Fünf Fragen an die neuen Direktoren des Center on the Legal Profession der Bucerius Law School: Dr. Claudia Junker, Prof. Dr. Klaus-Stefan Hohenstatt und Dr. Hariolf Wenzler

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Am 14.11.2019 ist die Bucerius Law School wieder Treffpunkt für alle, die an aktuellen Entwicklungen des Rechtsmarkts interessiert sind. Zum neunten Mal findet dann in Hamburg die renommierte Bucerius-Herbsttagung statt, die sich in diesem Jahr mit dem Trendthema der „Ma­naged Legal-Services“ beschäftigt. Zugleich ist dies die erste Veranstaltung, die nicht unter der Leitung von Markus Hartung steht, dem Gründer, Impulsgeber und lang­jährigen Direktor des Center on the Legal Profession der Bucerius Law School. Thomas Wegerich sprach
mit den drei neuen Direktoren Dr. Claudia Junker,
Prof. Dr. Klaus-Stefan Hohenstatt und Dr. Hariolf Wenzler.

Deutscher AnwaltSpiegel: Bevor wir auf die anstehende 9. Herbsttagung an der Bucerius Law School zu sprechen kommen, erlauben Sie mir bitte eine Frage vorab – mit der Bitte um jeweils ein kurzes Statement von Ihnen Dreien. Als neues Direktorium des Center on the Legal Profession sind wir gut aufgestellt, weil …

Dr. Junker: … wir aus ganz unterschiedlichen juristischen Lebenswelten ganz unterschiedliche Hintergründe mitbringen und so auch sehr viele verschiedene Ideen haben.

Prof. Dr. Hohenstatt: … wir uns alle drei aus unterschiedlicher Perspektive für das Thema „Innovation im Rechtsmarkt“ begeistern.

Dr. Wenzler: … wir die Bereiche Anwaltskanzlei, Rechtsabteilung und Legal-Management perfekt abdecken – und das innovativ und kollegial.

Deutscher AnwaltSpiegel: Nun aber zu der Herbsttagung, in der es um „Managed Legal Services“ geht. Das ist ohne Frage derzeit eines der Topthemen im Rechtsmarkt.
Was dürfen die Teilnehmer und Gäste im November in Hamburg erwarten?

Bucerius Center on the Legal Profession: Dass wir uns dem Thema auf vielen Ebenen nähern. Bucerius hat ja selbst eine Historie als „Managed Law School“ und hat das immer schon als einen unternehmerischen Wertbeitrag begriffen. Im Gegensatz zu staatlichen juristischen Fakultäten, die mit ihrer „Selbstverwaltung“ doch recht ungemanagt sind, setzt Bucerius durch das Management der Hochschule auf Arbeitsteilung zwischen ProfessorInnen und dem Hochschulmanagement, auf Führungsverantwortung, auf institutionelle Innovation und auf „Accountability“. Dieselbe Entwicklung sehen wir auf dem Rechtsmarkt: Mehr und mehr verantworten Manager die Themen Operations und Business-Support, während Anwälte sich im Rahmen effizient und agil gemanagter Prozesse auf Mandatsarbeit konzentrieren. Eigentlich ist es ganz simpel: Anwälte und Inhouse-Juristen beraten ihre internen oder externen Mandanten, Manager managen Kanzleien und Rechtsabteilungen. Natürlich ist ein Managing Partner einer Großkanzlei oder die Leitung einer Rechtsabteilung dabei in einer Zwitterposition.

Deutscher AnwaltSpiegel: Viele Kanzleien haben bereits seit einiger Zeit Initiativen im Bereich Managed Legal-­Services gestartet, viele haben das angekündigt oder ­planen es. Sehen Sie hier gleichwohl ein „Hase und Igel“-Rennen kommen, das am Ende die Big 4 – ausgestattet mit „tiefen Taschen“ für erforderliche Investitionen – und die alternativen Dienstleister, hier und da mit einem Know-how-Vorsprung, gewinnen werden gegen die ­etablierten Wirtschaftskanzleien?

