Gekommen, um zu bleiben (und zu wachsen)

Fünf Fragen an: William McKinnon, Managing Director, Axiom

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Über den Eintritt von Axiom in den deutschen Rechtsmarkt ist lange spekuliert worden. Nicht das „Ob“, sondern das „Wann“ stand dabei zunehmend im Mittelpunkt. Nun ist es so weit: Das expansive US-Unternehmen hat im Juni ein (erstes) Büro in Frankfurt am Main eröffnet. Ein (namentlich bislang nicht bekannter) Geschäftsführer für Deutschland ist bereits verpflichtet worden; das operative Geschäft läuft an. Über die Hintergründe des Markteintritts, die Strategie von Axiom und die Zielsetzungen hierzulande sprach Thomas Wegerich mit William McKinnon, dem US-Geschäftsführer von Axiom.

AnwaltSpiegel: Mr McKinnon, auf der Website von Axiom kann man erfahren, was Axiom nicht ist: nämlich kein Legal-Process-Outsourcing(LPO)-Dienstleister, kein Headhunter und keine Anwaltskanzlei. Was ist Axiom dann?

McKinnon: Axiom ist der weltweit größte und am schnellsten wachsende Anbieter von juristischen Dienstleistungen. Wir bieten eine kostengünstige, qualitativ hochwertige Alternative zu traditionellen Großkanzleien. Wir werden typischerweise von Großunternehmen engagiert, die zeitlich befristetet einen erhöhten Bedarf an Rechts- und Compliancespezialisten haben, zum Beispiel aufgrund eines M&A-Deals. Die Unternehmen nutzen dabei das Know-how unserer spezialisierten Anwälte, um die Kapazität ihrer Inhouse-Teams flexibel zu erweitern. Gegenüber den traditionellen Anwaltskanzleien und sonstigen Beratungsunternehmen können unsere Kunden dadurch ihre Rechtsberatungskosten erheblich reduzieren und gleichzeitig in vielen Fällen sogar einen besseren Service erhalten. Wir bieten unseren Kunden folgende Dienstleistungen:

Wir entsenden bedarfsgerecht hochqualifizierte Rechtsanwälte und spezialisierte juristische Fachkräfte in Unternehmen.

Wir bieten On-Demand-Lösungen für die Neuverhandlung oder Anpassung von Verträgen, insbesondere bei Zeitdruck und hohen Volumina (etwa 1.000 – 10.000 Verträge)

Wir bieten Outsourcinglösungen für die Verhandlung und das Management von Verträgen.

Wir beschäftigen weltweit mehr als 1.500 Spezialisten, darunter Rechtsanwälte, Wirtschaftsexperten, Business Process Engineers, Technologieexperten und weitere Fachkräfte. Dabei ist die Gruppe der Rechtsanwälte mit über 1.000 Berufsträgern mit Abstand am größten. Axiom ist mit 17 Büros in sieben Ländern aktiv: den USA, Großbritannien, Kanada, der Schweiz, Deutschland, Hongkong und Singapur. Zusätzlich betreiben wir „Centers of Excellence“ an vier Standorten weltweit. Dort führen wir Tätigkeiten mit höherem Standardisierungsgrad aus, die auch durch andere Mitarbeiter als Rechtsanwälte erledigt werden können.

AnwaltSpiegel: Mark Harris, einer der Gründer Ihres Unternehmens, sagt: „Innerhalb von zehn Jahren werden wir der größte und innovativste Anbieter von Rechtsdienstleistungen sein”. Können Sie uns erklären, wie Sie dieses Ziel erreichen wollen und von wem Sie Marktanteile gewinnen wollen?

