Den Wandel meistern, Digitalisierung umsetzen

Die Fach-und Networkingveranstaltung der Produktfamilie Deutscher AnwaltSpiegel hat sich an der Spitze des Rechtsmarkts etabliert

Von Ayfer Ekingen

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Am 03.12.2018 fand die Fach- und Networkingveranstaltung „Inhouse Matters 2018“ unter dem Motto „Den Wandel meistern, Digitalisierung umsetzen“ in der Frankfurt School of Finance & Management statt.
Zu der mittlerweile dritten Auflage der erfolgreichen Veranstaltung hatten die Verantwortlichen der Produktfamilie Deutscher AnwaltSpiegel wieder Partner, Unternehmensvertreter und Fachbeiräte eingeladen, um ihnen den fachlichen und persönlichen Austausch zu ermöglichen.
Über 220 hochkarätige Teilnehmer sowie namhafte Referenten wurden herzlich begrüßt von Prof Dr. Schalast (als Vertreter der Frankfurt School of Finance), den beiden Kooperationspartnern Susann Seyfried (Director Corporate Marketing, STP Gruppe) und Behnam Sadough (Managing Director of EU Operations, UnitedLex Germany GmbH) sowie Prof. Dr. Thomas Wegerich.
Anschließend begann das abwechslungsreiche Programm mit interessanten Panels und spannenden Vorträgen mit aktiver Teilnahme des Publikums.

In a nutshell – Elevator pitch: Digitalisierungsstrategien im Rechtsmarkt – wer macht was wie und warum?

Panel I – Internationale Kanzleien
„Die Wandlung des Rechtsmarkts ist schon lange ein Thema, und die Digitalisierung wird auch hier enorm vorangetrieben – wie sieht es damit in Ihren Kanzleien aus?“ Mit dieser Frage eröffnete der Moderator des ersten Panels, Behnam Sadough, die Diskussionsrunde.
Dr. Michael Holzhäuser von Ashurst berichtete, dass die digitale Transformation mit Blick auf die Mandanten und Unternehmensjuristen einige Veränderungen in allen Bereichen mit sich gebracht hat. Vor allem hätten sich die Rechtsberatung und die Beziehung zum Mandanten geändert.
Als Kanzlei sei es wichtig, sich die Frage zu stellen, worin der Mehrwert in der Rechtsberatung liegt und was der konkrete Mehrwert für die Mandanten ist.
Dr. Holzhäuser machte deutlich, dass die drei Servicebereiche personelle und technische Ressourcen, spezialisierte Techniker und Prozesse hier eine große Rolle spielen. Insbesondere das Prozess- und Projektmanagement sei wichtig, um eine Verknüpfung zu den technischen Ressourcen herzustellen.
Dr. Rainer Markfort von Dentons, einer der ersten Kanzleien, die in Legal Technologies investierte, erläuterte den strategischen Grundgedanken dahinter, nämlich die Effizienzsteigerung für Rechtsunternehmen.
Es sei von großer Bedeutung, dass ein Zugang zu Expertenwissen in Form von Plattformen wie etwa Nextlaw geschaffen wird, so dass Digitalisierung und Expertenwissen gebündelt und verkauft werden können, dass in Innovationen investiert wird, dass die Integration auf digitalen Plattformen stattfindet, der Austausch und die Erfahrungen im Unternehmen geteilt werden und schließlich, dass die Anwälte über die Konzepte nachdenken. Die größte Herausforderung seien hier, laut Dr. Markfort, die Anwälte.
Über den strategischen Ansatz, dessen Fokus auf die Bedürfnisse der Mandanten gerichtet ist, sprach Dr. Tobias Heining von CMS. Nur das, was den Mandanten interessiert, kann letztlich auch verkauft werden. Digitale Transformation muss demnach von den Kanzleien selbst vollzogen werden, damit man es dem Mandanten glaubhaft machen kann.
Bei der Überlegung, welche Möglichkeiten die neuen Technologien eröffnen und wie diese in den Arbeitsalltag integriert und effizient eingesetzt werden können, entwickelte Linklaters mit „Coding for Lawyers“ ein in der Kanzleiwelt neuartiges Training. Dr. Daniel A. Pauly von Linklaters berichtete, dass mit diesem Training Anwälte mit den Möglichkeiten von LegalTech und künstlicher Intelligenz vertraut gemacht werden und die Grundzüge einer Programmiersprache erlernen, um damit ein firmenweites digitales Mind-Set auf- und auszubauen.
Christian Leuthner von Reed Smith stellte das Produkt GravityStack vor. Es dient zum einen zur internen Nutzung im Rahmen der Mandatsarbeit. Zum anderen werden bestimmte Produkte/Services für Dritte bereitgestellt. Zudem können Anwälte mit Ideen an die zuständige Stelle herantreten und werden in die Entwicklung miteinbezogen.
Fünf unterschiedliche Ansätze für Digitalisierungsstrategien von fünf verschiedenen Kanzleien wurden vorgestellt. In einem Punkt waren sich alle Referenten einig: Die Digitalisierung des Rechts hat sich rasant beschleunigt und die Ordnung und die Strukturen des Rechtsmarkts haben sich grundlegend verändert. Um auf diese Entwicklung geeignete Antworten zu finden, müssen Juristen ein besseres Verständnis für digitale Techniken entwickeln.

