Von Christina Sontheim-Leven, LL.M., und Dr. André-M. Szesny, LL.M.

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  1. Ein wertegetriebenes Unternehmen ist ein „wert“-volles Unternehmen
    Compliance stärkt den moralischen Kompass und die Mitarbeiterloyalität. Wer Compliance „von oben“ vorlebt und nach unten durchsetzt, wertet sein Unternehmen auf, schon allein dadurch, dass die Mitarbeiter einander gegenüber aufmerksamer sind und sich eine gewisse Gruppendisziplin entwickelt, unter der unternehmensschädigendes Verhalten viel seltener vorkommt. Nachhaltigkeitskomponenten, welche die „klassische“ Compliance flankieren, wie Arbeits- und Umweltschutz, die Achtung von Grundrechten und Sozialnormen („Corporate Social Responsibility“), stärken zudem den guten Ruf bei Kunden und Geschäftspartnern nochmals. Letztere sind inzwischen sogar gesetzlich gefordert (CSR-Richtlinie-Umsetzungsgesetz, BGBl. I 2017, S. 802 ff.). Und auch arbeitssuchende Talente schauen heutzutage nicht mehr nur auf die Benefits sondern auch darauf, wie der künftige Arbeitgeber mit Compliancethemen umgeht.
  2. Erfolgreich ist, wer kommuniziert
    Ein Compliancemanagementsystem (CMS) berührt aus übergeordneten Gründen – Stärkung der Unternehmens­ethik, Haftungsvermeidung, allgemeine Achtung sozialer und rechtlicher Standards – sämtliche Teile der Firma. Es verknüpft unterschiedliche Unternehmensbereiche: Vom Einkauf über die Produktion und den Vertrieb bis hin zur Personalabteilung, der Buchhaltung, dem Con­trolling und der Rechtsabteilung – ganz zu schweigen von der Geschäftsleitungsebene. All diese Bereiche „zwingt“ ein CMS im Unternehmensalltag, sich übergeordneten Aspekten zu stellen, in den Dialog miteinander zu gehen und sich aktiv aufeinander abzustimmen.
  3. Nicht am falschen Ende sparen, vermeidet im Ergebnis Kosten
    Ein CMS verhindert erhebliche Kosten. Der Spruch: „If you think compliance is expensive, try non-compliance“ trifft zu. Schon der Verdacht von Verstößen im Unternehmen etwa gegen Steuergesetze, Arbeitssicherungsvorgaben, Sozialabgabenabführungspflichten („Scheinselbständigkeit“) oder gar der Anschein möglicher Korruption oder Kartelle binden personelle und infrastrukturelle Ressourcen. Denn die Aufklärung der Verstöße und die anschließende Verfolgung von Schadensersatzansprüchen nimmt Geld, Zeit und Nerven in Anspruch. Von den PR-Investitionen zur Reputationssicherung in solchen Fällen ganz zu schweigen …
  4. CMS als interner Hygienefaktor verhindert Wertabfluss
    Hinzu kommt, dass ein CMS nicht nur (mutmaßlich) unternehmensnütziges Verhalten (wie Kartelle oder Korruption zur Auftragsgewinnung) verhindert, sondern auch unternehmensschädigende Taten wie den Griff in die Kasse (Untreue), die Unterschlagung von Betriebsmitteln oder Betrug (Fraud). 4-Augen-Systeme, ein gezieltes Controlling und die Stärkung eines ethischen und loyalen Selbstverständnisses der Mitarbeiter gegenüber ihrem Arbeitgeber sind das richtige Mittel gegen unmittelbar schädigendes Verhalten.
  5. Compliance maximieren hilft, (persönliche) Haftung zu minimieren
