Lokale Kompetenz, internationale Reichweite

Fünf Fragen an: Hendrik Muschal, Dr. Marcus Longino, Dr. Ulrike Conradi und Carsten Brachmann von Ogletree Deakins

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Die US-Kanzlei Ogletree Deakins verfolgt das strategische Ziel, sich zukünftig zur größten globalen Arbeitsrechtsso­zietät zu entwickeln. In Deutschland ist Ogletree seit bald fünf Jahren von Berlin aus aktiv. Thomas Wegerich sprach mit den Partnern Hendrik Muschal, Dr. Marcus Longino, Carsten Brachmann sowie Partnerin Dr. Ulrike Conradi über die Positionierung im nationalen Rechtsmarkt und die Einbindung der deutschen Einheit in das Gesamtgefüge von Ogletree Deakins.

Deutscher AnwaltSpiegel: Ogletree Deakins hat 2017 bereits drei neue Büros eröffnet, zuletzt im März in Paris mit Partnern von Olswang und Hogan Lovells. Würden Sie unseren Lesern bitte die internationale Strategie Ihrer Sozietät erläutern?

Muschal: Die internationale Strategie von Ogletree Deakins beinhaltet, den zunehmenden Anforderungen und Bedürfnissen internationaler Unternehmen hinsichtlich eines umfassenden arbeitsrechtlichen internationalen Rechtsrats auf höchstem Niveau aus einer Hand gerecht zu werden – und dies zu angemessenen Vergütungssätzen. Angesichts der wachsenden digitalisierten globalisierten Arbeitswelt steht bei Ogletree Deakins strategisch insbesondere die Unterstützung internationaler Unternehmen bei grenzüberschreitenden arbeitsrechtlichen Themen mit eigenen Arbeitsrechtsspezialisten in eigenen Büros im Fokus. Thematisch betrifft dies etwa die Harmonisierung von Arbeitsbedingungen wie einheitliche Vergütungs-, Bonusstrukturen, betriebliche Altersversorgungsysteme, Compliancerichtlinien, die Unterstützung bei Umstrukturierungen, beim internationalen Personaleinsatz, bei Visum-, Aufenthalts- und Arbeitserlaubnisangelegenheiten und die Beratung bei strategischen Themen des kollektiven Arbeitsrechts im Zusammenhang mit dem Umgang mit Betriebsräten und Gewerkschaften. Von besonderer internationaler Relevanz ist zudem der internationale Datentransfer, zu dem wir schon seit mehreren Jahren unsere Lösungskompetenz in einer internationalen Datenschutzpraxisgruppe gebündelt haben.

Deutscher AnwaltSpiegel: In Europa gibt es nun die Achse Berlin–London–Paris. Wie wichtig ist das für das Beratungsgeschäft der deutschen Einheit, und wie nutzen Sie die Auslandsbüros in Europa sowie, darüber hinaus, vor allem in den USA?

Dr. Conradi: Die neue Achse Berlin–London–Paris ist von enormer Bedeutung für das Beratungsgeschäft der deutschen Einheit, aber auch für die US-amerikanischen Büros. Wir haben so insbesondere noch bessere Möglichkeiten, den Bedarf von Unternehmen an einer einheitlichen arbeitsrechtlichen Beratung in diesen wirtschaftlichen Kernländern mit eigenen Büros ohne Zeit- und Expertiseverlust abzudecken. Dies ist zudem eine Frage der Neugewinnung oder des Ausbaus von Mandatsbeziehungen in Ländern, in denen wir Unternehmen und bestehende Mandanten bislang nicht selbst vertreten haben. Unsere große Verbreitung in Nordamerika/Mittelamerika und unsere expandierende Präsenz in Europa ermöglicht es uns, Mandanten in den lokalen landesspezifischen und internationalen Arbeitsrechtsfragen aus einer Hand zu beraten, die wir ansonsten nur im Wege eines lokalen Netzwerks hätten bedienen können.

Deutscher AnwaltSpiegel: Für Ogletree Deakins sind derzeit in Deutschland zehn Berufsträger tätig, die ausschließlich im Arbeitsrecht beraten. Gestartet sind Sie vor bald fünf Jahren mit einem sechsköpfigen Team, das aus der damaligen Kanzlei Salans (heute aufgegangen in der weltweit tätigen Sozietät Dentons) gewechselt ist. Schildern Sie uns doch bitte die Entwicklung seither.

Brachmann: Das Team hat sich sehr gut und in wirtschaftlich angemessener Geschwindigkeit entwickelt. Insbesondere ist es uns gelungen, ein homogenes Team aus auf das Arbeitsrecht spezialisierten Anwälten zusammenzustellen, das inhaltlich die richtigen Skills für unseren Beratungsansatz vorhält, also hohe lokale Spezialisierung bei gleichzeitiger Fähigkeit, diese Expertise in verschiedenen Sprachen vorzuhalten.

Deutscher AnwaltSpiegel: Sie praktizieren in Deutschland von Berlin aus, sind aber bundesweit tätig. Ist das nicht ein Standortnachteil für Ihr Business?

Muschal: Nein, überhaupt nicht. Im Zeitalter der Digitalisierung und moderner Kommunikationsmöglichkeiten ist es nicht mehr erforderlich, an anderen großen Wirtschaftsplätzen und Standorten wie etwa Frankfurt am Main, München oder Hamburg präsent zu sein. Heute sind wir in kürzester Zeit überall in Deutschland und nehmen jederzeit persönliche Termine vor Ort wahr. So haben unsere Mandanten auch stets das Gefühl, ihr Anwalt befinde sich quasi in der Nachbarschaft. Sehr viel wird die Kommunikation heute ohnehin über E-Mail, Video- oder Telefonkonferenz durchgeführt; wichtig ist eine zügige und enge Kommunikation.

Deutscher AnwaltSpiegel: Im deutschen Rechtsmarkt gibt es, gerade im Arbeitsrecht, eine Reihe erstklassiger anderer Boutiquen. Wo sehen Sie sich in diesem Wett­bewerb heute, und wie möchten Sie in zwei Jahren positioniert sein?

Dr. Longino: Wir gehören inzwischen in Deutschland zu den größeren „Boutiquen“ für Arbeitsrecht und befinden uns mit unserem Hauptkonkurrenten auf Augenhöhe. Unsere entscheidenden Vorteile gegenüber unseren Wettbewerbern sind unsere starke internationale Verflechtung bei Mandatsbeziehungen und die Fähigkeit, lokal erstklassige Expertise auch im internationalen Kontext mit bei Ogletree Deakins voll integrierten Teams zu adäquaten Vergütungssätzen anzubieten. Dies ist für uns ein Wettbewerbsvorteil, der nach unserer Einschätzung künftig den Unterschied ausmachen wird. Das Ziel von Ogletree Deakins ist es, sich zukünftig zur größten globalen Arbeitsrechtskanzlei zu entwickeln. So streben wir innerhalb der nächsten zwei Jahre an, lokal weiter homogen zu wachsen und auch in Europa und Asien weitere Büros zu eröffnen.

Deutscher AnwaltSpiegel: Meine Herren, Frau Dr. Conradi, vielen Dank für dieses Gespräch. Wir werden die weitere Entwicklung von Ogletree Deakins im deutschen Rechtsmarkt auch zukünftig begleiten.