Fünf Fragen an: Dr. Georg Anders, Rechtsanwalt, Partner, Heussen, München

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Netzwerk hierüber ausgetauscht – deren Einschätzungen waren und sind ziemlich genau die unsrigen. Transaktionen gingen zunächst rasch zurück oder wurden on Hold gestellt (nach unserem Eindruck scheitert es meist bereits an der Preisfindung – als Beispiel: „Was ist zurzeit ein Einkaufszentrum wert?“); Nachfragen wegen Kurzarbeitergeld (oder in den USA eher Massenentlassungen) boomten. Nunmehr stellen wir aber fest, dass sich die Märkte relativ rasch an die neue Situation gewöhnt haben. Vorausschauend sind wir zudem weiter der Überzeugung, dass diese Krise noch große Umstrukturierungen auf allen Gebieten nach sich ziehen wird, die dann wieder entsprechenden Beratungsbedarf generieren werden. Es heißt also weiter durch- und vor allem sich bereithalten.

Deutscher AnwaltSpiegel: Home-Office und das Arbeiten in virtuellen Teams scheinen ganz überwiegend zu funktionieren. Welche Schlüsse ziehen Sie daraus für die Zeit nach der Krise – insbesondere im Hinblick auf Präsenzzeiten im Office, Dienstreisen und die zukünftige Planung der Büroflächen?

Dr. Anders: Es ist schlicht immer noch zu früh, um abschätzen zu können, ob die (positiven) Erfahrungen, die wir alle gemacht haben, wirklich dauerhaft zu einem radikalen Umdenken in Bezug auf persönliche Meetings und andere Präsenzveranstaltungen führen werden. Persönlich bin ich zurückhaltend – ich vermute erst einmal einen „Aufholeffekt“, hoffe aber auch, dass vielleicht ein „Zwei-Stunden-Meeting am Flughafen mit Teilnehmern aus dem ganzen Land“ dann auch aus diesen Gründen der Vergangenheit angehört. Was das Home-Office betrifft, wird ein Aspekt nach meinem Dafürhalten noch zu stiefmütterlich behandelt – WOLLEN wirklich alle die Arbeit auch zukünftig nach Hause tragen, unbeschadet der Frage, ob alle überhaupt die entsprechenden räumlichen Verhältnisse haben, um daheim arbeiten zu können? Auf der anderen Seite können täglich 400.000 (!) Pendler jeden Tag allein nach München hinein auch nicht die Zukunft sein.

Deutscher AnwaltSpiegel: Führt Corona nach Ihrer ­Einschätzung zu einem Digitalisierungsschub im Rechtsmarkt?

Dr. Anders: Ich meine ganz klar JA. Selbst in Kanzleien, die bereits relativ gut digitalisiert sind, ist ein solcher „Schub“ zu beobachten. Man darf hierbei auch nicht verkennen, dass es bei der Digitalisierung einen entscheidenden Aspekt gibt, der noch wichtiger ist als die technische Ausstattung, nämlich die Akzeptanz beim Nutzer. Sehr viele haben in den vergangenen Wochen und Monaten erkannt, welche Vorteile digitales Arbeiten bietet.

Deutscher AnwaltSpiegel: Schließlich – der Blick in die Glaskugel: Wagen Sie eine Prognose für das Jahresende 2020 und vielleicht die Zeit danach?

Dr. Anders: Wir befinden uns ja nun vor der oder schon in der zweiten Welle – ich gehe aber davon aus, dass ein umfassender Lockdown wie beim ersten Mal nicht (mehr) kommen wird. Viel wird dann im Weiteren davon abhängen, wann ein hinreichender Impfstoff kommt – hierzu gibt es ja bekanntlich sehr verschiedene Auffassungen. Für unser Geschäft bin ich verhalten positiv.

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