Bewegung im „Closed Shop“:
AnwaltSpiegel im Gespräch mit Dr. Andreas Urban, Managing Partner von Heuking Kühn Lüer Wojtek

Beitrag als PDF (Download)
Das war, zumindest von außen betrachtet, eine gelungene Überraschung: Das komplette Büro der Sozietät GSK Stockmann + Kollegen wechselte die Seiten und geht zukünftig in Stuttgart für den Wettbewerber Heuking Kühn Lüer Wojtek an den Start. Aus dem Stand hat Heuking damit ein weiteres wichtiges Büro von beachtlicher Größe gewonnen: acht neue Partner und zehn weitere Berufsträger, die regional verwurzelt sind, stark aufgestellt und anerkannt in der Corporate-Beratung. Die Sozietät, ohnehin schon eine der expansivsten Kanzleien in Deutschland und Europa, bleibt damit auf der Überholspur. Thomas Wegerich sprach mit dem Managing Partner Dr. Andreas Urban.
AnwaltSpiegel: Der Standort Stuttgart sorgt nicht allzu häufig für Schlagzeilen im Rechtsmarkt. Er gilt als „Closed Shop“, den die Platzhirsche fest im Griff haben. Welche strategischen Überlegungen haben Heuking zu dem Schritt geführt, jetzt mit einem großen Team des Wett­bewerbers GSK in der baden-württembergischen Landeshauptstadt anzutreten?
Urban: Der Großraum Stuttgart ist wirtschaftlich stark und daher auch für Anwaltskanzleien sehr attraktiv. Der Markteintritt ist angesichts der traditionell engen Bindung, die die in Baden-Württemberg ansässige, stark mittelständisch geprägte Wirtschaft zu den gleichfalls mittelständisch geprägten regionalen Kanzleien aufweist, für auswärtige Kanzleien jedoch nicht einfach. Wir denken, dass wir mit dem seit langem in Stuttgart ansässigen Team von GSK den Markteintritt nun auf einen Schlag geschafft haben. Zugleich gehen wir davon aus, dass auch in Stuttgart die Uhren nicht auf Dauer anders ticken als an anderen Standorten und der Markt sich in den nächsten Jahren immer stärker in Richtung größerer Kanzleieinheiten, die trotz ihrer Größe zugleich „mittelständisch“ denken, orientieren wird. Erste Anzeichen dafür lassen sich schon feststellen. Wir denken, dass wir mit unserer allgemeinen Aufstellung, vor allem der Mittelstandsorientierung unserer Kanzlei, und unserem neuen Team in Stuttgart hervorragend aufgestellt sind, um von den künftigen Veränderungen des hiesigen Anwaltsmarkts überproportional zu profitieren.
AnwaltSpiegel: Seit wann haben Sie Stuttgart als ­möglichen weiteren Standort Ihrer Sozietät auf dem Schirm? Und: Gab es alternative Überlegungen zu der Übernahme eines kompletten Teams?
Urban: Da wir seit einiger Zeit mehrere größere Mandate im Raum Stuttgart betreuen, denken wir natürlich seit längerem auch über ein Büro an diesem Standort nach und haben alle Optionen geprüft. Mit der jetzigen Lösung – der Übernahme eines kompletten und gut vernetzten Teams – haben wir das bestmögliche Ergebnis verwirklichen können.
AnwaltSpiegel: Das bisherige GSK-Team um Peter Ladwig ist im Markt ausgezeichnet verankert. Gesellschaftsrecht, Immobilienrecht, IP/IT und Steuern bilden die fachlichen Schwerpunkte. Passt diese Aufstellung auch unter der Heuking-Flagge, oder werden Sie das Angebot weiter ausbauen?
Urban: Das Angebot, das wir mit unserem neuen Team in Stuttgart anbieten können, passt schon sehr gut. Unternehmensstrukturierung, M&A, Unternehmensfinanzierung und natürlich auch Real Estate gehören zu unseren bundesweiten Kernkompetenzen und sind attraktive und wichtige Angebote. Diese wollen wir aber auch noch weiter ausbauen, um unseren neuen Standort im Sinne eines Full Services stärker an das Profil anderer Heuking-Standorte anzunähern. Interessante Bereiche für einen künftigen Ausbau könnten sein: Litigation/Arbitration, Vergaberecht, Arbeitsrecht, Handels- und Vertriebsrecht etc.
AnwaltSpiegel: In diesem Zusammenhang: Heuking wächst seit Jahren bundesweit sehr beachtlich und verstärkt sich in den Kernbereichen fachlich und örtlich sehr gezielt. Welche nächsten Schritte stehen auf Ihrer Managementagenda?
Urban: In räumlicher Hinsicht haben wir unser Angebot jetzt mit dem Standort Stuttgart abgerundet und sind in allen wirtschaftlich bedeutsamen Regionen in Deutschland mit eigenen Büros vertreten. Wir werden unser Augenmerk nun darauf richten, an einigen Standorten gezielt weiter zu wachsen und auch unsere Qualität nochmals zu verbessern. Wir wollen auch in Zukunft zu den größten und besten deutschen Wirtschaftskanzleien gehören.
AnwaltSpiegel: Und schließlich, ein Blick über den Tellerrand: Wie schätzen Sie den Rechtsmarkt in Deutschland derzeit ein, und was erwarten Sie für 2015?
Urban: Das hängt heute auch im Anwaltsmarkt stärker von der allgemeinen wirtschaftlichen Entwicklung ab als früher. Wir denken, dass Deutschland sehr gut aufgestellt ist und sich daher recht gut schlagen wird, sofern nicht politische Unruhen in Krisengebieten oder eine erneute Verschärfung der Euro-Krise die wirtschaftliche Entwicklung dämpfen.
Heuking ist in der Vergangenheit allerdings auch in Krisenjahren (etwa 2008 bis 2010) beträchtlich gewachsen und profitabel geblieben. Dies beruht unter anderem auf unserem Full-Service-Ansatz, unserem Pragmatismus und unserer Flexibilität. Deswegen sind wir auch weiter optimistisch.
AnwaltSpiegel: Herr Urban, herzlichen Dank für dieses Interview. Wir werden die Entwicklung von Heuking im Rechtsmarkt weiter aufmerksam verfolgen.

Aktuelle Beiträge