„Gute anwaltliche Beratung ist und bleibt maßgeschneidert“

Fünf Fragen an: Prof. Dr. Ulrich Schnelle und Dr. Peter Mailänder, die beiden Managing Partner von Haver & Mailänder

Beitrag als PDF (Download)

Die angesehene Traditionskanzlei Haver & Mailänder, mit dem Stammsitz in Stuttgart, hat sich in den vergangenen Jahren still, aber beständig weiterentwickelt und einen Generationswechsel umgesetzt. Thomas Wegerich sprach über diesen Prozess mit Prof. Dr. Ulrich Schnelle und Dr. Peter Mailänder, den beiden Managing Partnern und Moderatoren des Wandels.

Deutscher AnwaltSpiegel:  Herr Dr. Schnelle, Herr Dr. Mailänder, Sie sind jetzt seit Januar 2013 gemeinsam als Managing Partner von Haver & Mailänder in der ­Verantwortung. Welche Veränderungen haben Sie ­seitdem vorgenommen, welche Ergebnisse gibt es ­inzwischen?

Dr. Schnelle: Wir haben viel von dem, was wir uns vorgenommen haben, umgesetzt: Wir haben das Profil unserer Kanzlei und die Qualität unserer Mandate gestärkt. An den Standorten Stuttgart und Brüssel haben wir uns im Kartellrecht verstärkt und begleiten diverse Verfahren, betreffend Kartellschadensersatzansprüche. In Gesellschaftsrecht/M&A beraten wir bundesweit und international mittelständische Unternehmen, die sogenannten Hidden Champions schätzen unsere Diskretion. Auch im Schiedsverfahrensbereich sind unsere Partner Dr. Brandner und Dr. Kläger zusammen mit Dr. Gerstenmaier in bedeutenden Prozessen vertreten. Im Bankrecht haben wir in diversen Großverfahren im Zuge der Aufarbeitung der Lehman-Krise mitgewirkt, dort ist es gegenwärtig ruhiger. Zur Stärkung unseres wirtschaftsberatenden Full-Service-Ansatzes haben wir uns in den Bereichen IP/IT, Arbeitsrecht personell verstärkt und vormalige Lücken im Steuerrecht sowie Bau- und Immobilienrecht durch erfahrene Quereinsteiger geschlossen.

Dr. Mailänder: Auch in der internen Organisation haben wir die angekündigten Fortschritte erzielt. Wir haben den Rechtsformwechsel in die Partnerschaftsgesellschaft vollzogen und im Zuge dessen einen neuen, zukunftsfesten Partnerschaftsvertrag vereinbart. Dieser stärkt das Grundprinzip einer umfassenden Leistungsgerechtigkeit und stärkt die Beteiligungsrechte der jüngeren Partner. Es ist uns auch gelungen, die gesamte Kanzlei-IT neu aufzustellen und in eine wirklich gute Verfassung zu bringen. Weiterhin haben wir auch einen erheblichen Personalumbau vorgenommen, der uns jetzt in die Lage versetzt, dass wir ein wirklich gutes Team von Anwälten sind, in dem sich jeder auf den anderen verlassen kann. Schließlich haben wir neue vertragliche Möglichkeiten zur Teilzeit und zum Home-Office vorgesehen, die auch gelebt werden.

Deutscher AnwaltSpiegel: Wie hat das Jahr 2018 für Ihre Sozietät begonnen, und was erwarten Sie im Jahresverlauf?

Dr. Schnelle: Das Jahr hat für uns, vom Umsatz her gesehen, gut begonnen, so wie auch das alte geendet hat. Eines der zentralen Themen für 2018, sowohl für unsere Mandanten als auch für uns selbst, wird die Einhaltung der Regeln zum neuen Datenschutzrecht sein. Dies wird einen erheblichen Teil der Leistungen, die wir im Jahr 2018 erbringen werden, ausmachen. Wir gehen auch davon aus, dass einige größere gerichtliche Verfahren, die wir betreuen, im Jahr 2018 Fahrt aufnehmen.

Dr. Mailänder: Es zeichnet sich schon ab, dass im Bereich Mergers & Acquisitions viel los ist. Wir spüren auch, dass sich die Nachfrage nach unseren Leistungen im Bereich der Unternehmensnachfolge verstärkt, seitdem wir mit unserem neuen Kollegen aus dem Steuerrecht eine umfassende Beratung anbieten können.

Deutscher AnwaltSpiegel: Der Wettbewerb im Rechtsmarkt nimmt ständig weiter zu. Mit welcher Strategie gehen Sie in die Zukunft, welche Ziele haben Sie sich gesetzt?

