Ein Spin-off als One-Stop-Shop

Fünf Fragen an die Gründungspartner der Sozietät Neuwerk – Deutscher AnwaltSpiegel im Gespräch mit Dr. Sebastian Naber und Dr. Matthias Peukert

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Seit Jahren ist zu beobachten, wie sich der Rechtsmarkt beständig weiter ausdifferenziert. Die Gründung hochkarätig angelegter und sehr ambitionierter Boutiquen ist dafür ein deutliches Zeichen. Zum Jahresbeginn ist in Hamburg die Kanzlei „Neuwerk“ an den Start gegangen: fünf bereits erfahrene, aber junge Partner, die sich, von Freshfields und Roxin kommend, zutrauen, auch bundesweit ihren Platz im Konzert der wirtschaftsberatenden Sozietäten zu finden. Für den Deutschen AnwaltSpiegel ist das Grund genug, einmal genauer hinzuschauen.

Deutscher AnwaltSpiegel: Seit Januar 2016 sind Sie ­gemeinsam mit drei weiteren Kollegen als Spin-off in Hamburg tätig. Bitte lassen Sie unsere Leser wissen, wie sich Ihre neue Einheit in der ersten Phase entwickelt hat.

Naber: Unsere Startphase fühlt sich nach Spaß an, weniger nach Arbeit! – Aber ernsthaft: Wir sind sehr zufrieden mit unserem Start, bei aller erwarteten Anstrengung gehen meine Partner und ich das Projekt unserer Selbständigkeit mit viel Freude und Elan an.

Peukert: Wir haben natürlich alle denkbaren Szenarien im Vorfeld durchgespielt, und nun sind wir sehr froh, dass wir schon in der ersten Phase in all unseren derzeitigen Rechtsbereichen, nämlich Arbeitsrecht, Gesellschaftsrecht, Immobilienwirtschaftsrecht, Prozessführung und Wirtschaftsstrafrecht/Criminal Compliance, viele tolle und spannende Mandanten gewinnen konnten. So haben wir mehrere Mandate erhalten, bei denen sich der Mandant bei der Mandatierung anstelle von zwei unterschiedlichen spezialisierten Boutiquen bewusst für die Mandatierung von Neuwerk entschieden hat.

Deutscher AnwaltSpiegel: Inzwischen sehen wir eine ganze Reihe hochkarätiger Spin-offs und Spezialkanzleien im deutschen Rechtsmarkt – gerade in Hamburg hat das ja fast schon eine eigene Tradition. Wie positioniert sich Neuwerk im Markt, wer sind die Wettbewerber?

Naber: Zunächst einmal: Unser Ziel ist es, wie bisher auf dem Niveau der führenden Großkanzleien zu arbeiten, allerdings mit größerer Flexibilität und auch mit einem Kostenvorteil aufgrund unserer schlankeren Aufstellung – diesen Vorteil können wir an unsere Mandanten weitergeben.

Peukert: Zu Ihrer Frage nach den Wettbewerbern: In Hamburg zum Beispiel sehen wir niemanden unseres Zuschnitts, der so interdisziplinär und fokussiert auf die genannten fünf Kernbereiche aufgestellt ist, zumal alle Partner bei Neuwerk hochspezialisiert, aber eben auch interdisziplinär arbeiten.

Naber: Hinzu kommt: Wir sind natürlich nicht die einzige Kanzlei in Deutschland, die sich in Boutiquenstärke auf einem Topniveau etablieren möchte. Aber: Wir sind, anders als viele, schon heute ein One-Stop-Shop. Das gefällt den Mandanten.

Deutscher AnwaltSpiegel: Welche mittel- und lang­fristige Strategie haben Sie sich mit Ihren Partnern gegeben?

Peukert: Wir streben eine Entwicklung in Richtung Full Service im Wirtschaftsrecht durch Zuwachs in den Bereichen IP/IT, Banking & Finance, Steuerrecht und Öffentliches Wirtschaftsrecht an. Dies ist erforderlich, um als Kanzlei gegenüber den Mandanten noch mehr Leistungen aus einer Hand anbieten zu können. Achten werden wir dabei aber auch sehr stark auch auf die Schnittstellen IT und Legal Tech, denn hier ändert sich derzeit viel bei unseren Mandanten und im Rechtsmarkt insgesamt.

Deutscher AnwaltSpiegel: Was ist – aus heutiger Sicht – die ideale Größe für eine Kanzlei Ihres Zuschnitts? – Und: Soll es bei einem Standort bleiben?

Naber: Klar ist, dass wir weiter wachsen möchten. Ob es dabei eine ideale Größe für unsere Kanzlei gibt, weiß ich nicht. Das kommt sicher auch auf die weitere Entwicklung des Rechtsmarkts insgesamt an. Für uns erwarten wir schon eine größere Wachstumsdynamik alleine durch die angedeutete perspektivische Ausweitung der von uns betreuten Rechtsgebiete.

Peukert: Wichtig ist uns, dass wir auch das mögliche Wachstum der Kanzlei organisch angehen und dabei mit Augenmaß vorgehen möchten. Daraus leitet sich auch unsere derzeitige Position in Bezug auf weitere Standorte für Neuwerk ab: Wir sind schon heute von Hamburg aus bundesweit aktiv, und wir haben in der jetzigen Phase keine konkreten Planungen für weitere Standorte. Aber natürlich gehen wir insoweit auch opportunistisch vor. Mit Blick auf mögliche Verstärkung durch weitere Kollegen, wo auch immer, gilt für uns: Die fachliche und die menschliche Seite müssen passen.

Deutscher AnwaltSpiegel: Und natürlich möchten die Leser auch noch wissen, was es mit dem Firmennamen „Neuwerk“ auf sich hat. Die Assoziation scheint klar zu sein, aber welche Interpretation – oder sollte ich sagen: Botschaft – verbinden Sie als Gründer damit?

Peukert: Die Entscheidung in Bezug auf die Namensfindung der Kanzlei haben wir uns nicht leichtgemacht. Uns war klar, dass wir keine Sozietät mit den Namen der Partner gründen wollten. Das ist zugleich auch ein Signal in Bezug auf die positive Entwicklung, auf die wir setzen. Wir wollten sicherstellen, dass wir keine später hinzukommenden Partner ausschließen, die dann ihre Namen nicht in der Firmierung der Kanzlei wiederfinden würden.

Naber: Und so kamen wir zu einem artifiziellen Begriff, der ja, wie Sie andeuten, in den beiden Wortbestandteilen klare Assoziationen ermöglicht: „Neu“ steht natürlich für die Innovation und Dynamik, und „Werk“ bedeutet nach unserem Verständnis den Bezug auf solides juristisches Handwerk, das wir unseren Mandanten bieten.

Peukert: Es gibt aber übrigens noch eine weitere Erklärung: Die Insel Neuwerk liegt vor Cuxhaven, gehört politisch jedoch zu Hamburg. Dort steht das älteste Hamburger Gebäude, der Leuchtturm der Insel.

Naber: Wenn Sie also so wollen: Von Hamburg in die Welt hinaus und dabei für den Mandanten Untiefen vermeiden.

Deutscher AnwaltSpiegel: Meine Herren, vielen Dank für die Einblicke, die Sie unseren Lesern gegeben haben. Wir werden die Entwicklung von Neuwerk weiter interessiert begleiten.

sebastian.naber@neuwerk.legal

matthias.peukert@neuwerk.lega