank für dieses ­Interview, Herr Kreienkamp.

Hinweis der Redaktion:
Die Teilnahme an der Veranstaltung ist kostenfrei.
Zu der Anmeldung geht es HIER entlang.