Im Gespräch mit dem Deutschen AnwaltSpiegel: Dr. Martin Vorsmann, neuer Managing Partner von CMS, und Dr. Hubertus Kolster, neuer Senior Partner der Kanzlei

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Dr. Martin Vorsmann ist als neuer Managing Partner der internationalen Wirtschaftskanzlei CMS Deutschland seit dem 01.07.2022 im Amt. Der Gesellschaftsrechtler folgt in dieser Funktion auf Dr. Hubertus Kolster, der zum Ende seiner dritten Wahlperiode und nach mehr als elf Jahren Amtszeit zum Senior Partner der Sozietät gewählt worden ist. Kolster löst damit Cornelius Brandi ab, der nach 23 Jahren Tätigkeit als Managing Partner und im Anschluss als Senior Partner altersbedingt aus der Sozietät ausscheidet. Prof. Dr. Thomas Wegerich sprach mit Dr. Martin Vorsmann und Dr. Hubertus Kolster über das bisher mit CMS Erreichte und über die für die Zukunft geplante Entwicklung der größten Sozietät in Deutschland.

Deutscher AnwaltSpiegel: Herr Dr. Vorsmann, Sie übernehmen ein gut bestelltes Haus als Managing Partner. Der Jahresumsatz liegt bei 400 Millionen Euro, CMS ist weit vorn in Bezug auf Digitalisierung und die Entwicklung eigener Softwarelösungen für Mandanten. Auch die Internationalisierung geht voran. Welche Ziele haben Sie sich gesetzt, wo ist etwas zu tun?

Dr. Vorsmann: Dr. Hubertus Kolster hat einen tollen Job gemacht in seiner langjährigen Zeit an der Spitze der Sozietät. Daher gibt es für mich auch nicht die eine große Überschrift. Vielmehr werden wir weiter konzentriert an den vielen Themen arbeiten, die immer zeitgleich auf der Agenda stehen. Wichtiger denn je ist es, schnell auf Entwicklungen in den Märkten zu reagieren und Trends frühzeitig zu erkennen. Ein dauerhaft relevantes Thema ist Legal-Tech, das inzwischen längst in die klassische Anwaltsberatung eingebunden ist. Hierbei war CMS eine der ersten Sozietäten, die dieses Feld intensiv bearbeitet haben. Wir sind gut aufgestellt und lernen weiterhin ständig hinzu.

Eines möchte ich hervorheben: Gerade unsere Beratung von Blue Chips und in Blue-Chip-Mandaten hat sich in den vergangenen Jahren hervorragend entwickelt – unter anderem etwa im Energiesektor. Das ist für uns ein Signal auch für andere Wirtschaftszweige. In der verstärkt branchenorientierten Ausrichtung liegen Marktchancen für CMS.

Deutscher AnwaltSpiegel: Herr Dr. Vorsmann, in der Branchenpresse ist berichtet worden, dass die Verzahnung der Standorte und die standortübergreifende Mandatsarbeit Aufgaben seien, die Sie beschäftigen müssten. Ist das so?

Dr. Vorsmann: Mein Eindruck ist, dass hier und da im Markt nicht wahrgenommen wird, wie weit unsere Sozietät bei diesen beiden Themen bereits heute vorangekommen ist. Die genannte Verzahnung läuft bei uns sowohl über die fachliche als auch über die sektorale Ebene. Gute Beispiele sind der schon genannte Bereich Energie, aber auch Life-Sciences & Pharma und viele andere mehr. Zudem: Wir haben bei CMS große Standorte, das heißt, unsere Mandanten finden bei uns immer auch geballte Expertise aus ganz unterschiedlichen Rechtsbereichen und in ganz unterschiedlichen Branchen – und zwar direkt vor Ort. Das funktioniert heute schon alles exzellent. Und: Die jüngeren, vollständig bei CMS sozialisierten Generationen denken ohnehin auch sozietätsintern immer über den eigenen Tellerrand hinaus.

