Interviewserie: Corona und die Folgen für den Rechtsmarkt – Stimmen, Erkenntnisse, Ausblicke

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Fünf Fragen an: Dr. Uwe Richter, CEO, STP Informationstechnologie AG, Karlsruhe

Deutscher AnwaltSpiegel: Wie ist STP bisher durch die Coronakrise gekommen?

Dr. Richter: Bisher ist die STP-Gruppe sehr stabil durch die Krise gekommen. Seit Beginn unseres STP-Lockdowns am 17.03.2020 sind wir mit der gesamten Belegschaft vollständig im Home-Office. Dieser Transfer ist tatsächlich reibungslos vonstattengegangen; wir konnten alle Kundendienstleistungen (Vertrieb, Services, Datenproduktion und Support) virtuell weiterhin anbieten. Auch die Produktentwicklung konnte ohne Änderungen der Releasepläne weiter durchgeführt werden.

Deutscher AnwaltSpiegel: Welche Erkenntnisse haben Sie aus Managementsicht bereits gewinnen können – bezogen sowohl auf interne Strukturen als auch mit Blick auf den Markt?

Dr. Richter: Eines unserer Hauptstandbeine ist der Insolvenzbereich. Aufgrund der Krise wird es zu einem signifikanten Anstieg von Firmeninsolvenzen kommen, hier sind wir speziell auch in den Großverfahren gefordert. Da wir bereits im Auftrag des Thomas-Cook-Insolvenzverwalters das gesamte „Financial Claims“-Management im Rahmen der Ausgleichszahlungen durch den Bund durchführen, kann man sich vorstellen, dass unsere Serviceeinheiten massiv ausgelastet sind. Für uns stellt sich eher die Frage, wie wir zu einem Geschäftsmodell kommen können, das noch schneller skaliert.

Deutscher AnwaltSpiegel: Home-Office und das Arbeiten in virtuellen Teams scheinen ganz überwiegend zu funktionieren. Welche Schlüsse ziehen Sie daraus für die Zeit nach der Krise – insbesondere im Hinblick auf Präsenzzeiten im Office, Dienstreisen und die zukünftige Planung der Büroflächen?

D. Richter: Wir gehen davon aus, dass sich Präsenzzeiten im Office deutlich reduzieren werden – das gesamte Team ist mittlerweile Spezialist in Sachen Webmeetings geworden. Interessant wird die neue Situation werden, wenn Teile des Teams im Office arbeiten und dann Meetings aufgesetzt werden, die sowohl physische als auch virtuelle Teilnehmer haben. Wir gehen davon aus, dass sich Dienstreisen signifikant reduzieren werden (minus 50%), sowohl für interne Meetings als auch für Kundenbesuche.

Deutscher AnwaltSpiegel: Führt Corona nach Ihrer Einschätzung zu einem Digitalisierungsschub im Rechtsmarkt?

Dr. Richter: Absolut ja. „Knowledge-Worker“ haben gelernt, vom Home-Office aus zu arbeiten. Auch in Zukunft wird immer ein Teil vom Home-Office aus arbeiten. Das bedeutet aber auch, Zugriff über das Internet auf Dokumente und damit schlussendlich Digitalisierung.

Deutscher AnwaltSpiegel: Schließlich – der Blick in die Glaskugel: Wagen Sie eine Prognose für den weiteren Verlauf des Jahres 2020?

Dr. Richter: Für den Rechtsmarkt sehen wir überwiegend Chancen. Die Lockdowns werden Rechtsberatung erfordern (Stichwort Infektionsschutzgesetz), Lieferketten wurden gestört, der Handelsstreit zwischen China und den USA ist noch nicht beigelegt, und das Thema Brexit ist nach wie vor offen. Aus alldem ergibt sich ein hohes Maß an Rechtsunsicherheit für Firmen und deren Rechtsabteilungen. Das Segment der wirtschaftsberatenden Kanzleien – diese und die Rechtsabteilungen sind unsere weiteren STP-Schwerpunkte – wird eher eine steigende Auslastung verzeichnen. Auf die Insolvenzverwalter sehen wir eine „Welle“ zurollen mit der Folge einer starken Auslastung auch in diesem Bereich.

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