Fünf Fragen an: Markus Hartung und Prof. Dr. Klaus-Stefan Hohenstatt, Direktoren des Center on the Legal Profession

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Das Center on the Legal Profession (CLP) an der Bucerius Law School in Hamburg hat eine einzigartige Stellung im deutschen Rechtsmarkt: als Think Tank, Ideenschmiede und Drehscheibe eines hochkarätigen Netzwerks. Diese Position soll weiter ausgebaut werden. Gründungsdirektor Markus Hartung wird dabei neben seinem bewährten Team zukünftig von dem neuen Mitdirektor Prof. Dr. Klaus-Stefan Hohenstatt unterstützt. Dr. Hohenstatt bringt neben seinem marktbekannten Know-how im HR-Bereich seine langjährige Managementerfahrung bei Freshfields mit ein. Die Kombination zweier Direktoren mit ausgewiesenen „Macherqualitäten“ verspricht eine spannende neue Phase für das CLP – Kooperationspartner des Deutschen AnwaltSpiegels – einzuläuten. Thomas Wegerich sprach mit Markus Hartung und Dr. Klaus-Stefan Hohenstatt.

Deutscher AnwaltSpiegel: Meine Herren, bitte erläutern Sie unseren Lesern die strategische Zielsetzung des neu gebildeten Direktoriums am Center on the Legal Profession der Bucerius Law School (CLP).

Hartung: Das CLP ist im Oktober 2010 mit einer Idee gestartet: den Rechtsmarkt transparent zu machen und der erste Ansprechpartner zu sein für Rechtsanwälte, Inhouse-Juristen und all diejenigen, die sich mit den Trends in unserem Markt befassen wollen. Das CLP will aber nicht nur zur Analyse beitragen, sondern auch Angebote machen, die es den Akteuren erleichtern, die Herausforderungen der Zukunft zu meistern. Seitdem haben wir wirklich viel erreicht, und wir stellen fest, dass die Anforderungen an uns gestiegen sind. Um uns weiterzuentwickeln, brauchen wir eine stärkere Spitze, weil das für einen allein nicht mehr zu schaffen ist.

Deutscher AnwaltSpiegel: Herr Dr. Hohenstatt, Sie werden sich zukünftig im Schwerpunkt kümmern um die Bereiche Human Resources, Leadership, neue Beratungsprodukte und neue Geschäftsfelder. Was genau ist da in der Pipeline, und wie stark können Sie sich neben Ihrer Tätigkeit als Partner bei Freshfields in der neuen Aufgabe engagieren?

Dr. Hohenstatt: Diese Themen werden bislang schon durch das CLP abgedeckt – zum Beispiel durch den HR-Roundtable, den wir regelmäßig veranstalten. Auch auf der CLP-Herbsttagung haben die Themen Recruitment, Karriere und Leadership immer ihren Platz gehabt. Durch den sehr starken (und berechtigten) Fokus auf das Thema Legal Tech, den Markus Hartung, Patrick Schroer und bislang auch Hariolf Wenzler gepusht haben, ist es jetzt sinnvoll, auch auf diese Themen ein größeres Schwergewicht zu legen. Ihre Relevanz ist ungebrochen. Die Zahl der Absolventen ist rückläufig, und der Konkurrenzkampf um die klugen und unternehmerischen Bewerber hat sich erwartungsgemäß verschärft. Die Branche muss sich Gedanken machen: Wie sehen juristische Karrieren inhouse und in den Kanzleien in Zeiten von Effizienzdruck und Legal Tech aus? Entstehen hier neue Räume für Unternehmergeist und Spaß am Beruf, oder verlieren bestimmte Berufsbilder an Attraktivität? Wie müssen Kanzleien und Rechtsabteilungen denken und sich managen, wenn sie attraktiv für den wirklich guten Nachwuchs bleiben wollen? Als nächsten Schritt wird es hierzu eine größere Veranstaltung im Rahmen der Herbsttagung 2017 geben.

