Mensch vs. Maschine? Die Zukunft juristischer Arbeit ist Thema auf der 5. Bucerius-Herbsttagung

Fünf Fragen an Markus Hartung, Direktor, Bucerius Center on the Legal Profession, Hamburg/Berlin

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Deutscher AnwaltSpiegel: Die Bucerius-Herbsttagung gibt es erst seit fünf Jahren, aber die Veranstaltung ist im Jahreskalender vieler Entscheider in Kanzleien und Rechtsabteilungen fest eingetragen. Wie sehen Sie die Entwicklung als Initiator, Herr Hartung?

Hartung: Zunächst freuen wir uns natürlich sehr, dass es uns gelungen ist, die Herbsttagung so fest zu etablieren – übrigens auch für solche Unternehmen, die wir als „Alternative Service Providers“ bezeichnen. In Hamburg treffen sich also alle wesentlichen Player im Rechtsmarkt. Das ist eine Bestätigung unseres ursprünglichen Konzepts wie auch eine besondere Herausforderung für die kommenden Tagungen.

Deutscher AnwaltSpiegel: Mein persönlicher Eindruck ist, dass die Themen im Jahr 2015 sogar noch weiter vorausgreifen und auf erkennbare, aber auch nur denkbare Entwicklungen im Rechtsmarkt eingehen. Täuscht das?

Hartung: Einerseits ist Ihr Eindruck richtig, denn die Frage, ob und wie maßgeblich Technologie wirklich in den Kern anwaltlicher Tätigkeit eingreifen kann, lässt sich heute noch nicht sicher beantworten. Andererseits: Als wir die jetzt anstehende Tagung konzipierten, dachten wir an einen Titel Richtung Künstliche Intelligenz, was wir dann aber als zu weitgehend verworfen haben – aber wenn Sie jetzt schauen, was in Großbritannien und den USA diskutiert wird, dann ist das – Artificial Intelligence. Die Entwicklung geht so rasend schnell, dass man heute nicht sicher sagen kann, was wir morgen erleben werden – ist es nur „denkbar“ oder „doch wahrscheinlich“? Schwer zu sagen.

Deutscher AnwaltSpiegel: Das „More for less“-Thema stellen Sie nochmals sehr stark in den Blickpunkt der diesjährigen Herbsttagung. Würden Sie unseren Lesern bitte die Hintergründe dafür schildern.

Hartung: Seit Richard Susskind das an sich nicht neue Prinzip „More for less“ als eine der drei wesentlichen Herausforderungen für den Rechtsmarkt bezeichnet hat, führen wir es wie selbstverständlich im Munde – wir sehen es als gegeben, dass dieses Prinzip gilt. Aber ist das wirklich so? Wenn wir uns die wirtschaftlichen Ergebnisse der Kanzleien anschauen, drängt sich das zumindest nicht auf. Allerdings fehlen uns bestimmte Daten, um sicher beurteilen zu können, ob wir uns hier alle etwas vormachen oder ob es gelebte Realität ist. Daher veranstalten wir derzeit eine Umfrage unter Unternehmensjuristen, um eine bessere Beurteilungsgrundlage zu bekommen. Wir haben schon eine große Zahl an Antworten erhalten, freuen uns aber, wenn sich die Unternehmensjuristen noch einmal einen Ruck geben. Die Ergebnisse werde ich am 20.11. in Hamburg vorstellen.

Deutscher AnwaltSpiegel: Die Gerichtssprache ist noch immer Deutsch. Die Konferenzsprache der Bucerius-Herbsttagung scheint zunehmend Englisch zu sein. Ist das Zufall oder Strategie?

Hartung: Sagen wir so – es ist unausweichlich, aber wir können damit sehr gut leben. Unsere Konferenzteilnehmer haben mit englischsprachigen Vorträgen, Workshops und Diskussionen überhaupt kein Problem. Umgekehrt ist das nicht so – viele Referenten kommen naturgemäß aus englischsprachigen Ländern, weil dort die Entwicklung schon viel weiter ist. Diese Folge ist uns aber auch ganz recht, denn zunehmend interessieren sich so viele ausländische Anwälte und Serviceprovider für unsere Konferenz, dass wir mit der (derzeit noch inoffiziellen) englischen Konferenzsprache den Teilnehmerkreis internationalisieren. Das findet bisher jeder gut.

Deutscher AnwaltSpiegel: Lassen Sie uns über die konkrete Konferenz hinausschauen. Das Bucerius Center on the Legal Profession hat sich verändert und in Teilen neu aufgestellt. Bitte schildern Sie unseren Lesern doch, was es damit auf sich hat und welche Zielsetzungen Sie verfolgen.

Hartung: Als wir 2010 begonnen haben, waren wir mit unserem „Geschäftsmodell“ hochinnovativ. Aber nichts wird so schnell alt wie eine gute Idee von gestern. Während wir uns seinerzeit noch ganz auf die Konzeption und Durchführung von Fortbildungsseminaren beschränkt hatten, sind wir inzwischen deutlich weiter, gerade was den Bereich Advisory angeht. Deshalb haben wir uns auch neu aufgestellt, „kopflastiger“, wenn man so will – mit einer Executive Faculty, in der wir diejenigen zusammenbringen, die praktische Erfahrung mit wissenschaftlichem Ansatz kombinieren, und wodurch wir – neben den Seminaren, die wir immer noch erfolgreich durchführen – unseren Kunden etwas bieten können, was sie woanders nicht finden. Unsere neue Homepage reflektiert diese Neuaufstellung, die mehr und mehr angenommen wird.

Deutscher AnwaltSpiegel: Herr Hartung, vielen Dank für unser Gespräch. Wir freuen uns, dass wir mit dem Deutschen AnwaltSpiegel nun schon zum fünften Mal die Bucerius-Herbsttagung als Medienpartner begleiten dürfen.