Philipp Cotta, Managing Partner
von ADVANT Beiten, über die Gründung und die Ziele der deutsch-französisch-italienischen Allianz ADVANT

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Beiten Burkhardt war eine seit vielen Jahren im Rechtsmarkt gut positionierte Marke und eine führende Kanzlei. Nun hat ein neues Kapitel in der Geschichte der Sozietät begonnen: Zusammen mit zwei Partnerkanzleien aus Frankreich und Italien hat ADVANT Beiten, das ist der neue Firmenname, die internationale Allianz ADVANT gegründet. Thomas Wegerich sprach mit dem alten und neuen Managing Partner Philipp Cotta über diese Entwicklung.

Deutscher AnwaltSpiegel: Beiten Burkhardt hat sich kürzlich mit den Kanzleien NCTM (Italien) und Altana (Frankreich) zusammengeschlossen, um die Allianz ADVANT zu gründen. Bitte erläutern Sie unseren Lesern die strategischen Überlegungen und Ziele hinter dieser Initiative.

Philipp Cotta: Der Wettbewerb um multinationale Mandate für internationale Mandanten wird immer stärker, und wir sind der Meinung, dass ein gemeinsames Angebot mit einem starken europäischen Fokus für Mandanten einen größeren Mehrwert bieten kann, als wenn wir in unseren jeweiligen Ländern weiterhin „alleine“ arbeiten würden. Gleichzeitig werden die Bedürfnisse der großen internationalen Mandanten – insbesondere die derjenigen aus den USA und Asien, die in Europa Fuß fassen oder expandieren wollen, sowie die der europäischen Mandanten – immer komplexer und länderübergreifender, so dass der Zeitpunkt für dieses Angebot auf dem Markt genau richtig ist. Zudem haben wir erkannt, dass der Brexit auch Veränderungen auf dem Rechtsmarkt mit sich bringt und neue Möglichkeiten für einen echten europäischen Player mit starker Präsenz und tiefer Verwurzelung in Kontinentaleuropa schafft.

Deutscher AnwaltSpiegel: Wie lange hat es gedauert, die Zusammenarbeit vorzubereiten und schließlich zu starten – und wie haben Sie die ersten Partnerkanzleien gefunden?

Philipp Cotta: Die Idee zu ADVANT nahm vor etwa drei Jahren Gestalt an, und seitdem arbeiten wir daran. Wir kennen uns als Kanzleien und Kollegen seit vielen Jahren und haben in dieser Zeit bei vielen Projekten und Fällen zusammengearbeitet. Dabei wurde uns bewusst, dass wir dieselben Werte und Visionen teilen und dass unsere Mandanten zunehmend von einer europäischen Allianz profitieren. Daher schien es ein logischer Schritt, ADVANT gemeinsam zu entwickeln und damit in den drei größten Volkswirtschaften Europas zu beginnen.

Deutscher AnwaltSpiegel: Wie wurde der Übergang zu ADVANT von der deutschen Partnerschaft der ehemaligen Kanzlei Beiten Burkhardt, die ja eine langjährige und etablierte Marke auf dem deutschen Rechtsmarkt ist/war, aufgenommen?

Philipp Cotta: Eine große Mehrheit unserer Partner teilte von Beginn an die strategische Vision einer europäischen Allianz. Als wir das Konzept entwickelten, wurde klar, dass wir ein eindeutiges Signal setzen mussten, um unser Engagement für eine enge und langfristige Beziehung mit unseren Allianzpartnern zu unterstreichen. Dies kommt durch unsere gemeinsame Dachmarke ADVANT und unser gemeinsames Corporate Design zum Ausdruck. Damit heben wir uns deutlich von vielen anderen, eher informellen Allianzen und Netzwerken ab. Gleichzeitig behalten wir unseren bisherigen Namen Beiten bei, der für die langjährig anerkannte Qualität unserer Leistungen steht. So wissen unsere inländischen Mandanten, dass wir sie weiterhin mit der gewohnten und von uns erwarteten hohen Qualität beraten.

Die Allianz bietet viele Vorteile für unsere jeweiligen Teams, nicht zuletzt die Möglichkeit, Teil von etwas Größerem und noch stärker Internationalem zu sein. Unsere Teams freuen sich auf viele interessante und spannende Projekte. Ein entscheidender Pluspunkt für unsere jüngeren Kollegen ist zudem ein Secondment-Programm, das unseren Berufsträgern die Möglichkeit gibt, in anderen europäischen Städten zu arbeiten und Beziehungen innerhalb der ADVANT-Familie aufzubauen.