Bucerius Center on the Legal Profession: Gutes Management leistet einen Wertbeitrag im Sinne effizienter Prozesse und des Einsatzes digitaler Technologien. Sagen wir es mal so: Kreative, kluge juristische Arbeit wird in einer gut gemanagten Kanzlei nicht ausgebremst. Die Big 4 haben das verstanden und investieren in Prozesseffizienz und in Technologie. Diesem Trend wird sich auf Dauer keine Kanzlei entziehen können. Die Erteilung eines Mandats wird in Zukunft sicherlich auch davon abhängen, ob eine Kanzlei als gut gemanagt wahrgenommen wird und damit mit den finanziellen Ressourcen ihres Mandanten/ihrer Mandantin effizient umgeht. Daneben wird es aber auch unverändert um das Vertrauen in beste juristische Beratung durch eine bestimmte Person oder Kanzlei gehen.

Deutscher AnwaltSpiegel: Aus vielen Gesprächen mit ­General Counsels habe ich mitgenommen, dass die Rechtsabteilungen inzwischen zwar sehr aufgeschlossen sind für das Thema Managed Legal-Services und die ­damit verbundenen neuen Dienstleistungen, vielfach aber noch sehr stark mit der Implementierung und Digitalisierung von Prozessen im eigenen Haus beschäftigt sind. Das ist eine Momentaufnahme. Für die Zukunft könnte daraus meines Erachtens folgen, dass von der Mandantenseite noch stärkerer Druck auf die Kanzleien ausgeübt wird – und dass es eine geänderte Erwartungshaltung in Bezug auf das anwaltliche Dienstleistungsangebot geben wird. Das bietet Chancen und Risiken für die Sozietäten. Wie beurteilen Sie das, was empfehlen Sie Rechtsabteilungen, die sich strategisch mit dem Thema beschäftigen?

Bucerius Center on the Legal Profession: Unsere Wahrnehmung ist, dass Rechtsabteilungen drei entscheidende Vorteile haben, die sie ausspielen können:
1. Sie bewegen sich in einem Corporate-Umfeld, das sich durch digitale Disruption und Veränderungen der Arbeitswelt ohnehin und direkt um sie herum drastisch wandelt. Der Druck, oder positiver formuliert, die Chance, sich diesem Wandel proaktiv zu stellen, Prozesse zu definieren, zu verschlanken und zu digitalisieren, ist daher ungleich größer als in einem Kanzleiumfeld.
2. Inhouse-Abteilungen sind rechenschaftspflichtig, egal ob gegenüber dem COO, dem CFO oder dem CEO – sie müssen im Rahmen ihres Budgets bleiben, dessen Einhaltung in der Regel von Controllern überwacht wird. „Doing more with less“ ist seit Jahren bei vielen Rechtsabteilungen tägliche Praxis. Da ist Phantasie gefragt.
3. Sie sind bei juristischen Dienstleistungen auf der Buy-Side und sehen daher die Stärken und Schwächen der verschiedenen Anbieter, auch den Grad des „Gut-gemanagt-Seins“.

Deutscher AnwaltSpiegel: Zum Schluss – der Blick in die Glaskugel. In fünf Jahren wird das Thema Managed Legal-Services im deutschen Rechtsmarkt …

Dr. Junker: … ein Thema sein, an dem keine Kanzlei und keine Rechtsabteilung mehr vorbeikommt.

Prof. Dr. Hohenstatt: … vielleicht einen neuen Namen haben, aber das Phänomen wird sich enorm verstärken. Der Rechtsmarkt war lange im „Windschatten“ – in Zukunft wird der Druck in Richtung Digitalisierung und Prozess­effizienz deutlich zunehmen.

Dr. Wenzler: … möglicherweise bereits Standard im Segment der wirtschaftsberatenden Kanzleien sein, mit Sicherheit aber ein positiv differenzierender Wettbewerbsfaktor – auch weil es von den Rechtsabteilungen vorausgesetzt wird.

Deutscher AnwaltSpiegel: Frau Dr. Junker, Herr Dr. Hohen­statt, Herr Dr. Wenzler, vielen Dank, dass Sie unseren ­Lesern diese Einblicke gegeben haben. Ich freue mich schon auf die 9. Herbsttagung in Hamburg.

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