McKinnon: Das ist richtig, wir haben große Ambitionen! Aber das Wachstum, das wir in den vergangenen Jahren realisieren konnten, bestärkt uns in unserer Überzeugung. Seit dem Ende der Finanzkrise ist Axiom jährlich um mehr als 20% gewachsen. Die Rechtsabteilungsleiter und Chefjustitiare der Großunternehmen sind einem immer stärkeren Druck ausgesetzt und müssen mit weniger Mitteln immer mehr erreichen. Dieser Kostendruck bedeutet, dass sie nicht immer die ihnen bereits bekannten Rechtsanwaltskanzleien beauftragen können, wenn juristische Fragen nicht durch die eigene Rechtsabteilung endgültig geklärt werden können. Wir beobachten aus diesen Gründen einen Trend zur Neuverteilung von Aufgaben hin zu effizienteren und flexibleren Optionen. Gleichzeitig werden immer stärker auch hochentwickelte IT-Lösungen in die juristische Arbeit einbezogen. Dort, wo ein Rechtsabteilungsleiter früher lediglich die Wahl hatte zwischen dem eigenen Team und einer Anwaltskanzlei, können Aufgaben heute auf fünf oder sechs verschiedene Dienstleister verteilt werden, inklusive Dienstleister wie Axiom, die in ihrer Arbeit auf Unterstützung durch Software zurückgreifen. Neben Axiom gehören in die Riege dieser alternativen Dienstleister Wirtschaftsprüfungsgesellschaften wie Deloitte und andere, LPOs wie Pangea oder juristische Technologieunternehmen wie Tools4Legal.

All dies bedeutet nicht, dass Anwaltskanzleien und Rechtsabteilungen in Unternehmen verschwinden werden. Sie werden in jedem Fall erhalten bleiben, jedoch wird sich die Absolutheit ihrer Bedeutung reduzieren, da neue Alternativen im Markt entstehen, die für manche Arbeiten effizienter und effektiver sind.

Auf der anderen Seite beobachten wir unter Rechtsanwälten einen immer stärker werdenden Wunsch nach einer besseren Work-Life-Balance, mehr Wertschätzung und Horizonterweiterung. Immer weniger Anwälte sind bereit, fünf oder sechs Tage die Woche rund um die Uhr in Großkanzleien mit partnerschaftlichen Strukturen zu arbeiten. Sie wünschen sich Modelle, die ihnen mehr Kontrolle darüber geben, was sie tun, wann sie es tun und für wen. Viele Anwälte haben Interesse, ihre Kunden „von innen“ kennenzulernen, Probleme mit einem breiteren Blickwinkel zu erfassen und sich nicht für jede berechnete Arbeitsstunde vor dem Kunden rechtfertigen zu müssen. Axiom bietet Rechtsanwälten diese Möglichkeiten – sie können selbst entscheiden, ob sie für einen Auftrag vorgeschlagen werden möchten oder eben nicht. Und sie arbeiten vor Ort als Teil der Kundenteams, wobei ihre Unterstützungsleistung dem Kunden gegenüber nach alternativen Abrechnungsmodalitäten in Rechnung gestellt wird.

In den USA sind wir bereits seit 16 Jahren tätig und arbeiten für die Hälfte der Fortune-500-Unternehmen – in Deutschland sind wir gerade erst gestartet und stehen am Anfang dieser Entwicklung. Aber der Wandel ist aus unserer Sicht unausweichlich; Rechtsabteilungsleiter in Unternehmen werden ihn beschleunigen. Wir sind überzeugt davon, dass sich jede Rechtsabteilung in Deutschland innerhalb der nächsten zehn Jahre neuen Modellen gegenüber öffnen muss, um nicht zurückzufallen.

AnwaltSpiegel: Heute hat Axiom mehr als 1.500 Angestellte in den USA, Asien und Europa. Deutschland ist einer der größten und wichtigsten Rechtsdienstleistungsmärkte in Europa. Wie sehen Ihre strategischen Pläne aus?

