Fünf Fragen an: Michael Falter und Björn Frommer von CLASSREACTION

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Die Nachricht lässt aufhorchen. Deloitte Legal und Frommer Legal bündeln ihre Kompetenzen in einer neuen Rechtsanwaltsgesellschaft. CLASSREACTION ist die erste Spezialkanzlei, die Unternehmen bei der Abwehr von Massenklagen unterstützen soll. Thomas Wegerich sprach dazu mit Michael Falter und Björn Frommer.

DisputeResolution: Herr Falter, auf den ersten Blick wirkt das Engagement von Deloitte Legal ungewöhnlich. Bitte nennen Sie unseren Lesern doch die strategischen Überlegungen, die Ihr Haus zu diesem Schritt der gemeinsamen Kanzleigründung bewogen haben.

Falter: Bei Deloitte Legal haben wir den Bereich Complex Litigation und Arbitration schon seit einiger Zeit als strategischen Wachstumsbereich definiert. Und zwar mit Blick auf Deutschland und Zentraleuropa. Nach Fachbereichen gegliedert haben wir eine eigenständige Serviceline aufgestellt.

Wir beobachten, dass hochkomplexe Streitigkeiten eine immer stärkere Rolle im Markt spielen. Und hierzu zählen seit geraumer Zeit auch Massenklageverfahren. Und nicht nur die bekannten Diesel-Verfahren, sondern mittlerweile Angriffe in nahezu allen denkbaren Konstellationen. Wir glauben, dass dieser Trend zunehmen wird und wir haben die Erfahrung gemacht, dass man mit solchen Verfahren anders umgehen muss. Mit CLASSREACTION wollen wir unser Knowhow aus komplexen Streitigkeiten auch in Massenprozesse transportieren. Dabei spielen vor allem operationales und technisches Know how eine entscheidende Rolle. Und genau dafür stehen die Kollegen von Frommer Legal.

Dispute Resolution: Herr Frommer, Sie sind schon seit vielen Jahren in Massenmandaten für unterschiedlichste Industrien aktiv und haben im letzten Jahr mit „JUNE“ eine cloudbasierte Plattform für das Verfahrensmanagement auf den Markt gebracht. Was hat Sie zu der Gründung von CLASSREACTION geführt?

Frommer: Mit großen Einheiten haben wir in den vergangenen Jahren immer mal wieder gesprochen. Wichtig war für uns, dass wir unsere mittelstandsorientierte Beratung als Frommer Legal unabhängig und im Kern unverändert fortsetzen, aber über CLASSREACTION unser bisheriges Themenfeld mit einem weltweit aufgestellten Player ausbauen können. Deloitte Legal war und ist hier der richtige Partner. Wir haben in den letzten 20 Jahren in vielen zehntausend Verfahren ein sicherlich besonderes digitales Prozess-Know-how aufbauen können. Massenverfahren erfordern ein Höchstmaß an Effizienz in den Abläufen. Wir sind es gewohnt, Fälle aufzugliedern, in einzelne Arbeitsschritte zu sezieren und durch erfahrene Profis bearbeiten zu lassen.

DisputeResolution: Wie sieht die Organisationsstruktur bei CLASSREACTION aus?

Frommer: Wir sind gleichberechtigte Partner. Geschäftsführer ist mit Thomas Northoff der Managing Partner von Deloitte Legal. Den Beirat bilden meine Partner Katja Nikolaus und Axel Gillessen, Michael Falter von Deloitte Legal und ich. Wir starten mit neuen Mitarbeitern, aber auch erfahrenen Kollegen aus der Deloitte Legal bzw. der Frommer Legal Welt. Sie dürfen uns beim angelaufenen Recruiting gern die Daumen drücken. Denn innerhalb von zwei Jahren könnten wir durchaus auf über 100 Berufsträger wachsen.

DisputeResolution: Und wie sehen Ihre weiteren Pläne insgesamt aus?

Falter: Es gibt im In- und Ausland kein Modell, das mit CLASSREACTION vergleichbar wäre. Daher zielen wir nicht nur auf den deutschen Markt. Hier werden wir das internationale Netzwerk von Deloitte Legal nutzen können.

Frommer: Auf Seiten der angreifenden Kanzleien hat inzwischen – völlig wertfrei formuliert – eine gewisse Industrialisierung stattgefunden. Das Thema Diesel war hier sicher ein Katalysator. Wir haben es hier vielfach mit Kanzleien zu tun, die sich auf wenige Themen konzentrieren und hier wiederum hochgradig spezialisiert und professionell agieren. Internationale Kanzleien, die oftmals auf Industrieseite mit der Abwehr solcher Klagen betraut werden, müssen sich naturgemäß einer Vielzahl von Themen stellen und arbeiten daher auch in anderen Organisationsformen. CLASSREACTION spiegelt diese Entwicklung und kann für die betroffenen Unternehmen ein Level Playing Field schaffen. Dafür werden neueste Technologien, moderne Arbeitsweisen und höchste juristische Standards unter einem Dach vereint.

DisputeResolution: Gibt es bereits erste Praxisfälle bei CLASSREACTION?

Falter: Ja, wir begleiten derzeit eine größere Institution bei der Rückforderung von zu Unrecht erhaltenen Unterstützungsleistungen im Zusammenhang mit Covid-19. Diese Fälle werden zunehmen und uns – neben anderen in Vorbereitung befindlichen Themen – sicher beschäftigt halten.

DisputeResolution: Meine Herren, vielen Dank für Ihre Informationen. Wir werden die weitere Entwicklung von CLASSREACTION eng begleiten.

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