RTMKM Award für Exzellenz in Mediation und Konfliktmanagement

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Der Round Table Mediation und Konfliktmanagement („RTMKM“) der Deutschen Wirtschaft e. V. ist ein Zusammenschluss von etwa 70 renommierten Unternehmen. Unter der Schirmherrschaft von Bundesjustizministerin Christine Lamprecht wird im Herbst 2021 bereits zum zweiten Mal der „RTMKM-Preis für Anwaltskanzleien für Exzellenz in Mediation und Konfliktmanagement“ verliehen. Das Onlinemagazin DisputeResolution, Schwestermagazin des Deutschen AnwaltSpiegels und Kooperationspartner des RTMKM, begleitet den Award publizistisch. Thomas Wegerich sprach mit den Jurymitgliedern über die Anreize, die durch den Preis gesetzt werden sollen. Die Jury setzt sich zusammen aus Susanne Becker (Framatome GmbH), Dr. Ulrich Hagel (Alstom S.A.), Dr. Astrid Örtel (RWE AG), Dr. Thomas Remmers (Vizepräsident Bundesrechtsanwaltskammer) sowie Dr. Felix Wendenburg (Europa-Universität Viadrina Frankfurt/Oder).

Dspute Resolution: Herr Dr. Hagel, bitte erklären Sie unseren Lesern, was der RTMKM mit der Verleihung des Exzellenz-Awards plant und an wen konkret Sie sich wenden.

Dr. Ulrich Hagel: Die Mitgliedsunternehmen des RTMKM tauschen sich seit 2008 regelmäßig zum Thema Konfliktmanagement aus. Neben Fragen der innerbetrieblichen Organisation, beispielsweise der Einrichtung von Konfliktmanagementsystemen, geht es auch um die Wahl des für den jeweiligen Konflikt am besten geeigneten Konfliktbearbeitungsverfahrens. Eine wesentliche Orientierungsfunktion übernehmen dabei wirtschaftsberatende Anwaltskanzleien. Von deren Beratung und Begleitung hängt ab, ob ein Konflikt im Gerichts- oder Schiedsverfahren, in der Mediation oder vor einem Dispute Board verhandelt wird – und auch, wie adäquat die Parteien darauf vorbereitet sind, was sie dort erwartet. Die im RTMKM zusammengeschlossenen Unternehmen haben schon früh die Erfahrung gemacht, dass nur wenige Kanzleien eine wirklich differenzierte Dienstleistung in diesem Feld anbieten. Der Preis soll einen Anreiz setzen, genau das zu verändern.

Dispute Resolution: Frau Dr. Örtel, welche Veränderungen im Bereich Mediation und Konfliktmanagement wünschen sich die RTMKM-Unternehmen denn im Einzelnen?

Dr. Astrid Örtel: Dazu möchte ich gern den ehemaligen Bundesjustizminister Heiko Maas zitieren, der sich als Schirmherr der erstmaligen Preisverleihung im Jahr 2017 folgendermaßen geäußert hat: „Ich begrüße das Bestreben, im Fall von Konflikten wertschöpfend vorzugehen und in den dafür geeigneten Fällen kooperative Lösungen anzustreben. Die Entwicklung hin zu einer alternativen Streitkultur geht mit veränderten Erwartungen an Rechtsdienstleister und Berater einher.“ Seine Nachfolgerin, Bundesjustizministerin Christine Lamprecht, betont in ihrer diesjährigen Stellungnahme, wie wichtig es gerade in einer komplexen Gesellschaft ist, gemeinsame Interessen freizulegen und einvernehmliche Lösungen zu finden.

Kanzleien, die dafür prämiert werden wollen, in dieser Hinsicht in der ersten Reihe zu stehen, müssen nicht nur unter Beweis stellen, dass sie dem Markt ein differenziertes Angebot im Bereich Mediation und Konfliktmanagement unterbreiten, sondern müssen vor allem die Kerngedanken des Konfliktmanagements – passgenaue Verfahrenswahl und interessengeleitete, konstruktive Verfahrensführung – auch in der eigenen Organisation nachweislich umgesetzt haben. Mit diesem Bewerbungskriterium möchten wir sicherstellen, dass wir eine Kanzlei prämieren, die selbst auch intern umsetzt, was sie sich auf die Fahnen schreibt.

Dispute Resolution: Damit ist die Frage der Teilnahme- und Bewerbungsvoraussetzungen ja schon angesprochen. Frau Becker, können Sie hierzu noch nähere Erläuterungen geben?

