„Mit diesen Frauen können wir die Welt verändern“

Fünf Fragen an: Isabelle Hoyer, Mitgründerin von PANDA und „PANDA Law“,
dem exklusiven Netzwerk- und Recruitingformat für junge Juristinnen

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Bereits vor drei Jahren hatten wir eine damals noch ganz junge Initiative zu Gast im Interview: „We are PANDA“ will Frauen in Führung bringen. Nicht weniger als 50% Frauen in Führungspositionen sind das ehrgeizige Ziel. Mit ihrer Veranstaltung „PANDA Law“ haben die Gründerin Isabelle Hoyer und Gründer Stuart Cameron auch den Rechtsmarkt ins Visier genommen. Das einzigartige Netzwerk- und Recruitingformat spricht gezielt junge und sehr gut qualifizierte Juristinnen an, die in den Startlöchern für Führungspositionen stehen. Mit einem Mix aus Networking, Wettbewerb, Teamwork und Impulsen für die persönliche Weiterentwicklung als (zukünftige) Führungskraft trifft die Veranstaltung offenbar einen Nerv und hat sich mittlerweile etabliert. Namhafte Unternehmens- und Kanzleipartner unterstützen das Format und nutzen die Chance, mit den ausgewählten Teilnehmerinnen in Kontakt zu treten. Der Deutsche AnwaltSpiegel ist seit der Premiere 2015 exklusiver Medien- und Kooperationspartner. Was sich in der Zwischenzeit bei PANDA getan hat, fragte Thomas Wegerich die PANDA-Gründerin Isabelle Hoyer.

Deutscher AnwaltSpiegel: Frau Hoyer, Sie sind 2015 als Nichtjuristin ambitioniert gestartet und wollten mit Ihrem Format „PANDA Law“ den Rechtsmarkt aufrütteln. Was ist Ihr bisheriges Fazit?

Hoyer: In der Tat mussten wir zunächst lernen, dass wir ein wenig zu ambitioniert gestartet sind … Gerade habe ich mir unser damaliges Interview noch einmal durchgelesen und musste selbst ein wenig schmunzeln: 100 Frauen wollten wir zusammenbringen und haben dabei ganz unbefangen angenommen, die Erfahrungen aus unseren anderen Zielgruppenformaten ließen sich 1:1 auf den Rechtsmarkt übertragen. Ziemlich naiv, wie wir heute wissen. 2015 hatten wir gerade einmal 30 Teilnehmerinnen – das war in unseren Augen damals eine absolute Pleite. Wenn ich heute gefragt werde, was der größte Dämpfer in unserer mittlerweile sechsjährigen PANDA-Geschichte war, dann sage ich: unser erster Juraevent. Wir hatten wirklich einiges zu lernen. Dennoch: Das Format hat sich etabliert und feiert am 20.10.2018 seinen vierten Geburtstag. Die positive Resonanz von Teilnehmerinnen und Partnern hat uns von Anfang an ermutigt und geholfen, die Veranstaltung weiterzuentwickeln. Insofern: Den Rechtsmarkt haben wir sicherlich noch nicht „aufgerüttelt“. Aber es ist uns gelungen, eine Veranstaltung zu entwickeln, die jungen Juristinnen einen echten Mehrwert bietet und so besonders ist, dass sie zwischen den vielen Angeboten wirklich hervorsticht. Dass wir es schaffen, all diese großartigen Frauen zusammenzubringen und ihnen eine wertvolle Plattform für Vernetzung, Austausch und Weiterentwicklung zu bieten, ist in unseren Augen mittlerweile mehr als ein vielversprechender Anfang. Wie es eine unserer Teilnehmerinnen einmal gesagt hat: „Mit diesen Frauen können wir die Welt verändern“. Daran glauben wir auch. Das Aufrütteln (nicht nur des Rechtsmarkts) erfordert leider ganz schön viel Geduld – aber wir lassen nicht nach.

Deutscher AnwaltSpiegel: Was hat sich bei „PANDA Law“ seit dem Launch verändert?

Hoyer: Einiges! Zunächst einmal hieß das Format am Anfang ja noch „PANDA University Law“ und war speziell an Jurastudentinnen gerichtet. Mittlerweile ist es etwas „erwachsener“ geworden und richtet sich an Juristinnen mit bis zu fünf Jahren Berufserfahrung, weil wir gemerkt haben, dass der Bedarf an Vernetzung und Austausch für Frauen im Beruf doch erheblich größer ist als vor dem Berufseinstieg. Wir haben an unserem Programm gebastelt und zum Beispiel unser „Lunch & Learn“ eingeführt – einen zwanglosen persönlichen Austausch mit Juristinnen ganz verschiedener Hintergründe. Einen noch stärkeren Fokus haben wir auf Teamwork, gegenseitiges Feedback und Inhalt gelegt und hatten bereits sehr hochkarätige Rednerinnen zu Gast. Gleich geblieben ist das Konzept des Leadership-Contest auf der Basis einer Wahl unter den Teilnehmerinnen. Dieses Format bietet einfach eine einzigartige Dynamik, viel Interaktion und Gelegenheit zur (Selbst-)Reflexion über Führung. Nicht zu unterschätzen: die Chance, besonders authentische Führungstalente in diesem vertraulichen Rahmen auch einmal zu würdigen.

