Legal Tech, Effizienzsteigerung, Kunden- und Marktnähe

Fünf Fragen an: Gunther Thies und Uwe Richter, Vorstände der STP Informationstechnologie AG

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Die STP Informationstechnologie AG ist ein deutsches Technologieunternehmen mit Sitz in Karlsruhe. Das ­Unternehmen ist deutscher Marktführer in den Bereichen Insolvenzverwaltersoftware, Software für Insolvenz­gerichte sowie Managementsoftware für Anwaltskanzleien. Zudem ist STP seit vielen Jahren enger Kooperations­partner der AnwaltSpiegel-Gruppe. In diesem Jahr wird die STP 25 Jahre alt. Zudem steht zum bereits neunten Mal die hochkarätige STP-Fachtagung im Grandhotel Schloss Bensberg am 21. und 22.06.2018 an, die der ­Deutsche AnwaltSpiegel wieder als Medienpartner ­begleitet. Thomas Wegerich sprach mit Gunther Thies und Uwe Richter, den beiden STP-Vorständen.

Deutscher AnwaltSpiegel: Herr Thies, in diesem Jahr wird die von Ihnen mitgegründete STP Informations­technologie AG 25 Jahre alt. In einer Welt der Start-ups sind Sie damit – je nach Sichtweise – ein Dinosaurier oder aber ein First Mover in Bezug auf IT im Rechtsmarkt. In a nutshell: Was waren die Meilensteine der Firmengeschichte, und wo steht STP heute in Ihren ­Märkten?

Thies: Natürlich war der erste Meilenstein 1993 die Gründung Suikat-Thies + Partner GmbH, denn schlussendlich wurden hier die Fundamente für die heutige STP AG gelegt. 2001 war es dann auch schon so weit, und wir wurden zur STP AG. Dann, 2006, wurde die STP AG nach DIN ISO 9001:2000 zertifiziert. Das ist für uns als Technologieunternehmen ein wichtiger Punkt. Im Jahr 2007 wurde winsolvenz.p3 eingeführt. Das war eine neue Dimension zur Abwicklung von Insolvenzverfahren und brachte uns voll in den Markt. Damit wurden wir besonders bei Insolvenzverwaltern und Insolvenzgerichten stark sichtbar.
2011 führten wir LEXolution ein und konnten so auch Wirtschaftskanzleien ein hervorragendes Produkt zur zahlenbasierten Kanzleisteuerung an die Hand geben. Hg Capital wurde 2016 unser Partner. Seitdem steuern wir weiter stark auf Expansionskurs und denken auch über die Internationalisierung unserer Produkte nach.

Deutscher AnwaltSpiegel: Herr Richter, in diesem Jahr ­findet bereits zum 9. Mal die STP-Fachtagung im Grandhotel Schloss Bensberg statt. Sie erreichen hier regel­mäßig weit über 100 hochkarätige Vertreter von Kanzleien, Unternehmen und Dienstleistern im Rechtsmarkt. Welches Ziel verfolgt STP hier, welchen Stellenwert hat die Veranstaltung aus ­Unternehmenssicht?

Richter: Die Veranstaltung ist sehr erfolgreich und wird gern angenommen. Der Ursprung für die STP-Fachtagung war, ein Forum für den Austausch zwischen Wirtschaftskanzleien und Rechtsabteilungen zu bieten, ohne dabei eine „STP-Werbeveranstaltung“ zu sein. Diese Begegnungen finden hier regelmäßig statt und befördern den Dialog und die Verständnisebene zwischen beiden Gruppen. Weiterhin wollten wir umfangreich informieren über Entwicklungen, Trends und Neuigkeiten in der Branche (und das nicht nur national). Auch das ist sehr gut gelungen. Seit dem vergangenen Jahr sehen wir uns auch verpflichtet, Legal-Tech-Innovationen vorzustellen und auch Rechtsabteilungen und Kanzleien die Möglichkeit zu geben, eigene Innovationen zu präsentieren. Gerade unsere LEXolution-Produkte setzen seit Jahren auf die unternehmerische Steuerung von Wirtschaftskanzleien. Die Fragen nach der Effizienz und der Wirtschaftlichkeit werden immer zentraler. Deshalb sind auch Legal-Tech-Innovationen ein wichtiger Bestandteil der juristischen Leistungserbringung der Zukunft.

Deutscher AnwaltSpiegel: In diesem Jahr ist das Konzept wesentlich geändert und geschärft worden: Mehr interaktive Elemente, viele neue Formate und nicht zuletzt ein neuer Zeitplan. Wie sieht die Resonanz im Markt darauf bisher aus?