Susanne Becker: Gern. Die Auslobung richtet sich an Rechtsanwaltskanzleien, die sich im Bereich der Konfliktbearbeitung besonders nachhaltig engagieren. Ausgezeichnet wird diejenige Anwaltskanzlei unter den Bewerbern mit dem ausgereiftesten Dienstleistungsangebot im Bereich Mediation und Konfliktmanagement, das sich insbesondere durch ein kriteriengeleitetes Fallmanagement im Mandantenkontakt und eine differenzierende Verfahrensbegleitung auszeichnet. Dazu gehören neben einem Profil, das Beratungs- und Begleitungsangebote für alternative Streitbeilegungsverfahren umfasst, außerdem nachweislich kompetente und (weiter)qualifizierte Berufsträger*innen. Alternative Streitbeilegungsverfahren sollten einen signifikanten Anteil der Beratungsmandate ausmachen. Wir überprüfen als Jury auch, ob die Kanzlei sich (beispielsweise im Rahmen ihres Außenauftritts) proaktiv für die Weiterverbreitung des Konfliktmanagement-Gedankens in Markt und Gesellschaft einsetzt und ob sie sich in diesem Bereich auch zum Beispiel durch Vorträge und Publikationen in der Forschung und Lehre engagiert. Schließlich erwarten wir, wie Astrid Örtel bereits erläutert hat, auch, dass die Kanzleien im Umgang mit eigenen Konflikten die Kerngedanken des Konfliktmanagement beherzigen und dies in der internen Kanzleiorganisation auch zum Ausdruck bringen.

Dispute Resolution: Herr Dr. Remmers, Sie vertreten in der Jury die Sichtweise der Anwaltschaft. Halten Sie es für realistisch, dass es eine signifikante Anzahl von Kanzleien gibt, die diese Kriterien erfüllen können?

Dr. Thomas Remmers: In der Tat sind die Bewerbungsvoraussetzungen ambitioniert. Alternative Streitbeilegungsverfahren sind in der Juristenausbildung bedauerlicherweise noch immer unterrepräsentiert. Dass Kanzleien ihr Dienstleistungsangebot in diesem Bereich aktuell erweitern, ist auch einer stärkeren Nachfrage zu verdanken: Der Einigung eine Chance zu geben, erscheint vielen Streitparteien heutzutage auch im Hinblick auf fortdauernde Geschäftsbeziehungen vernünftig. Alternative Streitbeilegungsverfahren dürfen allerdings nicht als Minus zur klassischen Gerichtsbarkeit gesehen, sondern müssen als Aliud betrachtet werden: Um solche Verfahren kompetent zu führen, braucht es eine geeignete Aus- und Fortbildung. Viele Kanzleien scheinen Ihre Tätigkeit in diesem Segment in den letzten Jahren ausgebaut zu haben. Wir möchten mit diesem Preis einen weiteren Anreiz dafür setzen, dass Kanzleien ihre diesbezüglichen Angebote noch breiter aufstellen, und zugleich das Engagement von Pionierkanzleien auch belohnen.

Dispute Resolution: Herr Dr. Wendenburg, welche weiteren Initiativen verfolgt der RTMKM, um das Anliegen einer differenzierten Verfahrenswahl auch in die Anwaltschaft zu tragen?

Dr. Felix Wendenburg: Der RTMKM versteht sich als Zusammenschluss von Wirtschaftsunternehmen, die alternative Konfliktbearbeitungsverfahren nachfragen. Als solcher spricht er sich in Konsultationen mit dem Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz, mit Verbänden und berufsständischen Organisationen regelmäßig dafür aus, die Juristenaus- und -fortbildung um die für die Praxis zunehmend relevanten Themen der Verhandlungsführung, der Mediation und des Konfliktmanagements zu erweitern. Außerdem hat der RTMKM mit DiReCT ein Tool entwickelt, das – ähnlich dem Wahl-O-Mat – Parteien von B2B-Konflikten dazu verhelfen soll, durch die Beantwortung einiger konfliktbezogener Fragen eine informierte Entscheidung für das am besten geeignete Konfliktbearbeitungsverfahren zu treffen. Dieses Tool steht zur kostenfreien Nutzung auf den Internetseiten des RTMKM zur Verfügung. Schließlich ist der Award für Rechtsanwaltskanzleien nicht der einzige Preis, den der RTMKM vergibt. Im vierjährigen Turnus schreiben wir nämlich auch einen Preis für besonders innovative Ansätze zur Streitbeilegung innerhalb und zwischen Unternehmen aus. Kanzleien, die womöglich noch kein umfassendes Konzept für ein differenziertes Dienstleistungsangebot im Bereich der alternativen Streitbeilegung entwickelt haben, aber zum Beispiel über einen besonders innovativen Beratungsansatz verfügen, sind daher herzlich eingeladen, sich in zwei Jahren auf den Innovationspreis zu bewerben.

Hinweis der Redaktion:
Die detaillierte Ausschreibung findet sich auf hier;
Bewerbungsunterlagen werden bis zum 01.10.2021 entgegengenommen; die drei besten Bewerber werden am 09.11.2021 zur RTMKM-Sitzung bei Vinci Energies nach Frankfurt eingeladen und erhalten Gelegenheit, ihre Bewerbung dort dem Plenum vorzustellen.

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