Fünf Fragen an: Prof. Dr. Stefan Hertwig, Partner und Geschäftsführer von CBH Rechtsanwälte

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Knapp 80 Berufsträger arbeiteten bisher für CBH Rechtsanwälte im Stammhaus in Köln sowie in der Dependance in Cottbus. Im April 2017 erlebte der deutsche Rechtsmarkt dann einen Paukenschlag mit der Ankündigung der Kanzlei, Büros in Berlin, München, Hamburg und Stuttgart zu eröffnen: in der Hauptstadt durch eine Fusion mit der Sozietät Merz Jacobsen, an den anderen Standorten durch Aufnahme von Partnern und Anwälten der Sozietät Preu Bohlig. Insgesamt 14 Berufsträger verstärken CBH nunmehr. Dr. Thomas Wegerich sprach über die Hintergründe mit dem für die Strategie verantwortlichen CBH-Geschäftsführer Prof. Dr. Stefan Hertwig.

Deutscher AnwaltSpiegel: Herr Dr. Hertwig, zum Juli 2017 sind Sie an den vier neuen Standorten gestartet. Bitte erläutern Sie unseren Lesern doch die strategischen ­Überlegungen dieser bemerkenswerten Expansion.

Dr. Hertwig: Wir haben mittlerweile am Standort in Köln eine Größe erreicht, die einem weiteren Wachstum in derselben Geschwindigkeit dort Grenzen setzt. Deshalb gab es schon lange die Überlegung, uns auf weitere Standorte auszudehnen. Dabei hatten wir zunächst insbesondere Berlin im Fokus. Als wir die Gespräche dort begannen, ergab sich aufgrund persönlicher Kontakte sodann die Situation, auf einen Schlag nicht nur einen, sondern vier Standorte neu zu eröffnen. Dann muss man das Eisen schmieden, wenn es gerade heiß ist.

Deutscher AnwaltSpiegel: Wie haben Ihre Mandanten und Wettbewerber auf die Ausweitung der Kanzleibasis und die damit verbundene Neuaufstellung von CBH
im deutschen Rechtsmarkt reagiert?

Dr. Hertwig: Unsere Mandanten begrüßen die damit verbundene stärkere örtliche Präsenz und haben unseren Schritt als konsequente Entwicklung sehr positiv begleitet. Interessanterweise haben uns auch Wettbewerber in diesem Sinne angesprochen und gesagt, sie hätten schon lange damit gerechnet, dass CBH sich auch örtlich ausdehnt. Schließlich haben wir an allen unseren neuen Standorten mehr als die notwendige „kritische Masse“ an Mandaten.

Deutscher AnwaltSpiegel: Welche Wachstumsziele ­verfolgen Sie an den inzwischen sechs Standorten der Kanzlei?

Dr. Hertwig: Im nächsten Schritt werden wir an den bisher auf sehr speziellen Feldern tätigen neuen Standorten unsere gesamte Produktpalette an Beratungsleistungen zur Geltung bringen und dafür sicherlich weitere Kolleginnen und Kollegen an uns binden.

Deutscher AnwaltSpiegel: Eine Fusion und parallel die Integration von 14 neuen Partnern und Anwälten – das ist eine anspruchsvolle Managementaufgabe. Wie gehen Sie das an, und wie läuft der Prozess bisher?

Dr. Hertwig: Zunächst muss es darum gehen, mit den neuen Kolleginnen und Kollegen zusammenzuwachsen. Wir haben sehr darauf geachtet, dass wir kulturell zusammenpassen und auch nur deshalb den Schritt in diesem Umfang vollzogen, weil das der Fall ist. Wir haben in Köln immer größten Wert darauf gelegt, dass die fachliche Zusammenarbeit intern reibungslos funktioniert und der Mandant umfassend und bestmöglich von den Kolleginnen und Kollegen beraten wird, die  im konkreten Fall am besten dafür geeignet sind. Erfolg entsteht im Team. Bei uns gibt es intern kein Gezerre um Mandate, wobei uns sicherlich auch unser Gewinnverteilungssystem „aus einem Topf“ dabei zugutekommt.

Nunmehr muss es darum gehen, auch standortübergreifend für den Mandanten in einem Guss und als reibungslos funktionierendes Team zu handeln. Hierfür ist sicherlich noch viel Integrationsarbeit zu leisten. Ich bin aber sehr optimistisch, weil die handelnden Personen gut zusammenpassen und wir Konsens über die Art und Weise unserer Berufsausübung haben: Notwendig sind tiefe Spezialisierungen bei gleichzeitig hoher Teamfähigkeit aller Anwälte. Essentiell ist für uns außerdem, dass eine Partnerin oder ein Partner vom Anfang bis zum Abschluss des Mandats inhaltlich daran arbeitet und als der Ansprechpartner des Mandanten zur Verfügung steht.

Deutscher AnwaltSpiegel: Zum Abschluss ein Blick in die Glaskugel: Wie sehen Sie CBH in Deutschland kurz-, ­mittel- und langfristig positioniert, und was sind die Herausforderungen?

Dr. Hertwig: Wir sind bisher stetig gewachsen, so dass ich das gerade jetzt auch kurz- und mittelfristig weiterhin erwarte. Die stärkere örtliche Präsenz an wichtigen Orten in Deutschland kommt unseren Mandanten entgegen und wird auch bundesweit die Marke CBH stärken. Die größten Herausforderungen dürften von Internetplattformen ausgehen, die mit extrem hoher Marketingkompetenz versuchen, sich zwischen die Beziehung von Mandant und Anwalt zu schieben und für ihre Vermittlungsleistung – wie bei Hotels oder Taxen – einen Prozentsatz der Marge abzuschöpfen.  Dagegen hilft nur eine starke Marke, welche der Mandant auch direkt findet.

Deutscher AnwaltSpiegel: Herr Dr. Hertwig, vielen Dank für das Gespräch. Wir werden die Entwicklung von CBH Rechtsanwälte weiter begleiten. 

 

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