DAX-Pensionswerke trotzen dem Niedrigzinsumfeld

Willis-Towers-Watson-Studie „DAX-Pensionswerke 2016”

Ein Gastbeitrag von Dr. Thomas Jasper und Dr. Heinke Conrads

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Die Pensionsverpflichtungen der DAX-Unternehmen sind 2016 um 9,7% auf 397 Milliarden Euro gestiegen (2015: 362 Milliarden Euro). Für den Anstieg sorgte insbesondere der IAS-Rechnungszins, der im Median um 70 Basispunkte auf 1,8% gesunken war. Die Pensions­vermögen wuchsen dank guter Erträge und substantieller Dotierungen im gleichen Zeitraum um 6,1% auf 250 Milliarden Euro (2015: 236 Milliarden Euro). Damit blieb der spezifische Ausfinanzierungsgrad mit 63% auch in dem herausfordernden wirtschaftlichen Umfeld nahezu konstant (2015: 65%). Zu diesem Ergebnis kommt die ­Studie „DAX-Pensionswerke 2016“ von Willis Towers ­Watson.

Finanzierungsstrategien langfristig konstant

Die guten Erträge auf die Pensionsvermögen zeigen, dass die DAX-Unternehmen im Anlage- und Risikomanagement gut aufgestellt sind. So ist es ihnen gelungen, ihre Pensionswerke solide durch ein herausforderndes wirtschaftliches Umfeld zu steuern. Obwohl das Marktumfeld in den vergangenen zehn Jahren durchaus wechselhaft war, lag der Ausfinanzierungsgrad, also das Verhältnis von Pensionsverpflichtungen und spezifisch reservierten Pensionsvermögen, immer relativ konstant bei etwa 60 bis 65%. Der restliche Verpflichtungsumfang ist durch das Unternehmensvermögen gedeckt. An dieser langfristig konstanten Aufteilung lässt sich ablesen, dass die Unternehmen ihre bAV-Finanzierungsentscheidungen fundiert getroffen haben und konsequent fortführen. Die Unternehmen entscheiden sich – je nach Geschäftsmodell und der damit verbundenen Finanzierungsstrategie – zum Teil für spezifisch reservierte, aus dem restlichen Unternehmensvermögen ausgegliederte Pensionsvermögen. Zum Teil setzen sie auch auf eine unternehmensinterne Finanzierung der Pensionsverpflichtungen. Sie nutzen damit den zielführenden Gestaltungsspielraum, den das deutsche Betriebsrentenrecht ihnen bietet – das kommt der bAV insgesamt zugute.

Planvermögen mit guten Erträgen und substantiellen Dotierungen

Auf der Anlageseite konnten die DAX-Unternehmen mit ihrer Kapitalallokation eine gute Rendite verbuchen. Darüber hinaus stärkten die Unternehmen ihre Pensionswerke mit Dotierungen in Höhe von 10,6 Milliarden Euro. Die Unternehmen setzen nach wie vor nicht zuletzt auf die bAV als Pluspunkt für die Mitarbeitergewinnung und -bindung und investieren deshalb substantielle Beträge für die Alterssicherung ihrer Mitarbeiter. Auch daran lässt sich die Bedeutung der betrieblichen Altersversorgung für die Unternehmen ablesen.

Verpflichtungsumfang zinsbedingt gestiegen

Im Jahresverlauf 2016 sank der Rechnungszins, der für die Bewertung der Pensionsverpflichtungen zugrunde gelegt wird, um 70 Basispunkte auf 1,8%. In der Folge stieg der Wert, der in den Geschäftsberichten für die Pensionsverpflichtungen anzugeben ist, um 9,7% auf 397 Milliarden Euro. Da die spezifisch für die Pensionszahlungen reservierten Vermögenswerte nicht in gleichem Maße wuchsen, sank der Ausfinanzierungsgrad – das Verhältnis von Pensionsverpflichtungen und Pensionsvermögen – leicht auf 63% (2015: 65%). Der Betrag der für die Zukunft zugesagten Rentenzahlungen ändert sich dadurch nicht. Im internationalen Vergleich setzen die DAX-Unternehmen stärker auf die unternehmensinterne Finanzierung ihrer Pensionsverpflichtungen. In Großbritannien oder den USA hingegen besteht beispielsweise eine Pflicht zur Ausfinanzierung. Daher liegt der Ausfinanzierungsgrad dort traditionell höher. Bei den Fortune-1.000-Unternehmen sind es aktuell 80%.