Deutscher AnwaltSpiegel: Herr Dr. Kolster, in den elf Jahren unter Ihrer Regie ist CMS stark gewachsen – personell und wirtschaftlich. Wie lautet Ihr persönliches Fazit der drei Amtszeiten?

Dr. Kolster: Eigentlich bin ich noch gar nicht bei einem Fazit, sondern sehe eher die Bewältigung der Themen und Herausforderung der vergangenen zweieinhalb Jahre.

Dazu gehören das Etablieren unseres neuen Finanzsystems, Cybersecurity, der Schritt in die Gewerblichkeit sowie die Ausnahmesituation der Coronapandemie. Insgesamt bin ich aber sehr dankbar für die Gestaltungsmöglichkeiten, die ich hatte. Und eines darf nicht vergessen werden: Ich konnte seinerzeit selbst ein gut bestelltes Haus von meinem Vorgänger Cornelius Brandi übernehmen. Das war ein hervorragendes Fundament für den weiteren Ausbau.

In meiner Amtszeit konnten wir die Integration innerhalb der Kanzlei weiter voranbringen und den wirtschaftlichen Erfolg ausbauen. Folgendes möchte ich betonen: Bei CMS besteht eine sehr große Loyalität und Wertschätzung unter- und füreinander. Das gilt für die Partner und für unsere Mitarbeiter. In der Pandemie hat sich gezeigt, dass wir einen unglaublichen Zusammenhalt haben. Das ist ein großer Schatz, den man pflegen muss!

Allgemein gilt: Wir erlebten in den zurückliegenden mehr als zwei Jahren den größten Umbruch in der Kanzleiwelt und im Rechtsmarkt insgesamt – und das inmitten einer extrem komplexen politischen und wirtschaftlichen Lage. Ganze Geschäftsmodelle verändern sich. Neben Risiken, die zu managen sind, bietet das aber natürlich auch Chancen.

Deutscher AnwaltSpiegel: Meine Herren, eine Frage an Sie beide: Wie ist eigentlich die Rolle des Senior Partners bei CMS definiert, wie grenzt sie sich ab vom Managing Partner?

Dr. Kolster: Das wüsste ich auch gern! (lacht)

Dr. Vorsmann: Der Senior Partner übt bei uns eine eher präsidiale Rolle aus. Er ist vor allem gefragt bei den „kniffligen“ Themen. Hier kann die ganze Sozietät von der enormen Erfahrung und dem Gespür von Dr. Hubertus Kolster für bestimmte Entwicklungen profitieren.

Dr. Kolster: Zudem wird es meine Aufgabe sein, eine noch stärker international geprägte Funktion einzunehmen, etwa im CMS Executive Committee. Hier ist auch sozietätsweit gewünscht, dass wir uns aus Deutschland heraus einbringen.

Deutscher AnwaltSpiegel: Deutscher AnwaltSpiegel: Können Sie zukünftig die Mandatsarbeit mit Ihrer jeweils neuen Funktion verbinden?

Dr. Vorsmann: Meine Mandatsarbeit habe ich weitestgehend zurückgefahren. Wir haben in Deutschland weit über 1.500 Mitarbeiter, die Position des Managing Partners ist ein Vollzeitjob.

Dr. Kolster: In der Tat, beides ist nicht zu schaffen. In meiner neuen Funktion werde ich sehen, welche Schwerpunkte sich entwickeln, ich könnte mir aber eine stärkere Rolle bei der Akquisition vorstellen

Deutscher AnwaltSpiegel: Zum Jahresanfang 2022 sind ein überarbeitetes Vergütungssystem für Associates eingeführt worden sowie ein New-Work-Programm mit der Möglichkeit, 50% mobil zu arbeiten. Wie hat sich das bewährt?

Dr. Vorsmann: Wir haben uns im Verlauf der Coronapandemie frühzeitig viele Gedanken gemacht, was zukünftig monetär und mit Blick auf die Zusammenarbeit in der Kanzlei funktionieren kann. Aus meiner Sicht geht es um die passende Balance zwischen Remote und dem so wichtigen Arbeiten in Teams vor Ort im Büro. Mit der Möglichkeit, die Hälfte der Arbeitszeit mobil zu erbringen, haben wir ein Zeichen gesetzt. Das ist auch angekommen bei unseren Kollegen. Im beruflichen Alltag klappen die Abläufe bei uns sehr gut. Bemerkenswert ist, dass viele inzwischen den Wunsch haben, wieder häufiger ins Büro zu kommen.

