Kontrastprogramm zur Realität: Juristinnen unter sich

Neu und anders: Deutscher AnwaltSpiegel im Gespräch mit Isabelle Hoyer über PANDA University Law@EBS

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Am 27.11.2015 findet in Wiesbaden eine Premiere statt: Etwa 100 hochkarätige junge Nachwuchsjuristinnen treffen sich, um im Rahmen eines Crowdrankings diejenige unter ihnen zu küren, die sie als das beste weibliche Nachwuchstalent ansehen: PANDA University Law @ EBS – das ist ein im Rechtsmarkt völlig neues Format, das nicht nur einfach anders ist, sondern das das Potential hat, sich zu einem sehr transparenten und zeitgemäßen Networking- und Recruitingevent zu entwickeln. Sechs namhafte Anwaltskanzleien und mehrere Unternehmen haben das erkannt und beteiligen sich als Sponsor an dem Projekt. Die EBS Law School ist der Gastgeber, der Deutsche AnwaltSpiegel der exklusive Medienpartner. Thomas Wegerich sprach mit Isabelle Hoyer, der Initiatorin der PANDA University.

Deutscher AnwaltSpiegel: Frau Hoyer, bitte erklären Sie unseren Lesern das Konzept der PANDA University – und lassen Sie uns vorher bitte wissen, was es mit der Bezeichnung auf sich hat?

Hoyer: Frauen in Führungspositionen sind in Deutschland so selten wie … ganz klar: wie Pandas – wenn sie auch Gott sei Dank zumindest nicht vom Aussterben bedroht sind. Na ja, ganz so lief unsere Namensfindung zwar nicht, aber doch ähnlich. Uns war es wichtig, einen Namen zu finden, der sich von denen der Vielzahl an Events und Initiativen rund um „Frauen in der Wirtschaft“ deutlich abhebt, der Wiedererkennungswert hat und gleichzeitig transportiert, dass unsere Veranstaltungen anders sind und durchaus auch Spaß machen. Nach vier Jahren können wir sagen: Das ist mit dem Namen PANDA gelungen.

PANDA University ist ein Netzwerk- und Karriereformat für Frauen, die in einigen Jahren die Arbeitswelt entscheidend gestalten wollen – für zukünftige Führungsfrauen und Entscheiderinnen. Wir wollen die Nachwuchstalente von zwei Seiten aus unterstützen: Erstens, indem wir mit PANDA University eine Plattform für Vernetzung, Austausch und persönliche Weiterentwicklung bieten und somit die Frauen selbst stärken. Zweitens, indem wir die Brücke in die Wirtschaft schlagen und Unternehmen mit ins Boot holen, denn dort finden sich nun einmal die Chancen (und leider auch immer noch Hemmnisse) für Frauenkarrieren. Wir planen PANDA Universities für unterschiedliche Fachrichtungen, den Start machen wir mit Jura.

Deutscher AnwaltSpiegel: Welche Erfahrungen haben Sie mit Projekten in anderen Branchen gesammelt, und warum glauben Sie, dass das auf den Rechtsmarkt übertragbar ist?

Hoyer: Wir veranstalten seit 2013 den PANDA Karriere-Contest für weibliche Führungstalente in Berlin, mit 200 Führungsfrauen mit drei bis 25 Jahren Berufserfahrung – aus allen Branchen, akademischen Richtungen und Unternehmensformen. Das Format entwickelt sich mit dem Feedback unserer Teilnehmerinnen ständig weiter. Die größten Mehrwerte des Tages sind nach deren Aussagen: 1. das Networking unter tollen Frauen, 2. die vielen Impulse, der Austausch und das Feedback, das sich die Teilnehmerinnen gegenseitig geben, 3. Kontakte zu Unternehmen und Jobchancen. Wir glauben, dass diese Mehrwerte für Juristinnen ebenso wertvoll sein werden wie für die Teilnehmerinnen anderer Branchen. In unserer Vorbereitung wurde uns diese Annahme bisher bestätigt: Eins kam im Gespräch mit erfahrenen Juristinnen immer wieder auf: Dass man nicht früh genug damit beginnen kann, tragfähige Netzwerke zu knüpfen. Diesbezüglich wird Frauen ja oft Nachholbedarf attestiert. PANDA University wird hierfür eine Plattform sein, denn es kommen viele ambitionierte Frauen zusammen, die am Anfang ihrer Laufbahn stehen, aber doch auf unterschiedlichen Levels sind und sich gegenseitig Tipps geben können. Genauso wichtig ist uns der Fokus auf Persönlichkeit: Es wurde uns immer wieder berichtet, dass Soft Skills und persönliche Stärken im sehr fordernden und strukturierten Jurastudium zu kurz kämen. Dabei ist beides doch absolut wichtig für das spätere Berufsleben, der Umgang mit Menschen ist schließlich entscheidend! Darum wird es bei PANDA University viel darum gehen, im Team zu arbeiten, zu kommunizieren, die eigene Persönlichkeit zu zeigen. Und schließlich: Dass sich in der Rechtsbranche noch einiges tun muss, bis gleiche Möglichkeiten und Chancen herrschen … zumindest darüber herrscht ja unserer Wahrnehmung nach ein gewisser Konsens (siehe hierzu auch einen aktuellen Artikel auf sueddeutsche.de).