Zum zweiten Teil Ihrer Frage: Ich werde das CPL ehrenamtlich und „in Nebentätigkeit“ unterstützen – mit etwas mehr zeitlichem Einsatz, als ich dies während meiner Managementzeit bei Freshfields tun konnte. Mehr ist derzeit aber nicht drin. Ich hoffe dennoch, auf dieser Basis einen guten Beitrag leisten zu können.

Deutscher AnwaltSpiegel: Herr Hartung, die Erweiterung der Führungsspitze des CLP ist kein Signal für Ihren Rückzug. Vielmehr haben Sie angekündigt, mit dem Center „noch viel vorzuhaben“. Was genau?

Hartung: Die Schwerpunkte unserer Arbeit in den vergangenen Jahren lagen in der Digitalisierung des Rechtsmarkts. Das ist ein unendlich weites Feld, denn es berührt alle möglichen Fragen, von rein technischen Themen bis hin zu Fragen der Führung. Wir wollen unseren Vorsprung weiter ausbauen, mit weiteren Studien, aber auch mit konkreten Unterstützungsangeboten für Juristen (in Kanzleien oder Unternehmen) sowie für die sich immer stärker herausbildende C- und D-Ebene in den Kanzleien: COOs sowie Directors for IT, Business Development, HR usw.

Deutscher AnwaltSpiegel: Bei den Themen Legal Tech und Digitalisierung im Rechtsmarkt positioniert sich das CLP seit geraumer Zeit sehr visibel. Wie ist insoweit der ­aktuelle Stand – und was ist zu erwarten an Aktivitäten?

Dr. Hohenstatt: Wir glauben, dass 2017 ein ganz wichtiges Jahr wird, in dem sich die juristische Profession sehr viel konkreter mit Legal Tech befassen wird als bisher. Für die damit verbundenen Bedürfnisse an Beratung und sonstiger Unterstützung sind wir hervorragend aufgestellt. Wir erwarten weiterhin eine stärkere Vernetzung durch die ELTA (European Legal Tech Association), die von uns mitgegründet wurde. Schließlich wird es, hoffentlich noch in diesem Jahr, das erste Buch in Deutschland zum Thema Legal Tech geben. Weitere Informationen gibt es demnächst!

Deutscher AnwaltSpiegel: Schließlich, meine Herren, der Blick in die Glaskugel: Wo steht das Center on the Legal Profession heute in fünf Jahren?

Hartung: Wir sind angetreten mit dem Ziel, bei allen Fragen und Themen, die den Rechtsmarkt betreffen, erster Ansprechpartner zu sein, mit einem hohen Bekanntheitsgrad in Deutschland und anderswo. Dem Ziel sind wir schon recht nahegekommen. Dieser Anspruch erfordert aber immer wieder neue Impulse und Aktivitäten. Durch unser neues Format „Innovation Lab“, das wir seit dem vergangenen Jahr anbieten, haben wir den Schritt in die praktische Unterstützung unserer Teilnehmer auf dem so wichtigen Feld der Innovation und der Digitalisierung geschafft. Ein anderes Beispiel: Mit dem ersten „Spin-off-Day“, zu dem wir Hamburger Spin-offs eingeladen haben, wenden wir uns einem weiteren Feld der Rechtsberatung zu, das bislang noch nicht so eine zentrale Rolle gespielt hat. Das werden wir in anderen Städten fortsetzen.

Dr. Hohenstatt: Sie fragen nach dem Stand in fünf Jahren: Wir sind sicher, dass wir bis dahin eine Menge weiterer Ideen umgesetzt und den Kreis unserer „Follower“ vergrößert haben werden. Und wer weiß: Das Führungsteam könnte sich bis dahin durchaus noch erweitern. Wir bleiben am Ball.

Deutscher AnwaltSpiegel: Herr Hartung, Herr Dr. Hohenstatt, vielen Dank für die Einblicke, die Sie unseren Lesern gegeben haben.

7 replies on “Transparenz im Rechtsmarkt 2.0”

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