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Richtig eingesetzt, kann Legal-Tech große Teile des juristischen Arbeitsalltags erleichtern, ganz gleich ob in der Rechtsabteilung, beim Einzelanwalt oder in einer Großkanzlei. Übergreifendes Ziel ist es, den Umgang mit rechtlich anspruchsvollen Prozessen zu vereinfachen, die Arbeitsqualität bei gleichzeitiger Zeitersparnis und Fehlerminimierung zu steigern sowie Effizienzvorteile zu realisieren.
Legal-Tech-Tools lassen sich auf vielfältige Art und Weise einsetzen, erläutert Dr. Thomas Hauss, Partner bei McDermott Will & Emery und unter anderem verantwortlich für den Bereich Legal-Tech. Insbesondere wiederkehrende, gleichartige Arbeitsabläufe und Standardprozesse eignen sich als Startpunkt für die Etablierung von Legal-Tech, ergänzt Dr. Philip Uecker, Legal-Tech-Rechtsanwalt bei McDermott. Beispielsweise können Legal-Tech-Tools bei der Erstellung bestimmter Schriftsätze und Verträge oder anderer Dokumente unterstützen. So können weniger komplexe Aufgaben schneller und einfacher bewältigt, größere Arbeitsmengen in kürzerer Zeit abgearbeitet werden und damit Ressourcen effizienter für die Bearbeitung komplexerer Sachverhalte und Problemstellungen verfügbar bleiben.

Ein Tool, mit dem das Legal-Tech-Team von McDermott um Dr. Hauss und Dr. Uecker regelmäßig arbeitet, ist die No-Code-Plattform BRYTER. Das deutsche Start-up, das jüngst eine 66 Millionen US-Dollar schwere Finanzierungsrunde der Serie B erfolgreich abgeschlossen hat, bietet eine Art No-Code-Baukasten für Juristen an. Dessen Vorteil liegt vor allem darin, dass Juristen ohne IT- oder Programmierkenntnisse eigene Legal-Tech-Tools nach dem Baukastenprinzip „programmieren“ können.
Der Einsatz von BRYTER auch im Bereich E-Learning lag daher für McDermott als sinnvoll und in vielfacher Hinsicht effizient auf der Hand: Der Baustein E-Learning kann zusammen mit anderen Bausteinen (z.B. Datenschutzmanagement oder Vertragsgenerator) zu einer maßgeschneiderten Legal-Tech-Lösung für Rechtsabteilungen werden.
E-Learning als Teil einer Legal-Tech-Strategie zu etablieren ist durchaus konsequent: Für Schulungen und Weiterbildungsangebote an Mitarbeiter gibt es vielfältige Anwendungsbereiche, seien es Fortbildungen fachlicher Art, die Einweisung in technische Programmneuerungen oder – und hier kann ein bedeutender Schwerpunkt liegen – die Durchführung von Complianceinstruktionen. Unternehmen sind verpflichtet, im Einklang mit den geltenden rechtlichen Vorgaben zu handeln, und daher darauf angewiesen, ihre Mitarbeiter entsprechend und regelmäßig zu instruieren und zu schulen. Hierzu eignen sich E-Learning-Angebote in besonderem Maße. Umfangreiche Compliancevorkehrungen im Unternehmen können nunmehr auch als mildernder Umstand bei einer kartellbehördlichen Bußgeldzumessung zugunsten des Unternehmens berücksichtigt werden. Der Nachweis darüber, dass das Unternehmen seine Mitarbeiter umfassend und regelmäßig geschult hat, kann somit im Ernstfall sehr hilfreich sein, weiß Christian Krohs, Partner im Kartellrecht bei McDermott Will & Emery.
Versierte Berater wie Krohs und seine Kollegin Dr. Anja Bertrand, die zu Compliancemaßnahmen beraten und Inhalte von Complianceschulungen und E-Learning erarbeiten, sind durch Letzteres in der Lage, für die Mandanten noch besser maßgeschneiderte Lösungen anzubieten. Zur Optimierung von Complianceprogrammen wollen und müssen sie einordnen, wo ausgemachte „Gefahren“ lauern, welche Inhalte daher über den „Pflicht-Content“ hinaus für das Unternehmen und dessen Branche besonders relevant und wo dementsprechend Complianceschwerpunkte zu setzen sind. Innerhalb des Unternehmens können speziell durch E-Learning Zielgruppen in den Fokus genommen und unterschiedliche Mitarbeiterkreise mit dem jeweils notwendigen spezifischen Compliancetraining „versorgt“ werden. So benötigt ein im Verkauf tätiger Mitarbeiter andere praktische Handlungshinweise zu compliancekonformem Verhalten als etwa ein Einkäufer, erklärt Dr. Bertrand.
Die Vorteile einer Legal-Tech-Lösung sind für Krohs klar: E-Learning-Inhalte können jederzeit flexibel angepasst werden, wenn bspw. gesetzliche Neuerungen oder veränderte Unternehmensanforderungen eine Überarbeitung erforderlich oder sinnvoll machen. Technisch sind der Einsatz von Audio- und Videoelementen und damit eine inhaltlich interaktive Gestaltung möglich. So können auch abstrakte Themen anschaulich dargeboten werden. Bei inhaltlichen Rückfragen oder Problemen technischer Art kann der betreuende Ansprechpartner auf kurzem Weg kontaktiert werden.
Als E-Learning-Module angebotene Schulungen können vom Mitarbeiter flexibel in seinen Arbeitsalltag integriert und absolviert werden. E-Learning-Einheiten sind nicht an feste Zeiten gebunden – eine umständliche Terminierung als Präsenzveranstaltung oder Webinar entfällt. Gleichwohl werde durch die Einrichtung von (automatisierten) Nachweisen darüber, dass ein Mitarbeiter das Training durchlaufen und Testeinheiten erfolgreich beantwortet hat, sichergestellt, dass geforderte Lernziele erreicht werden, sagt Krohs. In kurzer Zeit können so viele Mitarbeiter sprach- und länderübergreifend sowie weltweit und zeitgleich geschult werden – ein internationaler Roll-out und die Übertragung in die Unternehmenssprachen sind unproblematisch möglich. Auch neue Mitarbeiter können so zudem sehr kurzfristig mit dem notwendigen Compliancewissen versorgt werden.
E-Learning-Module können auf externen Plattformen zur Verfügung gestellt oder in die eigene Website des Unternehmens integriert und dort an die technischen Gegebenheiten angepasst werden. Über einen bereitgestellten Onlinezugang sind sie für die Mitarbeiter einfach zu erreichen.