Deutscher AnwaltSpiegel: Sie wollen bis zu 100 hochqualifizierte Juristinnen an der EBS Law School zusammenbringen. Wie ist das Auswahlverfahren organisiert – und wer entscheidet über die Zulassung der Teilnehmerinnen?

Hoyer: Der Bewerbungsprozess ist dreistufig: Lebenslauf, kurzer ergänzender Vorstellungstext, um den Eindruck aus dem CV abzurunden, sowie eine Empfehlung von jemandem, der die Bewerberin gut kennt und eine Aussage zu ihren persönlichen Stärken treffen kann. Wir machen hier keine Vorgaben, wer das sein soll – häufig sind die empfehlenden Personen Professorinnen oder Professoren, Vorgesetzte aus Praktika oder Referendariat, Kolleginnen oder Kollegen aus bisherigen Tätigkeiten. Wir als Veranstalter entscheiden, wer zu PANDA University eingeladen wird. Wir nehmen uns für diese Entscheidung immer die Zeit, uns ein möglichst umfassendes Bild von den Bewerberinnen zu machen. Der akademische Werdegang fließt hierbei genauso ein wie andere Aktivitäten neben Studium oder Beruf, die persönliche Motivation und die Argumente der empfehlenden Personen. Aus unserer bisherigen Erfahrung können wir sagen: Gerade die Empfehlung ist zunächst für viele wirklich eine Überwindung – jemanden um Unterstützung zu bitten fällt nicht immer leicht.

Deutscher AnwaltSpiegel: Die Teilnehmerinnen ermitteln die „Beste“ aus den eigenen Reihen. Würden Sie uns bitte schildern, um welche Wettbewerbe und Disziplinen es dabei geht? Wodurch zeichnet sich die zukünftige PANDA-Gewinnerin 2015 aus?

Hoyer: Der Tag beinhaltet mehrere Workshops zu Themen, die unabhängig vom juristischen Schwerpunkt für den Berufsalltag relevant sind. Alle Teilnehmerinnen sollen sich gleichermaßen einbringen können. Ich möchte inhaltlich nicht zu viel verraten, aber so ein Thema könnte etwa die richtige Rhetorik im Umgang mit Mandanten oder in schwierigen Verhandlungssituationen sein. Es wird einen Input zum Thema geben und dann eine Aufgabe, die in Teams bearbeitet wird. Wer am Ende des Tages prämiert wird, ermitteln bei PANDA University in erster Linie die Teilnehmerinnen unter sich: Das Crowd-ranking ist wie eine Wahl, man sammelt also Stimmen. Die Perspektive der Teilnehmerinnen wird dabei ergänzt durch die Vertreter der Partnerkanzleien und eine Jury, die die Top 10 des Tages abschließend interviewen. Alle haben eine Stimme und lassen sich von der Frage leiten, welche Teilnehmerin aufgrund ihrer Persönlichkeit in besonderer Weise als Nachwuchsjuristin überzeugt. Die Gewinnerin wird sich also dadurch auszeichnen, dass sie es schafft, in verschiedenen Situationen die Zielsetzung im Auge zu behalten, gut auf andere einzugehen, einen maßgeblichen Beitrag zum Erfolg zu leisten.

Deutscher AnwaltSpiegel: Mit Linklaters, Simmons & Simmons, Baker & McKenzie, Allen & Overy, Mayer Brown und Luther haben Sie schon zum Start namhafte Sozietäten als Kooperationspartner und Sponsoren gewinnen können. – War die Überzeugungsarbeit eigentlich schwer?