McKinnon: Deutschland ist ein erfolgskritischer Markt für Axiom. Wir haben uns fest vorgenommen, in Deutschland auf lange Sicht erfolgreich tätig zu sein. Wir gehen davon aus, dass wir in Deutschland innerhalb von sieben Jahren in etwa die gleiche Relevanz und Bedeutung wie in Großbritannien erreichen werden. Dort arbeiten wir für die Hälfte der FTSE-100-Unternehmen und zahlreiche weitere Multinationals. Unser Ziel ist es, die Rechtsdienstleistungslandschaft in Deutschland nachhaltig zu verändern. Wir möchten für Rechtsabteilungsleiter als Ergänzung im „Werkzeugkoffer“ wahrgenommen werden und eine neue Alternative zu den althergebrachten Optionen bieten. Unser erstes Büro wurde gerade in Frankfurt am Main eröffnet – über die kommenden Jahre werden Offices folgen, zum Beispiel in München, Düsseldorf, Hamburg und Berlin.

AnwaltSpiegel: Soweit ich sehen kann, konzentriert sich Axiom bislang auf bestimmte Rechtsgebiete (Contracts, Regulatory & Compliance, Corporate Transactions, Insourcing). Außerdem fokussieren Sie sich auf bestimmte Industrien (Finanzen, Technologie, Medien & Telekommunikation, Life-Science). Planen Sie, ihre Dienstleistungen in Deutschland und anderen Märkten auszuweiten?

McKinnon: Es ist richtig, dass unsere größten Rechtsgebiete die Bereiche Contracts, Corporate Transactions (M&A), Regulierung und Compliance, Technology und Intellectual Property sind. Viele unserer Anwälte haben jedoch auch Erfahrung in den Bereichen Datenschutz, Arbeitsrecht, Immobilienrecht, Wettbewerbsrecht und Litigation/Investigations. Unsere größte Expertise liegt global in den Bereichen Banking/Financial Services, Pharma und Technology/Communication – wir sind jedoch in keiner Weise auf diese Branchen festgelegt oder beschränkt. Unsere ersten Kunden in Deutschland waren zum Beispiel ein Medienunternehmen, ein Industrieunternehmen und eine Herstellerfirma.

AnwaltSpiegel: Wenn wir nun einen Blick in die Zukunft werfen: Was ist die ideale Größe für Axiom in Deutschland, und wie werden Sie ihre Teams zusammenstellen?

McKinnon: In fünf bis sieben Jahren werden wir etwa 100 Rechtsanwälte sowie mehrere Dutzend weitere Fachexperten unter Vertrag haben (etwa Anwälte, die Rechtsabteilungen von Großunternehmen bei komplexen juristischen Aufgaben unterstützen). Wir werden etablierte Kundenbeziehungen mit mindestens 30% der DAX-30-Unternehmen sowie 30 weiteren Unternehmen (etwa aus MDAX, TecDAX, ETC) haben.

Die Anwälte, die für uns arbeiten, sind stolz darauf, bei unseren Kunden auf eine völlig neue Art und Weise mit juristischen Dienstleistungen Wert zu generieren. Sie haben bei uns die Möglichkeit, für die größten und innovativsten Unternehmen spannende Projektaufgaben zu übernehmen und gleichzeitig die Kontrolle darüber zu haben, wie viel sie arbeiten, für wen und wann. Auch räumlich bieten wir Flexibilität, zum Beispiel ist es möglich, befristet oder unbefristet in andere Länder zu wechseln, in denen Axiom aktiv ist. Auch kulturell fühlen sich unsere Anwälte bei uns gut aufgehoben, sie sind Teil einer Gemeinschaft von extrem proaktiv und innovativ denkenden Rechtsanwälten.

Basierend auf der Erfahrung aus anderen Märkten, werden unsere Tätigkeitsschwerpunkte im Finanzsektor in den Bereichen Pharma, Konsumgüter, Technology/Communication und Industriegüter liegen.

AnwaltSpiegel: Mr McKinnon, ich danke Ihnen für die Einblicke, die Sie unseren Lesern gegeben haben. Wir werden die weitere Entwicklung von Axiom im deutschen Rechtsmarkt eng verfolgen.