Einsatz einer E-Learning-/E-Compliance-Plattform bei der KRÜGER Group
Alle diese Vorteile haben Dr. Martin Fröhlich, General Counsel der KRÜGER Group, davon überzeugt, gemeinsam mit den Beratern von McDermott das Complianceprogramm der KRÜGER Group mit E-Learning-Einheiten zunächst zu den Rechtsbereichen Kartellrecht und Antikorruption in deutscher und englischer Sprache zu optimieren – weitere Themenbereiche werden folgen. Dass die E-Learning-Angebote auf der BRYTER-Plattform basieren, war dabei für Dr. Fröhlich von besonderer Bedeutung: Da es sich um eine No-Code-Plattform handelt, können die einzelnen Module durch Kollegen aus der Rechtsabteilung gepflegt und weiterentwickelt werden. E-Learning ist nur der Anfang in der Legal-Tech-Strategie von Dr. Fröhlich, der für die KRÜGER Group die weitergehende Digitalisierung der Rechtsabteilung plant.
Als cloudbasierte Plattform, die hardwareunabhängig über jeden gängigen Webbrowser aufgerufen werden kann, ist BRYTER sehr flexibel, erläutert Dr. Uecker. Es wird eine intuitive Benutzeroberfläche zur Verfügung gestellt, auf der mit nur wenigen Klicks „Nodes“ (Entscheidungsknoten) in beliebig skalierbarer Komplexität zu interaktiven Anwendungen kombiniert und an individuelle Anforderungen angepasst werden können. Im Alltag vieler Unternehmensjuristen kommen häufig wiederkehrende Aufgaben vor, die sich nur an einigen Stellen unterscheiden, jedoch ohne die Verwendung intelligenter Tools teilweise zeitaufwendig angepasst werden müssen. Mit Hilfe von Legal-Tech-Tools wie BRYTER werden diese Aufgaben effizienter erledigt, indem für jedes beliebige Dokument bzw. jede juristische Aufgabe die wiederkehrenden Elemente herausgearbeitet und mit den dazugehörigen dynamischen Elementen verknüpft werden. Am Ende entsteht ein digitales Tool, das z.B. durch Beantwortung eines Fragenkataloges ein bestimmtes Dokument erstellt oder eine Ersteinschätzung zu einer juristischen Frage vorschlägt. Der schnelle Zugriff sowie das hohe Maß an Individualisierungsmöglichkeiten ermöglichen zudem eine zeitnahe und flexible Lösung von mandantenspezifischen Herausforderungen, ergänzt Dr. Hauss.

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