Hoyer: Ganz ehrlich: Wir haben uns das wesentlich einfacher vorgestellt. Durch ein anderes unserer Karriereformate hatten wir Kontakt zu vielen Kanzleien und wussten aus Vorgesprächen, dass sie alle das „Frauenthema“ auf ihrer Agenda haben, und zwar fett, mit Rotschrift und drei Ausrufezeichen. Dann haben wir selbst recherchiert und erst einmal gelernt, dass der Frauenanteil auf Partnerebene in Kanzleien ja noch geringer ist als in Vorstandsetagen der Konzerne – bei einem ausgewogenen Verhältnis unter den Juraabsolventen.

Das schien also eine banale Gleichung: Großer Veränderungsdruck + vermeintlich große Handlungsbereitschaft in den Kanzleien + bestens qualifizierte weibliche Nachwuchskräfte = wir werden uns nicht retten können vor Kanzleipartnern! Ihr Ausdruck trifft die Realität allerdings wesentlich besser: Überzeugungsarbeit. Denn das stimmt zwar alles, und das Interesse ist groß – PANDA University ist aber auch ein wirklich neues Format, das sich vom Bekannten (bewusst) sehr unterscheidet. Für solch ein Vorhaben Mitstreiter zu finden ist oft nicht so einfach wie gedacht. Umso mehr freuen wir uns über die Kanzleien und Unternehmen, die uns für die Pilotveranstaltung ihr Vertrauen geschenkt haben. Viele andere wollen sich das Ganze erst einmal anschauen.

Deutscher AnwaltSpiegel: Sie beschäftigen sich ja noch nicht allzu lange mit dem Rechtsmarkt, so dass Sie – wenn ich das so bezeichnen darf – noch relativ unbefangen mit den Playern umgehen können. Darf ich daher fragen: Wie ist Ihr Eindruck von der Herangehensweise der Sozietäten an das Thema Frauen und Karriere?

Hoyer: Mein Eindruck bezüglich der Herangehensweise an das Thema Frauen und Karriere ist, dass Wunsch und Wirklichkeit weit auseinanderklaffen. Es ist wohl schlicht nicht möglich, etwa vom Außenauftritt von Unternehmen oder Kanzleien auf die tatsächliche Praxis zu schließen. Auf den Websites werben fast alle unisono mit Topchancen, Vereinbarkeit von Beruf und Familie oder speziellen Initiativen für Frauen. Wenn man dann mit Anwältinnen spricht, erhält man oft ein völlig anderes Bild, allerdings möchte sich dazu so gut wie niemand öffentlich äußern. Mehr Frauen in hohen Positionen bedeuten weniger Platz für Männer, die da jetzt noch sitzen – es ist illusorisch zu glauben, dass alle darüber vor Freude in die Luft springen. Da gibt es viel Widerstand, auch wenn der vielleicht gezwungenermaßen etwas subtiler wird.

Deutscher AnwaltSpiegel: Und welche weiteren Überlegungen haben Sie für Veranstaltungen und Projekte im Rechtsmarkt?

Hoyer: Es gibt bereits eine weitere Veranstaltung, die noch vor PANDA University Law stattfinden wird:

ALICE, die Karrieremesse für LGBTI-JuristInnen, schon am 30.10.2015 in Frankfurt am Main (http://juristenmesse.com/). Alles Weitere lassen wir nach diesen beiden Piloten auf uns zukommen und entscheiden danach, wie es weitergeht.

Deutscher AnwaltSpiegel: Wir sehen im Rechtsmarkt derzeit einen Wandel der Kräfteverhältnisse. Unternehmensjuristen und Rechtsabteilungen sind die Treiber von Entwicklungen. Planen Sie vor dem Hintergrund auch eine entsprechende Ausweitung Ihres Konzepts?

Hoyer: Wir handhaben es mit allen unseren Formaten so, dass wir permanent justieren und weiterentwickeln. Wir haben ja bereits beim Piloten nicht ausschließlich Kanzleien als Partner. In die nächste Runde wollen wir gern noch weitere Unternehmen einbeziehen – auch um den Teilnehmerinnen noch vielfältigere Karriereoptionen aufzeigen zu können.

Deutscher AnwaltSpiegel: Frau Hoyer, herzlichen Dank für Ihre offenen Antworten. Ich freue mich darüber, dass wir die PANDA University Law@EBS mit dem Deutschen AnwaltSpiegel publizistisch begleiten.

Hinweis der Redaktion: Einzelheiten zu dem Event finden Sie unter
http://www.we-are-panda.com/de/panda-university-law.html. (tw)