Panel II – Mittelstand
Im zweiten Panel, moderiert von Petra Seeburger (STP Gruppe), berichteten die Referenten von mittelständischen Kanzleien über ihre Erfahrungen hinsichtlich der Digitalisierung des Rechtsmarkts.
Ernst Brückner von Buse Heberer Fromm sprach von einem soziokulturellen Wandel, den die Digitalisierung mit sich brachte. Auch wenn es wenig Kapazitäten gab, bestand ein großes Interesse daran, hochwertige Leistung zu bringen. Daher sollten sich die Kanzleien darauf konzentrieren, was sie am besten können.
Bei Heuking Kühn liegt der primäre Fokus auf der Effizienzerhöhung bei der Mandatsbearbeitung, berichtete Dr. Peter Ladwig. Hierzu werden digitale Plattformen, mobile Arbeitsplätze und Fremdsoftware eingesetzt. Obwohl die IT-Kenntnisse enorm vorangebracht wurden, wird nicht vorausgesetzt, dass jeder Jurist programmieren kann.
Dr. Georg Anders von Heussen machte deutlich, dass die Mandanten immer bessere Leistungen mit niedrigen Preisen wollen und die mittelständischen Kanzleien sich hier die Frage stellen müssen, was sie bieten können. Das Einsetzen von klassischen Legal-Tech-Tools sowie das Einfügen ins Datenmanagementsystem sind eine Möglichkeit zum Sammeln vieler Daten.
Auf die Frage, was Legal Tech für Luther bedeutet, antwortetet Dr. Markus Sengpiel, dass es ein „andauernder iterativer Prozess“ ist. Wichtig seien hier die Fehlerkultur einer Kanzlei und die Bereitschaft der Partner zu investieren.
Lars Kuchenbecker von Menold Bezler betonte, dass hinsichtlich der Digitalisierung die Partnerschaft maßgebend ist, was das Commitment anbelangt. Oftmals würden Legal Tech und digitale Produkte durch den Einsatz von alten papiergestützten Prozessen leider ausgebremst.

Panel III – MDP-Kanzleien
Im dritten Panel, moderiert von Anna-Katharina Horn, berichteten die Referenten über den Umgang mit dem Thema Digitalisierung in multidisziplinär arbeitenden Kanzleien.
Thomas Northoff und Klaus Gresbrand von Deloitte Legal, Philipp Glock von KPMG Law, Sebastian Schüßler von Rödl & Partner sowie Dr. Sebastian Ritz von Ebner Stolz erläuterten, dass die Bereitschaft, neue Produkte zu entwickeln, vorhanden sein muss, damit eine Innovation intern und extern erfolgen kann. Standardisierte Arbeitsprozesse und Dokumentenmanagement können so automatisiert über eine Technologieplattform laufen.
Über die Übernahme von Riverview und dem Legal-Tech-Modul Kim durch EY Law sprach Jan Schulz. Von dieser Übernahme verspricht sich EY Law, Vorläufer beim Einsatz von automatisierten Dienstleistungen zu werden und damit vor allem Kosten zu senken, Effizienz zu steigern und Risiken zu managen.
Kristian Landegren von PwC Legal fasste die wesentlichen Bausteine der internen Digitalisierung und die Bedeutung für den Mandanten zusammen. Als strategischen Ansatz nannte Landegren die Punkte strategische Weichenstellung und Abstimmung mit Stakeholdern auf Projektebene, den Aufbau von Dokumentautomatisierungstools wie „PANDORA“ (Process and Document Rationalisation and Automation) und Programmierung („PwC Electronic Signature App“).

Elevatorstatement
Liquid Legal Institute e.V. – Der Thinktank für den Rechtsmarkt, national und international
Kai Jacob (SAP) und Dr. Bernhard Waltl (BMW Group), zwei der Gründer des Thinktanks Liquid Legal Institute e.V., stellten diesen genauer vor. Die Erforschung und Förderung von neuem Denken sowie von Technologien und sonstigen Innovationen im „Ökosystem Recht“ (also der sogenannten Legal Transformation) sei Zweck des Vereins. Dieses „Ökosystem Recht“ umfasst die Bereiche Rechtsentwicklung, Rechtsanwendung und Rechtsgestaltung.
Aufgrund von Trends, wie zum Beispiel die Digitalisierung, verändert sich das „Ökosystem Recht“ enorm. Der Verein Liquid Legal Institute findet es nicht ausreichend, diese Veränderungen zu beobachten und einzelne Neuerungen aufzugreifen. Vielmehr ist der Verein davon überzeugt, dass komplexe Probleme nicht von einer Kanzlei allein gelöst werden können und es für alle Interessengruppen (Stakeholder) von Vorteil ist, wenn sie gemeinsam den Veränderungsprozess aktiv vorantreiben. Daher soll der Verein als Plattform dienen, auf der die Mitglieder des Vereins den Veränderungsprozess selbst mitgestalten können.