Zum Vergütungssystem möchte ich nur so viel sagen: Wir haben damit intern eine hohe Akzeptanz erreicht, vor allem, weil wir sehr bewusst darauf geachtet haben, dass unsere Kolleginnen und Kollegen mit höherer Seniorität sich marktgerecht vergütet sehen. Wenn andere hingegen die Einstiegsgehälter immer weiter in die Höhe treiben, dann wird man sehen müssen, wie nachhaltig das alles ist.

Dr. Kolster: Nur ergänzend: Das 50/50-Angebot hat sich jetzt schon als Erfolg herausgestellt. Wir sehen aber in der Tat auch, dass gerade die jungen Kollegen wieder ins Büro kommen möchten. Denn Präsenz ist wichtig – auch unter dem Gesichtspunkt des Zusammenhalts und der Geschäftsentwicklung.

Deutscher AnwaltSpiegel: Zum Schluss der Blick in die Glaskugel: Wir befinden uns in einer politisch unsicheren und wirtschaftlich kritischen Phase – die Pandemie ist noch nicht vorbei, der Klimawandel ist da, der Krieg in der Ukraine, mindestens stockende Globalisierung, gestörte Lieferketten, die Gasknappheit. Wie ist Ihre Einschätzung zu den multiplen Krisen? Und wie muss sich eine Kanzlei wie CMS in dieser Ausnahmesituation aufstellen?

Dr. Vorsmann: Wir erleben gerade ein multiples Krisenszenario, das wir so nicht kannten bisher. Als Kanzlei haben wir den großen Vorteil, dass wir unseren Mandanten seit jeher einen Full Service in der Rechtsberatung anbieten. Das schafft Resilienz in solchen außergewöhnlichen Zeiten, denn wir können stärker und weniger stark nachgefragte Rechtsgebiete insgesamt austarieren. – Mir ist wichtig zu betonen: Neben der professionellen Steuerung der Sozietät in diesen unsicheren und bewegten Zeiten geht es mit Blick auf den Krieg in der Ukraine gerade um noch viel mehr: unsere Grundwerte Freiheit, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit! Und mit Blick auf unser Wirtschaftssystem um den Erhalt unserer Lebensgrundlagen in einer sozialen und marktwirtschaftlich verfassten Gesellschaft!

Schließlich mit Blick auf das aktuelle Marktgeschehen: Wir erleben derzeit eine große Unsicherheit und Vorsicht bei allen Akteuren. Die Unternehmen achten verstärkt auf konservatives Liquiditätsmanagement. Zugleich befindet sich aber derzeit noch sehr viel Cash im Transaktionsmarkt. Zum Thema Gas: Man darf nicht vergessen, dass das zwar in Deutschland das Thema Nummer 1 ist, nicht aber in der Welt insgesamt.

Dr. Kolster: Das sehe ich genauso. Hinzu kommt, und das ist gut: CMS hat eine sehr treue Mandantschaft. Auch das ist in einem solchen Krisenszenario besonders wichtig. Wenn ich nach vorn schaue, ist es bei CMS so, dass ein starker Generationswechsel bereits im Gang ist und dass in den nächsten Jahren viele Partner altersbedingt ausscheiden werden. Das ist eine große Chance für unseren tollen Nachwuchs, für den sich sehr gute Perspektiven bieten. Das Thema Diversity haben wir dabei fest im Blick.

Deutscher AnwaltSpiegel: Meine Herren, vielen Dank für diese offenen Worte und Einschätzungen. Die weitere Entwicklung von CMS werden wir weiterhin eng begleiten und verfolgen.

 

hubertus.kolster@cms-hs.com

martin.vorsmann@cms-hs.com

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