Deutscher AnwaltSpiegel: ADVANT ist als Schweizer Verein organisiert, was im Wesentlichen bedeutet, dass die drei Mitgliedskanzleien eigenständige juristische Personen bleiben und finanziell nicht vollständig integriert sind. Welches sind, aus Ihrer Sicht, die Vor- und Nachteile der gewählten Struktur?

Philipp Cotta: Wir haben uns entschieden, sehr eng zusammenzuarbeiten und alle mandantenbezogenen Aktivitäten und Prozesse aufeinander abzustimmen. Aus unternehmerischer und rechtlicher Sicht sind wir ein Zusammenschluss unabhängiger Kanzleien, von denen jede ihre rechtliche und finanzielle Unabhängigkeit behält. Für uns bedeutet dies das Beste aus beiden Welten: Wir sind Teil einer internationalen Einheit mit globaler Ausrichtung und größeren Ressourcen, behalten jedoch gleichzeitig die Kontrolle über unser eigenes Handeln, wenn es um Finanzen, Partnerschaftsentscheidungen und andere lokale Markterfordernisse geht.

Deutscher AnwaltSpiegel: Können Sie unseren Lesern etwas über die Management- und Führungsstruktur erzählen, die Sie eingerichtet haben, um ADVANT voranzutreiben?

Philipp Cotta: Die formale Führungsstruktur des Schweizer Vereins bildet ein Vorstand aus sechs Mitgliedern mit jeweils zwei Vertretern aus jeder Kanzlei. Der Vorsitz wechselt alle zwei Jahre. Darüber hinaus gibt es eine informellere Steering Group und eine Reihe anderer Arbeitsgruppen für die verschiedenen Praxisgruppen, Bereiche und operativen Funktionen.

Deutscher AnwaltSpiegel: Auf welche Bereiche und Länder konzentrieren Sie sich mit der neuen Allianz hauptsächlich? Und in welchen anderen Ländern würden Sie gerne weitere Kanzleien unter dem Dach von ADVANT aufnehmen?

Philipp Cotta: Wir haben insgesamt 14 Rechtsgebiete und 13 Branchen herausgearbeitet, in denen die ADVANT-Mitgliedskanzleien über herausragende Expertise und Erfahrung verfügen. Wir decken bereits die drei größten europäischen Märkte ab. Gleichzeitig befassen wir uns im Rahmen unserer langfristigen Strategie mit einer Reihe von wichtigen Ländern und Jurisdiktionen. Von besonderer Bedeutung sind hierbei die Iberische Halbinsel, die Beneluxländer, Osteuropa und die nordischen Länder.

Deutscher AnwaltSpiegel: Was bedeutet ADVANT für Ihre bestehende Mandantschaft?

Philipp Cotta: ADVANT Beiten wird eine zusätzliche internationale Plattform und eine größere Reichweite bieten, aber gleichzeitig der starke und vertrauenswürdige Berater für bestehende Mandanten in Deutschland und anderswo bleiben. Wir sind überzeugt, dass dieses zusätzliche Angebot neue internationale Mandanten anziehen und uns auch für talentierte Anwälte mit internationalen Ambitionen noch attraktiver machen wird.

Deutscher AnwaltSpiegel: Lassen Sie uns einen Blick in die Kristallkugel werfen: Wo sehen Sie ADVANT in zwei und in fünf Jahren?

Philipp Cotta: Unser Ziel ist es, eine der führenden Rechts- und Steuerberatungseinheiten auf dem europäischen Markt zu werden. Wir möchten als Berater die klare und erste Wahl für all diejenigen sein, die nach Europa expandieren oder bereits dort tätig sind. Dies werden wir in den kommenden Jahren durch die Aufnahme neuer Mitgliedskanzleien in wichtigen Jurisdiktionen in ganz Europa sowie durch weiteres organisches Wachstum erreichen. In fünf Jahren würde ich gerne mindestens acht ADVANT-Mitglieder sehen, die die wichtigsten Jurisdiktionen in Europa abdecken.

Deutscher AnwaltSpiegel: Herr Cotta, vielen Dank für dieses Interview. Wir werden die weitere Entwicklung von ADVANT gern mitverfolgen.

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