Deutscher AnwaltSpiegel: Ihr Engagement in allen Ehren – und die positive Entwicklung ist sicher sehr erfreulich. Aber wenn die Frage gestattet ist: Wie wollen Sie denn nun tatsächlich zu einer Veränderung in Kanzleien und Unternehmen beitragen, ganz konkret?

Hoyer: Wir schlagen mit jedem unserer Events die Brücke in Unternehmen, das ist ja der Kern unseres Modells. In Unternehmen und Organisationen finden Frauenkarrieren nun einmal statt – oder eben nicht. Daher haben wir von Anfang an versucht, Partner zu gewinnen, die sich in Bezug auf Frauen in Führungspositionen bewegen wollen. Unsere Partnerbasis ist ganz erheblich gewachsen, worüber wir sehr glücklich sind. In jedem Unternehmen, mit dem wir arbeiten, bietet sich die Chance, etwas zu verändern. So bringen wir im Rahmen unserer Veranstaltungen Unternehmen und Frauen zusammen, so dass sich tatsächliche Besetzungen von Führungsrollen ergeben. Ein ganz wichtiger Aspekt und großer Mehrwert für die Teilnehmerinnen ist aber auch, dass wir Topführungsfrauen als Rednerinnen und Impulsgeberinnen einladen, die ihre Erfahrungen teilen und damit ermutigen: Frauen können authentisch führen und auf ihre eigene Weise erfolgreich sein. Vernetzung und Austausch sind laut unseren Mitgliedern das Wichtigste an PANDA. Wir setzen also zum einen bei den Frauen selbst an und zum anderen bei den Unternehmen.

Deutscher AnwaltSpiegel: Sie haben ja weiterhin sehr hochgesteckte Ziele: 50% Frauen in Führungspositionen – wie wollen Sie das erreichen? Was können Sie zu diesem Ziel beitragen?

Hoyer: Seit unserem Start buchstäblich von null haben wir schon einiges erreicht: Heute umfasst unser Netzwerk 1.500 hervorragend qualifizierte Führungsfrauen. Wir haben eine geschlossene Onlineplattform, die den Mitgliedern echten Austausch und Kontakt auch unabhängig von der Präsenz auf Events ermöglicht, und platzieren regelmäßig Expertinnen auf Bühnen und Podien. Wir haben, wie schon erwähnt, eine starke Partnerbasis mit namhaften Unternehmen. Ich denke, in den vergangenen Jahren haben wir ziemlich gut vorgearbeitet und sind jetzt bestens gerüstet für die nächsten beiden großen Projekte: „PANDA Recruiting“, um Frauen noch gezielter in Führungsrollen zu bringen und Unternehmen bei der Suche nach Führungsfrauen zu unterstützen, und „PANDA Consulting“, um Unternehmen Erkenntnisse an die Hand zu geben, wie sie Veränderung gestalten können, wie sie für Frauen in Führung attraktiv werden und bleiben und sich überhaupt modern und offen für alle Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen aufstellen. Solche Erkenntnisse gewinnen wir etwa im Rahmen unserer schon seit vier Jahren bestehenden Forschungskooperation mit der Universität Salzburg, in deren Rahmen gerade die erste Dissertation zum Thema Führungsstile abschlossen wurde.

Deutscher AnwaltSpiegel: Und was hat sich für Sie selbst seit der Gründung von PANDA verändert?

Hoyer: Viel! Zunächst empfinde ich es als großes Glück, dass ich die Möglichkeit habe, mich so intensiv für ein Thema einzusetzen, das mir so sehr am Herzen liegt. Seit 2016 ist PANDA nicht mehr nur ein „Projekt“ zweier Gründer mit hochgesteckten Zielen und viel Idealismus. Es ist eine kleine Firma geworden, was für uns die Voraussetzung war, uns dem Engagement für Gleichberechtigung in der Arbeitswelt endlich auch mit aller Kraft und Zeit widmen zu können. Beruflich ist das die Verwirklichung eines großen Traums. Und inhaltlich ist aus unserer Idee „Wir machen mal ein echt cooles Event für Frauen in Führungspositionen“ mittlerweile so viel mehr geworden, auch dank der riesigen Resonanz unseres Netzwerks. Ich habe das Gefühl, dass PANDA für viele Menschen wirklich einen Unterschied macht – eine ungeheure Motivation, nicht nachzulassen.

Deutscher AnwaltSpiegel: Frau Hoyer, ich danke Ihnen sehr für dieses offene Gespräch. Mit dem Deutschen ­AnwaltSpiegel werden wir die Entwicklung von PANDA und „PANDA Law“ auch weiterhin eng begleiten.     

Hinweis der Redaktion: Hier kommt der Link zur Website, hier kommen die Links zum aktuellen Video sowie zu weiteren Informationen zu der Bewerbung für „PANDA Law“. Hier entlang geht es zum Link zum Abendevent. (tw)