Fünf Fragen an: Dr. Manuel Meder, Dr. Michael Tal (Co-CEOs) und Konstantin Tadrowski (CTO), Gründer des deutschen Legal-Tech-Unternehmens BusyLamp

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Gestern ist der Verkauf des Frankfurter Legal-Tech-Unternehmens BusyLamp, einer der Pioniere im Bereich Legal-Spend-, E-Billing- und -Matter-Management, bekanntgegeben worden. Erwerber ist mit dem US-amerikanischen Unternehmen Onit, Inc. aus Houston ein internationaler Mitbewerber. Onit ist seit Jahren auf starkem Wachstumskurs. Durch den Deal entsteht einer der größten internationalen Konzerne für Corporate-Legal-Management. BusyLamp ist seit langem Kooperationspartner des Deutschen AnwaltSpiegels. Thomas Wegerich sprach mit den drei Gründern: den beiden Co-CEOs Dr. Manuel Meder und Dr. Michael Tal sowie Konstantin Tadrowski, dem CTO von BusyLamp.

Deutscher AnwaltSpiegel: Zu dritt sind Sie mit BusyLamp vor genau zehn Jahren gestartet. Skizzieren Sie unseren Lesern doch bitte, wie sich das Unternehmen und die Märkte, in denen es aktiv ist, seitdem entwickelt haben.

Dr. Meder: Dr. Michael Tal und ich wollten schon immer – wir sind seit Schulzeiten beste Freunde – ein Unternehmen gründen. Als wir ein paar Jahre in Großkanzleien gearbeitet hatten, bemerkten wir, dass es bei Rechtsabteilungen grundsätzlich in Sachen Digitalisierung und insbesondere im Legal-Spend-Management noch Nachholbedarf gibt, und sahen eine entsprechende Geschäftschance. Wir konnten dann Konstantin Tadrowski für uns gewinnen und haben alle drei den Sprung in die Selbständigkeit gewagt, was viele in unserem familiären und beruflichen Umfeld nicht wirklich nachvollziehen konnten. Damit hatten die Zweifler auch nicht ganz Unrecht. Wir hatten uns ja aus einer recht komfortablen Situation heraus mit einer völlig unvalidierten Idee in einen Markt begeben, der hierzulande faktisch noch gar nicht existierte.

Dr. Tal: Ja, das stimmt. Als wir anfingen, gab es die Begriffe „Legal-Tech“, zumindest aber „Legal-Operations“ noch nicht. Diese Erkenntnis tat in den ersten Jahren nicht nur finanziell weh, sondern hat uns vor allem einige schlaflose Nächte beschert. Da kamen dann auch bei uns Zweifel auf, ob das Ganze tatsächlich so eine tolle Idee gewesen war. Durch unsere Expansion in die USA und ins UK, wo die Rechtsabteilungen in Sachen digitales Legal-Spend-Management schon weiter waren, drehte sich dann der Wind, und seit 2014 sind wir kontinuierlich gewachsen, und das auch hierzulande. Rückblickend ist es beachtlich, wie sehr sich der Markt gerade in Kontinentaleuropa verändert hat. Diese Entwicklung wird nach unserer Auffassung noch weiter Fahrt aufnehmen. Wir rechnen mit einem weiteren starken Digitalisierungsschub in den kommenden Jahren.

Tadrowski: Die beschriebene Marktentwicklung und den Reifegrad der Rechtsabteilungen konnten wir auch immer gut an den Wünschen unserer Kunden ablesen. Während zu Beginn die Rechtsabteilungen mit Basisanforderungen auf uns zukamen, ist unsere Software mittlerweile auch bestens in der Lage, komplexe Prozesse abzubilden, wie sie in zahlreichen Großkonzernen anzutreffen sind. Übrigens: Bei dem zehnjährigen Jubiläum ist zu beachten, dass wir im September 2011 die Gesellschaft zwar gegründet haben, aber noch lange nicht mit unserem Produkt am Markt präsent waren. Meinen Juristenkollegen war es einfach nur wichtig, dass der Gesellschaftsvertrag frühzeitig geschlossen wurde, weil sie sich sonst nicht aus ihren Kanzleien herausgetraut hätten – so mutig wie sie nun tun, sind sie nämlich gar nicht [lacht].

Deutscher AnwaltSpiegel: Was hat Sie zum Verkauf an Onit zum jetzigen Zeitpunkt bewogen, und welches unternehmerische Profil hat die neue Muttergesellschaft?