Mittelstand setzt traditionell stärker auf unternehmensinterne Finanzierung

Beim Blick auf die Pensionswerke der größten Unternehmen in Deutschland sollte man jedoch nicht aus den Augen verlieren, dass die bAV auch im Mittelstand eine lange Tradition hat. Der Mittelstand in Deutschland ist bislang Pensionsverpflichtungen in Höhe von etwa 25 Milliarden Euro eingegangen, denen – im Vergleich zu DAX-Unternehmen – weniger spezifisch reserviertes Pensionsvermögen gegenübersteht. Hier ist die unternehmensinterne Finanzierung deutlich stärker verbreitet. Angesichts des Niedrigzinsumfelds erwägen mehr als drei Viertel der Unternehmen im Mittelstand eine Neuausrichtung ihres innenfinanzierten Versorgungswerks, wie eine weitere Studie, die Mittelstandsstudie von Willis Towers Watson, zeigt. Hier sind für die kommenden Jahre also viele Veränderungen zu erwarten.

bAV-Reform: positive, aber erklärungsbedürftige Impulse

Für die Neueinführung von betrieblichen Pensionsplänen wird das geplante Betriebsrentenstärkungsgesetz einige positive Impulse bieten. Jetzt ist es an den Unternehmen, diese Impulse im Sinne einer weiteren Verbreitung der bAV zu nutzen. Zu begrüßen ist insbesondere die Möglichkeit des sogenannten Opting-outs. Solche bAV-Modelle, in denen die Mitarbeiter automatisch für die Beteiligung am Pensionsplan angemeldet werden, jedoch austreten können, sofern sie dies wünschen, wurden in Deutschland bislang selten in die Praxis umgesetzt. Sie können jedoch wesentlich zu einer weiteren Verbreitung der bAV beitragen und treffen auch auf das Interesse der Mitarbeiter. Auch die reine Beitragszusage ohne Garantien kann – gerade im Niedrigzinsumfeld – aus Unternehmenssicht eine zielführende Lösung sein. Sie steht aber weniger im Einklang mit den Interessen der Mitarbeiter, die Sicherheit und Garantien bevorzugen. Bei der Gestaltung von Pensionsplänen sollte jedoch auch die Mitarbeiterperspektive berücksichtigt werden, damit sie die Mitarbeiterbindung und -gewinnung tatsächlich wirksam unterstützen können. Das stellt Pensionspläne ohne Garantien vor nicht zu unterschätzende kommunikative Herausforderungen.

Viele bestehende bAV-Probleme werden durch die Reform allerdings nicht gelöst. Die Unternehmen, die bereits Pensionspläne anbieten, reagieren daher auch verhalten auf den Reformentwurf. Fast zwei Drittel (61%) sagen, dass die Reform die bAV wohl „weder stärken noch schwächen“ werde, wie eine Umfrage von Willis Towers Watson ergab. Hier besteht weiterer Reformbedarf.

Bei der Veränderungsdebatte sollte jedoch nicht aus den Augen verloren werden, dass bereits sehr viele Unternehmen sehr gute betriebliche Pensionspläne anbieten. So hat der Deutsche bAV-Preis 2017 gerade wieder einmal gezeigt, dass in den vergangenen Jahren sehr vielfältige, gelungene und treffsichere bAV-Modelle in den Unternehmen implementiert wurden – sowohl in DAX-Unternehmen als auch im Mittelstand.

Hinweis der Redaktion:
Die Studie „DAX-Pensionswerke 2016“ basiert auf den Geschäftsberichten der DAX-Unternehmen, einschließlich der Anhangsangaben zu den Pensionsverpflichtungen sowie weiterer öffentlich zugänglicher Daten. Per 24.03.2017 haben alle 30 Indexmitglieder ihre Zahlen für das Geschäftsjahr 2016 vorgelegt. Die der Auswertung zugrundeliegende Willis-Towers-Watson-Datenbank ermöglicht Vergleiche bis ins Jahr 1999. (tw)

thomas.jasper@willistowerswatson.com

heinke.conrads@willistowerswatson.com