Krankenhaushaftpflicht – Perspektiven 2019/2020: Tendenz positiv

Fünf Fragen an: Dr. Henning Schaloske und Dr. Marina Schulte, beide Clyde & Co, Düsseldorf

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Am Nachmittag des 01.10.2019 findet in der Pagode der F.A.Z. ein weiterer Roundtable des Deutschen ­AnwaltSpiegels mit unserem Strategischen Partner Clyde & Co statt. Das Spezialthema Krankenhaushaftpflicht steht dabei in all seinen praxisrelevanten Facetten
im Mittelpunkt. Dieses Segment des Versicherungs-markts war in den vergangenen Jahren in Bewegung. ­
Darüber sowie über die Perspektiven für die Zukunft sprach ­Thomas Wegerich mit Dr. Marina Schulte und Dr. Henning Schaloske.

Deutscher AnwaltSpiegel: Geben Sie unseren Lesern doch bitte einen Überblick zum aktuellen Stand des ­Versicherungsmarkts für die Krankenhaushaftpflicht.

Dr. Henning Schaloske: Zuletzt haben sich immer mehr Versicherungen aus diesem Bereich zurückgezogen. Für die Krankenhäuser wurde es immer schwerer, eine geeignete Versicherung zu finden. Ein Ausblick zeigt aber, dass sich wieder mehr Akteure auf diesen Markt trauen. Die neuen Haftpflichtversicherungen werden voraussichtlich auf das Claim-made-Prinzip aufsetzen. Weitere Entwicklungen bleiben aber abzuwarten.

Deutscher AnwaltSpiegel: Es ist zu beobachten, dass neue Haftpflichtrisiken entstehen. Welche sind das, und wo liegen die Gründe für diese Entwicklung?

Dr. Marina Schulte: Neue Haftpflichtrisiken entstehen zum einen durch die zunehmende Digitalisierung, die nicht zuletzt nun auch durch die jüngste Ermöglichung beziehungsweise Erleichterung von Fernbehandlungen einen weiteren Aufschwung erfährt, zum anderen durch die zunehmende Kooperationsbereitschaft von Krankenhäusern mit anderen Krankenhäusern oder niedergelassenen Ärzten. Dadurch wird die jeweilige Zurechenbarkeit der (Heilbe-)Handlung durch die Zunahme der Akteure erschwert.

Deutscher AnwaltSpiegel: Und wie steht es um die ­Versicherbarkeit von Haftpflichtrisiken?

Dr. Henning Schaloske: Hier wird sich in Zukunft viel entwickeln. Nicht alle Versicherungen decken alle Haftpflichtrisiken komplett ab. Besonderes Augenmerk muss vor allem zukünftig darauf gelegt werden, dass es zweifelsfreie Regelungen gibt, wie insbesondere nicht im Krankenhaus angestellte, aber dennoch an der Heilbehandlung beteiligte Ärzte vom Versicherungsschutz umfasst werden. Ferner ergeben sich aus der zunehmenden Digitalisierung viele neue Risiken, die unter anderem mit künstlicher Intelligenz (KI) oder der Vielzahl an gewonnenen Daten zusammenhängen. Die Versicherungen müssen zukünftig auch diese Risiken abdecken können.

Deutscher AnwaltSpiegel: Stichwort Risikomanagement in Kliniken: Welche Herausforderungen und welche Chancen sehen Sie in diesem Bereich?

Dr. Marina Schulte: In erster Linie geht es darum zu verstehen, welche Personen unter Verwendung welcher Geräte an der Heilbehandlung mitwirken. Abläufe und Prozesse müssen hierbei klar definiert werden. Ferner wird zukünftig die Verantwortlichkeit beim Umgang mit Daten eine große Rolle spielen. Insbesondere auch deshalb, da es den Krankenhäusern zukünftig möglich ist, eine viel größere Menge an Daten zu generieren. Diese müssen auf der anderen Seite auch verarbeitet werden. Die Herausforderung liegt darin, das technische und das medizinische Verständnis zusammenzubringen.
Eine große Chance ist, dass durch die zunehmende Möglichkeit, Daten zu generieren, und die Kooperationsbereitschaft eine bessere Patientenversorgung angestrebt werden kann. Freilich müssen sich die Prozesse erst einspielen, aber der Heilbehandlungsmarkt wird dadurch mit Sicherheit revolutioniert.

Deutscher AnwaltSpiegel: Lassen Sie uns einen Blick in die Glaskugel werfen: Wo steht der Versicherungsmarkt für die Krankenhaushaftpflicht in fünf Jahren, welche Trends erwarten Sie bis dahin?

Dr. Henning Schaloske: Wir gehen davon aus, dass sich zukünftig wieder mehr Versicherungen auf den Markt trauen und entsprechende Produkte anbieten werden. Dies wird letztlich zu einer Win-win-Situation führen, da auch die Krankenhäuser dringend neue Versicherungsangebote benötigen, um damit ihr (bislang unversichertes) Potential voll ausschöpfen zu können.

Deutscher AnwaltSpiegel: Frau Dr. Schulte, Herr Dr. ­Schaloske, vielen Dank für die Einblicke, die Sie unseren Lesern gegeben haben.

Hinweis der Redaktion: Die Teilnahme am Roundtable des Deutschen AnwaltSpiegels ist für Unternehmensvertreter kostenlos. ­Anmelden können Sie sich gleich HIER. (tw)