Dr. Meder: Wir haben Anfang des Jahres beschlossen, dass wir 2021 den nächsten großen Schritt mit BusyLamp machen möchten, um auch zukünftig bestmöglich aufgestellt zu sein und weiterhin schnell wachsen zu können – und dies vor dem Hintergrund, dass BusyLamp sogar in Coronazeiten seinen jährlich wiederkehrenden Umsatz (ARR) in den vergangenen zwölf Monaten um mehr als 60% steigern konnte. Hyperion Research zeichnete uns als „hochinnovativ“ und „marktführend“ aus. Unsere Alternativen waren ein Private-Equity-Investment oder der Zusammenschluss mit einem Wettbewerber oder einem anderen Strategen. Nachdem wir uns intensiv mit verschiedenen Optionen auseinandergesetzt hatten, war schnell klar, dass Onit für alle BusyLamp-Stakeholder der beste Partner ist und insbesondere unsere Kunden stark von dem Zusammenschluss profitieren.

Dr. Tal: BusyLamp passt einfach wunderbar zu Onit. Durch den Zusammenschluss mit BusyLamp stärkt Onit seine europäische Marktpräsenz mit mehr Experten vor Ort, die nicht nur die lokalen Sprachen beherrschen, sondern auch die unternehmerischen und technologischen Anforderungen von Unternehmensrechtsabteilungen in Europa verstehen. Zugleich können unsere Kunden durch die Übernahme eine Reihe von Vorteilen erwarten. Sie profitieren insbesondere davon, dass BusyLamp nun Zugang zum internationalen Netzwerk von Onit hat und Zugang zu weiteren Technologien wie Contract-Lifecycle-Management, Legal-Service-Requests und Legal-Holds erhält. Die AI-gestützte Rechnungsprüfung von Onit, InvoiceAI, wird ebenfalls bereitgestellt.

Deutscher AnwaltSpiegel: BusyLamp wird zukünftig als Tochterunternehmen im Onit-Konzern eingebunden sein. Welche Folgen hat die Übernahme für die derzeit etwa 70 Mitarbeiter sowie den Standort Frankfurt am Main und – vor allem – Ihre eigene berufliche Zukunft?

Dr. Meder: BusyLamp wird als unabhängige Tochtergesellschaft von Onit operieren. Alle Mitarbeiter und auch das Gründer-/Managementteam bleiben an Bord. Onit ist voll auf Wachstum getrimmt. Es geht nun darum, die neuen Potentiale, die diese Akquisition schafft, ideal einzusetzen und zu entfalten.

Dr. Tal: Wir freuen uns darauf, dieses neue Kapitel von BusyLamp mitzuerleben und weiterhin mitzugestalten. Das wird eine spannende Erfahrung für uns alle. Das gesamte Team schaut mit viel Energie und Zuversicht in die Zukunft.

Tadrowski: Unser Hauptsitz, das Frankfurter Büro, bleibt erhalten. Außerdem sind wir gerade dabei, gemeinsam mit Onit neue Büroräume in London zu eröffnen.

Deutscher AnwaltSpiegel: Welche Bedeutung hat die Übernahme für BusyLamp mit Blick auf die technologische Entwicklung der Produkte sowie auf Markt- und Kundenzugänge im In- und Ausland?

Dr. Meder: Wir werden uns mit unserer Legal-Spend-Management-Lösung, eBilling.Space, nunmehr voll auf Europa und den Markt außerhalb der USA konzentrieren. Onit hat mit eigenen Produkten und der Lösung SimpleLegal den US-Markt gut im Griff.

Dr. Tal: Es ist geplant, unsere brandneue Matter-Management-Lösung, Matter.Space, weltweit zu vertreiben. Hier haben wir bereits in den ersten Wochen seit dem Launch tolle Erfolge einfahren können und sehen aufgrund des internationalen Netzwerks von Onit vielversprechende Synergien und positive Vertriebseffekte.

Tadrowski: Mit wachsender Kundenanzahl steigen auch die Anzahl und Vielfältigkeit der Kundenwünsche, was sich wiederum herausfordernd auf unsere Entwicklungs-Roadmap auswirkt. Ich freue mich darauf, dass wir mit Onit einen starken Partner gefunden haben, der uns dabei unterstützt, unsere Entwicklungsgeschwindigkeit in Zukunft weiter zu erhöhen. Onit gilt als Pionier in unserem Geschäftsfeld und weist eine enorm starke Expertise auf, von der wir auch im Hinblick auf die Entwicklung unserer Technologien sehr profitieren können.

Deutscher AnwaltSpiegel: Schließlich, der Blick in die Glaskugel: Wo sehen Sie BusyLamp heute in zwei und in fünf Jahren?

Dr. Meder: Wir sind davon überzeugt, dass die Onit-Gruppe in fünf Jahren der unangefochtene Marktführer sein wird. Wir sehen momentan keinen Wettbewerber, der vergleichbar gut in Sachen Produktportfolio, Innovationskraft und Team aufgestellt ist.

Dr. Tal: Dem ist nichts hinzuzufügen.

Tadrowski: Dito!

Deutscher AnwaltSpiegel: Meine Herren, vielen Dank für Ihre kurzfristige persönliche Stellungnahme und Einschätzung. Wir werden die weitere Entwicklung von BusyLamp interessiert verfolgen.

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