Paneldiskussion
Rechtsmarkt in Deutschland: Stand der Digitali-sierung in Rechtsabteilungen – woher, wohin? Und wie?
Dr. Bruno Mascello (Executive School of Management, Technology and Law, University of St. Gallen) eröffnete die Diskussionsrunde mit der Frage an die Teilnehmer, ob Digitalisierung für sie wichtig ist, und wenn ja weshalb?
Alle Teilnehmer waren sich hier einig und antworteten darauf, dass Digitalisierung für sie extrem wichtig ist. Anja Kahle (General Counsel SIG Combibloc Group AG) sieht die Digitalisierung als gewaltigen Innovationstreiber für Rechtsabteilungen.
Dr. Stefan Brügmann (General Counsel Helaba Landesbank Hessen-Thüringen) betonte, dass Digitalisierung für sie auf Kundenseite eine Rolle spielt.
Digitalisierung heißt bei der Otto Group, so General Counsel Martin Mildner, für den Kunden im Fachbereich mit Digitalisierung zu arbeiten.
Es ist nicht möglich, der Digitalisierung zu entkommen, sie schreitet immer schneller voran und ermöglicht eine schnelle Vertragsanalyse und steigert die Effizienz, erläuterte Dr. Dierk Schindler (Head of EMEA Legal & Global Shared Services, NetApp).
Auf die Frage von Bruno Mascello, was die Teilnehmer der Diskussion sich von externen Anwälten und Dienstleistern hinsichtlich der Digitalisierung wünschen, führte Anja Kahle aus, dass zwar die Tools am Markt viel können, aber die Rechtsabteilungen häufig damit nicht zurechtkommen. Daher sollten die Modelle eher überschaubar sein.
Dr. Pietro Brambilla (Head of Digital Transformation Integrity & Legal, Daimler) sprach über die gute Entwicklung der Kanzleien intern und die Verwunderung, dass vieles bei den Mandanten nicht ankommt. Künftig sollte dies sich ändern.
Dr. Stefan Brügmann (Helaba Landesbank Hessen-Thüringen) wünscht sich noch mehr Wettbewerb innerhalb der Kanzleien.

Unternehmerische Entscheidungsfindung in unsicheren Zeiten:
General Counsels, Kanzleien und die Macht des Zweifels
Ein Highlight der diesjährigen Veranstaltung stellte der interaktive Vortrag von Prof. Dr. Michael Smets von der Saïd Business School, University of Oxford, dar.
Prof. Dr. Smets schilderte, dass oftmals das Treffen von großen Entscheidungen einhergeht mit großer Unsicherheit und es sich hier um eine Phase der Entscheidungsfindung handelt.
Obwohl Juristen in ihrem Fachgebiet Experten sind und es zu ihrem Job gehört, Sicherheit zu vermitteln, fällt es ihnen paradoxerweise bei großen Entscheidungen schwer, diese Sicherheit zu geben. Prof. Dr. Smets erläuterte, dass die Entscheidungsfindung von Emotionen wie Angst, Aufregung, Sorge etc. begleitet wird und es wichtig ist, sich darüber Gedanken zu machen, wie diese Emotionen nutzbar gemacht werden können.
Prof. Dr. Smets beleuchtete an dieser Stelle den CEO Report, eine der umfassendsten und detailliertesten Studien über die Führungsfähigkeiten von CEOs. Er führte weiter aus, dass diese Studie eine Reihe von integrierten Fähigkeiten identifiziert, die oberste Führungskräfte von heute einsetzen müssen, damit sie in einem Unternehmensumfeld wachsen und agieren können, das von laufenden Veränderungen und dem Widerspruch konkurrierender Interessen der Stakeholder geprägt ist.
Auf die Frage an die CEOs, ob sie je an sich zweifeln, antworteten überaschenderweise 71% mit ja. Zweifel scheinen für CEOs heutzutage etwas Positives zu sein. Die Frage ist auch hier, wie man verschiedene Arten des Zweifels nutzbar machen kann.
Prof. Dr. Smets fasste abschließend zusammen, dass Zweifel das Management humanisieren, sie für Führungskräfte so wie „Nerven“ für Hochleistungssportler und Quelle von Selbstbewusstsein sowie Überzeugung sind. Demnach unterstützt die Macht des Zweifels die Vermeidung von Stigma und „Schwäche“ sowie tiefgreifendere und zielführendere Mandantengespräche.

Fazit und Ausblick
Die Veranstaltung zeigte eindrucksvoll durch fachliche Vorträge und Diskussionen, dass die Digitalisierung den Rechtsmarkt revolutioniert hat und die Kanzleien darauf reagieren, indem sie diesen aktiv mitgestalten, um die Effizienz zu steigern und optimale Leistungen zu erzielen.
„Inhouse Matters“ hat sich nach der dritten Auflage als hochkarätige und für die Spitze des Rechtsmarkts besonders relevante Fach- und Netzwerkveranstaltung fest etabliert.
Reservieren Sie für das nächste Jahr schon einmal den Nachmittag und Abend des 02.12.2019 für Ihren Besuch in Frankfurt am Main.

ayfer.ekingen@frankfurt-bm.com