Dr. Schnelle: Wir sind im Wettbewerb gut aufgestellt, da wir traditionell eine eher niedrige Kostenquote haben und in der Vergangenheit keine überhöhten Honorare berechnet haben. Das Kostenbewusstsein insbesondere der größeren Mandanten mit Einkaufs- und Rechtsabteilungen stellt uns vor keine entscheidende Herausforderung. Wir meinen, dass wir gute Leistungen zu einem vernünftigen Preis bieten. Wir haben Verständnis für das Kostenbewusstsein der Mandanten und sehen uns als Partner der Rechtsabteilungen, gerade auch, was die Ausgestaltung von Honorarvereinbarungen angeht. Hier bieten wir eine große Flexibilität und können auf die Wünsche der Mandanten eingehen und praktisch jede Form von Honorarvereinbarung abschließen.

Dr. Mailänder: Gute Beratung darf ruhig Geld kosten – sagen unsere Mandanten, Hauptsache die Qualität stimmt. Daran orientieren wir uns, dass wir wirklich gute Qualität in der Arbeit anbieten und dass wir unserem Motto treu bleiben, dass eine gute anwaltliche Beratung maßgeschneidert sein muss. Unser Vorteil gegenüber vielen Wettbewerbern ist auch, dass bei uns die Partner selbst die Mandatsarbeit verantworten und eng am Mandanten dran sind. Der Mandant weiß, wer sein Ansprechpartner ist. Normalerweise ist dies für ihn der mandatsführende Partner, bei Fragen außerhalb dessen Fachgebiets funktioniert das Teamwork mit den Spezialisten. Da wir uns lange kennen und Vertrauen zueinander haben, haben wir hier keine Reibungsverluste. Und benötigt unser Mandant Unterstützung im Ausland, können wir auf unsere Kollegen im Law Firm Network zurückgreifen. Dieses haben wir vor mehr als 20 Jahren mitgegründet und kooperieren seither eng mit Kollegen aus 50 Ländern. Die Digitalisierung werden wir sicherlich nicht vernachlässigen. Aber der persönliche Kontakt des Anwalts, vor allen Dingen des jeweils federführenden Partners, mit „seinem“ Mandanten und die maßgeschneiderte Beratung bleiben im Wettbewerb unser zentrales Leistungsmerkmal.

Deutscher AnwaltSpiegel: Digitalisierung ist das wohl wichtigste Thema für alle im Rechtsmarkt. Wie hat Ihr Haus sich hier positioniert?

Dr. Mailänder: Die Digitalisierung ist kein Selbstzweck. Leistungen, die wir mit der Unterstützung von Legal Tech anbieten, müssen für den Mandanten sinnvoll sein. Das heißt vor allem, dass die Ergebnisse verlässlich und belastbar sein müssen. Nur oder erst wenn die Qualität besser ist als das, was wir mit persönlichem Einsatz und persönlicher Leistung anbieten, richten wir unsere Beratung entsprechend aus. Wichtig ist für uns aber natürlich, dass wir Möglichkeiten zur Kosteneinsparung nutzen und dies auch an die Mandanten weitergeben. Wir setzen hier besonders auf bereits bei uns beschäftigte junge Anwältinnen und Anwälte und auf solche, die noch zu uns kommen. Wir fördern und erwarten, dass sich unsere jungen Kollegen mit der Digitalisierung besonders beschäftigen und kluge Anregungen sowie zukunftsorientierte Ideen einbringen.

Dr. Schnelle: Wir waren auf das besondere elektronische Anwaltspostfach und die damit verbundenen Änderungen in den Arbeitsabläufen sehr gut vorbereitet. Wir gehen die Digitalisierung mit Umsicht an. Wir prüfen, welche der Leistungen, die wir erbringen, standardisierbar sind und welche wir mit Unterstützung von Legal Tech anbieten können. Der Großteil unserer Arbeit ist aber, falls überhaupt, nicht ohne weiteres standardisierbar. Wir haben zwei oder drei Bereiche ausgemacht, in denen wir entweder schon Gespräche mit Dienstleistern begonnen haben oder dabei sind, entsprechende Dienstleister auszuwählen.

Deutscher AnwaltSpiegel: Lassen Sie uns einen Blick in die Glaskugel wagen. Darf ich Sie bitten, diesen Satz zu vervollständigen: In zwei Jahren wird Haver & ­Mailänder …

Dr. Schnelle: … eine moderne, schlagkräftige Einheit mit einem geringen Durchschnittsalter der Anwälte sein.

Dr. Mailänder: … eine weiterhin souverän und selbstbewusst agierende Kanzlei sein, mit Spitzenanwälten und Spitzenmandanten.

Deutscher AnwaltSpiegel: Herr Dr. Schnelle, Herr Dr. ­Mailänder, vielen Dank für die Einblicke, die Sie unseren Lesern gegeben haben. Wir werden die weitere Entwicklung Ihrer Sozietät  auch zukünftig eng begleiten.