Richter: Aktuell sehr gut. Unsere Teilnehmer wünschen sich „aktive“ Veranstaltungen, die einen direkten, praktischen Nutzen bieten. Dem haben wir entsprochen. Die Anmeldungen laufen auf Hochtouren, und wir sind sicher, auch in diesem Jahr mehr als 100 Teilnehmer begrüßen zu können. Wir haben allein 25 Bewerbungen auf den Legal Innovation Award (LIA) bekommen. Das zeigt, wie spannend das Thema ist. Unser Programm ist in die Zukunft gerichtet und soll Teilnehmern einen Wissensvorsprung ermöglichen.

Deutscher AnwaltSpiegel: Herr Thies – Stichwort STP Legal Innovation Award. Zum zweiten Mal hat Ihr ­Unternehmen diesen Preis in drei Kategorien ausge­schrieben. Was versprechen Sie sich davon, wie ist die Aufnahme im Markt?

Thies: Wir selbst sehen uns bei der Entwicklung unserer Produkte der Effizienzsteigerung und der Wirtschaftlichkeit bei der Erbringung der anwaltlichen Dienstleistung verpflichtet. Mit diesem Gedanken und dem Gedanken der Vereinfachung und der smarten Anwendbarkeit entwickeln wir unsere Produkte. Insoweit ist es nur folgerichtig, sich die innovativsten und besten Legal-Tech-Lösungen anzusehen. Sie bestimmen ein Stück weit in der Zukunft mit, wie wir Anwendungen entwickeln und Schnittstellen gestalten. Die Annahme am Markt ist größer, als wir uns hätten träumen lassen. Allein in diesem Jahr durfte unsere Fachjury 25 Legal-Tech-Innovationen begutachten und bewerten. Da sind Entwicklungen großer Wirtschafts- und Prüfungsgesellschaften genauso dabei wie Anwendungen aus Rechtsabteilungen und hochintelligente Produkte von Start-ups. Schon das zeigt, dass Legal Tech den Rechtsmarkt durchdringt, auch wenn die „breite Masse“ der kleineren Kanzleien im Legal Tech noch kein Thema für sich sieht. STP-Kunden setzen jetzt bereits nicht selten Legal-Tech-Lösungen ein und sind dankbar für die Möglichkeit, sich so komprimiert auf dem Laufenden halten zu können wie bei unserem LIA.

Deutscher AnwaltSpiegel: Lassen Sie uns in die ­Glaskugel schauen. Bitte vervollständigen Sie folgenden Satz. In zwei Jahren wird die STP AG …

Thies: … auch weiterhin attraktiver Arbeitgeber sein. Wir werden weiterhin Innovationen auf den Markt bringen, die die anwaltliche Dienstleistung schneller und wirtschaftlicher machen und Anwälte und Rechtsabteilungen entlasten. Wir werden weitere Kooperationen eingehen, die unser Angebot abrunden, und wir werden weiter wachsen.

Richter: … In dem Insolvenzsegment haben wir im Februar unsere p3-Software auf p4-Suiten erweitert, die es einer Insolvenzkanzlei ermöglichen, eine Gesamtlösung für die Abwicklung von Insolvenzverfahren und auch für das Management der eigenen Kanzlei abzubilden. Hierdurch wird der Automatisierungsgrad deutlich optimiert. Später im Jahr werden wir weitere „Kanzlei 4.0“-Lösungen zur Automatisierung ankündigen. Da bereits heute mehr als 100 Kunden auf p4 umgestiegen sind, gehe ich davon aus, dass wir in zwei Jahren der überwiegend großen Mehrheit unserer Kunden mit p4 deutliche Effizienzgewinne liefern konnten. Gleichzeitig bauen wir unsere Informationsservices im STP-Portal aus, was wiederum sowohl unseren „Insolvenzkanzleien“ als auch den Gläubigern zugutekommt.

Im Segment der Rechtsabteilungen und wirtschaftsberatenden Kanzleien stocken wir zurzeit unsere Entwicklungskapazitäten deutlich auf, um unsere LEXolu­tion-Software zum Management einer Kanzlei und unser Dokumentenmanagementsystem für Rechtsabteilungen weiter auszubauen. Ferner konzentrieren wir uns auch auf die weitere Entwicklung von CRM-und Kollaborationslösungen. Hier entsteht gerade ein Eco-System – auch für Dienstleister. Damit werden unsere Kunden erhebliche Effektivitäts- und Effizienzgewinne erzielen. Aufgrund der sehr positiven Marktresonanz erwarte ich, dass sich in den nächsten zwei Jahren viele Law-Firms fragen werden, wie sie am besten davon profitieren können.

Deutscher AnwaltSpiegel: Meine Herren, vielen Dank für dieses Gespräch.