    Compliance mindert nicht nur finanzielle Einbußen, sondern auch das Haftungsrisiko für Manager und die Firma. Denn wer als Geschäftsleiter kein CMS unterhält und optimiert, dem drohen persönliche Haftung – wegen Aufsichts- und Organisationspflichtverletzung (§ 130 OWiG), schlimmstenfalls auch Geld- und Freiheitsstrafe wegen unterlassenen Einschreitens gegen Straftaten Untergebener. Wer gegen den erkannten Betrug eines Angestellten als Vorgesetzter nicht einschreitet, kann sich als Unterlassungstäter desselben Betrugs strafbar machen (BGH, Urteil vom 17.07.2009 – 5 StR 394/98). Gemessen am Verschulden des Geschäftsleiters fällt dann auch die Unternehmenssanktionierung aus: Nicht nur der derzeit zirkulierte Entwurf eines Verbandssanktionengesetzes sieht Compliancemaßnahmen als sanktionsmildernd vor, sondern auch schon jetzt proklamiert die BaFin: Wer ein Compliancemanagementsystem vorhält, wird milder bebußt. Rechtlich lässt sich dies an § 17 OWiG und der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs (BGH, Urteil vom 09.05.2017 – 1 StR 265/16) zur sanktionsmildernden Wirkung von Compliancemanagementmaßnahmen festmachen.
  6. Ein fehlendes CMS ist eine Pflichtverletzung, die teuer werden kann
    Wer sich compliant verhält, reduziert schließlich auch die Gefahr einer zivilrechtlichen Inanspruchnahme: Man denke nur an den Vorstand N., der wegen Auslandskorruption auf Schadensersatz in Höhe von mehreren Millionen Euro verurteilt wurde – vom Schadensersatz erfasst waren nicht nur die Kosten, die durch die Nichtigkeit der korruptiv bemakelten Verträge entstanden sind, sondern auch die für die interne Ermittlung des Entwurfs entstandenen Beraterkosten (LG München I, Urteil vom 10.12.2013 – 5 HK O 1387/10).
  7. Missstände effektiv zu managen, ist zielführender als nur noch hektisch reagieren zu können
    Ein effektives CMS führt zu mehr Informationen über Missstände im Unternehmen und deren Kontrolle. Wer ein Whistleblowersystem einführt und eigenen Mitarbeitern, gegebenenfalls auch Außenstehenden, die Möglichkeit gibt, sich zu beschweren, hat die Chance, Missstände frühzeitig zu erkennen, einzugreifen und abzustellen. Wer auf ein Hinweisgebersystem verzichtet, riskiert, dass sich der unzufriedene Arbeitnehmer an andere Stellen wendet – etwa die Presse oder Aufsichtsbehörden. Damit verliert das Unternehmen die Kontrolle über maßgebliche Informationen, deren Interpretation und die Möglichkeit, selbst gestaltend einzugreifen.
  8. Vertrauen ist eine wichtige Währung im Geschäftsleben
    Compliancemanagementsysteme schafften Vertrauen. Ist legales Handeln Grundlage der Geschäftstätigkeit, führt dies in den Augen von Kunden und Geschäftspartnern zu hoher Vertrauenswürdigkeit und niedrigen Hemmschwellen, mit Ihnen Verträge einzugehen. Complianceverstöße, insbesondere wenn sie in öffentliche Register eingetragen werden müssen (z.B. das Vergaberegister) erschweren die Auftragserlangung gerade im öffentlichen Bereich.
  9. Geringeres Risiko führt zu attraktiveren Konditionen
    Ein funktionierendes und vertrauenswürdiges CMS führt unweigerlich zur Verminderung von Kosten- und Ausfallrisiken. Das wissen auch Fremdkapitalgeber und Versicherungsunternehmen: Zinsen und Prämien sind in der Regel umso günstiger, je effektiver und vollständiger Ihr Compliancemanagementsystem ist.
  10. Compliance versus VUCA: 1:0
    Und schließlich macht ein effektives Compliance- und Nachhaltigkeitskonzept die kompliziert gewordene VUCA-Welt ein bisschen transparenter und besser. Es gibt dabei, wenn es ernstgemeint und auf das Unternehmen zugeschnitten ist, selbst bei den sich wandelnden Anforderungen des Wirtschaftslebens, die Stabilität und Leitlinien, die motivierte Mitarbeiter brauchen, um langfristig im Unternehmen zu bleiben und bestmöglich zu dessen Erfolg beizutragen.

 

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