Verantwortungsvoller Umgang mit der voranschreitenden Digitalisierung

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Die Task Force „Corporate Digital Responsibility“ (CDR) des Bundesverbands der Wirtschaftskanzleien in Deutschland (BWD) hat im September 2022 ihre Arbeit aufgenommen. Ziel der Task Force ist es, einen Code of Conduct für den verantwortungsvollen Umgang mit der voranschreitenden Digitalisierung zu entwickeln. Dieser Code of Conduct soll ein „lebendes“ Werk sein und sich fortwährend an die dynamischen Veränderungen in diesem Bereich anpassen. Als Einstieg in dieses Thema berichtete Dr. Bernhard Waltl von der BMW Group in einem beeindruckenden Vortrag von der Arbeit der BMW Group zum Thema Corporate Digital Responsibility (CDR).

Worum geht es?

Corporate Digital Responsibility ist zwar ein vergleichsweise junges Thema, gleichwohl ist es bereits von hoher praktischer Bedeutung, die nach Überzeugung der Task Force künftig auch noch erheblich zunehmen wird. Die Europäische Union hat beispielsweise jüngst einen Rechtsrahmen für den Einsatz künstlicher Intelligenz auf den Weg gebracht, der einen wichtigen Teilaspekt von Corporate Digital Responsibility abdecken wird.

Das Thema ist allerdings wesentlich vielschichtiger und erstreckt sich von eher klassischen Themen wie Datenschutz und Transparenz über diskriminierungsfreie Algorithmen bis zur Governance von digitalen Anwendungen. Zur Digital Responsibility gehört natürlich zunächst die Beachtung rechtlicher Anforderungen, insbesondere also die Beachtung von Regelungen zum Datenschutz und zur Vertraulichkeit oder zum Umgang mit geistigem Eigentum. ­Daneben sind aber auch die gesellschaftlichen, sozialen, ethischen und ökologischen Implikationen der Digitalisierung zu berücksichtigen.

Künstliche Intelligenz

So bietet etwa die rasche Fortentwicklung der künstlichen Intelligenz vielfältige Chancen, etwa zur Optimierung von Produktion und Prozessen, Automatisierung, Personalisierung von Dienstleistungen oder der Erstellung von Prognosen. In Bereichen wie der Bekämpfung des Klimawandels, dem Gesundheitswesen und der Forschung, aber auch im Alltag – Stichwort selbstfahrende Autos und Kreditwürdigkeit – werden damit große Fortschritte und ein steigender Lebensstandard ermöglicht. Damit einher gehen aber auch die Risiken der Manipulation, der Nutzung für missbräuchliche Zwecke oder von Fehlfunktionen mit gravierenden Auswirkungen, etwa bei der Nutzung im Finanzmarkt oder in den sozialen Plattformen. Ferner stellen sich ethische Fragen, beispielsweise die, auf was die künstliche Intelligenz eines selbstfahrenden Autos reagieren soll, wenn das Vermeiden der Gefährdung anderer Verkehrsteilnehmer eine Maßnahme erfordert, die die Insassen des Fahrzeugs gefährdet. Die Wahrnehmung von Aufgaben durch Maschinen statt Menschen kann zum Wegfall von Arbeitsplätzen und damit einem Anstieg der Arbeitslosigkeit führen; und die Nutzung von künstlicher Intelligenz zur Verbrechensbekämpfung, etwa durch Überwachung öffentlicher Plätze, Gesichtserkennung, frühzeitige Erkennung potentieller Gefährder etc. birgt unverkennbar das Risiko einer umfassenden Überwachung oder der fälschlichen Einstufung als potentieller Straftäter. Dem kann mit rechtlichen Vorgaben begegnet werden, die Rahmenbedingungen für die Nutzung künstlicher Intelligenz auf Grundlage der Menschenrechte und bestimmter Wertekanons festschreiben, wie jüngst etwa mit dem Vorschlag für eine Verordnung der Europäischen Union zur Festlegung harmonisierter Vorschriften für künstliche Intelligenz angestrebt.

Digitalisierung von Dienstleistungen

Ebenso führt die Digitalisierung von Dienstleistungen einerseits zur Verringerung der Papiernutzung, Verfahrensbeschleunigung und ständiger Verfügbarkeit wichtiger Daten und Informationen unabhängig vom physischen Standort. Andererseits besteht die Gefahr, dass Unbefugte auf sensible Daten wie Gesundheitsdaten, Konto- und Kreditkartendaten, Ausweisdokumente etc. zugreifen können. Die Zunahme sogenannter Cyberangriffe, durch die große Mengen an vertraulichen Daten von Hackern erbeutet und für erpresserische Zwecke oder zur Weiterveräußerung genutzt werden, führen dementsprechend nicht nur zu hohen finanziellen Schäden bei den betroffenen Unternehmen oder staatlichen Stellen, sondern insbesondere auch zu Vertrauensverlust und Reputationsschäden

Auch die Arbeitswelt verändert sich durch die voranschreitende Digitalisierung. Durch Smartphones und Homeoffice oder Remote Working – das seit der Coronapandemie zunehmend verbreitet ist – können Büroarbeiten von überall her erbracht werden; physische Anwesenheit an einem bestimmten Arbeitsort ist nicht mehr erforderlich. Dadurch steigt die Flexibilität für Mitarbeiter, die sich Arbeitszeit und -ort zunehmend frei aussuchen und so Privat- und Berufsleben besser in Einklang bringen können. Allerdings nimmt damit auch die Gefahr zu, sein Privatleben von der Arbeit nicht mehr abgrenzen zu können und ständig erreichbar sein zu müssen. Ebenso können die Unternehmenskultur und die Kommunikation leiden.

Der verantwortungsvolle Umgang mit der voranschreitenden Digitalisierung gewinnt daher auch für Unternehmen zunehmend an Bedeutung. Sie müssen die Vorteile des technischen Fortschritts nutzen, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Zugleich müssen sie sicherstellen, das Vertrauen von Kunden, Mitarbeitern und Geschäftspartnern in die Integrität ihrer Daten nicht zu verlieren, und ihren Mitarbeitern ein attraktives und produktives Arbeitsumfeld bieten. Dazu müssen bei der digitalen Weiterentwicklung die positiven und die negativen Implikationen frühzeitig berücksichtigt und in Einklang gebracht werden, um Chancen bestmöglich nutzen und Risiken minimieren zu können. Dafür empfiehlt sich die frühzeitige Entwicklung entsprechender Rahmenwerke.

 

florian.drinhausen@ashurst.com

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Hinweis der Redaktion:
Prof. Dr. Florian Drinhausen ist Leiter der Task Force „Corporate Digital Responsibility“ im Bundesverband der Wirtschaftskanzleien in Deutschland.
Die Task Force hat es sich zur Aufgabe gemacht, den Versuch zu unternehmen, die verschiedenen rechtlichen, wirtschaftlichen, ökologischen, sozialen und ethischen Aspekte und mögliche Regelungsansätze zusammenzutragen, zu ordnen und Vorgaben hieraus in einem Code of Conduct niederzulegen. Die Arbeit der Task Force befindet sich erst am Anfang, so dass interessierte Personen noch herzlich eingeladen sind, sich an der Arbeit der Task Force zu beteiligen.
Der Task Force gehören weiterhin an: Bettina Backes (Haver & Mailänder), Dr. Bernhard Waltl (Legal-Operations, BMW Group), Dr. Andreas Mauroschat (Ashurst), Stefan Rizor, LL.M. (McGill), (Vorstand BWD), Prof. Dr. Thomas Wegerich (Vorstand BWD). (tw)

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